Supermond

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Links ein durchschnittlicher Vollmond, rechts in Erdnähe

Supermond (englisch super moon) ist ein 1979 vom Astrologen Richard Nolle geprägter Ausdruck für einen Voll- oder Neumond, der sich im oder nahe beim erdnächsten Punkt (Perigäum) seiner Erdumlaufbahn befindet.[1] Der erdnahe Vollmond wäre mit Supervollmond klar bezeichnet, was aber häufig unterbleibt, indem mit Supermond nur dieser gemeint ist.

Nolle prägte den Begriff im Zusammenhang mit seiner These, dass bei einem Supermond (sowohl Voll- als auch Neumond) die Wahrscheinlichkeit von Vulkanausbrüchen und Erdbeben größer sei als bei kleinen und mittleren Abständen von der Erde.[1] In den Tagesmedien ist ein Supervollmond wegen seiner scheinbaren Größe und Helligkeit, die bei Beobachtung mit bloßem Auge mangels direktem Vergleich mit einem durchschnittlichen Vollmond nicht erkennbar ist, dennoch eine beliebte Meldung, die wenigstens auf das “entzückende und fesselnde Bild eines Vollmondes am Himmel” (“The full Moon is always a lovely and compelling sight in the sky”)[2] aufmerksam macht.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Nolle formulierte Mindest-Erdabstand „... the Moon at or near (within 90% of) its closest approach to Earth in a given orbit“[1] (entspricht kleiner als etwa 367.610 km[3]) ist nicht besonders klein. Somit gibt es wenigstens vier Supermonde pro Jahr,[3] die als Medienmeldungen unauffällig bleiben würden. Bei einer beispielweisen engen Grenze - einer wie die von Nolle ebenfalls willkürlich gezogenen - von 356.500 km gibt es im 20. und im 21. Jahrhundert nur drei [4] bzw. vier[5] Supervollmonde. Bei Gebrauch dieser Grenze ist u. a. folgende Schlagzeile möglich: „Du hast Glück: Bald strahlt der grösste Supermond seit 1948 am Himmel“.[6] Das betraf den Vollmond im November 2016 (mit etwa 356.520 knapp mehr als 356.500 km[3]), der den vom Vollmond im Januar 1948 (etwa 356.460 km[4]) gehaltenen Supervollmond-Langzeitrekord nach bisher etwas mehr als 68 Jahren nahe kam, ihn dennoch nicht brechen konnte.[4]

Größen, die die Erscheinung des Supermondes bestimmen, sind sein scheinbarer Durchmesser und seine Helligkeit. Der Durchmesser ändert sich umgekehrt proportional mit dem infolge seiner elliptischen Bahn veränderlichen Abstand von der Erde. Die Schwankung der Helligkeit ist das Quadrat der Durchmesser-Schwankung. Die Größtwerte der Schwankungen sind etwa ± 7 % bzw. ± 15 %, bezogen auf die jeweiligen Mittelwerte.

Die elliptische Bahn wird sowohl von der Sonne als auch von den Planeten gestört. Die Größtwerte treffen selten ein, weil der Einfluss der Planeten unregelmäßig ist. Wird nur der regelmäßige Einfluss der Sonne beachtet, so verringern sich die Werte auf theoretisch ± 6,5 % bzw. ± 13,4 %, die von jedem 14. Vollmond infolge erreicht würden.

Für den Vollmond mit den negativen Extremwerten (größte Erdferne bei Passage des Apogäums) gibt es im Unterschied zum Supervollmond keine besondere Bezeichnung.

Bezug zur Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Supermond“ wird in der Wissenschaft allgemein und in der wissenschaftlichen Astronomie im Speziellen nicht verwendet, da sich beide nicht mit den im Zusammenhang mit einem Supermond stehenden, nur schwer beobachtbaren Änderungen eines Vollmonds oder Neumonds befassen. Es gibt keine Notwendigkeit seines Gebrauchs für z. B. die Darstellung des scheinbaren Monddurchmessers, der Mondhelligkeit oder der von den Mondphasen abhängigen Gezeitenkräfte.

Alle weiteren, die Astrologie beschäftigenden Einflüsse eines „Super“-Vollmondes werden von der Wissenschaft in den Bereich der Esoterik verwiesen.[7][8] Das betrifft u. a. die von Nolle vertretene These des Supermond-Einflusses auf Vulkanausbrüche und Erdbeben.[2]

Zur relativen Häufigkeit eines Supermonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verteilung der Erddistanz der Perigäen (links) und Apogäen (rechts) zwischen −3000 und +3000 a: Die Perigäen zeigen Maxima bei 357.000 – dem aktuellen kurzfristigeren Durchschnittswert – und 369.000 km.

Zwischen den beiden einen Supermond bestimmenden Ereignissen vergehen ein synodischer Monat (zwischen zwei gleichen Mondphasen; durchschnittliche Dauer: 29,5306 Tage) bzw. ein anomalistischer Monat (zwischen zwei Passagen desselben Ellipsenpunkts; durchschnittliche Dauer: 27,5546 Tage). Ein Supermond findet erneut statt, wenn ganze Vielfache dieser beiden Periodendauern gleich sind. Der kürzeste Supermond-Zyklus (vergleichbar mit einem Finsterniszyklus) besteht aus 14 synodischen Monaten.

So ist z. B. jeder 14. nachfolgende Supervollmond dem jeweils vorangehenden sehr ähnlich. Er ist nicht nur wegen des Rechenergebnisses nicht ganz gleich, sondern auch wegen der Rechnung mit durchschnittlichen Werten; die realen Werte streuen wegen der Bahnstörungen. Die unter die Nahgrenze von 356.500 km fallenden Supervollmonde befinden sich in diesem 14er Zyklus. Die jeweils 13 dazwischen liegenden Vollmonde sind immer deutlich keine oder "schlechtere" Supervollmonde.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Supervollmond – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: weltweite Bilder und Medien vom 2016er-Supermond – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Richard Nolle: SUPERMOON - What It Is, What It Means
  2. a b Discover-Magazine: Kryptonite for the supermoon, [1], „But I’ll add that the Moon will actually be a bit closer than usual, and while you might not notice the size or brightness difference by eye, the full Moon is always a lovely and compelling sight in the sky. So I urge everyone to go out and take a look.“
  3. a b c AstroPixels (Fred Espenak): Full Moon at Perigee (Super Moon): 2001 to 2100, [2]
  4. a b c Earth Sky: Closest supermoon since 1948!
  5. AstroPixels (Fred Espenak): Ultimate Full Moon Perigees (Super Moons): 2001 to 2100, [3]
  6. Watson.CH - Wissen - Astronomie
  7. Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie: Supervollmond am 14. 11.? Nicht wirklich super ..., [4]
  8. Zudem gibt es zweckbestimmte Fälschungen (Teleobjektiv-Fotos, Fotomontagen u.ä.), in denen der Supermond abnormal groß dargestellt ist; vergl dazu Matt Novak: 86 Viral Images From 2014 That Were Totally Fake. Auf gizmodo.com.au, 2. Januar 2015, Bilder 20, 43, 44, 61
  9. AstroPixels (Fred Espenak): Ultimate Full Moon Perigees (Super Moons): 2001 to 2100, [5]; vgl. die mit einem m gekennzeichneten Vollmonde.