System of Rice Intensification

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Reisfeld, entsprechend der SRI-Methode feucht aber nicht geflutet.
Reissetzlinge, entsprechend der SRI-Methode einzeln und mit Abstand gepflanzt.

SRI (von englisch System of Rice Intensification, auch SICA von spanisch Sistema Intensivo de Cultivo Arrocero, übersetzt deutsch Reis-Intensivierung) ist eine Anbaumethode für Reis, die 1983 vom Jesuiten Henri de Laulanie in Madagaskar beschrieben wurde. Der Leiter des International Institute for Food, Agriculture and Development der Cornell University, Norman Uphoff, trug ab 1997 maßgeblich zur Etablierung der Methode in Asien bei. Weil die Prinzipien der Feldbestellung ebenso auf andere landwirtschaftliche Anpflanzungen übertragbar sind, wird die Anbaumethode auch als „Wurzel-Intensivierung“ bezeichnet.[1]

Grundidee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zentralen Grundsätze der SRI-Methode sind entsprechend Veröffentlichungen der Cornell University:[2]

  • Reissetzlinge sollen jung (weniger als 15 Tage alt mit nur zwei Blättern) schnell, flach und vorsichtig gepflanzt werden. Das minimiert die Wurzelverletzungen und den „Pflanzschock“.
  • Reispflanzen sollen einzeln und mit Abstand gepflanzt werden. Das verbessert das Wurzelwachstum und führt zur Vergrößerung der photosynthetisch aktiven Blattfläche.
  • Die Bodenbedingungen sollen durch Anreicherung mit organischen Substanzen verbessert werden. Für die Düngung wird vorzugsweise Kuhmist verwendet, der Einsatz von Kunstdünger ist nicht notwendig.
  • Reisfelder sollen lediglich feucht gehalten werden, anstatt sie mit Wasser zu sättigen (fluten). Das verbessert das Wurzelwachstum und unterstützt das Wachstum und die Vielfalt aerober Bodenorganismen.

Unterstützende Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil die unkrauthemmende Wirkung der Flutung entfällt und der Gebrauch von Unkrautbekämpfungsmitteln vermieden werden soll, entwickelte das International Rice Research Institute (IRRI; deutsch Internationales Reisforschungsinstitut) speziell für die Bedürfnisse des SRI eine einfache Rollhacke zum Unkrautjäten. In der Landwirtschaftsuniversität des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh wurde das Gerät zum sogenannten „Cono Weeder“ weiter verbessert. Die „Konus Hacke“ (deutsche Übersetzung) kann an einem Stiel durch dass Feld geschoben werden. Ein an den Bug eines Schiffs erinnernder Vorbau erleichtert die Lenkung und verhindert, dass Schlamm die dahinter liegenden Klingen verstopft. Die scharfen Messer, die auf drehbaren Konen angeordnet sind, kappen die Wurzeln unerwünschter Kräuter zwischen den Pflanzenreihen, mulchen sie und bewirken außerdem eine bessere Belüftung des Bodens. Der Apparat wurde so konzipiert, dass er mit einfachsten Mitteln an Ort und Stelle produziert oder repariert werden kann. Staatliche Landwirtschaftsberater verteilten das Gerät in großen Stückzahlen umsonst oder für wenig Geld an die Bauern. Einige erfinderische Landwirte haben seither die Bedienung weiter vereinfacht oder an unterschiedliche Bodensituationen angepasst. Sogar motorisierte und mehrreihige Maschinen befinden sich unter den Innovationen.[3]

Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim herkömmlichen Reisanbau werden pro Feld bis zu 50 Kilo Samen ausgebracht. Das System der Reis-Intensivierung ist in Bezug auf das Aussaatmaß sehr viel wirtschaftlicher und benötigt dagegen acht Kilo. Darüber hinaus kann durch die Verwendung einheimischen Saat- und Pflanzguts auf nicht vermehrungsfähige Sämereien verzichtet werden. Diese Hybridzüchtungen wurden von der Agrarindustrie zur Durchsetzung ihres Monopols entwickelt und zusammen mit Düngemitteln und Pestiziden als Komplettpaket angeboten. Viele Kleinbauern gerieten dadurch in eine wirtschaftliche und oft existenzbedrohende Abhängigkeit von Saatgutherstellern wie z. B. Monsanto.[1]

Aus den unter Wasser gesetzten Böden der traditionell bebauten Reisfelder entweicht Methan, das als klimaschädliches Treibhausgas zur Erderwärmung beiträgt. Die Bewässerung wird in der Regel durch Pumpen sichergestellt, die mit Dieselmotoren betrieben werden. Weniger Bewässerung bedeutet daher auch weniger Luftverschmutzung durch deren Abgase. Die SRI-Methode bietet somit neben dem Düngermanagement einen zweiten und dritten positiven Beitrag zum Klimaschutz.

Populäre Quellen berichten von Fällen, in denen die SRI-Methode die Erträge von vorher 4 bis 5 Tonnen auf 17 bis 22,4 Tonnen pro Hektar (2011) gesteigert habe.[4][5] „SRI gilt daher vielen als bedeutsamste landwirtschaftliche Entwicklung der letzten 50 Jahre.“[6] Dies bedeutet auch, dass trotz der aufwendigen manuellen Unkrautbekämpfung die pro Ertragseinheit eingesetzte Arbeitskraft bis um die Hälfte zurückgeht. Ob dies positiv oder negativ beurteilt werden kann, liegt vor allem an sozialen Strukturen und der kommenden Entwicklung. Am Beispiel eines indischen Großbauern, der seine Äcker mit Tagelöhnern bewirtschaftet, erscheint der Aufwand für deren notwendige Schulung nicht zwingend gewinnbringend, zumal sich die Zusammensetzung der Belegschaft ständig ändert. Für die reichen Bauern fehlen die Anreize, die neue Anbaumethode einzuführen und für die ganz Armen und Landlosen sind die Möglichkeiten des Systems ohnehin unerreichbar. Vorläufig ergibt sich nur für Kleinbauern eine Chance, den Ertrag der eigenen Landwirtschaft zu steigern und so auf lange Sicht eine strukturelle Änderung der bestehenden Gesellschaft zu bewirken.[1]

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allerdings kommt eine 2014 erschienene, umfangreiche wissenschaftliche Auswertung der zugänglichen Studien zu SRI-Effekten zu einer zurückhaltenden Einschätzung. Im Zuge der Umstellung auf SRI ändern sich typischerweise der Einsatz von Wasser, Saatgut, Dünger und Arbeitskraft. Zudem würde die Methode tendenziell eher auf hochproduktiven Flächen und von sozio-ökonomisch fortgeschritteneren Haushalten angewandt. Die wenigsten Studien würden für alle Einflussfaktoren kontrollieren. Für den Gesamteinfluss der Methode gebe es daher "no firm evidence" („keine sichere Beweise“); die Ergebnisse zur Land- und Arbeitsproduktivität seien gemischt. Zwar würde der Gesamtertrag der Tendenz nach steigen, aber auch die Produktionsrisiken und die Arbeitsintensität nähmen zu.[7]

Kritik kommt auch vom Agro-WissenschaftlerYuan Longping aus der Volksrepublik China, der als Vater des Hybridsaatguts gilt. Für die Entwicklung neuer Reissorten erhielt er 2004 zusammen mit Monty Jones, dem Minister für Landwirtschaft, Forsten und Ernährungssicherheit von Sierra Leone den Welternährungspreis und lange Zeit war er Weltrekordhalter für Reisernten. Er bezweifelt die hohen Ernteerträge, die der Anbaumethode zugeschrieben werden, und setzt weiterhin auf Biotechnologie, wie auch mehrheitlich Agrarforscher weltweit. Er hebt besonders die Bedeutung hervor, welche die Arbeit im Labor habe. Erst nach erfolgreicher Forschung könnten deren Ergebnisse zur Vermehrung der Produktion im Freiland angewandt werden.[1]

Nach Aussagen von Professor Uphoff andererseits sei „die Methode [...] in 54 Ländern angekommen (Stand 2014). In der Volksrepublik China, in Indien, Indonesien, Kambodscha und Vietnam sei sie am weitesten verbreitet. Dort nutzten sie an die zehn Millionen Kleinbauern auf ihren Feldern – auf einer Gesamtfläche, etwa so groß wie Baden-Württemberg.“ Zwar konnte die Weltrekordernte von 22 Tonnen Reis pro Hektar aus dem Herbst 2012 wissenschaftlich nicht bestätigt werden, doch der Agrarwissenschaftler Krishna Singh vom indischen Landwirtschaftsrat untersuchte die durchschnittlichen Ernten auf Feldern, die nach dem System der Reis-Intensivierung bebaut wurden. Er konnte einen erheblichen Anstieg der Erntemenge nachweisen. Die Ernten, die mit gewöhnlicher Anbaumethode bei 2,5 Tonnen Reis pro Hektar liegen, stiegen mit dem SRI-Verfahren regelmäßig auf 8,6 bis 10,5 Tonnen pro Hektar.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: System of Rice Intensification – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e „Starke Wurzeln, stolze Ernten“, Manuskript einer Sendung von Bettina Weiz bei SWR2 Wissen
  2. Cornell University, System of Rice Intensification
  3. Weeders – A Reference Compendium, verschiedene Bauformen (PDF, englisch)
  4. The Guardian - India's rice revolution: Chinese scientist questions massive harvests
  5. Süddeutsche Zeitung Magazin 17. Mai 2013, Seite 21 ff
  6. Radio Österreich 1: Dimensionen am 13. Jänner 2014.
  7. Ezra Berkhout, Dominic Glover, Arie Kuyvenhoven: On-farm impact of the System of Rice Intensification (SRI): Evidence and knowledge gaps. In: Agricultural Systems. 132, 2015, ISSN 0308-521X, S. 157–166. doi:10.1016/j.agsy.2014.10.001.