Tellereisen

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Tellereisen
Tellereisen in gespanntem und ausgelöstem Zustand
Tellereisen für die Bärenjagd
Rotfuchs (Vulpes vulpes), mit dem rechten Bein in einem illegal gestellten Tellereisen gefangen. Eichwalde, Landkreis Dahme-Spreewald, Land Brandenburg.
Tellereisen mit Kette

Das Tellereisen (auch Fangeisen, Fußeisen oder Tellerfalle) ist eine aus Stahl gefertigte Falle zum Fang von Raubtieren. Die Verwendung von Tellereisen zum Fang von Tieren ist in der EU seit 1995 verboten.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tellereisen wird mit Hilfe eines Tellers gespannt, der zwischen die auseinandergehenden und niedergetretenen Bügel eingespannt wird. Umgeben ist der Teller von einem 2 cm breiten Kranz mit einem Durchmesser von meist 20 cm. Die beiden Bügel werden über eine Feder gespannt; diese kann sich im Innern der Falle befinden oder außen liegen. Meist ist an der Feder eine Kette mit einem Anker angebracht, um ein Fortschleppen des Tellereisens vor oder nach dem Zuschnappen zu verhindern. Die Bügel können rund oder viereckig sein. Tritt ein Tier auf den Teller, so schlagen die Bügel zusammen. Bei älteren Modellen sind die Bügel meist gezahnt und der Teller ist im Verhältnis zur Falle sehr groß; dadurch kann es passieren, dass ein Tier beim Auslösen der Falle nur mit einem Teil des Fußes in der Falle ist. Neuere Modelle hingegen haben meist einen glatten Bügel und einen eher kleinen Teller, dadurch ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Tier sauber gefangen wird. Außerdem gibt es auch Fallen, bei denen der Bügel nicht ganz schließt (siehe erstes Bild); dies vermeidet das Brechen der Knochen der gefangenen Tiere.

Rechtslage zur Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass das Tier nicht sofort getötet wird und lebend mit schmerzhaft eingeklemmten Gliedmaßen in der Falle hängen bleibt, entspricht im Gegensatz zu Abzugeisen wie dem Schwanenhals, bei denen die Auslösung durch Zug am Köder und nicht durch den Tritt in die Falle erfolgt, der Gebrauch des Tellereisens nicht der Waidgerechtigkeit und ist, egal ob zum Fang von Wild oder anderen Tieren, nach dem Jagdgesetz in Deutschland verboten.

EU-weit ist die Verwendung von Tellereisen seit dem 1. Januar 1995 durch die so genannte Tellereisenverordnung verboten (VO (EWG) Nr. 3254/91 Tellereisenverordnung)[1]. Auch die Einfuhr von Pelzen aus Ländern, in denen eine Jagd mit Tellereisen zulässig ist, ist grundsätzlich untersagt. Eine Ausnahme dafür bietet ein Abkommen mit den USA (98/487/EG Internationale Vereinbarung über Normen für humane Fangmethoden zwischen der EG und den USA[2]), welches festlegt, dass Felle aus den USA eingeführt werden dürfen, wenn die Tiere mit humanen Tellereisen gefangen werden. Als humane Tellereisen werden solche betrachtet, welche gummierte Bügel besitzen. In Kanada und Russland, welche mit den USA die wichtigsten Erzeugerländer von Pelzen sind, wird nach wie vor mit Tellereisen gejagt. Allerdings strebt die EU mit diesen Ländern eine ähnliche Vereinbarung wie mit den USA an[3].

Die Tellereisenverordnung verbietet nur die Verwendung von Tellereisen zum Fang von Tieren, jedoch nicht deren Besitz und Vermarktung. Zur illegalen Verfolgung von Tieren, beispielsweise von Greifvögeln, werden Tellereisen daher immer noch häufig verwendet. Naturschutzverbände fordern daher auch ein Vermarktungs- und Inbesitznahmeverbot für Tellereisen.[4][5]

In Australien sind je nach Bundesstaat Tellereisen nur mit Gummierung oder auch solche mit Stahlbügeln zulässig[6]. Auch in der Schweiz ist der Einsatz von Tellereisen verboten. In Österreich konnten bis vor kurzem noch Sondergenehmigungen beantragt werden. Diese waren von Oktober bis April gültig. Nach mehreren Unfällen im Frühjahr 2009 wurde das Tellereisen endgültig verboten. Bei Seuchengefahr ist der Einsatz allerdings weiterhin erlaubt.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verordnung (EWG) Nr. 3254/91 (PDF) Tellereisenverordnung
  2. Eur-Lex: Vereinbarung über Normen für humane Fangmethoden (abgerufen am 10. April 2008)
  3. www.europa.eu Humane Fangnormen (abgerufen am 10. April 2008)
  4. Komitee gegen den Vogelmord e. V.: Greifvogelverfolgung in Deutschland – Übersicht über die häufigsten Fallentypen. (Online, abgerufen am 23. Januar 2010)
  5. Naturschutzbund Deutschland (NABU) (Hrsg.): Illegaler Vogelfang in Deutschland: Dokumentation des NABU. Online als PDF (Memento vom 28. April 2004 im Internet Archive)
  6. Western Trapping Supplies: State Trapping Legislation (abgerufen am 10. April 2008)
  7. orf.at: Nach Unfall: Fangeisen künftig verboten (abgerufen am 11. April 2009)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leghold traps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien