Suizidfall Leelah Alcorn

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Der Suizidfall Leelah Alcorn (* 15. November 1997 als Joshua Ryan Alcorn; † 28. Dezember 2014 auf der Interstate 71 in Warren County in Ohio) war die medial bekanntgewordene Selbsttötung eines 17-jährigen US-amerikanischen Transgender-Mädchens.

Leben und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alcorn war eines von vier Kindern eines evangelikalen Ehepaars. Sie empfand sich ab dem Alter von vier Jahren als Mädchen in einem Jungenkörper, wie sie es in ihrem Abschiedsbrief darstellt.[1] Ihr Freundeskreis bestand demnach zumeist aus Freunden, die sie im Internet kennengelernt hatte. Im Alter von 16 Jahren habe sie an ihrer Schule behauptet, schwul zu sein, um den ersten Schritt zu ihrem öffentlichen Outing zu unternehmen, was von ihren Freunden positiv aufgenommen worden sei.

Der Versuch, ihre Eltern von der Notwendigkeit einer Geschlechtsangleichung zu überzeugen, wurde laut Leelah Alcorns Abschiedsbrief von ihren Eltern mit der mehrfachen zwangsweisen Durchführung einer „Reparativtherapie“, bei der sie nach den Vorstellungen ihrer Eltern geheilt werden sollte, beantwortet. Dies verschlechterte das Verhältnis zu ihren Eltern erheblich.

Alcorn gab an, sie habe Angst gehabt, dass sie nicht rechtzeitig eine Geschlechtsangleichung durchführen lassen könne, um jemals vollständig wie eine Frau auszusehen. Weiterhin habe sie Zukunftsangst und keine Freunde. Mit ihrem Suizid wolle sie auf die generelle Situation der Transgender aufmerksam machen, Geschlechtsidentität müsse in Schulen gelehrt werden.[2]

Nach einer Rekonstruktion der Polizei wurde Alcorn, vermutlich in Suizidabsicht, am 28. Dezember auf der Interstate 71 gegen 2:30 Uhr von einem Sattelkraftfahrzeug erfasst und starb am Ort des Unfalls. Von einem Strafverfahren gegen den Fahrer wurde abgesehen.

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Suizid erregte international Aufsehen und führte zu öffentlichen Diskussionen über den Status und die Misshandlung von transgender Menschen in der US-amerikanischen Gesellschaft und christlichen Fundamentalismus sowie Petitionen zum Verbot sogenannter Konversions- oder Reparativtherapien.[3] Der damalige US-Präsident Barack Obama unterstützt diese Initiativen.[4]

Bis zum 8. April 2019 wurden solche Konversionsangebote zumindest bei Jugendlichen in 16 US-Bundesstaaten sowie in Washington D.C und Puerto Rico verboten.[5]

Mara Keisling, die Executive Director beim National Center for Transgender Equality ist, betonte, dass Suizid ein zu komplexes Thema sei, als dass man die Schuld ausschließlich den Eltern zuweisen sollte. „Ungeachtet der großen kulturellen und rechtlichen Fortschritte, die Transgender erreicht haben, gibt es immer noch sehr viel Respektlosigkeit, Diskriminierung und Gewalt, die gegen uns gerichtet sind, und heutzutage haben es alle Kinder oder Jugendliche sehr schwer.“[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leelah Alcorn: Suicide Note (englisch) tumblr. 28. Dezember 2014. Archiviert vom Original am 1. Januar 2015. Abgerufen am 1. Januar 2015.
  2. Peter Monn: Smiles for Leelah Alcorn, Who Asked Us to 'Fix Society. Please.' (englisch) huffingtonpost.com. 31. Dezember 2014. Abgerufen am 1. Januar 2015.
  3. Eliana Dockterman: Transgender Teen’s Death Sparks Outcry From Advocates (englisch) time.com. 31. Dezember 2014. Abgerufen am 1. Januar 2015.
  4. Obama gegen Umerziehungstherapien für Homosexuelle (deutsch) faz.net. 9. April 2015. Abgerufen am 10. April 2015.
  5. Übersichtskarte US Bundesstaaten mit Vorbot von "Konversionstherapien" (englisch) 23. April 2019. Abgerufen am 23. April 2019.
  6. Kashmira Gander: Transgender teenager Leelah Alcorn took her life because ‘parents would not allow her to transition’ (englisch) independent.co.uk. 30. Dezember 2014. Abgerufen am 1. Januar 2015.