Vogelabwehr

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Eine Vogelscheuche

Die Vogelabwehr ist ein Teilgebiet der Schädlingsbekämpfung. Sie zielt darauf ab, Vögel zu vergrämen oder sie am Landen und Nisten zu hindern. Neben dem Schutz von Saatgut und Obst auf landwirtschaftlichen Flächen werden insbesondere in Innenstädten Maßnahmen zur Taubenabwehr oder Taubenvergrämung ergriffen, um die Größe der Populationen der Stadttaube (Columba livia f. domestica) zu begrenzen.

Abwehrmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netze und Gitter sind wirksame Abwehrmaßnahmen, wenn sie sorgfältig angebracht werden
Vogelabwehrspitzen – in dieser sparsamen Form nur bedingt wirksam
Neben dem massiven stählernen Gurtband und einigen Blitzableiterdrähten ist an der Fassade des Aachener Doms ein Netzwerk von jeweils zwei parallel verlaufenden, dünneren Drähten der elektrischen Abwehranlage zu erkennen.

Je nach Ausgangssituation werden unterschiedliche Abwehrmaßnahmen oder eine Kombination von diesen angewendet. Besonderheiten der zu schützenden Gebäude und Anlagen müssen bei der Auswahl der Abwehrmaßnahmen berücksichtigt werden.

Vogelabwehr in der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mechanische Mittel
  • Elektroabwehranlagen mit freiliegenden, gespannten Drähten
  • Geruchsgels, Geruchssprays u. ä.
  • optische Maßnahmen
  • Angebot von Nistplätzen (Taubenhäusern) an zugänglichen Stellen und Austausch der Eier gegen Attrappen
  • Einsatz von Wanderfalken
  • Einsatz der Taubenpille
  • Vergiftung und Abschuss (im Abstimmung mit den zuständigen Behörden)

Einige Maßnahmen weisen jedoch geringe bis keine Wirksamkeit auf. Als wirksam und dauerhaft gelten mechanische Maßnahmen, die oft keine fortlaufende Wartung erfordern und mit einfachem Werkzeug angebracht werden können.

Die Größe der Straßentaubenpopulation wird überwiegend durch das Futter- und das Brutplatzangebot bestimmt. Durch Übersiedelung in Taubenhäuser entstehen zusätzliche Populationen während freiwerdende Brutplätze nachbesetzt werden. Die Entnahme von Eiern aus Taubenhäusern kann daher oft nur die Größe der neuen Population limitieren. Die Anbringung optischer Maßnahmen ist nur lokal und eingeschränkt wirksam. Akustische Maßnahmen haben sich vielfach als unbrauchbar erwiesen.

Schutz von Saatgut in der Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Abwehr des Vogelfraßes nach der Aussat wird Anthrachinon als Beizmittel für das Saatgut (z. B. Mais) angeboten, unter anderem unter der Bezeichnung Morkit.[2] Die Zulassung lief laut Pflanzenschutzmittelregister 2009 aus,[3] nachdem die EU einen Antrag auf Zulassung im Rahmen der Richtlinie 91/414/EWG als Pflanzenschutzmittel abgelehnt hatte. Begründet wurde dies mit der krebserzeugenden Wirkung im Tierversuch und zu vermutende Krebserzeugung beim Menschen.[4]

Akustische Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akustische Vogelabwehrmaßnahmen werden auf großen, offenen Flächen verwendet, z. B. in der Landwirtschaft, im Weinbau und in der Vogelschlagabwehr auf Flughäfen. Der hohe Pfeifton von Ultraschallgeräten soll die Vögel abschrecken, kann aber unter Umständen auch von Menschen gehört werden.[5] Akustische Maßnahmen wie Knallgeräte (Vogelschreck), Ultraschall- und Vogelschreigeräte sind umstritten und können störend auf Anwohner und Passanten wirken.[6] Auch ist die Effizienz noch nicht wissenschaftlich belegt.[7]

Gründe für die Vogelabwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesundheitsgefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taubenkot auf einem nicht genutzten Balkon

Vögel können Träger von Schädlingen wie Parasiten sowie von Krankheiten sein.[8] Insbesondere Infektionskrankheiten wie die Ornithose (Papageienkrankheit) können auf Menschen übertragen werden.[9] Parasiten aus dem Gefieder der Tauben, sowie die im Taubenkot vorhandenen Erreger können zu Erkrankungen führen, so unter anderem, indem Lebensmittel auf Märkten und in der Freiluftgastronomie durch Tauben verunreinigt werden.[10]

Parasiten der Tauben können gelegentlich Menschen befallen, zum Beispiel wenn Stadttauben in Dachböden nisten. Dies wird besonders häufig von der Taubenzecke (Argas reflexus und anderen Argas-Arten) berichtet,[11] seltener auch von anderen Parasiten wie Taubenflöhen (Ceratopsyllus columbae),[12] Roter Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae), Nordischer Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) und Bettwanze (Cimex lectularius).[13]

Staub aus Vogelkot und Federteilchen kann Allergien auslösen: Die „Taubenzüchterlunge“ ist eine auf einer allergischen Alveolitis beruhende Lungenentzündung.[14][15]

Weitere Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vögel können erhebliche Ernteschäden verursachen, beispielsweise durch Anpicken der Trauben im Weinbau. Besonders in der Nähe von Hochspannungsleitungen und anderen bevorzugten Sitzpositionen befürchten Winzer Vogelfraß.[7]
  • Vogelschlag an Flugzeugen kann zu Schäden an den Triebwerken und zur Behinderung des Flugbetriebs führen. Vögel an Flughäfen verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden und Sicherheitsgefahren.
  • Jede Stadttaube produziert pro Jahr zehn bis zwölf Kilogramm Kot, der ätzend wirkt und insbesondere historische Bausubstanz schädigen kann.[10] Durch Nistmaterial und Kot verstopfte Dachrinnen können zu Durchfeuchtungen führen.

Juristisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat verwilderte Haustauben unter anderem dann als Schädlinge eingestuft, „wenn sie in praxistypischen größeren Populationen auftreten“. Als solche dürfen sie unter bestimmten Voraussetzungen bekämpft und getötet werden.[16][17]

„Mecklenburg-Vorpommern hat in § 1 der Landesverordnung zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen vom 26. Juni 1992 (GVOBl. M.-V. 1992 S. 37) verwilderte Haustauben als tierische Schädlinge (Gesundheitsschädlinge) eingestuft; ebenso Sachsen-Anhalt in § 1 der Verordnung über die Feststellung und Bekämpfung eines Befalls mit tierischen Schädlingen vom 14. Februar 1996 (GVBl. LSA 1996 S. 112).“[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vogelabwehr mit CDs
  2. Zur Abwehr von Vögeln in der Landwirtschaft, S. 59
  3. Pflanzenschutzmittelregister - Registerauszug Öffentlicher Teil (gemäß §22 PMG 1997, BGBl. I Nr. 60)
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung: BfR streicht Anthrachinon aus den BfR-Empfehlungen für Lebensmittelverpackungen. Stellungnahme Nr. 005/2013 des BfR vom 12. Februar 2013
  5. Mysteriöser Pfeifton in der City Tages-Anzeiger, 30. Dezember 2006 (archivierte Webseite)
  6. Dauerbeschallung als Methode der Vogelabwehr/Starenabwehr im Weinbau (PDF; 84 kB)
  7. a b Dokumentation einer Auseinandersetzung über präventive automatische Dauerbeschallung in Weinbergen, abgerufen am 25. Mai 2010
  8. Gesundheitsgefährdung durch Schädlinge (PDF; 2,8 MB), abgerufen am 13. Oktober 2009
  9. D. Haag-Wackernagel (2004): Health hazards posed by feral pigeons. In: Journal of Infection, Vol. 48 (4): 307–313. PMID 15066331
  10. a b [1]
  11. B. Laubstein, D. Herold, H. Audring, I. Buchholtz (1993): Nächtliche Anaphylaxie durch Argas reflexus (Taubenzecke). Allergologie 16: 370–373.
  12. Daniel Haag-Wackernagel & Radoslaw Spiewak (2004): Human infestation by pigeon fleas (Ceratopsyllus columbae) from feral pigeons. Annals of Agricultural and Environmental Medicine 11: 343–346.
  13. H. Frickhinger (1937): Die Gefahr der wilden Tauben. Anzeiger für Schädlingskunde (Berlin) 13: 66.
  14. Merkblatt zur BK Nr. 4201: Exogen-allergische Alveolitis (PDF), Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  15. Berufskrankheit Nr. 4201: Exogen-allergische Alveolitis berufskrankheiten.de
  16. Hessischer Verwaltungsgerichtshof in seinem Urteil 8 A396/10 vom 1. September 2011.
  17. Dr. Alfred Scheidler: Wenn Federvieh zur gefährlichen Plage wird. In: Legal Tribune online 2. September 2011
  18. Hessischer Verwaltungsgerichtshof in seinem Urteil 8 A396/10 vom 1. September 2011. Absatz 35.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vogelabwehr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien