Arlit

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Stadtgemeinde Arlit
Stadtgemeinde Arlit (Niger)
Stadtgemeinde Arlit (18° 44′ 10″ N, 7° 23′ 13″O)
Stadtgemeinde Arlit
Koordinaten 18° 44′ N, 7° 23′ OKoordinaten: 18° 44′ N, 7° 23′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Arlit
Höhe 421 m
Einwohner 79.725 (2012)

Arlit ist eine Bergbaustadt in Niger. Sie ist der Hauptort des Departements Arlit in der Region Agadez. Die Stadt am Westrand des Aïr-Gebirges ist vor allem wegen des Uranabbaus bekannt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine nach dem Vorbild der Großen Moschee von Agadez gestaltete Moschee in Arlit (2018)

Arlit liegt im Norden des Landes, rund 180 Kilometer südöstlich des nigrisch-algerischen Grenzortes Assamaka und rund 205 Kilometer nordwestlich der Regionalhauptstadt Agadez.[1] Die Stadtgemeinde Arlit grenzt im Norden, Osten und Westen an die Landgemeinde Gougaram und im Süden an die Landgemeinde Dannet.[2]

Arlit ist in mehrere Stadtviertel gegliedert: Akokan Carré A, Akokan Carré B (Birni), Akokan Carré C (Madina), Boukoki Est (Akokan), Boukoki I, Boukoki II, Carré Nouveau Marché, Carré SNTN, Cité COMINAK (Cité Akokan), Cité SOMAÏR Areva, Sahel, Takirssa Chétima (Bagdad), Tamèsna (Quartier Administratif), Tchétchéni, Tchingalène, Wadata und Zango. Ferner gehören das Dorf Madawella und die Lager Tassilim I und Tassilim II zum Gemeindegebiet.[1]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Arlit herrscht trockenes Wüstenklima vor.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Arlit
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 27,4 30,7 35,1 39,5 41,8 41,8 40,3 39,3 40,1 37,5 32,9 28,5 Ø 36,3
Min. Temperatur (°C) 11,1 13,9 17,8 22,6 26,4 27,7 27,5 26,9 26,0 22,5 16,6 12,3 Ø 21
Temperatur (°C) 19,6 22,8 27,3 32,2 35,2 35,7 34,6 33,5 33,9 30,9 25,5 20,8 Ø 29,4
Niederschlag (mm) 0 0 0 0 1 2 6 16 4 0 0 0 Σ 29
Sonnenstunden (h/d) 10,0 10,4 10,8 11,3 11,7 11,9 11,8 11,4 11,0 10,5 10,1 9,9 Ø 10,9
Regentage (d) 0 0 0 0 0 1 1 3 1 0 0 0 Σ 6
Luftfeuchtigkeit (%) 17 13 10 9 10 14 22 29 18 15 16 18 Ø 16
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41,8
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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arlit wurde 1969 gegründet, um die in der Nähe befindlichen Uran-Vorkommen auszubeuten, die bis heute die wirtschaftliche Grundlage der Stadt bilden.[3] Sie wurde nach der nördlich der Siedlung gelegenen Wasserstelle Arrli benannt. Das Bergbauunternehmen SOMAÏR investierte bis 1976 etwa 7,84 Milliarden CFA-Franc in die Errichtung der Stadt.[4] Noch in den 1970er-Jahren ließ das Bergbauunternehmen COMINAK seinen eigenen großen Stadtteil Akokan südwestlich des Zentrums anlegen.[5] Danach verfielen die Uranpreise, sodass Arlit dies zu spüren bekam und die Marktchancen ab den 1980er Jahren schrumpften.[6]

Die Rallye Dakar führte in den Jahren 1979, 1987, 1988 und 1997 über Arlit.[7] Abgeschiedenheit und Uranbergbau machen die Region interessant für islamistische Terroristen.[8] Im Jahr 2010 wurden in Arlit fünf für den Nuklear-Konzern Areva tätige Franzosen sowie ein Togoer und ein Madegasse mutmaßlich von Al-Qaida im Maghreb entführt.[9] Drei Jahre später kamen sie frei und konnten nach Frankreich zurückkehren.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenszene in Arlit (2018)
Straßenszene in Arlit (2018)

Bei der Volkszählung 2012 hatte die Stadtgemeinde 79.725 Einwohner, die in 12.751 Haushalten lebten. Arlit ist damit die nach Einwohnern zweitgrößte Stadt in der Region Agadez nach deren Hauptstadt Agadez.[1] Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 68.835 in 10.426 Haushalten[11] und bei der Volkszählung 1988 32.275 in 6.405 Haushalten.[12] Bei der Volkszählung 1977 hatte Arlit 10.386 Einwohner.[13]

Zur Bevölkerung zählten Kel-Ewey-Tuareg, die von bescheidener Gartenwirtschaft leben.[14]

Politik und Justiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat (conseil municipal) hat 21 Mitglieder. Mit den Kommunalwahlen 2020 sind die Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: 9 PNDS-Tarayya, 4 MODEN-FA Lumana Africa, 4 PJP-Génération Doubara, 2 MNSD-Nassara und 2 MPR-Jamhuriya.[15]

Arlit ist der Sitz eines Tribunal de Grande Instance, einem der landesweit zehn Zivilgerichte der ersten Instanz.[16]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arlit ist ein Schauplatz des 1972 erschienenen Romans Le tambour des sables von Jacqueline Cervon.[17]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urantagebau bei Arlit (1981)

Die Förderung des Uranerzes liegt vor allem in der Hand des französischen Nuklear-Konzerns Areva, dem die Verschleierung einer erhöhten radioaktiven Belastung der Umgebung und der Bergarbeiter vorgeworfen wird.[18]

Landwirtschaft und Handel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Arlit wird Gartenwirtschaft betrieben, insbesondere Hirse angebaut. Auf den Märkten gibt es daneben Kamele, Ziegen und Käse zu kaufen. Für den Markt am Ort werden zudem Kartoffeln, Weizen, (getrocknete) Tomaten, Knoblauch, Pfeffer, Datteln, Zitrusfrüchte und Granatäpfel bezogen. Getreide und Datteln sind steuerpflichtig.[19] Das staatliche Versorgungszentrum für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Materialien (CAIMA) unterhält eine Verkaufsstelle in der Stadt.[20]

Gesundheit und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind mehrere Gesundheitszentren des Typs Centre de Santé Intégré (CSI) mit eigenem Labor und Entbindungsstation vorhanden.[21]

Allgemein bildende Schulen der Sekundarstufe sind der der CEG 1 Arlit, der CEG 2 Arlit, der CEG Akokan, der CEG Badda Akokan, der CEG FA Akokan, der CES Bachir Baderi Akokan, der CES FA Arlit und der LEG Arlit. Das Kürzel CEG steht für Collège d’Enseignement Général, CES für Collège d’Enseignement Secondaire und LEG für Lycée d’Enseignement Général. Als CEG FA und CES FA werden Sekundarschulen des Typs Franco-Arabe bezeichnet, die einen Schwerpunkt auf die arabische zusätzlich zur französischen Sprache aufweisen.[22] Der Collège d’Enseignement Technique d’Arlit (CET Arlit) ist eine technische Fachschule.[23] Die Berufsschule Institut Supérieur de Technologie (IST) bietet zwölf verschiedene technische Lehrgänge an.[24]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Bergbau verfügt die Stadt trotz ihrer abgeschiedenen Lage über eine relativ gute Infrastruktur, beispielsweise über einen Flughafen. Durch die asphaltierte Nationalstraße 25 nach Agadez liegt Arlit heute an der Hauptstrecke der sogenannten Hoggar-Piste, dem Verkehrsweg vom algerischen Tamanrasset durch die Sahara nach Niger. Von Norden aus gesehen endet hier die Sandpiste und geht in eine Asphaltstraße über. Dennoch wird die ausgebaute Strecke über Arlit auch heute noch von einem beachtlichen Teil der im Transsaharahandel von und nach Algerien kommenden und am Grenzort Assamaka abgefertigten LKWs gemieden. Insbesondere der Warenverkehr in die südwestlichen Regionen des Nigers sowie der Hauptstadt Niamey erfolgt oft weiterhin an Arlit vorbei über kürzere Pisten, die zum Teil den alten Karawanenwegen folgen. Landschaftlich geht auf der Strecke nach Agadez die hier noch völlig vegetationslose Wüste nach und nach in die zunächst noch spärlich bewachsene und später mit immer mehr Bäumen durchsetzte Sahelzone über.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moussa Barmou Bangana: Prise en compte des changements climatiques dans les plans de développement communaux au Niger. Cas de la Commune Urbaine d’Arlit (Région d’Agadez). Mémoire. Faculté d’Agronomie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2015.
  • Souleymane Issaka Boureima: Etat de l’environnement dans la ville d’Arlit. Les principales sources de pollution métallique et organique. Faculté d’Agronomie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2017.
  • Danièle Poitou: Arlit, ville pionnière de l’industrialisation nigérienne. In: L’Afrique et l’Asie modernes. Band 133, Nr. 2, 1982, ISSN 0399-0370, S. 29–47.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Arlit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Répertoire National des Localités (ReNaLoc). (RAR) Institut National de la Statistique de la République du Niger, Juli 2014, S. 5, abgerufen am 7. August 2015 (französisch).
  2. Carte de référence: Niger – Région de Agadez. (PDF) REACH, 21. März 2018, abgerufen am 28. März 2021 (französisch).
  3. Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 375.
  4. Emmanuel Grégoire: Touaregs du Niger. Le destin d’un mythe. 2. Auflage. Karthala, Paris 2010, ISBN 978-2-8111-0352-1, S. 117–118.
  5. Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 43.
  6. Gerd Spittler: Dürren, Krieg und Hungerkrisen bei den Kel Ewey (1900–1985). Franz Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-515-04965-8, S. 70.
  7. Dakar Retrospective 1979–2007. (PDF) Amaury Sport Organisation, archiviert vom Original am 8. Juli 2011; abgerufen am 14. Februar 2018 (englisch).
  8. Alfred Hackensberger: Al-Qaida und der Uran-Boom in Afrika. In: Heise online. 25. September 2010, abgerufen am 14. Februar 2018.
  9. Paris warnt vor neuer Terror-Gefahr. In: Offenbach-Post. 17. September 2010, abgerufen am 14. Februar 2018.
  10. Michaela Wiegel: Hohes Lösegeld für in Niger freigelassene Geiseln. In: FAZ.NET. 30. Oktober 2013, abgerufen am 22. Januar 2018.
  11. Répertoire National des Communes (RENACOM). (RAR-Datei) Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010 (französisch).
  12. Recensement Général de la Population 1988: Répertoire National des Villages du Niger. Bureau Central de Recensement, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey März 1991, S. 322 (web.archive.org [PDF; abgerufen am 4. Mai 2019]).
  13. Recensement général de la population 1977. Résultats définitifs. Rapport d’Analyse. Direction de la Statistique et de l’Informatique, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey Dezember 1985, S. 30 (odsef.fss.ulaval.ca [PDF; abgerufen am 28. März 2021]).
  14. Gerd Spittler: Dürren, Krieg und Hungerkrisen bei den Kel Ewey (1900–1985). Franz Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-515-04965-8, S. 7–9.
  15. Résultats élections – Communales. Commission Électorale Nationale Indépendante, abgerufen am 2. Januar 2021 (französisch).
  16. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Ministère de la Justice, archiviert vom Original am 27. September 2013; abgerufen am 14. Februar 2018 (französisch).
  17. Daniel Mignot, Jean-Dominique Pénel: Le Niger dans la littérature française. In: Marie-Clotilde Jacquey (Hrsg.): Littérature nigérienne (= Notre librairie. Nr. 107). CLEF, Paris 1991, S. 27–28.
  18. Marvin Kumetat: Uranabbau im Niger: Der Fluch des strahlenden Reichtums. In: Spiegel Online. 28. Dezember 2013, abgerufen am 14. Februar 2018.
  19. Gerd Spittler: Dürren, Krieg und Hungerkrisen bei den Kel Ewey (1900–1985). Franz Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-515-04965-8, S. 111, 144 und 176.
  20. CAIMA. In: Béret Vert. Bulletin de Liaison et d’Information des Forces Armées Nigériennes. Nr. 17, Mai 2013, S. 28.
  21. Niger DSS. In: Systeme Nationale d’Information Sanitaire (SNIS). Ministère de la Santé Publique, République du Niger, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  22. Niger – Recensement Scolaire 2008–2009, Enquête statistique. Dictionnaire des donnèes. Institut National de la Statistique de la République du Niger, 28. November 2013, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  23. CET Agadez. Ministère des Enseignements Professionnels et Techniques, République du Niger, abgerufen am 18. November 2020 (französisch).
  24. IST (Institut Supérieur de Technologie). Ministère des Enseignements Professionnels et Techniques, République du Niger, abgerufen am 18. November 2020 (französisch).