Synagoge zum Weißen Storch

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Die Synagoge in der ul. Pawła Włodkowica 7

Die Synagoge zum Weißen Storch, polnisch Synagoga pod Białym Bocianem, ist die größere der beiden wiedereröffneten Breslauer Synagogen.

Erbaut in den Jahren 1827 bis 1829 durch Carl Ferdinand Langhans, gehörte sie bis 1872 zum liberalen, danach bis zu den Novemberpogromen 1938 und noch bis 1941[1] zum konservativen Judentum. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs diente sie als Garage und Lager für geraubtes Eigentum von Juden. Nach umfassender Renovierung wurde das ehemalige Gotteshaus im Mai 2010 als Veranstaltungszentrum neu eröffnet. Die Synagoge zum Weißen Storch bildet zusammen mit der orthodoxen, sowie der katholischen und evangelische Kirche den Kulturpfad der Vier Tempel. Das Viertel wird auch Toleranzviertel, vier Tempel Viertel oder Viertel der gegenseitigen Achtung bezeichnet. In diesem Rahmen gibt es ein gemeinsames Programm von Kultur- und Bildungsveranstaltungen, welches von der Stadtverwaltung unterstützt wird.

Geschichte der Synagoge zum Weißen Storch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Breslau wurde in seiner Geschichte durch unterschiedliche staatliche Zugehörigkeiten geprägt und ist immer schon ein Ort an dem Menschen verschiedener Nationen, mannigfaltige Kulturen und Konfessionen leben. Auf eine über 800 jährige Stadtgeschichte blickt Breslau zurück. So auch die jüdische Bevölkerung der Stadt.

Nachdem Schlesien von Preußen erobert worden war, begann das goldene Zeitalter der deutschen Juden in Breslau. Die jüdische Bevölkerung Breslaus zählte von 1925 an bis zum Jahr 1945 ca. 23.000 Personen zur jüdischen Glaubensgemeinschaft unter ihnen bekannte Künstler, Wissenschaftler, Politiker und Handelsmänner. Das macht Breslau zur drittgrößten jüdischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland. Seit 1854 war Breslau Sitz des renommierten jüdisch-theologischen Seminars, indem sich orthodoxe und reformierte Rabbiner trafen, um dort zu studieren und zu diskutieren. Die Anwesenheit der Juden – unterbrochen durch Verfolgung und Vertreibung – hatte eine wesentliche Bedeutung für die Stadt und ihre wirtschaftliche Entwicklung. Diskriminierung und Isolierung konnten über Jahrzehnte hinweg den völligen Ausschluss der Juden aus dem politischen und kulturellen Leben der Stadt nicht verhindern. Die Synagoge zum Weißen Storch ist ein Zeugnis dieser Geschichte.

Erste Pläne zum Bau der Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ideen für den Bau einer Synagoge wurden 1790 geboren, als der schlesische Minister, Graf Karl Georg Heinrich von Hoym, den Bau einer öffentlichen Synagoge Breslaus vorschlug, die der gesamten jüdischen Gemeinde dienen sollte, und gleichzeitig die Schließung aller privaten Synagogen und Gebetshäuser in der Stadt vorsah. Der Plan wurde jedoch mangels Interesse der orthodoxen Juden nicht umgesetzt. Erst im Jahr 1820 setzen sich die Behörden durch und erzwangen den Bau. Die privaten Gebetshäuser mussten schließen. Das erhöhte die Möglichkeiten die die jüdischen Gemeinde zu kontrollieren.  

Früher hatte sich in auf dem Gelände der Antonius-Straße 35, auf dem die Synagoge gebaut wurde die Schenke „Zum Weißen Storch“ befunden, von dem die Synagoge vermutlich ihren Namen hat. Es gibt jedoch auch andere Quellen, die sagen, der Name wurde von einer naheliegenden Gerberei abgeleitet, die einer Familie Storch gehörte. Religiöse Uneinigkeiten in der stark gespalteten jüdischen Gemeinde führten zu weiteren Unterbrechungen des Bauvorhabens.

Beginn des Bauvorhabens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1819 schickte das in Berlin ansässige Innenministerium im Namen von König Friedrich Wilhelm III. einen Brief, in dem es ausdrücklich den Bau einer großen, öffentlichen Synagoge und die Schließung kleiner Gebetshäuser ohne gültige Konzessionen forderte. Nach langen Konsultationen und Debatten weigerte sich der Gemeinderat, der königlichen Forderung nachzukommen.

Am 2. April 1820 schickte die jüdische Gemeinde einen Brief an den Präsidenten der Polizei in Breslau, in dem sie die Gründe für die Weigerung, der königlichen Aufforderung nachzukommen, erklärte. Das Problem war der Mangel an Mitteln für den Bau, sowie ungeregelte Fragen des Judentums in der Verfassung, die in der Verordnung von 1812 angekündigt wurden. Als Antwort auf das Schreiben der Gemeinde wurde diesmal nachdrücklich gefordert, innerhalb von zwei Jahren eine neue Synagoge zu errichten.

Bald darauf begann eine Spendenaktion. 9812 Taler wurden gesammelt, von denen 6777 von der Gesellschaft der ersten Brüder und der Rest wurde von den Mitgliedern von acht kleinen orthodoxen Gemeinden gespendet, die von Rabbi Solomon Tiktin unterstützt wurden. Die meisten orthodoxen Gläubigen waren jedoch gegen den Bau der Synagoge und unterstützten sie nicht finanziell. Die Mittel waren nicht ausreichend, um den Baubeginn zu ermöglichen.

Im Dezember 1820 wurden die Ratenverkäufe von Sitzen in der zukünftigen Synagoge abgeschrieben, was den Geldbetrag für den Bau des Gebäudes erhöhte. Bald darauf begannen die Verhandlungen mit Jakob Philip Silberstein, einem Kaufmann, der ein Baugrundstück unter der Hausnummer 35 in der Antonius-Straße besaß. Der Bau in der Antonius-Straße, in der sich zuvor die Schenke zum Weißen Storch befand, begann – daher der Name der Synagoge. Im Jahr 1819 wurde auch der architektonische Plan erstellt und von der Bauverwaltung akzeptiert.

Aufgrund des Widerstands der Mehrheit ihrer Mitglieder setzte im Juni 1821 der Vorstand der jüdischen Gemeinde den Bau der Synagoge aus. Der Grund dafür war wahrscheinlich eine zu große Vielfalt an Ansichten und Religionen und ein Mangel an Einheit in der jüdischen Gemeinde.

1826 wurde die Absicht, eine große und repräsentative Synagoge zu bauen, wiederbelebt, diesmal durch die Mitgliedern der liberalen Gesellschaft der ersten Brüder. Wahrscheinlich war das Auslaufen des Mietvertrages der Tempel-Synagoge im Jahr 1817 Grund dafür.

Die Bauarbeiten begannen 1827 auf dem Ende 1820 erworbenen Grundstück an der Antonius-Straße. Investor war Jakob Philip Silberstein, der Eigentümer des Grundstücks, ein Mitglied der Gemeinde und möglicherweise auch der Gesellschaft der ersten Brüder. Von Baubeginn bis Mai 1828 wurden die Bauarbeiten vom Maurermeister Schindler und nach seinem Tod vom Maurermeister Tschoke geleitet. Die gesamte Arbeit wurde vom Bauleiter Thiele betreut.

Am 23. April 1829 wurde die Synagoge offiziell eröffnet, und der erste Gottesdienst fand 13 Tage früher, das heißt am 10. April statt. Seitdem fungierte sie als private Synagoge für Mitglieder der Gesellschaft.

Die Synagoge wurde von dem deutschen Architekten und Baurat Carl Ferdinand Langhans entworfen, der sich vom schlesisch-preußischen Sakralbaustil des 18. Jahrhunderts inspirieren ließ. Er ist der Sohn des deutschen Architekten Carl Gotthard Langhans, der das Brandenburger Tor in Berlin entwarf. Die erste Maldekoration stammt von Raphael Biow und seinem Sohn. Eine Zeitlang wurde ihm auch die Autorenschaft für den Entwurf der Synagoge zugeschrieben.

Von liberal zu orthodox[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Bau der sogenannten Neuen Synagoge am Anger im Jahre 1872, die als Gebetshaus für die stark wachsende liberale Gemeinde genutzt werden sollte, wurde die einst liberale Synagoge zum Weißen Storch nun die Hauptsynagoge der orthodoxen jüdischen Gemeinde. Jedoch musst die Synagoge zum Weißen Storch an die religiösen Bedingungen des orthodoxen Glaubens angepasst werden. Zum Beispiel musste die Trennung der Geschlechter während des Gebets gewährleistet werden. So wurden drei Treppenhäuser angelegt, die es möglich machten, dass man zu den Frauen-Emporen gelangte. 1907 wurden die Umbauarbeiten von Paul und Richard Ehrlich durchgeführt. Weitere Änderungen am Gebäude fanden anlässlich des 100. Jahrestags statt. Die Synagoge wurde radikal modernisiert. Im Jahr 1929 wurde die Fassade aufgefrischt, eine Zentralheizung installiert und die elektrische Beleuchtung erneuert.

In der NS-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Novemberpogromen der Nationalsozialisten, besonders der sogenannten Kristallnacht am 9. November 1938 bleibt die Synagoge zum Weißen Storch als einzige Synagoge beinahe unbeschadet. Die Nähe zu den umliegenden Gebäuden, schützte das Gebäude vor der vollständigen Zerstörung. Ein Feuer, so befürchteten die Nationalsozialisten würde sich schnell auf die umliegenden Gebäude ausweiten und dass wollte man nicht riskieren.

Die Neue Synagoge am Anger hingegen wurde erbarmungslos zerstört. Der Anblick, wie eine der größten Synagogen in Europa in Flammen aufgeht war ein einschneidendes und zutiefst schmerzliches Erlebnis für die Breslauer jüdische Gemeinschaft ebenso wie für viel Juden in Europa.

Jährlich am 9. November findet ein Gedenkmarsch von der Synagoge zum Weißen Storch zur Gedenktafel, der Neue Synagoge am Anger statt. Lange glaubte man, die Synagoge sei restlos zerstört worden, doch stieß man vor einigen Jahren auf Überreste der Grundmauern. 2019 entstanden ambitionierte und visionäre Projekte die, die Neue Synagoge als 3D Modell wieder auferstehen lassen und mittels Augmented Reality auf dem Handy zugänglich macht.

Während des Krieges wurde der Innenhof als Umschlagplatz genutzt. Als Umschlagplatz bezeichnet man hier einen Sammelplatz für Juden, die von hier aus in die Todeslager deportiert wurden. Etwa die Hälfte der Breslauer Juden konnten vor ihrer Verhaftung aus Deutschland fliehen. Die Zurückgebliebenen kamen in den Konzentrationslagern ums Leben. Die Synagoge wurde von den Nationalsozialisten als Garage und als Lager für das gestohlene Eigentum von  Juden genutzt.

Eine polnische Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. August 1945 bat das Jüdische Komitee Breslaus, als Vertreter der überlebenden polnischen Juden, die sich nach dem Krieg dort niederließen, den Bürgermeister der Stadt, Aleksander Wachniewski, um die Rückgabe der Synagoge, die damals von der Miliz besetzt war. Nach der Wiedererlangung renovierte das Komitee das Gebäude und baute es wieder als Gotteshaus um.

Nachfolgende Wellen jüdischer Auswanderung aus Polen, Diskriminierung durch die kommunistischen Behörden und Vandalismus durch „nicht identifizierte Personen“ trugen zur allmählichen Verschlechterung des Gebäudes bei. In den sechziger Jahren diente die Synagoge als Gebetshaus und Treffpunkt für die wenigen noch in Breslau lebenden Juden. Die kommunistischen Behörden schlossen die Synagoge 1966 und behaupteten, dass sie eine öffentliche Gefahr sei.

Die Israelitische Gemeinde in Breslau intervenierte ein Jahr später und erhielt die Erlaubnis, den unteren Teil der Synagoge für bestimmte Feiertage zu nutzen.

Antisemitische Kampagne von 1968[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jahr 1968 markierte einen weiteren dramatischen Moment in der Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge. Die letzte Welle der Auswanderung, die durch die antisemitische Kampagne der kommunistischen Behörden ausgelöst wurde, beendete die Gottesdienste in der Synagoge.

1974 wurde die Synagoge von der Regierung beschlagnahmt und an die Universität Breslau übergeben, die in eine Bibliothek und Hörsäle umgewandelt wurde. Der Umbau begann 1976, wurde aber bald aufgegeben und das Gebäude wurde dem Verfall preisgegeben. Nach 1984 wurde es dem Zentrum für Kultur und Kunst der Stadt übergeben, mit Plänen für die Nutzung als Veranstaltungsort für künstlerische Aufführungen. Die anhaltende Verwüstung – vor allem durch zwei Brände – führt zu einem weiteren Besitzerwechsel. 1989 plante die Musikakademie Breslaus den Umbau des Gebäudes in einen Konzertsaal. Der Wiederaufbau wurde kurz nach dem Entfernen des Daches gestoppt und das verlassene Gebäude verfiel zu Ruine. Sie wurde 1992 von einem privaten Eigentümer übernommen.

Demokratie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der politischen Veränderungen 1989 und der positiven Einstellung der neuen, demokratischen lokalen und nationalen Behörden mussten noch einige Jahre vergehen, bis die Synagoge zum Weißen Storch an ihren rechtmäßigen Besitzer, die jüdische Gemeinde Breslaus, zurückgegeben wurde. Der Kardinal Henryk Gulbinowicz, der ehemalige Metropolitan von Breslau überzeugte das Ministerium für Kultur und Erbe davon das Gebäude vom privaten Eigentümer zu kaufen und es am 10. April 1996 an die wiedergeborene jüdische Religionsgemeinschaft in Breslau zurückzugeben.

Einer der ersten, der den historischen Wert der Erhaltung der Synagoge zum Weißen Storch erkannte, war Eric F. Bowes, ein Jude aus Breslau, der leider verstarb, bevor der Wiederaufbau abgeschlossen war. Der erste Rosh Hashanah Gottesdienst fand im September 1995 in der zerstörten Synagoge statt.

Restaurierungsprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiederherstellung durch die jüdische Gemeinde Wrocławs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1996 begann der Restaurierungsprozess unter der Leitung von Anna Kościuk, der leitenden Architektin während der gesamten Zeit. Im Mittelpunkt der Arbeiten stand der Austausch des Daches, der von der Stiftung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit finanziert wurde. Die Pläne für eine weitere Renovierung basierten auf bestehenden Bogenillustrationen. Im Jahr 1998 wurde die dritte Phase der Renovierung durch eine Spende der KGHM Polska Miedź S.A., der Lauder Stiftung und der Stadt Breslau abgeschlossen.

Im November 1998, 60 Jahre nach der Kristallnacht, fand in der Synagoge eine besondere Gedenkfeier statt. Der Chor der Synagoge zum Weißen Storch unter der Leitung von Stanisław Rybarczyk sang bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal. Unter den Anwesenden waren Jerzy Buzek, der ehemalige polnische Ministerpräsident, und Bogdan Zdrojewski, der ehemalige Bürgermeister vonBreslau. Es war der Höhepunkt des Kampfes um die Rückforderung und Rettung der Synagoge, angeführt von Michael Schudrich, Oberrabbiner Polens, und Jerzy Kichler, dem ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Breslaus und auch des Verbandes der jüdischen Religionsgemeinschaften in Polen. Jerzy Kichlers Beitrag und Engagement für die grundlegende Sanierung des Gebäudes waren entscheidend. Seine Arbeit wurde zusammen mit David Ringel und Anatol Kaszen von den nachfolgenden Leitern der jüdischen Gemeinschaft, Ignacy Einhorn und seinem Stellvertreter Klara Kołodziejska, sowie Karol Lewkowicz und Józef Kożuch fortgesetzt.

Die Bente Kahan Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Mai 2005 wurde auf Initiative von Bente Kahan, einer norwegisch-jüdischen Künstlerin in der Synagoge zum Weißen Storch das Zentrum für jüdische Bildung und Kultur in Breslau eröffnet. Ein Jahr später gründete Bente Kahan zusammen mit Maciej Sygit, einem sozial engagierten lokalen Unternehmer die Bente-Kahan-Stiftung. Die Stiftung hat sich mit der jüdischen Gemeinde und der Stadt Breslau, sowie dem  Verbandes der Jüdischen Religionsgemeinschaften in Polen zusammengetan, um die Synagoge zum Weißen Storch zu Restaurieren. Der weitere Wiederaufbau wurde mit finanzieller Unterstützung der Stadt Wrocław durchgeführt. Von 2006 an leitet die Bente Kahan Stiftung die Restaurierungsarbeiten, die 2010 mit der feierlichen Wiedereröffnung der Synagoge abgeschlossen wurden. Im Jahr 2008 erhielt die Bente Kahan Stiftung einen Zuschuss des Europäischen Wirtschaftsraums (Island, Liechtenstein und Norwegen), um die Restaurierung des historischen Gebäudes und des umliegenden Innenhofs abzuschließen.

Das 2018 durch die Bente Kahan Stiftung restaurierte rituelle Bad ist einzigartig. Seit der Restaurierung wird das rituelle Bad wider durch die Gläubigen der Gemeinde durchgeführt. Darüber hinaus ist die Mikwe für Touristen zugänglich. Sie bietet neben Wechselausstellungen, die Dauerausstellung Jüdischer Lebenszyklus, die über Rituale, Feiertage und den jüdischen Kalender informiert und dient als besonderer Veranstaltungsort für Performances und Konzerte. Das  neue Kellergeschoss bietet nun Platz für Ausstellungen und Workshops, die von der Betet Kahan Stiftung angeboten und kuratiert werden.   

Im Oktober 2019 wurde Bente Kahan mit dem internationalen Brückepreis für ihre unermüdliche Arbeit ausgezeichnet.

„Wenn wir unsere Geschichte im Jahr 2019 erzählen, also 80 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, ist es an der Zeit nicht mehr zu sagen wir und die, sondern uns, unser gemeinsames Erbe“, Auszug aus der Dankesrede Bente Kahans – Brückepreis 2019

Die Verleiher begründen ihre Entscheidung wie folgt:

„Durch ihr künstlerisches Schaffen, ihr Engagement und ihren Lebensweg  sowie ihre persönliche Ausstrahlung stellt Bente Kahan eine Klammer dar, die viele Facetten europäischer Kultur, Religionen, Ethnien und Strömungen – darunter zentripetale Elemente, die aktuell an Präsenz und Wahrnehmung zunehmen – miteinander zu vereinen und zu versöhnen vermag. In diesem Sinne ist sie eine der exponierten Brückenbauerinnen in Europa.“, Prof. Dr. Willi Xylander, Präsident der Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises für das Jahr 2019[2]

In jedem Jahr finden rund um den 9. November die von der Stiftung ins Leben gerufenen Tage des gegenseitigen Respekts statt. Zahlreichen Veranstaltungen, Vorträgen, Workshops und Konzerte, reihen sich hier um den Marsch des gegenseitigen Respekts. Der Marsch gedenkt der Zerstörung des jüdischen Erbes in der Nacht des 9. Novembers 1938. Er führt vom Vorplatz der Synagoge zur Neuen Synagoge am Anger, die in der Pogromnacht vollständig abgebrannt wurde.[3]

Restaurierung der Mikwe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Krieg gab es in ganz Breslau zahlreiche Mikwaot, einige sogar in Privathäusern. 1901 wurde die Mikwe neben der Synagoge in der Włodkowica Straße 9 gebaut. Sie überlebte den Ersten Weltkrieg in einem recht gutem Zustand. Zusammen mit anderen Gebäuden der jüdischen Gemeinde und der Synagoge zum Weißen Storch und wurde ab 1945 wieder von den Juden genutzt. Sie diente der Gemeinde bis etwa 1968 und wurde dann von den kommunistischen Behörden beschlagnahmt, ebenso wie die Synagoge selbst. Mit der Zeit verwahrloste die Mikwe und diente irgendwann sogar als Abwasserkanal für die darüber liegenden Wohnungen des Gebäudes.

Restaurierte Mikwe mit Bühne und Piano

Die Mikwe wurde 1997 an die jüdische Gemeinde von Breslau zurückgegeben. 2011 finanzierte die Stadt Breslau den Wiederaufbau des Daches und des Pools. Im Jahr 2017 starteten die Bente-Kahan-Stiftung mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, der Stadt Breslau und der Stiftung Deutsch-Polnischer Denkmalschutz die Restaurierungsarbeiten am Kulturerbe.

Die vollständig restaurierte historische Mikwe wurde am 13. Oktober 2018 wiedereröffnet und dient sowohl als rituelles Bad für die jüdische Gemeinde Breslaus als auch als öffentlicher Raum, der die Multimedia-Ausstellung Jüdischer Lebenszyklus präsentiert. Die Ausstellung bietet auf einem Touch Screen Einblicke in den Aufbau der Mikwe, jüdische Feiertage und den jüdischen Kalender.[4]

Restaurierung der Shul[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurierte Shul (kleine Synagoge)

Die Synagoge zum Weißen Storch wird nur an den großen jüdischen Feiertagen von den Gläubigen als Gebetshaus genutzt. Sie dient auf der einen Seite als Ort für Ausstellungen und kulturellen Austausch und auf der anderen Seite als religiöser Ort für die jüdische Gemeinde und öffnet sich somit in besonderer Weise allen interessierten Menschen unabhängig von Glaube und Herkunft. Im Alltag dient ein kleineres Gebetshaus, dass sich Shul nennt und an die Synagoge zum Weißen Storch angebaut ist, der jüdischen Gemeinschaft als Gebetsraum.  Im Jahr 2018 wird diese sorgsam restauriert und ist jetzt das Herzstück der jüdischen Gemeinde.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synagoge zum Weißen Storch im Dezember 2019

Die Synagoge wurde von dem deutschen Architekten und Baurat Carl Ferdinand Langhans entworfen, der sich vom schlesisch-preußischen Sakralbaustil des 18. Jahrhunderts inspirieren ließ. Er ist der Sohn des deutschen Architekten Carl Gotthard Langhans, der das Brandenburger Tor in Berlin entwarf. Die erste Maldekoration stammt von Raphael Biow und seinem Sohn. Eine Zeitlang wurde ihm auch die Autorenschaft für den Entwurf der Synagoge zugeschrieben.

Das gemauerte, orientierte und einräumige Synagogengebäude wurde nach dem Plan eines länglichen Rechtecks im klassizistischen Stil mit Elementen der römischen Architektur errichtet. Nur die östlichen und südlichen Fassaden erhielten einen reichen architektonischen Rahmen, dessen Kompositionselemente aus zwei flachen Risaliten mit korinthischen Pilasterportalen bestehen, die mit dreieckigen Giebeln und hohen, mit Bögen geschlossenen Fenstern bekrönt sind. Das Ganze ist mit einem abgeflachten, gebrochenen Dach bedeckt, das mit einem blinden Dachboden bedeckt ist, über dem ein achteckiger Leuchtturm mit einer Kuppel dominiert.

Das Innere des Hauptgebetsraumes, der in Bezug auf die Straße abgesenkt ist, ist mit einem Troggewölbe bedeckt. Auf drei Seiten von Stahlbeton umgeben, zweigeschossige, neoromanische Galerien für Frauen aus dem Jahr 1905. Sie ersetzten die bisherigen Holzgalerien, die 12 Säulen und Wandpfeiler trugen. Zu ihnen führen Außentreppen aus dem Jahr 1872, die sich an der West- und Südseite befinden.

An der Ostwand, in einer monumentalen serlianischen Arkade, befindet sich ein reich verziertes Aron ha-kodesh, über dem sich ein Oculus befindet. Sein Rahmen wird von vier Säulen an den Seiten eingerahmt, deren Kapitelle einen mit orientalischer Dekoration bedeckten Vollstrahl und einen Dachboden tragen. Das Ganze ist mit Dekalog-Tabellen gekrönt. Viele Jahre lang wurden die Überreste der zerstörten Garderobe im Historischen Museum in Wrocław aufbewahrt. Aron ha-kodesh wurde ursprünglich über eine Treppe erreicht, in deren Mitte eine Kanzel stand.

Synagoge zum Weißen Storch

Bis 1872 wurde der Eingang an der Südwand nur während der größten religiösen Zeremonien genutzt. Ihnen gingen Stufen voraus, die von zwei Laternen flankiert wurden und mit einer Tafel mit einer unbekannten hebräischen Inschrift bedeckt waren. Ursprünglich befanden sich die Haupteingänge an der Westwand, zentral für Männer und zwei Nebeneingänge für Frauen.

Die Synagoge ist ein Gebäude von historischem Wert. Sie wurde am 30. Dezember 1970 in das nationale Register der unbeweglichen Denkmäler unter der Nummer 203 eingetragen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Synagoge zum Weißen Storch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 4. September 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.breslau-wroclaw.de
  2. 2019 – Bente Kahan. Abgerufen am 18. Dezember 2019.
  3. Tage des gegenseitigen Respekts. In: Fundacja Bente Kahan. Abgerufen am 18. Dezember 2019.
  4. Kleine Synagoge (Schul), Mikwe und Keller. In: Fundacja Bente Kahan. Abgerufen am 18. Dezember 2019.

Koordinaten: 51° 6′ 29,5″ N, 17° 1′ 29,5″ O