Thietmar (Ostfalen)

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Dieser Artikel behandelt den Grafen. Zum gleichnamigen Bischof siehe Thietmar von Merseburg.

Thietmar I., urkundlich auch Theti genannt, (* um 855; † 1. Juni 932) war Graf (wahrscheinlich im Nordthüringgau und im Harzgau) und als solcher zunächst Erzieher des späteren Königs Heinrich I. (* 876) und dann auch dessen Ratgeber. Er wurde von den Liudolfingern aber auch mit diplomatischen und militärische Aufgaben wie die eines Heerführers oder Markgrafen betraut.

Inhaltsverzeichnis

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens 906 fielen ihm über seine Frau bedeutende Teile der Merseburger Grafschaft zu, so dass er in der Literatur zuweilen auch als Thietmar von Merseburg Erwähnung findet. Da aber gleichzeitig Heinrich I. die Güter seiner ersten Frau Hatheburg nie wieder herausgab, ist eine Bezeichnung Thietmars als Grafen von Merseburg fragwürdig, denn mehr als ein ostfälischer Graf, begütert auch im Hassegau, ist nicht belegt.

Schwierig ist auch seine unhistorische Bezeichnung als Thietmar von der Ostmark, welche des Öfteren benutzt wird. Thietmars "Ostmark" ist durch die Expansion Heinrichs I. über die Elbe-Saale-Grenze so grundverschieden von der nur wenig späteren Sächsischen Ostmark, dass aus heutiger Sicht diese Bezeichnung missverständlich ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thietmar war Sohn des Grafen Asig von der Ostmark (* um 820), Bruder des Grafen Wikker (* um 850) und der Adelbrin (* um 852). Seine Schwester stiftete die Klöster Drübeck (bei Ilsenburg) am Nordharzrand und Hornburg im Nordthüringgau und erbat hierfür Königsschutz, der durch Ludwig III. am 26. Januar 877 in Frankfurt im Beisein der Grafen Theti (Thietmar) und Wikker (Wigger) gewährt wurde. Asig war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon verstorben oder hatte im unwahrscheinlicheren Falle seine Grafenrechte schon zu Lebzeiten an seine Söhne übergeben.

Kurz nach 880 ehelichte er Hildegard (* um 865), deren gut fünf Jahre ältere Schwester bereits mit dem damals einflussreichen Grafen Erwin von Merseburg verheiratet war. Es wird vermutet, dass diese beiden Schwestern begüterte Erbtöchter einer kurz zuvor im Mannesstamme ausgestorbenen ostfälischen Adelsfamilie waren. Hildegards Schwester hatte zu diesem Zeitpunkt dem Grafen Erwin bereits 876 eine Tochter Hatheburg geboren.

Um 885 gebiert Hildegard eine Tochter Hidda, das erste Kind, welches das Erwachsenenalter erreichen soll. 886 wird er als Erzieher des künftigen ersten deutschen Königs Heinrich I. in liudolfingische Dienste gestellt. Seit dem Schlachtentod Bruns gegen die Normannen im Jahre 880 ist dort Otto der Erlauchte Graf, der Vater Heinrichs. 894 begleitet Otto Kaiser Arnulf bei dessen Italienfeldzug. Daraufhin verehelicht Arnulf seinen Sohn Zwentibold 897 mit Heinrichs etwa gleichaltrigen Schwester Oda (* 875 bis 880). Da Zwentibold bereits 895 als König von Lothringen eingesetzt wurde, gab es hiermit bereits 24 Jahre vor der Krönung Heinrichs königliches Blut bei den Liudolfingern. Spätestens seit dieser Zeit strebten die Liudolfinger selbst nach der Krone im Ostfrankenreich, wobei ihnen Thietmar hervorragende Dienste leistete.

Nach der Italienfahrt gebiert Hildegard wieder zwei Kinder, welche das Erwachsenenalter erreichen. Diesmal sind es zwei Söhne: Siegfrid (* um 895), der spätere Legat, und Gero (* um 900), der spätere Markgraf der Sächsischen Ostmark. Um das Jahr 900 wird durch Hidda auch der erste Enkel, Gero, geboren, der spätere Erzbischof von Köln. Sie hatte sich kurz zuvor mit dem Grafen des Schwabengaues, Christian, verehelicht. Die Liudolfinger profilieren sich immer weiter in eine exponierte Stellung: So wird Otto der Erlauchte 902 Laienabt der im Ostfrankenreich bedeutenden Reichsabtei Herford, ein einmaliger Vorgang im ostfränkisch-sächsischen Raum. Allerdings werden die hochfliegenden Pläne durch den Sieg der Konradiner 906 in der ostfränkischen Babenberger Fehde wieder gedämpft, weil diese nun die Königsnähe am Hof erwerben. Die Liudolfinger orientieren sich neu: während sie ihre Heiratspolitik bis dahin nach Franken richteten, weichen sie nun ganz in Richtung Osten aus. Noch 906 wirbt Heinrich um die damals bereits verwitwete und verschleierte Hatheburg, der Nichte Thietmars und einer von zwei Erbtöchtern des Grafen Erwin von Merseburg. Und 906 kommt es zur Hochzeit.

In seiner Reichsabtei Herford entdeckt allerdings der Laienabt Otto der Erlauchte eine andere Frau für seinen Sohn: die um 895 geborene Mathilde, Tochter des sächsischen Grafen Dietrich, eines Immedingers und Nachfahren Widukinds. Die Reichsabtei Herford war durch Mathildes Großmutter gestiftet worden. Schon 909 wird mit christlichen Argumenten die erste Ehe Heinrichs annulliert und ausgerechnet Thietmar, der Onkel, der wieder ins Kloster verwiesenen Hatheburg, mit dem Auftrag der Brautwerbung zum Kloster Herford geschickt – eine Aufgabe, welche er mit Bravour im Sinne Ottos des Erlauchten löst. Noch 909 kommt es zur Eheschließung zwischen Heinrich und Mathilde, welche später das erste deutsche Königspaar werden.

Nach dem Tode Ludwigs des Kinds 911 wird Otto dem Erlauchten die ostfränkische Königswürde angeboten, welche er aber mit Hinweis auf sein Alter ablehnen muss. Er verstirbt auch bereits im Jahr darauf. König wird statt seiner der ostfränkische Konrad I., der erste Nichtkarolinger auf dem Königsthron des Ostfrankenreiches. Thietmar stand in den Kämpfen zwischen Heinrich und dem neuen König nicht nur fest auf der Seite seines Herrn, sondern wendete im Jahr 915 vor dem liudolfingischen Besitz Grone die Entscheidung zugunsten Heinrichs. 919 starb Konrad. Zuvor hatte er noch seinen mächtigen Widersacher als Nachfolger vorgeschlagen.

927 belagert und zerstört Thietmar die Burg Salfurt am Ostufer der Saale, welche danach Brandanburg (die verbrannte Burg) genannt wird, das heutige Bernburg. Hierdurch gewinnt er auch im Schwabengau die Hegemonie.

In der Schlacht bei Lenzen gegen die Redarier im August 929 war Thietmar dem Legaten Bernhard als Heerführer beigeordnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen, Wilhelm Fink Verlag, München, 1984
  • Althoff, Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart Berlin Köln, 2000
  • Althoff, Gerd: Unerforschte Quellen aus quellenarmer Zeit (III). Necrologabschriften aus Sachsen im Reichenauer Verbrüderungsbuch, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 131. Band, 1983
  • Beumann, Helmut: Die Ottonen, Verlag W. Kohlhammer, 1991

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]