Thietmar (Ostfalen)

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Thietmar I. († 1. Juni 932) war Graf (wahrscheinlich im Nordthüringgau und im Harzgau) und als solcher zunächst Erzieher des späteren Königs Heinrich I. (* 876) und dann auch dessen Ratgeber. Er war für Heinrich I. auch als Heerführer und Brautwerber tätig.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens 906 fielen ihm über seine Frau bedeutende Teile der Merseburger Grafschaft zu, so dass er in der Literatur zuweilen auch als Thietmar von Merseburg Erwähnung findet. Da aber gleichzeitig Heinrich I. die Güter seiner ersten Frau Hatheburg nie wieder herausgab, ist eine Bezeichnung Thietmars als Grafen von Merseburg fragwürdig, denn mehr als ein ostfälischer Graf, begütert auch im Hassegau, ist nicht belegt.

Schwierig ist auch seine unhistorische Bezeichnung als Thietmar von der Ostmark, welche des Öfteren benutzt wird. Thietmars "Ostmark" ist durch die Expansion Heinrichs I. über die Elbe-Saale-Grenze so grundverschieden von der nur wenig späteren (ebenfalls unhistorischen) Sächsischen Ostmark, dass aus heutiger Sicht diese Bezeichnung missverständlich ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thietmars Vorfahren sind unbekannt. Er war verheiratet mit Hildegard.[1] Donald C. Jackman hält sie für eine Schwester König Konrads I.[2] Hildegards Schwester war mit dem einflussreichen Grafen Erwin von Merseburg verheiratet war. Es wird deshalb auch vermutet, dass diese Hildegard eine begüterte Erbtochter einer kurz zuvor im Mannesstamme ausgestorbenen ostfälischen Adelsfamilie war.

Um 885 gebiert Hildegard eine Tochter Hidda, das erste Kind, welches das Erwachsenenalter erreichen soll. 886 wurde Thietmar als Erzieher des künftigen ersten deutschen Königs Heinrich I. in liudolfingische Dienste gestellt. Seit dem Schlachtentod Bruns gegen die Normannen im Jahre 880 war dort Otto der Erlauchte Graf, der Vater Heinrichs. 894 begleitete Otto Kaiser Arnulf bei dessen Italienfeldzug. Daraufhin verehelichte Arnulf seinen Sohn Zwentibold 897 mit Heinrichs etwa gleichaltrigen Schwester Oda (* um 875/880). Da Zwentibold bereits 895 als König von Lothringen eingesetzt wurde, gab es hiermit bereits 24 Jahre vor der Krönung Heinrichs königliches Blut bei den Liudolfingern. Spätestens seit dieser Zeit strebten die Liudolfinger selbst nach der Krone im Ostfrankenreich, wobei ihnen Thietmar hervorragende Dienste leistete.

Nach der Italienfahrt gebiert Hildegard wieder zwei Kinder, welche das Erwachsenenalter erreichen. Diesmal waren es zwei Söhne: Siegfrid (* um 895), der spätere Legat, und Gero (* um 900), der spätere Markgraf der Sächsischen Ostmark. Um das Jahr 900 wird durch Hidda auch der erste Enkel, Gero, geboren, der spätere Erzbischof von Köln. Sie hatte sich kurz zuvor mit dem Grafen des Schwabengaues, Christian, verehelicht. Die Liudolfinger profilierten sich immer weiter in eine exponierte Stellung: So wurde Otto der Erlauchte 902 Laienabt der im Ostfrankenreich bedeutenden Reichsabtei Herford, ein einmaliger Vorgang im ostfränkisch-sächsischen Raum. Allerdings wurden die hochfliegenden Pläne durch den Sieg der Konradiner 906 in der ostfränkischen Babenberger Fehde wieder gedämpft, weil diese nun die Königsnähe am Hof erwarben. Die Liudolfinger orientierten sich neu: während sie ihre Heiratspolitik bis dahin nach Franken richteten, wichen sie nun ganz in Richtung Osten aus. Noch 906 warb Heinrich um die damals bereits verwitwete und verschleierte Hatheburg, der Nichte Thietmars und einer von zwei Erbtöchtern des Grafen Erwin von Merseburg. Und 906 kam es zur Hochzeit.

In seiner Reichsabtei Herford entdeckte allerdings der Laienabt Otto der Erlauchte eine andere Frau für seinen Sohn: die um 895 geborene Mathilde, Tochter des sächsischen Grafen Dietrich, eines Immedingers und Nachfahren Widukinds. Die Reichsabtei Herford war durch Mathildes Großmutter gestiftet worden. Schon 909 wurde mit christlichen Argumenten die erste Ehe Heinrichs annulliert und ausgerechnet Thietmar, der Onkel, der wieder ins Kloster verwiesenen Hatheburg, mit dem Auftrag der Brautwerbung zum Kloster Herford geschickt – eine Aufgabe, welche er mit Bravour im Sinne Ottos des Erlauchten löste. Noch 909 kam es zur Eheschließung zwischen Heinrich und Mathilde.

Nach dem Tode Ludwigs des Kinds 911 wurde Otto dem Erlauchten die ostfränkische Königswürde angeboten, die er aber mit Hinweis auf sein Alter ablehnen musste. Er verstarb bereits im Jahr darauf. König wurde statt seiner der ostfränkische Konrad I., der erste Nichtkarolinger auf dem Königsthron des Ostfrankenreiches. Thietmar stand in den Kämpfen zwischen Heinrich und dem neuen König nicht nur fest auf der Seite seines Herrn, sondern wendete im Jahr 915 vor dem liudolfingischen Besitz Grone die Entscheidung zugunsten Heinrichs. 919 starb Konrad. Zuvor hatte er noch seinen mächtigen Widersacher als Nachfolger vorgeschlagen.

927 belagerte und zerstörte Thietmar die Burg Salfurt am Ostufer der Saale, welche danach Brandanburg (die verbrannte Burg) genannt wurde, das heutige Bernburg. Hierdurch gewann er auch im Schwabengau die Hegemonie.

In der Schlacht bei Lenzen gegen die Redarier im August 929 war Thietmar dem Legaten Bernhard als Heerführer beigeordnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen (= Münstersche Mittelalter-Schriften. Band 47). Fink, München 1984, ISBN 3-7705-2267-2. (Digitalisat)
  • Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 3. durchgesehene Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2013, ISBN 978-3-17-022443-8.
  • Gerd Althoff: Unerforschte Quellen aus quellenarmer Zeit (III). Necrologabschriften aus Sachsen im Reichenauer Verbrüderungsbuch. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 131, 1983, 92–94.
  • Helmut Beumann: Die Ottonen (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Band 384). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1987, ISBN 3-17-016473-2 (5. Auflage. ebenda 2000).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Widukind II, 9.
  2. Donald C. Jackman: König Konrad, die letzten Karolinger und ihre sächsischen Verwandten. In: Hans-Werner Goetz (Hrsg.): Konrad I. – Auf dem Weg zum „Deutschen Reich“? Winkler, Bochum 2006, ISBN 3-89911-065-X, S. 77–92 hier S. 90. (Rezension; PDF; 111 kB)