Jens Kerstan

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Jens Kerstan (2018)

Jens Hinrich Kerstan (* 18. Februar 1966 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker der Partei Bündnis 90/Die Grünen und seit April 2015 Hamburger Senator für Umwelt und Energie, zunächst im Senat Scholz II[1] und seit dem 28. März 2018 im Senat Tschentscher.

Von 2001 bis Sommer 2008 war er stellvertretender Vorsitzender des Hamburger Landesverbandes der Grünen. Vom Mai 2008 bis April 2015 war er Vorsitzender der Fraktion der Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jens H. Kerstan wuchs in Hamburg-Bergedorf auf, wo er heute wieder lebt. Sein Vater Heinz Kerstan war Mitgründer der Reederei TT-Linie.[3][4] 1985 machte Kerstan am Hansa-Gymnasium das Abitur.

Nach dem Zivildienst schloss er ein Studium der Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftspolitik, Umweltpolitik und Finanzwissenschaften an der Universität Hamburg mit dem Diplom ab. Anschließend nahm er 1995/96 an einem Traineeprogramm der Körber AG teil. 1996 bis 1998 war er Projektleiter im Marketing der Hauni Maschinenbau AG. 1989 machte er sich als Berater um Umwelt- und Entwicklungsbereich selbständig.

Von 1995 bis 2011 war Kerstan Vorsitzender des Naturschutzverbandes „Gesellschaft für ökologische Planung e.V.“ (GÖP).[5] Er war 1999 Verhandlungsführer der Umweltverbände bei der Gründung der „Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung“ (NUE)[6] und organisierte anschließend deren Errichtung.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerstan ist seit 1998 Mitglied der Grünen (in Hamburg bis zur Umbenennung in Bündnis 90/Die Grünen Hamburg im Jahr 2012).[7] Ab Oktober 2002 war Kerstan Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Mit der Bildung der ersten schwarz-grünen Koalition des Hamburger Senats im Mai 2008 übernahm er den Vorsitz der GAL-Bürgerschaftsfraktion. Nach dem Auseinanderbrechen der Koalition und den anschließenden Neuwahlen im Februar 2011, wurde er in diesem Amt bestätigt.

Jens Kerstan (2011)

Seine inhaltlichen Schwerpunkte waren Wirtschaft und Hafen, Haushalt, Umwelt, Klimaschutz und Energie. Kerstan trat dafür ein, die Stellung des Hamburger Parlaments gegenüber dem Senat Senat durch Professionalisierung zu stärken.[8]

Kerstan engagierte sich ab 2012 für eine Energieversorgung in öffentlicher Hand und unterstützte die Volksinitiative „Unser Hamburg – Unser Netz“,[9] Die Forderung Kerstans und der Hamburger nach Rekommunalisierung wurde mit einem Volksentscheid am 22. September 2013 erfolgreich durchgesetzt.

Bei der Bürgerschaftswahl 2015 bildeten Kerstan und Katharina Fegebank das Spitzenteam der Grünen.[10] Bei der Bürgerschaftswahl 2015 errang Kerstan ein Direktmandat in seinem Wahlkreis Bergedorf. Mit Bildung der rot-grünen Koalition wurde er am 15. April 2015 „Senator für Umwelt und Energie“.[11] Diese wurde als Ausgliederung aus der bisherigen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt neu geschaffen. Am 15. April 2015 wurde Kerstan von der Bürgerschaft zum Senator für Umwelt und Energie gewählt.[1] Sein Bürgerschaftsmandat wird seither von der Verwaltungsjuristin Carola Timm bekleidet.[12] Den Posten des Senator für Umwelt und Energie hat Kerstan auch im seit 28. März 2018 regierenden Senat Tschentscher inne.[13] Bei der konstituierenden Sitzung der Bürgerschaft wurde Kerstan in seinem Amt als Fraktionsvorsitzender bestätigt.[2] Damit ist Kerstan für die Rekommunalisierung der Energienetze und die Neuausrichtung der Hamburger Energiepolitik zuständig. Er hat ein Konzept zum Ersatz des Kohleheizkraftwerks in Wedel und für eine innovative und klimafreundliche Fernwärmeversorgung präsentiert, welches umgesetzt wird, sobald sich das Fernwärmenetz 2019 wieder vollständig im Besitz der Stadt befindet. Kerstan strebt den vollständigen Kohleausstieg in der Wärme bis spätestens 2030 an. Er setzt sich aktuell auch für die Einführung einer sozialverträglichen CO2-Steuer ein. Als erster Landesminister setzte sich Kerstan in der Dieselaffaire für eine Hardware-Nachrüstung und die Abschaffung des Dieselprivilegs ein. Als erste deutsche Kommune ordnete Hamburg 2018 zur Luftreinhaltung Durchfahrtsbeschränkungen für Dieselfahrzeuge an. 2015 erzielten Kerstan und seine Behörde ein weltweites Medienecho mit einem Umweltleitfaden, der für das öffentliche Beschaffungswesen ökologische Kriterien einführte und unter anderem Kaffeekapseln aus Aluminium ausschloss.

Kerstan ist Vorsitzender der Aufsichtsräte folgender Hamburger öffentlicher Unternehmen: Hamburger Stadtentwässerung AöR, Hamburger Wasserwerke GmbH, Hamburg Energie GmbH, Stromnetz Hamburg GmbH, Gasnetz Hamburg GmbH. Er ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung St. Michaelis.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jens Kerstan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Scholz mit großer Mehrheit wiedergewählt. NDR. 15. April 2015. Archiviert vom Original am 17. April 2015. Abgerufen am 15. April 2015.
  2. a b dpa: Streit um Linken-Fraktionsvorsitz: Dora Heyenn entmachtet. shz. 2. März 2015. Abgerufen am 3. März 2015.
  3. Jens Schneider: Bitte nicht stören, Süddeutsche Zeitung, 13. November 2012 (abgerufen 13. September 2013) (Memento vom 22. August 2014 im Internet Archive) (PDF; 44 kB)
  4. Mitunter ruinös, Der Spiegel, 14. Juli 1975 (abgerufen 13. September 2013)
  5. Website des Verbands.
  6. Website der Stiftung.
  7. Jens Meyer-Wellmann: Bürgersohn, Basisdemokrat, Berufspolitiker, Hamburger Abendblatt, 25. August 2008.
  8. Oliver Hollenstein und Charlotte Parnack: „Man braucht Mut zur Lücke“ (Interview mit Kerstan), Die Zeit, 10. Mai 2014.
  9. Siehe zum Beispiel "Ihr Vorschlag ist doch eine reine Beruhigungspille", Die Welt, 1. Juni 2011; Ferngewärmter Skandal, die tageszeitung, 22. April 2013.
  10. Artikel im Hamburger Abendblatt vom 28. September 2014, abgerufen am 30. September 2014
  11. PM der Grünen Hamburg: „Große Mehrheit für Rot-Grün“ vom 12. April 2015 (Memento vom 15. April 2015 im Internet Archive), abgerufen am 15. April 2015
  12. Peter Ulrich Meyer, Andreas Dey, Sascha Balasko: Auch die Grünen haben ein Problem mit den Frauen. Hamburger Abendblatt. 10. April 2015. Abgerufen am 11. April 2015.
  13. Vorläufiges Ergebnis der Bürgerschaftswahl 2015: Gewählte Kandidatinnen und Kandidaten auf den Seiten des Statistikamtes Nord, abgerufen am 17. Februar 2015