Arlit

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Stadtgemeinde Arlit
Stadtgemeinde Arlit (Niger)
Stadtgemeinde Arlit
Stadtgemeinde Arlit
Koordinaten 18° 44′ N, 7° 23′ OKoordinaten: 18° 44′ N, 7° 23′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Arlit
Höhe 421 m
Einwohner 79.725 (2012)
Politik
Bürgermeister Bachir Abdoulaziz (2004)
Partei PNDS-Tarayya

Arlit ist eine Bergbaustadt in Niger. Sie ist der Hauptort des Departements Arlit am Ostrand des Aïr-Gebirges. Die Stadt ist vor allem wegen des Uranabbaus bekannt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arlit liegt im Norden des Landes in der Ténéréwüste, rund 200 Kilometer südöstlich des nigrisch-algerischen Grenzortes Assamaka und rund 250 Kilometer nördlich der Stadt Agadez.

Arlit ist in mehrere Stadtviertel gegliedert: Akokan Carré A, Akokan Carré B (Birni), Akokan Carré C (Madina), Boukoki Est (Akokan), Boukoki I, Boukoki II, Carré Nouveau Marché, Carré SNTN, Cité COMINAK (Cité Akokan), Cité SOMAÏR Areva, Sahel, Takirssa Chétima (Bagdad), Tamèsna (Quartier Administratif), Tchétchéni, Tchingalène, Wadata und Zango. Ferner gehören das Dorf Madawella und die Lager Tassilim I und Tassilim II zum Gemeindegebiet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arlit wurde 1969 gegründet, um die in der Nähe befindlichen Uran-Vorkommen auszubeuten, die bis heute die wirtschaftliche Grundlage der Stadt bilden.[2] Sie wurde nach der nördlich der Siedlung gelegenen Wasserstelle Arrli benannt. Das Bergbauunternehmen SOMAÏR investierte bis 1976 etwa 7,84 Milliarden CFA-Franc in die Errichtung der Stadt.[3] Noch in den 1970er-Jahren ließ das Bergbauunternehmen COMINAK seinen eigenen großen Stadtteil Akokan südwestlich des Zentrums anlegen.[4] Danach verfielen die Uranpreise, sodass Arlit dies zu spüren bekam und die Marktchancen ab den 1980er Jahren schrumpften.[5]

Die Rallye Dakar führte in den Jahren 1979, 1987, 1988 und 1997 über Arlit.[6] Abgeschiedenheit und Uranbergbau machen die Region interessant für islamistische Terroristen.[7] Im Jahr 2010 wurden in Arlit fünf für den Nuklear-Konzern Areva tätige Franzosen sowie ein Togoer und ein Madegasse mutmaßlich von Al-Qaida im Maghreb entführt.[8] Drei Jahr später kamen sie frei und konnten nach Frankreich zurückkehren.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1977 hatte Arlit 10.386 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 32.272 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 67.398 Einwohner.[10] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 79.725. Arlit ist damit die nach Einwohnern zweitgrößte Stadt in der Region Agadez nach deren Hauptstadt Agadez.[1] Zur Bevölkerung zählten Kel-Ewey-Tuareg, die von bescheidener Gartenwirtschaft leben.[11]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen im Juli 2004 wurde Bachir Abdoulaziz (PNDS-Tarayya) zum Bürgermeister gewählt.[12] Am 15. April 2010 ernannte der Ministerrat Algabid Daouda zum beigeordneten Administrator (Administrateur Délégué) der Gemeinde.[13]

Arlit ist der Sitz eines Tribunal de Grande Instance, einem der landesweit zehn Zivilgerichte der ersten Instanz.[14]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urantagebau bei Arlit

Die Förderung des Uranerzes liegt vor allem in der Hand des französischen Nuklear-Konzerns Areva, dem die Verschleierung einer erhöhten radioaktiven Belastung der Umgebung und der Bergarbeiter vorgeworfen wird.[15]

Landwirtschaft und Handel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Arlit wird Gartenwirtschaft betrieben, insbesondere Hirse angebaut. Auf den Märkten gibt es daneben Kamele, Ziegen und Käse zu kaufen. Für den Markt am Ort werden zudem Kartoffeln, Weizen, (getrocknete) Tomaten, Knoblauch, Pfeffer, Datteln, Zitrusfrüchte und Granatäpfel bezogen. Getreide und Datteln sind steuerpflichtig.[16]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Bergbau verfügt die Stadt trotz ihrer abgeschiedenen Lage über eine relativ gute Infrastruktur, beispielsweise über einen Flughafen. Durch die asphaltierte Nationalstraße 25 nach Agadez liegt Arlit heute an der Hauptstrecke der sogenannten Hoggar-Piste, dem Verkehrsweg vom algerischen Tamanrasset durch die Sahara nach Niger. Von Norden aus gesehen endet hier die Sandpiste und geht in eine Asphaltstraße über. Dennoch wird die ausgebaute Strecke über Arlit auch heute noch von einem beachtlichen Teil der im Transsaharahandel von und nach Algerien kommenden und am Grenzort Assamaka abgefertigten LKWs gemieden. Insbesondere der Warenverkehr in die südwestlichen Regionen des Nigers sowie der Hauptstadt Niamey erfolgt oft weiterhin an Arlit vorbei über kürzere Pisten, die zum Teil den alten Karawanenwegen folgen. Landschaftlich geht auf der Strecke nach Agadez die hier noch völlig vegetationslose Wüste nach und nach in die zunächst noch spärlich bewachsene und später mit immer mehr Bäumen durchsetzte Sahelzone über.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Danièle Poitou: Arlit, ville pionnière de l’industrialisation nigérienne. In: L’Afrique et l’Asie modernes. Band 133, Nr. 2, 1982, ISSN 0399-0370, S. 29–47.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arlit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Répertoire National des Localités (ReNaLoc). Institut National de la Statistique de la République du Niger, Juli 2014, S. 5, abgerufen am 7. August 2015 (RAR, französisch).
  2. Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 375.
  3. Emmanuel Grégoire: Touaregs du Niger. Le destin d’un mythe. 2. Auflage. Karthala, Paris 2010, ISBN 978-2-8111-0352-1, S. 117–118.
  4. Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 43.
  5. Gerd Spittler: Dürren, Krieg und Hungerkrisen bei den Kel Ewey (1900–1985). Franz Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-515-04965-8, S. 70.
  6. Dakar Retrospective 1979–2007. Amaury Sport Organisation, archiviert vom Original am 8. Juli 2011; abgerufen am 14. Februar 2018 (PDF, englisch).
  7. Alfred Hackensberger: Al-Qaida und der Uran-Boom in Afrika. In: Heise online. 25. September 2010, abgerufen am 14. Februar 2018.
  8. Paris warnt vor neuer Terror-Gefahr. In: Offenbach-Post. 17. September 2010, abgerufen am 14. Februar 2018.
  9. Michaela Wiegel: Hohes Lösegeld für in Niger freigelassene Geiseln. In: FAZ.NET. 30. Oktober 2013, abgerufen am 22. Januar 2018.
  10. bevölkerungsstatistik.de: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deArlit, abgerufen am 5. Januar 2012.
  11. Gerd Spittler: Dürren, Krieg und Hungerkrisen bei den Kel Ewey (1900–1985). Franz Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-515-04965-8, S. 7–9.
  12. Maires du PNDS. PNDS-Tarayya, archiviert vom Original am 2. Dezember 2013; abgerufen am 14. Februar 2018 (PDF, französisch).
  13. Conseil des ministres du Niger du 15 avril 2010. In: Temoust.org. 16. April 2010, archiviert vom Original am 18. April 2010; abgerufen am 14. Februar 2018 (französisch).
  14. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Ministère de la Justice, archiviert vom Original am 27. September 2013; abgerufen am 14. Februar 2018 (französisch).
  15. Marvin Kumetat: Uranabbau im Niger: Der Fluch des strahlenden Reichtums. In: Spiegel Online. 28. Dezember 2013, abgerufen am 14. Februar 2018.
  16. Gerd Spittler: Dürren, Krieg und Hungerkrisen bei den Kel Ewey (1900–1985). Franz Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-515-04965-8, S. 111, 144 und 176.