Stromnetz Hamburg

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Stromnetz Hamburg GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 2015
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung Geschäftsführung:
Christian Heine
Karin Pfäffle
Thomas Volk

Aufsichtsratsvorsitz:
Jens Kerstan (GRÜNE)

Mitarbeiterzahl 1.200
Umsatz 651 Mio. Euro
Branche Energiewirtschaft
Website www.stromnetz-hamburg.de
Stand: 2016

Die Stromnetz Hamburg GmbH mit Sitz in Hamburg ist die Betreiberin und Eigentümerin des Hamburger Stromverteilungsnetzes und der dazugehörigen Netzanlagen. Das Unternehmen ist zuständig für den Anschluss der Stromeinspeiser und -abnehmer sowie den Erhalt und Ausbau des Stromverteilungsnetzes im Stadtgebiet Hamburg. Die Stromnetz Hamburg GmbH ist eine 100%ige Tochter der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Anteile an der Gesellschaft werden von der HGV Hamburgische Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH (5,1 %) und ihrer 100%igen Tochter Hamburg Energienetze GmbH (94,9 %) gehalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hervorgegangen aus der Hamburgische Electricitäts-Werke Aktiengesellschaft (HEW) hat die Stromnetz Hamburg GmbH mit der Beleuchtung der Kaianlagen im Hamburger Hafen im Jahr 1879 begonnen, der Rathausmarkt erstrahlte erstmals 1882 in elektrischem Licht. 1884 wurde der erste Hamburger Stromzähler im Weinrestaurant Börsenkeller gesetzt. Die Geburtsstunde der HEW schlug am 15. März 1894, als ihre Gründung mit privatem Kapital erfolgte.

Während elektrische Energie für die breite Bevölkerung anfangs noch einen unerschwinglichen Luxus darstellte, wurde mit der Modernisierung des Heizwerks Poststraße bereits das Fundament für ein umweltfreundliches Wärmeversorgungsnetz der Hansestadt gelegt, das in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum größten Europas heranwachsen sollte. So erhielt das Hamburger Rathaus 1895 als erster Kunde der HEW Fernwärme.

Elektrizitätswerk Sandthorquai 1888

Nachdem 1908 die Aktien der HEW an der Börse zugelassen wurden, beteiligte der Hamburger Senat 1914 die Freie und Hansestadt Hamburg mit zunächst 50 % am Unternehmen. Im Gegenzug für die Festlegung eines festen Versorgungsgebiets entrichtete die HEW eine Konzessionsabgabe. Nach Errichtung des ersten Großkraftwerks in Tiefstack 1917 setzte sich Fernwärme in Hamburg mehr und mehr durch, die äußerst wirtschaftliche Kraft-Wärme-Kopplung wurde 1921 generell eingeführt.

1953 nahm die HEW erstmals eine Windkraftanlage in Betrieb, 1958 folgte der Bau des Pumpspeicherkraftwerks Geesthacht. Anfang der siebziger Jahre setzte die HEW die Ton-Frequenz-Rundsteuerung ein, welche die Grundlage für eine automatisierte, ferngesteuerte Ein- und Ausschaltung von Straßenbeleuchtung und Speicherheizungen bildet.

1990 übernahm die HEW noch vor der Wiedervereinigung die unternehmerische Verantwortung für die WEMAG. 1994 betrat die HEW mit dem Aufbau der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße das neue Geschäftsfeld der Müllverbrennung.

1999 wurde die Vattenfall AB mit 25,1 % neuer Großaktionär bei der HEW und weitete seine Anteile bis zum Jahr 2000 auf 73,2 % aus. Zusammen mit Vattenfall verfolgte die HEW das Ziel, eine neue vierte Kraft am deutschen Strommarkt zu bilden. 2002 erfolgte der Zusammenschluss von HEW, Bewag, VEAG und Laubag unter dem Namen Vattenfall Europe AG.

Als Ergebnis des in den §§ 6ff. Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) festgeschriebenen Entflechtungsgedankens, des so genannten Unbundlings, erfolgte 2004 die operationelle Entflechtung der Netzbetriebe. Ziel dieser gesetzlichen Regelung ist die Unabhängigkeit des Netzbetreibers von den Erzeugungs- und Vertriebsaktivitäten innerhalb eines vertikal integrierten Energieversorgungsunternehmens. Mit der Ausgründung der „Vattenfall Europe Distribution Hamburg GmbH“ zum 1. Januar 2006 wurde der gesetzlichen Verpflichtung zur gesellschaftsrechtlichen Entflechtung nachgekommen. Am 7. Juni 2012 wurde die Gesellschaft in „Vattenfall Stromnetz Hamburg GmbH“ umbenannt.

Den 2012 veröffentlichten „Gemeinsamen Auslegungsgrundsätzen III der Regulierungsbehörden des Bundes und der Länder zu den Anforderungen an die Markenpolitik und das Kommunikationsverhalten bei Verteilernetzbetreibern (§ 7a Abs. 6 EnWG)“ hat das Unternehmen dadurch Folge geleistet, dass es zum 15. April 2013 von „Vattenfall Stromnetz Hamburg GmbH“ in „Stromnetz Hamburg GmbH“ umfirmiert und seinen Marken- und Kommunikationsauftritt neu gestaltet hat.

Im November 2011 schloss die Freie und Hansestadt Hamburg mit Vattenfall einen Kooperationsvereinbarung über ein „Energiekonzept für Hamburg“ ab, die gemeinsame Ziele für die Energie- und Klimapolitik Hamburgs festschreibt. In dieser Vereinbarung wurden Fragen zum Ausbau und der Weiterentwicklung des Stromnetzes und der Fernwärmeversorgung sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, der Einbindung erneuerbarer Energien und zum Ausbau der Elektromobilität behandelt. Ab Juni 2012 ist die Freie und Hansestadt Hamburg mit 25,1 % an der Stromnetz Hamburg GmbH beteiligt.

Am 22. September 2013 fand ein Volksentscheid zur Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg statt. Der Entscheid erzielte mit 50,9 % eine knappe Mehrheit an Ja-Stimmen zugunsten einer Rekommunalisierung der Energieversorgungsnetze in Hamburg.

In der Folge des Volksentscheids erwarb die Freie und Hansestadt Hamburg Anfang 2014 über die HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH und ihre Tochter Hamburg Energienetze GmbH die von Vattenfall gehaltenen 74,9 % Anteile an der Stromnetz Hamburg GmbH.

Mit dem Vollzug der Verträge (Kaufvertrag Strom) am 7. Februar 2014 ist die Stromnetz Hamburg GmbH wieder eine 100%ige Tochter der Freien und Hansestadt Hamburg. Als kommunales Unternehmen nimmt die Stromnetz Hamburg GmbH Aufgaben der Daseinsvorsorge wahr und richtet ihr Handeln an den Grundsätzen einer sicheren, wirtschaftlichen, preisgünstigen, verbraucherfreundlichen, effizienten und umweltgerechten leitungsgebundenen Energieversorgung aus. Die Planung, Errichtung, der Erwerb, der Betrieb, die gewerbliche Nutzung, die Bereitstellung und der Ausbau von Energieverteilungsanlagen erfolgt unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten. Die Stromnetz Hamburg GmbH ist dem Klimaschutz verpflichtet und fördert im besonderen Maße die Integration Erneuerbarer Energien in das Hamburger Stromnetz. Sie hat die ökologischen, energie- und umweltpolitischen Ziele des Senats und die sonstigen vom Senat festgelegten öffentlichen Interessen zu beachten.

Grundlage der Tätigkeit der Stromnetz Hamburg GmbH bildet die Konzession zum Betrieb des Stromnetzes in Hamburg, welche seit 1. Januar 1995 in den Händen der HEW bzw. ihrer Rechtsnachfolgerin der Stromnetz Hamburg GmbH liegt. Diese wird jeweils von der Stadt Hamburg im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung vergeben. Der aktuelle Konzessionsvertrag endet zum 31. Dezember 2014. Im Dezember 2012 hat die Stadt in einer öffentlichen Ausschreibung interessierte Unternehmen aufgerufen, ihr Interesse am Betrieb des Hamburger Verteilungsnetzes bis 15. Januar 2014 zu bekunden. Die Stromnetz Hamburg GmbH hat ihre Interessenbekundung fristgerecht eingereicht und sich auch an allen weiteren Verfahrensschritten des Bewerbungsverfahrens beteiligt. Am 17. Juni 2014 gab die Pressestelle des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg bekannt, dass sich alle übrigen Bewerber aus dem Verfahren zurückgezogen haben, sodass die stadteigene Stromnetz Hamburg GmbH als einzige Bewerberin um die Wegerechte verblieben sei und die für die Vergabe zuständige Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt nun die Verhandlungen über die Modalitäten des Konzessionsvertrages mit dem stadteigenen Unternehmen aufnehmen würde.

Am 12. November 2014 wurde das Vergabeverfahren zur Stromnetzkonzessionierung beendet. Der Senat hat den Abschluss eines Konzessionsvertrages mit der Stromnetz Hamburg GmbH zugestimmt. Somit bleibt die Stromverteilung in städtischer Hand. Der Vertrag wird durch eine Kooperationsvereinbarung flankiert und hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Ziel der Kooperationsvereinbarung ist die Umsetzung einer sicheren, preisgünstigen, verbraucherfreundlichen, effizienten und umweltgerechten Energieversorgung in Hamburg. Vorausgegangen ist dieser Entscheidung ein wettbewerbliches Verfahren nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), welches von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt durchgeführt wurde. Mit der Kooperationsvereinbarung wird die wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge von beiden Seiten der Partner berücksichtigt. Die Vereinbarung ist das Fundament für die energiepolitische Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Stromnetz Hamburg GmbH. Einige maßgebliche Punkte der energiepolitischen Maßnahmen sind hier zu nennen:

  • Ausbau und Modernisierung der Netze
  • Ausbau und Erneuerung der Netzanlagen
  • Ausbau von Wind-Netzknotenpunkten in der Nähe von Windanlagen
  • Förderung der Integration von Einspeisungen aus Erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen.

Mit dem Konzessionsvertrag räumt die Stadt der Stromnetz Hamburg GmbH das Recht ein, die Hamburger Straßen und Wege bzw. deren Untergrund für den Betrieb des Stromnetzes gegen Zahlung einer sogenannten Konzessionsabgabe zu nutzen. Die Gemeinden müssen beim Abschluss derartiger Verträge darauf achten, wie der Konzessionsnehmer das Stromnetz betreibt. Der Netzbetreiber verpflichtet sich, dass Verteilungsnetz nach den Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes zu betreiben und nach den jeweiligen Bedürfnissen zu erhalten, zu erneuern und auszubauen.

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende 2014 ist die Stromnetz Hamburg GmbH mit der zentralen Koordinierung der öffentlichen Ladeeinrichtungen in Hamburg und der Umsetzung des Masterplans für Elektromobilität betraut. Der vom Senat beschlossene Masterplan gibt vor, dass es allen Nutzern von E-Fahrzeugen möglich sein soll, an sämtlichen öffentlichen Ladeplätzen in Hamburg zu laden. Alle Ladevorgänge werden zukünftig über eine zentrale IT-Plattform gesteuert und koordiniert. Bis Ende 2016 sollen den Nutzern von Elektrofahrzeugen knapp 600 Ladepunkte zur Verfügung stehen. Damit werden für die wachsende Anzahl von Elektroautobesitzern neue Angebot an über 220 zusätzlichen Standorten, verteilt über sieben Hamburger Bezirke, geschaffen. Seit September 2015 haben alle im Besitz befindlichen Ladesäulen ein einheitliches neues Design und sind an eine zentrale IT-Plattform angeschlossen. Alle öffentlichen Ladesäulen sind seit 2015 auf das sogenannte Direct-Pay-System umgerüstet. Dabei handelt es sich um einen für Ladevorgänge entwickelten SMS-Service, der eine vom Stromliefervertrag unabhängige Bezahlung ermöglicht. Die Abrechnung erfolgt direkt über den Mobilfunkvertrag. Für alle Direct-Pay-Nutzer steht eine neue Lade-App „E-Charging Hamburg“ zur Verfügung. Die App zeigt alle angebundenen Ladestationen in Hamburg an und hilft dem Nutzer, den optimalen Platz zum Laden des Elektrofahrzeugs zu finden. Die interaktive Kartenansicht zeigt die Verfügbarkeit der Ladesäulen in Echtzeit an. Zudem ermöglicht E-Charging das mobile bezahlen an allen Ladestationen der Stromnetz Hamburg GmbH. Für beide Systeme (SMS und App) gilt: Abgerechnet werden die Ladevorgänge für Nutzer aus Deutschland direkt über die Mobilfunkrechnung oder das Prepaid-Guthaben. Nutzer aus Deutschland und dem Ausland können sich zudem auf www.travipay.com registrieren und weitere Bezahlungsarten frei wählen (Kreditkarte oder Lastschrift).

Seit 1. Januar 2016 hat die Stromnetz Hamburg GmbH eine neue Geschäftsführung für die Bereiche Technik und Personal. Die technische Geschäftsführung hat Thomas Volk übernommen und die Geschäftsführung für das Ressort Personal wird von Karin Pfäffle verantwortet. Christian Heine ist bereits seit 2014 kaufmännischer Geschäftsführer und verantwortet seit 2016 auch die Kommunikation nach außen.

Seit dem 1. April 2016 ist der Prozess zur Rekommunialisierung des Hamburger Stromnetzes vollständig abgeschlossen. Damit ist der letzte Schritt vollzogen, die Netzservice Tochter und die Metering Gesellschaft von Vattenfall Hamburg in die Stromnetz Hamburg GmbH zu integrieren. Die zweitgrößte Verteilungsnetzbetreiberin beschäftigt damit 1.200 Mitarbeiter unter einem Dach.

Netzdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sämtliche Angaben sind Circa-Werte und beziehen sich auf das Jahr 2013.

Stromkreislänge (inkl. Hausanschlussleitungen)
Kabel (unterirdisch) in km 25.700
Freileitungen in km 1.344
Verkabelungsgrad 95 %
Anzahl Entnahmestellen / Zähler 1.147.000
Entnommene Jahresarbeit in TWh 12,2
Eingebundene Hoch- und Mittelspannungsanlagen
Hochspannungsschaltanlagen- und Umspannwerke 53
Kunden- und Netzstationen 7.558
Geografische Daten
Einwohnerzahl im Netzgebiet in Mio. 1,8
Geografische Fläche des Netzgebietes in km2 755
Versorgte Fläche Hoch- und Mittelspannung in km2 755
Versorgte Fläche Niederspannung in km2 358
Anzahl der in Hamburg tätigen Stromlieferanten
Hamburg gesamt > 450

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stromnetz Hamburg GmbH betreibt das Hamburger Verteilungsnetz und ist dabei verantwortlich für Netzbetrieb, Erhalt und den Ausbau des Netzes, Netzanschluss, die Abwicklung der Netznutzung sowie für die Bereitstellung und Ablesung von Zählern.

Zum Stromverteilungsnetz in Hamburg gehören über 27.000 km Stromleitungen in den Netzebenen Hochspannung (110 kV), Mittelspannung (10 kV) und das Niederspannungsnetz mit 400 V. Die Stromleitungen verbinden das Übertragungsnetz der 50Hertz Transmission GmbH, die Heizkraftwerke und Einspeiser im Hamburger Stadtgebiet mit den Kunden.

In den Umspannwerken wird der Strom von der Hochspannung auf die Mittelspannung umgewandelt und gelangt über die Transformatorenstationen sowie Kabelverteilerschränke in das Stromnetz der niedrigsten Spannungsebene beziehungsweise in die Häuser. Netzanschlusskunden erhalten ihrem Bedarf entsprechend einen Stromanschluss in der Hoch-, Mittel- oder Niederspannung und können darüber die benötigte Energie beziehen oder einspeisen.

Gemäß Energiewirtschaftsgesetz ist die Stromnetz Hamburg GmbH bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben dazu verpflichtet, ihr Netz allen Lieferanten und Nutzern transparent und diskriminierungsfrei zur Verfügung zu stellen. Dies wird durch die unter anderem für die Energieregulierung zuständige Bundesnetzagentur (BNetzA) überwacht.

Versorgungszuverlässigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versorgungszuverlässigkeit von Stromnetzen wird gemessen mit den Kennzahlen SAIDI, CAIDI und SAIFI. Für das Hamburger Stromnetz liegen die Werte im Jahr 2016 bei:

Kennzahl Wert Interpretation
SAIDI 11,3 min/a Im Durchschnitt ist ein Hamburger Netzkunde 11,3 Minuten pro Jahr von einem Stromausfall betroffen.
CAIDI 56,9 min Im Durchschnitt dauert ein Stromausfall in Hamburg 56,9 Minuten.
SAIFI 0,199 1/a Im Durchschnitt muss ein Niederspannungskunde alle 5 Jahre (Reziprokwert) mit einer Versorgungsunterbrechung rechnen.

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht jährlich den SAIDI-Wert der Bundesrepublik zur Darstellung der Versorgungsqualität in Deutschland. Der deutschlandweite SAIDI-Wert, der die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenen Letztverbraucher innerhalb eines Kalenderjahres widerspiegelt, lag im Jahr 2015 bei 12,7 Minuten pro Jahr.

In Hamburg sind 95 Prozent der Stromkabel unterirdisch verlegt. So sind sie vor äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Unwetter oder Blitzeinschlägen geschützt, können jedoch im Gegenzug dafür bei Tiefbauarbeiten beschädigt werden. Das Stromnetz wird gemäß dem allgemeinen Standard nach dem n-1-Prinzip betrieben, welches sicherstellt, dass für den Fall einer Störung für alle wichtigen Betriebsmittel eine Reserve bereitsteht.

Steuerung und Überwachung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesteuert und überwacht wird das Hamburger Stromnetz von der Netzführung, die rund um die Uhr besetzt ist. Dort wird das Verteilungsnetz Hamburgs von den Übergabepunkten des Übertragungsnetzes der Höchstspannung bis zum Übergabepunkt bei den Kunden überwacht. Die Informationen aus allen Umspannwerken im Hamburger Stadtgebiet und weiterer Netzanlagen des Verteilungsnetzes laufen hier zentral zusammen. Störungen werden automatisch erfasst und ihre Behebung zentral von den Mitarbeitern koordiniert. Für den Fall eines großflächigen oder lang anhaltenden Stromausfalls besteht ein Krisenmanagement-Konzept. Mögliche Krisenszenarien werden deshalb regelmäßig in Krisenstabsübungen durchgespielt.

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pilotprojekt Smart Grid Hafen City Westend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der HafenCity Hamburg wird der Einsatz verschiedener intelligenter Elemente im praktischen Einsatz getestet und entsprechende Erfahrungen für den zukünftigen Einsatz gesammelt. Dazu gehören

  • Inbetriebnahme des neu errichteten Umspannwerk HafenCity im Juni 2013
  • Messtechnische Ausrüstung und Datenerfassung aller 10-kV-Stationen
  • Vollautomatisierung aller 10-kV-Stationen im projektbezogenen Bereich
  • Erfassung, Übertragung und Visualisierung der Onlinemessdaten in der zentralen Netzführung in der City Nord
  • Analyse der Onlinemessdaten zur Optimierung der Netzinfrastruktur
  • Erwerb von Erfahrungen bei der Integration und aktiven Steuerung von E-Mobility und Speicheranwendungen.

Erprobung regelbarer Ortsnetztransformatoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Pilotprojekt werden die Möglichkeiten des Einsatzes von regelbaren Ortsnetztransformator zur Einhaltung der Spannungstoleranzbänder bei verstärkter Photovoltaik-Einspeisung getestet.

Umsetzung des Masterplans für Ladeinfrastruktur in Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende 2014 hat die Stromnetz Hamburg GmbH die Aufgabe als zentraler Koordinator der öffentlichen Ladeeinrichtungen in Hamburg übernommen und der vom Senat beschlossene Masterplan zur öffentlichen Ladeinfrastruktur zügig umgesetzt. Darüber hinaus verantwortet sie die Beschaffung, die Errichtung, den Betrieb, die Wartung sowie den Service der in städtischer Riege betriebenen Ladeeinrichtungen. Alle Ladevorgänge an den öffentlich zugänglichen Ladeeinrichtungen, die in Hamburg an das von Stromnetz Hamburg betriebene System angeschlossen sind, werden über eine eigene, von SNH entwickelte, zentrale IT-Plattform gesteuert und koordiniert. Bis Ende Oktober 2017 sollen den Nutzern von Elektrofahrzeugen knapp 600 öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. 

mySmartLife[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das EU-Projekt „mySmartLife“ (MSL) wurde gemeinsam von Hamburg, Helsinki und Nantes entwickelt und am 14. Dezember 2016 gestartet. Es umfasst die Herausforderung, wie mit steigenden Anforderungen wie Klimawandel, Zuwanderung, Einsparung von CO2 umgegangen werden kann. Komplexe Strategien für smarte Lösungen für das Zusammenleben, Mobilität, Produktion und Konsum müssen dazu entwickelt werden. Hinzukommt der Wunsch von vielen aktiven Bürgerinnen und Bürgern seine Stadt, Stadtteil oder Quartier mitzugestalten. Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die mit diesen Anforderungen verbundenen Transformationsprozesse gestalten lassen. Fünf Jahre lang werden die drei Partnerstädte sowie weitere so genannten Follower Städte Varna (Bulgarien), Bydgoszcz (Polen), Rijeka (Kroatien) und Palencia (Spanien) anhand konkreter Maßnahmen und Projekte Wege und Strategien aufzeigen, wie sich die Städte den aktuellen Herausforderungen stellen und die Bürgerinnen und Bürger aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen können. In Hamburg steht hinter dem Projektantrag ein Konsortium aus 14 Partnern, darunter auch die Stromnetz Hamburg GmbH (SNH). Die SNH wird im Rahmen dieses Förderprojekts zum einen bei der Implementierung von Smart- und Multi Metering-Systemen in Neu- und Bestandsbauten und zum anderen an der Implementierung von Ladeinfrastruktur im Projektgebiet unterstützend tätig werden. Das Lastmanagement und die Parkplatz Detektion zählen hierbei ebenfalls zu den SNH Leistungen. Die Aktivitäten von SNH umfassen sowohl Neubau- als auch Bestandsbauten im Projektgebiet Bergedorf.

NEW 4.0[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stromnetz Hamburg ist einer von mehr als 50 Partnern der Projektinitiative NEW 4.0*. Das länderübergreifende Großprojekt soll eine regenerative Energieversorgung realisieren, um damit die Zukunftsfähigkeit der Gesamtregion Hamburg und Schleswig-Holstein zu stärken. NEW 4.0 will aufzeigen, dass die norddeutsche Region mit ihren rund 4,5 Millionen Einwohnern bereits ab 2035 zu 100 Prozent sicher und zuverlässig mit regenerativer Energie versorgt werden kann. Wichtige Themen dabei sind die Stabilität des Gesamtsystems, die Sicherheit der Versorgung, die Bezahlbarkeit, die Erfüllung der Klimaschutzziele, die Erforschung von Speichertechnologien und Kommunikationsmethoden sowie die gesellschaftliche Akzeptanz. Im Rahmen von NEW 4.0 wird dazu ein Konzept entwickelt werden.

Diese neuartigen Konzepte sollen helfen, die intelligente Verbindung von Erzeugung, Verteilung, Speicherung und Verbrauch optimal umzusetzen. Die Energiewende erfordert dafür eine intelligente Systemführung und -vernetzung. Um dies zu meistern, sind die Erfahrungen der Netzbetreiber zum Einsatz intelligenter Netze und innovativer Netztechnologie unerlässlich.

Mit Start des Projektes am 6. Dezember 2016 beteiligt sich SNH in zwei Projektgruppen: Ein wesentliches Ziel besteht darin, die Versorgung durch erneuerbare Energien zu erhöhen, konventionelle Kraftwerksleistung zu reduzieren und die Einspeisung von Energie optimal und effizient zu ermöglichen. Da der Ausbau und Einsatz derartiger Energieerzeuger einen steigenden Einfluss auf die Spannungsqualität im Stromnetz haben, werden netzbezogene Daten, die eine Netzsicherheitsrechnung für alle Spannungsebenen ermöglicht, für das Gesamtprojekt erarbeitet und zur Verfügung gestellt.

Zum anderen soll ein Anreizsystem für die regionale Nutzung von erneuerbaren Energien und gleichzeitig verbesserte Marktbedingungen geschaffen werden. Dafür wird ein Markt- und Regulierungsrahmen entwickelt und geprüft, der es erlaubt, die Umwandlung des zukünftigen Energiesystems kosteneffizient zu ermöglichen. Die Ergebnisse werden Aufschluss über mögliche Netzausbaubedarfe und eine frühzeitige Einflussnahme auf künftige regulatorische Rahmenbedingungen geben.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]