Télémaque Lambrino

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Télémaque Lambrino (* 27. Oktober 1878 in Odessa; † 25. Februar 1930 in Leipzig) war ein Pianist und Klavierpädagoge. Sohn griechischer Eltern, lebte und wirkte er überwiegend in Deutschland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine musikalische Ausbildung erfuhr Télémaque Lambrino zunächst bei Dmitri Klimow in Odessa. Vermutlich ab dem Wintersemester 1900/1901[1] ist er an der Königlichen Akademie der Tonkunst in München eingeschrieben, wo u.a der Lisztschüler Berthold Kellermann sowie Anton Beer-Walbrunn und Josef Gabriel Rheinberger seine Lehrer waren. Als besonders prägend erwiesen sich weiterführende Studien bei der Rubinstein-Schülerin Maria Teresa Carreño in Berlin.

Bereits früh übernahm Lambrino die Leitung eigener Meisterklassen, sowohl am Bruno Heydrich'schen Konservatorium für Musik und Theater in Halle (ab Februar 1905, mit Unterbrechungen bis 1915 nachzuweisen)[2] und am Thüringer Landes-Conservatorium in Erfurt.[3] Nach kurzer Tätigkeit am Moskauer Konservatorium, die von 1908 bis 1909 währte und mit einer Professur verbunden war, ließ sich Télémaque Lambrino endgültig in Leipzig nieder, wo er ausschließlich Privatstunden erteilte, ohne jemals dem dortigen Königlichen Konservatorium der Musik anzugehören. Von 1918/19 bis 1924 unterrichtete Lambrino darüber hinaus Klavier-Ausbildungsklassen am Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium.

Neben seiner musikpädagogischen Tätigkeit widmete sich Lambrino einer umfangreichen Solistenlaufbahn und entwickelte sich zu einem der gefragtesten Pianisten seiner Zeit. Tourneen führten den Künstler ab 1902 durch ganz Europa und nach Russland. Karl Straube charakterisierte Télémaque Lambrino in einem Nachruf mit den Worten „Er darf zu den Begnadeten dieses Jahrhunderts gerechnet werden. […] Wer aus seiner Schule stammt, kann sich rühmen, Musik bis in die letzten Regungen und Gefühle ausgelebt präsentiert bekommen zu haben.“

Eine Welte-Mignon-Aufnahme aus dem Jahr 1905 von Franz Schuberts Militärmarsch in der Bearbeitung Carl Tausigs hat sich erhalten[4], eine weitere mit den Etuden Op. 25 Nr. 8 und 9 von Frédéric Chopin[5].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Leichtentritt: Das Konservatorium der Musik Klindworth-Scharwenka Berlin 1881-1931. Festschrift aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens. O.O., o.J. (Berlin, 1931), S. 33 und 41
  • Erich H. Müller (Hg.): Deutsches Musiker-Lexikon. Dresden: Wilhelm Limpert-Verlag, 1929, Spalte 798
  • Walter Niemann: Meister des Klaviers. Die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit. Berlin: Schuster & Loeffler, 14. Aufl. 1919 und 1921, S. 91 f

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oskar v. Riesemann in: Bühne und Welt, XII. Jg., II. Halbjahr, Berlin, Leipzig, Wien 1910, S. 697
  2. Stadtarchiv Halle, Bestand A 2.36 Schulverwaltung, Nr. 118, Bd. 1 und 2.
  3. Erich H. Müller, Deutsches Musiker-Lexikon, Dresden 1929, nennt für Erfurt die Jahre 1904 bis 1908. Das dortige Landes-Conservatorium wurde aber erst 1911 durch Walter Hansmann gegründet. Entweder irrt Müller hier oder es muss eine Vorgänger-Institution gegeben haben. Dass Lambrino bis mindestens 1922 mit dem Erfurter Konservatorium in Verbindung stand, belegt das Programm einer öffentlichen Abgangsprüfung vom 31. März 1922.
  4. Notenrollensammlung des Deutschen Museums München, Inventarnummern 9975, 2006-510 und 2006-511
  5. ebd, Inventarnummer 2001-17