Tegguida-n-Tessoum

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Tegguida-n-Tessoum (auch Teggida n’Tessoum, auf Tuareg Tǝgǝedda n-Tǝseṃt)[1] ist eine kleine Oasenstadt im Azawak-Gebiet in Niger, etwa 90 km nördlich der Stadt Ingall, in der Tonebene von Talak. Sie besteht vorwiegend aus Flachdach-Lehmhäusern.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft in Tegguida-n-Tessoum basiert vorwiegend auf der Salzherstellung, die sich in ihrer Art und Weise von den Salinen in den Oasen Fachi, Séguédine und Bilma unterscheidet, weil sie noch aufwendiger und mühevoller ist. Ähnlich wie in den genannten Oasen wird Wasser verdunstet, allerdings in kreisrunden Löchern.[2]

Salzhaltiger Boden der Umgebung wird mit salzhaltigen Quellwasser in größeren Becken zunächst vermischt. Dann wird die entstandene Salzsole in benachbarte Becken gegossen. Damit eine hohe Salzkonzentration entsteht, wird dieser Vorgang mehrfach wiederholt. In kleinen Becken lagert sich durch weitere Verdunstung schließlich ein rötliches Salz ab, das neben etwas Glaubersalz vorwiegend Kochsalz enthält. Diese Masse wird zu Salzbroten geformt und in Ingall oder auf südlicheren Märkten als Viehsalz verkauft oder in Hirse, Zucker oder andere Waren getauscht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am östlichen Siedlungsrand liegt eine rezente, hinsichtlich des Baujahres allerdings nicht datierbare, Hof-Moschee. Die Gesamtanlage des Komplexes umfasst 273 Quadratmeter, hiervon entfallen 167 Quadratmeter auf den Innenhof und 70 Quadratmeter auf das Betraumgebäude. Der Innenhof beherbergt ein ein-schiffiges Nebengebäude mit Flachdach, in welchem die örtliche Madrasa untergebracht ist. In der Südost-Ecke des Moscheehofes steht ein Adhān-Podest. Das Betraumgebäude ist als Queranlage konzipiert und hat einen quaderförmigen, exzentrisch gestellten, Mihrāb-Vorbau. Der Innenraum ist gekennzeichnet von zwei Transversalschiffen. Auffällig ist bei dieser Anlage das große Gräberfeld, das die Moschee allseitig umgibt. Die Lehmmoscheen-Forscherin Dorothee Gruner spricht in diesem Zusammenhang von einem Symbol für die Lebensfeindlichkeit dieser Landschaft, in der nur der mühsame Salzgewinn eine Dauersiedlung überhaupt möglich mache.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl-G. Prasse, Ghoubeïd Alojaly, Ghabdouane Mohamed: Dictionnaire Touareg – Français (Niger): M–Ž. Museum Tasculanum Press, Kopenhagen 2003, ISBN 877-289844-5, S. 569.
  2. Fotos der Salinen in Tegguida-n-Tessoum
  3. Dorothee Gruner, Die Lehmmoschee am Niger, S. 370 (s. Lit.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ritter: Salzkarawanen in der Sahara, Atlantis-Verlag Zürich 1980, ISBN 3-7611-0580-0
  • Dorothee Gruner, Die Lehmmoschee am Niger, Dokumentation eines traditionellen Bautyps, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 1990, ISBN 3-515-05357-3


Koordinaten: 17° 26′ N, 6° 39′ O