Straßenbahn Liepāja

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Straßenbahn
Straßenbahn Liepāja
Bild
Bahn des Typs Tatra KT4 Nr. 239 in der Klaipēdas iela
Basisinformationen
Staat Lettland
Stadt Liepāja
Eröffnung 26. September 1899
Betreiber SIA „Liepājas tramvajs“
Infrastruktur
Streckenlänge 7,9 km
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 600 Volt DC Oberleitung
Haltestellen 18
Betrieb
Linien 1
Takt in der HVZ 7 min
Reisegeschwindigkeit 17,05 km/h
Fahrzeuge 16 Tatra KT4
Netzplan
Entwicklung des Streckennetzes (dunkelblau: in Betrieb)

Die Straßenbahn in Liepāja existiert seit dem Jahr 1899. Die lettische Stadt Liepāja besitzt damit das älteste elektrische Straßenbahnnetz in den baltischen Staaten. Seit 1972 existiert in Liepāja nur eine einzige Straßenbahnlinie Metallurgie (Grobiņas iela) ↔ Zentralfriedhof (Vaiņodes iela) mit 6,9 km Länge. Die Straßenbahn Liepāja ist das einzige meterspurige Straßenbahnsystem in Lettland. Im Gegensatz zu den anderen lettischen Straßenbahnen (Rīga, Daugavpils), die Stangenstromabnehmer verwenden, verwendet die Straßenbahn Liepāja seit 1961 Scherenstromabnehmer (Pantographen). Am 29. Mai 2013 ging eine Streckenverlängerung vom Zentralfriedhof zum Vorort Ezerkrast 2 in Betrieb.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbrand-Wagen Nr. 1 auf der Lielā iela (nach 1904).
Wagen Typ Herbrand Nr. 12 auf der weißen Linie vor der neuen Badeanstalt (Anfang 20. Jahrhundert).
Ehemalige Endstelle Karosta (um 1900).
Haltestellen
BSicon uKBHFa.svg Brīvības iela
BSicon uHST.svg Liepājas Metalurgs
BSicon uHST.svg Dzelzceļnieku iela
BSicon uHST.svg Stacija (Bahnhof)
BSicon uABZg+r.svg Betriebshof
BSicon uHST.svg 5. vidusskola
BSicon uHST.svg Esperanto iela
BSicon uBHFrf.svg Pasta iela
BSicon uBHFrg.svg Jāņa iela
BSicon uHST.svg Kurzeme
BSicon uHST.svg Tirgus
BSicon uBHFrg.svg 12. vidusskola
BSicon uBHFrf.svg Jūrmalas iela
BSicon uHST.svg Līvas laukums
BSicon uHST.svg Kandavas iela
BSicon uHST.svg Tukuma iela
BSicon uHST.svg Ventas iela
BSicon uHST.svg Vaiņodes iela
BSicon uHST.svg Ganību iela
BSicon uHST.svg Cieceres iela
BSicon uKBHFe.svg Mirdzas Ķempes iela

Am 22. August 1896 beschloss der Rat der Stadt Libau, eine elektrische Straßenbahnlinie zu bauen. Den Wettbewerb zum Bau der Straßenbahn gewann die Nürnberger Continental-Gesellschaft für Elektro-Unternehmen. Am 14. Dezember 1896 unterzeichneten der Bürgermeister Adolphi und der Vertreter der Nürnberger Continental-Gesellschaft Manaschewitsch den Vertrag, gemäß dem die Gesellschaft für 40 Jahre das Recht auf den Betrieb der Straßenbahn bekam. Die Stadt erhielt das Recht, das Straßenbahnsystem nach 20 Jahren zu kaufen. Die Gesamtlänge der beiden zu bauenden Linien war 10,42 km.[1]

Die Probefahrten der Straßenbahn Libau begannen am 14. September 1899, der fahrplanmäßige Betrieb wurde am 26. September 1899 aufgenommen. Ab dem 14. Oktober 1899 wurden zwei Linien betrieben: die weiße Linie zum Militärhafen (Karosta) und die grüne Linie zum Bahnhof. Im November 1899 wurden beide Linien nach Alt-Libau (Siena tirgus) verlängert.

Ende Juni 1941 wurde der Straßenbahnbetrieb in Liepāja vorübergehend eingestellt, weil die vorrückenden deutschen Truppen die Stadt bombardierten. Mitte Juli 1941 wurde der Straßenbahnverkehr wieder aufgenommen. Der Abschnitt entlang der Peldu iela (Peldu-Straße) wurde jedoch geschlossen und die Gleise wurden zur Reparatur der anderen Strecken verwendet. Im Jahr 1944 wurde die Oberleitung des Straßenbahnnetzes auf Anordnung der deutschen Besatzungsmacht abgebaut, da sie am Kupfer interessiert war. Infolgedessen musste der Straßenbahnbetrieb ein zweites Mal eingestellt werden,[2] aber am 7. November 1945 konnte der Straßenbahnverkehr wieder beginnen.

Im Jahr 1950 begann der Bau einer neuen Strecke, die das Stadtzentrum mit der Zuckerfabrik an der Ventspils iela verband. Die Bahnen auf dieser Strecke erhielten die Liniennummer 3. Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit wurde diese Linie jedoch bereits 1953 wieder stillgelegt.

Im Jahr 1961 wurden die Stangen- durch Scherenstromabnehmer ersetzt. Innerhalb eines Tages, am 17. Dezember 1961, wurde die Oberleitung angepasst, so dass am 18. Dezember 1961 die Züge mit Scherenstromabnehmern verkehren konnten.[3]

Am 23. Juni 1972 wurde die Straßenbahnstrecke von der Altstadt über die Klaipēdas iela (Klaipeda-Straße) bis zum Zentralfriedhof (Centrālie kapi) erweitert, wodurch das Streckennetz deutlich wuchs. Die Linien 1 und 2 wurden bis zur neuen Endstelle verlängert. Durch die Zunahme der Fahrzeugkilometer entstand ein Wagenmangel, weshalb am 6. Oktober 1972 der Betrieb auf der Linie 4 zum Militärhafen (Karosta) eingestellt wurde.[4]

Am 15. März 1976 wurde in Liepāja das System der Fahrscheine eingeführt. Fahrscheine konnten in den Zeitschriftenläden „Союзпечать“ und in der Straßenbahn beim Schaffner erworben werden.[5]

Am 3. September 2009 fing zum ersten Mal in der Geschichte der Straßenbahn Liepāja ein Straßenbahnwagen Feuer. Der Wagen vom Typ KT4 Nr. 242 (ex Erfurt) brannte komplett aus.[6]

Am 29. Mai 2013 ging eine Streckenverlängerung vom Zentralfriedhof zum Vorort Ezerkrast 2 (durch die Straßen Tukuma, Vaiņodes und Mirdzas Ķempes) in Betrieb.[7]

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebshof an der Rīgas iela 54a.
Gleiserneuerung auf der Krišjana Valdemara iela im Juli 2013.
Wendeschleife an der neuen Endstelle Mirdzas Ķempes iela.

Die Straßenbahn Liepāja setzte in ihrer Geschichte Wagen folgender Hersteller ein: Herbrand, Fenix, Gotha und Tatra. Die ersten Wagen trugen die Nummern 1 bis 9 und wurden bei der Waggonfabrik P. Herbrand & Cie. in Köln gebaut. Im Jahr 1903 wurden sieben weitere Triebwagen (Nr. 10–16) bei Herbrand erworben, 1907 noch einmal zwei (Nr. 17 und 18). Bis 1914 wurde ein weiterer Triebwagen erworben (Nr. 19). Außerdem wurden 14 Beiwagen eingesetzt, sechs von ihnen offen und acht geschlossen.[8]

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs konnten keine weiteren Wagen beschafft werden. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Lettlands, als Libau seinen heutigen Namen Liepāja erhielt, wurden immer noch die Fahrzeuge aus der Anfangszeit genutzt. Ihr Zustand verschlechterte sich jedoch trotz regelmäßiger Unterhaltung. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand der Fahrzeugpark der sowjetischen Stadt weiterhin aus den Herbrand-Wagen (jetzt mit den Nummern 101 bis 119 versehen). Zwölf von Ihnen erhielten einen neuen Wagenkasten in zeitgenössischem Design. Außerdem wurden von 1949 bis 1956 einige Wagen unter Verwendung von Wagenkästen und Laufwerksteilen aus Kaliningrad neu gebaut (insbesondere Wagen 122). Alle Triebwagen verkehrten mit Stangenstromabnehmer, ebenso wie in Rīga und Daugavpils.

Zwischen 1957 und 1962 wurden Gothawagen mit Scherenstromabnehmern nach Liepāja geliefert. Neben acht Triebwagen T57 (Stück, Nr. 125–132), 13 T59E (Nr. 133-145) und acht T2-62 (Nr. 146-153) kamen acht Beiwagen V57 (Nr. 15-22), drei V59E (Nr. 23-25) und sieben B2-62 (Nr. 26-32) nach Liepāja.[9]

Nach der Einstellung der Straßenbahnproduktion in Gotha im Jahr 1966 wurde der Wagenpark der Straßenbahn Liepāja durch Wagen aus tschechoslowakischer Produktion erweitert. Von 1976 bis 1979 wurden 15 Tatra-Wagen T4SU (Nr. 201-215) geliefert, von 1983 bis 1988 22 Wagen des Typs KT4 SU (Nr. 216-235, die Nummern 220 und 221 wurden doppelt vergeben).[10]

Im Jahr 2000 begann der Kauf von Gebrauchtfahrzeugen aus der ehemaligen DDR. Insgesamt wurden zwölf Wagen des Typs Tatra KT4 D erworben, die zu Beginn der 1990er Jahre produziert worden waren: im Jahr 2000 drei Wagen aus Cottbus (Nr. 236-238), im Jahr 2001 einer aus Gera (Nr. 239), in den Jahren 2003 und 2005 jeweils vier aus Erfurt (Nr. 240-247).[11]

Zurzeit sind bei der Straßenbahn Liepāja 17 Wagen des Typs Tatra KT4 im Einsatz, darunter zwölf gebraucht in Deutschland erworbene. Es wird ausschließlich mit Solowagen gefahren, Doppeltraktionen sind nicht im Einsatz. Für den fahrplanmäßigen Betrieb werden nur sieben Kurse benötigt.

Fahrscheine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrscheine für die Straßenbahn Liepāja müssen bei Antritt der Fahrt entwertet werden, ebenso ist ein elektronisches Ticketing per SMS möglich. Im Jahr 2011 kostete die einfache Fahrt 0,40 Lats. Entwerter drucken die Wagennummer, Datum und Uhrzeit auf den Fahrschein. Nach Entwertung beträgt die Gültigkeit 24 Minuten – diese Zeit reicht für das Befahren der gesamten Streckenlänge aus. Fahrausweise können im Vorverkauf in Kiosken, Geschäften und anderen Verkaufsstellen oder bei Fahrtantritt beim Fahrer erworben werden. Die Strafe für Fahren ohne gültigen Fahrausweis beträgt 5 Ls. Die Fahrscheine der Straßenbahn sind farbenfroh gestaltet: Im Jahr 2010 war auf der Vorderseite der Rosenplatz (lett.: Rožu laukums) abgebildet, im Jahr 2011 das schematische Liniennetz des ÖPNV vor dem Hintergrund eines Stadtplans von Liepāja.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trams in Liepāja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://asxander.e-liepaja.net/publikacii/rus/kurzemes_vards/kv_rus1947.html (Memento vom 14. Oktober 2008 im Internet Archive)
  2. http://asxander.e-liepaja.net/publikacii/rus/kurzemes_vards/kv_rus2000.html (Memento vom 14. März 2008 im Internet Archive)
  3. Liepajas tramvajs (Memento vom 6. September 2009 im Internet Archive)
  4. @1@2Vorlage:Toter Link/asxander.e-liepaja.net (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  5. @1@2Vorlage:Toter Link/asxander.e-liepaja.net (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  6. Dokumentarfilm auf YouTube
  7. Mit der Straßenbahn nach Ezerkrast. (lv) Liepājas tramvajs. 30. Mai 2013. Abgerufen am 7. August 2013.
  8. http://photo.tramvaj.ru/Liepaja1.htm
  9. http://home.arcor.de/heuer.c/gothawagen/ausland/ausland.html
  10. cs:Tatra T4
  11. http://transit.parovoz.com/masstransit/index.php?ID=507 (Memento vom 12. März 2010 im Internet Archive)