Straße des 18. Oktober

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Straße des 18. Oktober
Wappen
Straße in Leipzig
Straße des 18. Oktober
Richtung Südost (2015)
Basisdaten
Ort Leipzig
Ortsteil Zentrum-Südost, Probstheida
Name erhalten 5. März 1909
Anschluss­straßen Windmühlenstraße, An der Tabaksmühle
Querstraßen Johannisallee, Semmelweisstraße
Plätze Deutscher Platz
Bauwerke Deutsche Bücherei, Alte Messe
Nutzung
Nutzergruppen Kfz, Radfahrer, Fußgänger
Straßen­gestaltung zumeist vierspurig, von Linden gesäumt, am Südende unterbrochen
Technische Daten
Straßenlänge 2,6 km

Die Straße des 18. Oktober in Leipzig führt als Fortsetzung der Windmühlenstraße vom Bayrischen Platz in südöstlicher Richtung auf das Völkerschlachtdenkmal zu. Ihr Name erinnert an den Tag des entscheidenden Sieges der alliierten Truppen über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig, den 18. Oktober 1813.

Verlauf und Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bayrischen Platz bis zur Semmelweisstraße verläuft die Straße des 18. Oktober vierspurig, beiderseits mit Rad- und Fußweg, welche von der Fahrbahn durch eine Reihe von Linden getrennt sind. Auf der Nordostseite folgen auf ein Punkthochhaus vom Typ PH 16 drei Altbauten in geschlossener Bebauung bis zur Ecke Johannisallee, nach denen die Bauflucht auf dieser Straßenseite ausgerichtet ist. Ein über 290 Meter langer achtstöckiger Baukörper aus elf gegeneinander versetzten Teilen enthält Studentenwohnungen. Er wird von zwei weiteren Punkthochhäusern eingefasst.

Die Bauten auf der südwestlichen Seite sind über 50 Meter von der Straße entfernt hinter Wiesengelände, Bäumen und Parkplätzen. Es sind acht elfgeschossige Plattenbau-Wohnscheiben vom Typ P2, die durch Erschließungsstraßen angebunden sind. Ihre Reihe ist unterbrochen durch ein Punkthochhaus und eine Einkaufseinrichtung und wird abgeschlossen durch ein Gebäude eines nicht mehr betriebenen Rechenzentrums.

Nach Nordwest mit dem Turm des Neuen Rathauses

Kurz vor der Semmelweisstraße macht die Straße einen leichten Knick von 5 Grad nach links. Nach älteren Vorstellungen sollten möglichst das Völkerschlachtdenkmal und der Turm des Neuen Rathauses an den Straßenenden zu sehen sein. Das ließ sich aber nicht realisieren. So sieht man bis zur Semmelweisstraße nach einer Seite den Rathausturm und nach der anderen den Turm der ehemaligen sowjetischen Messehalle mit dem roten Stern und erst nach dem Knick das Völkerschlachtdenkmal.

100 Meter nach der Semmelweisstraße teilt sich die Straße und bildet den Deutschen Platz, an dem sich die Deutsche Bücherei mit seiner Erweiterung von 2011 und das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie gegenüberstehen.

Die Einfahrt zum Alten Messegelände ist überbaut und nur auf zwei Spuren genutzt. Von den beiden 50 Meter voneinander entfernten Bahnen der Straße des 18. Oktober im Messegelände dient nur noch die auf die Einfahrt folgende dem Kraftverkehr. Die andere ist Fahrrädern vorbehalten und auch teilweise bebaut. An der Fahrstraße stehen hier umgenutzte Messe-Ausstellungshallen und der Neubau eines Verwaltungsgebäudes der Deutschen Bundesbank.

Die Fortsetzung der Straße des 18. Oktober im Wilhelm-Külz-Park bis zur Straße An der Tabaksmühle vor dem Völkerschlachtdenkmal kann wegen fehlender Brücke über das Bahngelände gegenwärtig vom Messegelände aus nicht erreicht werden. Die Brücke für Fußgänger und Radfahrer soll 2023 wieder hergestellt sein.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Überlegungen zum Bau der Straße entstanden im Zusammenhang mit dem Wettbewerb zum Bau des Völkerschlachtdenkmals in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Nach einem Bebauungsplan von 1899 sollte die Hauptachse der äußeren Südvorstadt auf das im Bau befindliche Völkerschlachtdenkmal ausgerichtet werden. Eine breite Prachtstraße war angedacht, die zunächst 1909 nach langer Diskussion im Stadtrat ihren Namen erhielt.[2]

Südostende der Straße zur Internationalen Bauausstellung 1913

Auf einem Stadtplan von 1914 ist die Straße lediglich auf dem späteren Gelände der Technischen Messe bebaut, auf dem ein Jahr zuvor die Internationale Baufach-Ausstellung 1913 stattgefunden hatte.[3] Auch der erhöhte Übergang über das Bahngelände in Richtung Völkerschlachtdenkmal war fertiggestellt.

1911 hatte der für die Stadterweiterung Leipzigs zuständige Architekt Hans Strobel einen Bebauungsplan für die äußere Südostvorstadt vorgelegt, nach welchem die Straße als reine Wohnstraße ohne Verkehr mit herrschaftlichen, viergeschossigen Häusern mit Vorgärten bebaut werden sollte. Ab 1914 wurden an der Kreuzung Johannisallee drei solche bis heute erhaltene Häuser errichtet. Abgesehen von der Deutschen Bücherei (1919) unterblieb, hauptsächlich kriegsbedingt, bis nach dem Zweiten Weltkrieg jede weitere Bebauung. Es breiteten sich Kleingartenanlagen und kleinere Gewerbebetriebe aus.

An weiteren Planungen mangelte es nicht. Sie reichten von zehn gewaltigen Messehotels über die komplette Verlagerung der Leipziger Universität an die Straße bis zu Parteibauten der Nationalsozialisten.[4]

Neues Wohnviertel

Nach einem Ideenwettbewerb von 1963 lag im März 1967 unter dem Stichwort „Messemagistrale“ eine Zielplanung für ein neues Wohngebiet an der Straße des 18. Oktober vor. Wolfgang Scheibe war der führende Architekt der Ausführungsplanung.

Der Baubetrieb begann im Februar 1968 mit den Fundamenten für die Internate. Während der sogenannten Sommerinitiative arbeiteten im Juli 1968 Studenten am Bau der künftigen Wohnheime mit, die aus dem Wohnungsbautyp der Mittelganghäuser für kleine Appartements entwickelt worden waren.

Für den Bau des neuen Wohnviertels wurde im Norden Leipzigs das Plattenwerk Neuwiederitzsch errichtet, das ab Juli 1968 die Produktion der Großtafelelemente aufnahm, insbesondere für den elfgeschossigen Plattenbautyp P2, und das für eine Kapazität von etwa 1.700 Wohnungen pro Jahr ausgelegt war. Ab 1969 wurden die ersten Gebäude nach der sogenannten 60-Tage-Technologie – 88 Wohnungen in 60 Werktagen ab Montagebeginn einschließlich Ausbau – errichtet.

Szene aus dem Jahr 1975

In wenigen Jahren entstanden in dem Wohngebiet, für das sich der Name Straße des 18. Oktober einbürgerte (obwohl südwestlich weitere Straßen bebaut wurden), etwa 2.050 Wohnungen, rund 4.000 Internatsplätze, drei Schulgebäude, eine Schulsporthalle, drei Kinderkombinationen, eine Kaufhalle und eine Schwimmhalle. Vom geplanten Stadtteilzentrum mit Gaststätte, Bibliothek und Ambulanz wurden nur das Fundament und das Kellergeschoss errichtet, worauf 1980 lediglich eine Kaufhalle gebaut wurde.[5]

1974 war das Wohngebiet fertiggestellt, das ein sehr beliebtes wurde, wo auch Angehörige der DDR-Nomenklatura und -Prominenz wohnten, so etwa der Erste Sekretär der SED-Bezirksleitung Leipzig Horst Schumann, der Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, die Schauspielerin Christa Gottschalk und der Schlagerkomponist Arndt Bause.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Kühn: Äußere Südostvorstadt – Eine historische und städtebauliche Studie. PROLEIPZIG 1997
  • Gina Klank, Gernoth Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Hrsg.: Stadtarchiv Leipzig. 1. Auflage. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 204.
  • Jens Rometsch: Der lange Weg der Messemagistrale – über 100 Jahre dauerte die Planung. LVZ am 20. Juni 2018, S. 18, (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Straße des 18. Oktober – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wann kommt die Messebrücke? Abgerufen am 22. Juli 2018.
  2. Lexikon Leipziger Straßennamen, S. 204
  3. Plan von Leipzig 1914. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  4. a b Jens Rometsch: Der lange Weg zur Messemagistrale ...
  5. 50 Jahre Großbaustelle Messemagistrale Straße des 18. Oktober. In: www.industriekultur-leipzig.de, Online-Portal. Abgerufen am 7. August 2018.

Koordinaten: 51° 19′ 27,3″ N, 12° 23′ 28,1″ O