SwissPass

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Dieser Artikel behandelt die Kundenkarte des Verbands öffentlicher Verkehr in der Schweiz. Für das Billet für ausländische Gäste in der Schweiz siehe Swiss Pass.

SwissPass ist eine Kundenkarte des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), die seit dem 1. August 2015 ausgegeben wird. Seither wird sie zum Erwerb von General- und Halbtax-Abonnements zwingend benötigt und dient als Fahrausweis sowie der Kundenbindung.

Aufbau und Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem SwissPass sind Foto, Name, Geburtsdatum, Geschlecht sowie entsprechende Codes aufgedruckt. Hingegen finden sich keine Angaben zu den gekauften Leistungen wie Verkehrsabonnements und damit auch keine Ablaufdaten. Diese Angaben werden über die beiden integrierten RFID-Chips festgehalten, wovon einer in erster Linie der Gültigkeitskontrolle von ÖV-Leistungen, der andere primär derjenigen von Skipässen dient. Nach Angaben der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) werden auf den RFID-Chips keine direkten Kundendaten gespeichert, sondern bloss eine Kennnummer, welche etwa von Kontrolleuren öffentlicher Verkehrsmittel mittels entsprechend ausgerüsteter Smartphones ausgelesen werden kann. Bei einer Fahrgastkontrolle werden daraufhin die mit dieser Kennnummer verbundenen abonnierten Leistungen und die persönlichen Daten ermittelt und mit den auf der Karte aufgedruckten Angaben verglichen.[1]

Weitere Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der SwissPass kann für alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz verwendet werden sowie einige weitere Dienste wie Mobility Carsharing, PubliBike (ein schweizweites Fahrradverleihsystem), SchweizMobil und gewisse Skigebiete. Das Abo verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn nicht fristgerecht gekündigt wird. Eine Funktion zur elektronischen Erinnerung (SMS oder E-Mail) an den letzten Gültigkeitstag sowie den Kündigungstermin steht nur Kunden zu, die ein Generalabonnement auf Jahresrechnung oder ein Halbtax gekauft haben.[2] Dazu ist die Einrichtung eines speziellen Online-Kontos notwendig, worüber u. a. auch die Ablaufdaten der darauf geladenen Abos einsehbar sind.[3]

Eine SwissPass-Karte hat im Gegensatz zu den mit ihr verknüpften gekauften Leistungen kein Ablaufdatum.

Der SwissPass wird durch die Gemalto AG mit Sitz in Aarau (ehemals Trüb AG) produziert, personalisiert und direkt an die Karteninhaber/innen verschickt.[4]

Auf einer Webseite der SBB für Medienschaffende ist eine detaillierte Beschreibung des Kontrollvorgangs zu finden. [5][6]

Die SBB haben einen Teil der Vorderseite des SwissPass als geschützte Marke für zehn verschiedene Waren- und Dienstleistungsklassen eintragen lassen.[7]

SwissPass-Login[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SwissPass-Login ist kostenlos und auch ohne die rote SwissPass-Karte erhältlich. Die Zugangsdaten von swisspass.ch dienen auch als Zugang zu diversen Onlinediensten des Öffentlichen Verkehrs. Seit November 2017 ist das SwissPass-Login für die Zugänge zum Billettkauf über SBB Mobile und auf SBB.ch zwingend erforderlich.[8]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kosten für die Nutzung durch Dritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebe, die den SwissPass als Zahlungsmittel einführen, müssen eine Gebühr an die SBB entrichten. Einige Bergbahnen boykottieren den SwissPass deswegen.[9]

Kritik auf politischer Ebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neue Swiss Pass geriet vor seiner Einführung im Sommer 2015 im Hinblick auf den Datenschutz unter Kritik.[10] Beispielsweise hieß es, die Sammlung der Daten ermögliche es, ein Bewegungsprofil von Bahnkunden zu erstellen.[11]

Am 10. August 2015 wurde die Petition 15.2018 «Gegen den Swisspass-Zwang» eingereicht.[12][13]

Am 9. September 2015 wurde durch den Nationalrat Jean Christophe Schwaab die Interpellation 15.3822 «Kinderkrankheiten des neuen Abonnements des öffentlichen Verkehrs ‹SwissPass› schnell kurieren» eingereicht. Der Bundesrat nahm am 4. November 2015 dazu Stellung.[14]

Sachverhaltsabklärung durch den EDÖB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Februar 2016 wurde durch eine Medienmitteilung öffentlich bekannt, dass der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftrage (EDÖB) Ende des Jahres 2015 eine Sachverhaltsabklärung zum Swisspass und den damit zusammenhängenden Datenbearbeitungen durchgeführt hat.[15] Aus dem Schlussbericht und der Empfehlung des EDÖB können folgende wesentlich Punkte der rechtlichen Beurteilung entnommen werden:[16][17]

  • Gegenüber Kunden und Dritten sollte mehr Transparenz geschaffen werden, wer Inhaber der Datensammlungen im Zusammenhang mit dem SwissPass ist.
  • Die Aufbewahrung der Kontrolldaten in der Kontrolldatenbank während 90 Tagen ist nicht notwendig und somit unverhältnismässig. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in der Kontrolldatenbank Bewegungsprofile entstehen.
  • Betreffend der Petition 15.2018 vertrat das Bundesamt für Verkehr (BAV) in der Korrespondenz mit dem EDÖB die Auffassung, dass die Kontrolldatenbank weder verhältnismässig ist noch auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage beruht.
  • Empfehlung Nr. 1: Der VöV und die SBB sollten sicherstellen, dass die Kontrolldaten unverzüglich gelöscht und die Kontrolldatenbank nicht mehr weiter betrieben wird.
  • Vorschlag Nr. 2: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sind im Bereich der personenbezogenen Datenbearbeitung zu Marketingzwecken unpräzise formuliert. Es sollte klargestellt werden, dass nicht nur die Kontaktaufnahme, sondern allgemein die personenbezogene Datenbearbeitung zu Marketingzwecken von den Kunden untersagt werden kann.
  • Vorschlag Nr. 3: Der VöV und die SBB sollten ihr Regelwerk zur Datennutzung sowie allenfalls weitere Dokumente gemäss den anderen Empfehlungen anpassen.

Am 29. Februar 2016 haben die Schweizerischen Bundesbahnen und der Verband öffentlicher Verkehr in weitgehend gleichlautenden Medienmitteilungen auf die Empfehlungen des EDÖB reagiert und folgende wesentliche Punkte geäussert:[18][19]

  • Der VöV und die SBB werden die Vorschläge und Empfehlungen aus dem Schlussbericht des EDÖB befolgen.
  • Der Betrieb der Kontrolldatenbank wird per Ende März 2016 eingestellt.
  • Es werden klare rechtliche Grundlagen für eine derartige Datenverarbeitung für Kontroll- und Verrechnungszwecke angestrebt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SwissPass – der Schlüssel für Ihre Mobilität. Abgerufen am 28. November 2015.
  2. sbb.ch: Einführung des SwissPass: Informationen für Geschäftskunden. Abgerufen am 7. November 2015.
  3. swisspass.ch: Abonnemente. Abgerufen am 7. November 2015.
  4. trueb.ch: Trüb produziert und personalisiert den "SwissPass" des schweizerischen öV. Abgerufen am 4. März 2016.
  5. sbb.ch: SBB: Einführung SwissPass. Abgerufen am 21. März 2016.
  6. sbb.ch: Sondernummer SwissPass. (PDF) Abgerufen am 21. März 2016.
  7. swissreg.ch: Swissreg – Eidg. Institut für Geistiges Eigentum: Detailansicht zu Marken Nr.: 655249. Abgerufen am 6. Mai 2016.
  8. sbb.ch: Die Zukunft gehört dem SwissPass-Login. Abgerufen am 15. November 2017.
  9. tagesanzeiger.ch: Bergbahnen verschmähen Swiss Pass vom 7. November 2015. Abgerufen am 7. November 2015.
  10. Der Swisspass und der Datenschutz. SBB, 15. April 2016, abgerufen am 8. Oktober 2017.
  11. Matthias Schüssler: «Der Swiss Pass hat das Potenzial zur Massenüberwachung». In: www.tagesanzeiger.ch. 17. März 2015, abgerufen am 8. Oktober 2017.
  12. parlament.ch: Petition 15.2018 Gegen den Swisspass-Zwang. Abgerufen am 10. März 2016.
  13. grundrechte.ch: Brief an die Mitglieder der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Ständerates. Abgerufen am 16. März 2016.
  14. parlament.ch: Interpellation 15.3822: Kinderkrankheiten des neuen Abonnements des öffentlichen Verkehrs "Swiss Pass" schnell kurieren. Abgerufen am 10. März 2016.
  15. news.admin.ch: Datenschutz beim «Swiss Pass»: EDÖB fordert Löschung der Kontrolldaten. Abgerufen am 4. März 2016.
  16. news.admin.ch: Schlussbericht betreffend die Kontrolle des EDÖB in Sachen SwissPass des VöV und der SBB AG vom 4. Januar 2016. Abgerufen am 4. März 2016.
  17. news.admin.ch: Empfehlung vom EDÖB vom 4. Januar 2016. (PDF) Abgerufen am 4. März 2016.
  18. sbb.ch: Datenschutzbeauftragter überprüft den SwissPass: VöV und SBB sind sich mit dem Datenschutzbeauftragten einig. Abgerufen am 4. März 2016.
  19. voev.ch: VöV und SBB sind sich mit dem Datenschutzbeauftragten einig. Abgerufen am 4. März 2016.