Lenzen (Elbe)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lenzen (Elbe)
Lenzen (Elbe)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lenzen (Elbe) hervorgehoben
53.09111111111111.47333333333319Koordinaten: 53° 5′ N, 11° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Prignitz
Amt: Lenzen-Elbtalaue
Höhe: 19 m ü. NHN
Fläche: 95,75 km²
Einwohner: 2293 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19309
Vorwahl: 038792
Kfz-Kennzeichen: PR
Gemeindeschlüssel: 12 0 70 244
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Kellerstraße 4
19307 Lenzen (Elbe)
Bürgermeister: Christian Steinkopf (CDU)
Lage der Stadt Lenzen (Elbe) im Landkreis Prignitz
Lenzerwische Lenzen (Elbe) Lanz Cumlosen Groß Pankow (Prignitz) Pritzwalk Gumtow Plattenburg Legde/Quitzöbel Rühstädt Bad Wilsnack Breese Weisen Wittenberge Perleberg Karstädt Gülitz-Reetz Pirow Berge Putlitz Kümmernitztal Gerdshagen Halenbeck-Rohlsdorf Meyenburg Marienfließ Triglitz Landkreis Ostprignitz-Ruppin Putlitz Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild

Lenzen (Elbe) ist eine Stadt im Land Brandenburg. Sie ist Sitz des Amtes Lenzen-Elbtalaue, dem auch die Gemeinden Cumlosen, Lanz und Lenzerwische angehören.

Geografie[Bearbeiten]

Breetz

Die Stadt befindet sich im äußersten Nordwesten Brandenburgs an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zwischen dem Naturpark Mecklenburgisches Elbetal und dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Brandenburg. Auf dem Stadtgebiet mündet die Alte Elde in die Löcknitz. Die Elbe fließt entlang der südlichen Stadtgrenze. Nordöstlich der Stadt liegt der Rudower See, der unter anderem vom Nausdorfer Kanal gespeist wird und über einen Abfluss im Südwesten (die sogenannte „Flut“) in die Löcknitz mündet.

Zu Lenzen (Elbe) gehören die neun Ortsteile Bäckern, Breetz, Eldenburg, Gandow, Mellen, Moor, Nausdorf, Rambow und Seedorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 9. Jahrhundert siedelten Linonen in der Region. Die erste urkundliche Erwähnung Lenzens stammt aus dem September 929, als die Sachsen auf Befehl Heinrich I. unter Führung des Grafen Thietmar und des Legaten Bernhard vom Höhbeck die damalige Wendenfestung „Lunkini“ eroberten (Schlacht bei Lenzen). 1066 wurde hier im Verlauf des Wendenaufstands Gottschalk der Wende ermordet. Um 1200 wurde der Burgturm der Burg Lenzen errichtet. Das Gemäuer befand sich ab 1219 in Besitz des Markgrafen, wurde jedoch des Öfteren offenbar aufgrund finanzieller Probleme verlehnt oder verpfändet (u. a. an die Grafen von Schwerin, von Alsleben, von Dannenberg, von Wenckstern, von Bosel). Zwischen 1227 und 1237 verlieh man dem Ort das Stadtrecht. Eine Stadtmauer entstand in der Zeit um 1400. Tragische Ereignisse waren u. a. Großbrände 1558 und 1703, die die Stadt fast vollständig zerstörten, Pestwellen zwischen 1566 und 1638, denen etwa 2000 Menschen zum Opfer fielen, sowie der Dreißigjährige Krieg mit ebenfalls hohen humanen wie materiellen Verlusten. Im Jahr 1648 wurde Lenzen zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt an den neu erschaffenen Strecken Berlin – Hamburg und Hamburg – Magdeburg. 1651 wurde der holländische Admiral Gijsels van Lier (1593–1676) zum Amtmann in Lenzen ernannt, der wegen seiner Leistungen im Deichbau, des Schaffens von Ordnung und Sauberkeit, des Wirkens gegen Hexenverbrennungen und für die Einführung regelmäßiger Schulbesuche der Kinder der Amtsdörfer zu hohen Ehren gelangte.

1807/08 bekam das Lenzener Postamt eine hohe Bedeutung aufgrund seiner Lage an der Grenze zu Mecklenburg und Hannover. Die wirtschaftliche Rolle der Stadt wurde 1819 bis 1828 durch die Verlegung des Wasserzolls nach Wittenberge und des Landzolls an die Chaussee zwischen Berlin und Hamburg, der heutigen B 5, größtenteils eingebüßt. 1874 erhielt Lenzen Bahnanschluss an der Strecke zwischen Wittenberge und Lüneburg, die 1945 durch die Zerstörung der Elbebrücke Dömitz nicht weiter bedient und 1948 schließlich als Reparationszahlung auf ostdeutscher Seite demontiert und in die Sowjetunion verbracht wurde.

Mit der Auflösung der Länder in der sowjetischen Besatzungszone kam Lenzen 1952 zum Kreis Ludwigslust in den Bezirk Schwerin. Im Juni 1952 und nach dem Mauerbau 1961 wurden zahlreiche Familien, darunter Geschäftsleute, Kleinhandwerker und Bauern innerhalb weniger Stunden aus Lenzen zwangsausgesiedelt. Ab 1961 wurden die Grenzanlagen an der innerdeutschen Grenze immer weiter ausgebaut. Alle Bewohner bekamen halbjährlich einen Vermerk in den Personalausweis, Ortsfremde konnten die Stadt nur nach vorheriger Beantragung und Genehmigung eines Passierscheins über die mit Schlagbäumen gesperrten Zugangsstraßen erreichen. Die Genehmigung wurde in der Regel nur Verwandten ersten Grades erteilt. Am 1. September 1972 wurde die Stadt Lenzen aus dem Sperrgebiet herausgenommen. Nach der Öffnung der Grenzen 1989 erfolgte die Aufhebung des Sperrgebietes am 14. November. Erst mit der Wende wurde 1990 mit der Wiedereinrichtung der Fährverbindung nach Pevestorf eine Möglichkeit zur Elbüberquerung geschaffen. Lenzen gehörte nun zum Land Mecklenburg-Vorpommern.

Dadurch grenzte Sachsen-Anhalt kurzfristig bis zur Rückkehr der Stadt nach Brandenburg an das Land Mecklenburg-Vorpommern. Durch einen im Jahr 1991 abgehaltenen Volksentscheid kamen die Stadt und die umliegenden Gemeinden am 1. August 1992 jedoch zum Land Brandenburg zurück und wurden in den Landkreis Perleberg eingegliedert, bevor dieser im Zuge der brandenburgischen Kreisreform am 6. Dezember 1993 im neuen Landkreis Prignitz aufging. Lenzen ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg. Die Altstadt wird seit 1995 schrittweise saniert.

Am 25. Juni 1969 kam es bei einer Erdgasbohrung in der Nähe von Lenzen zu einer schweren Gasexplosion, bei der ein Mann starb und sechs schwer verletzt wurden, woraufhin diese Bohrungen eingestellt wurden.[2]

Aufgrund der Lage an der Elbe hatte die Stadt in der Geschichte oft gegen das Hochwasser zu kämpfen. So war bis zuletzt auch beim Elbehochwasser 2002 der „Böse Ort“ ein kritischer Deichabschnitt. Der Fluss macht an diesem bisherigen Engpass einen Bogen von etwa 90°, so dass der Wasserdruck nicht seitlich, sondern frontal auf dem Deich lastete. Von September 2005 bis August 2009 wurde der Deich weiter ins Hinterland verlegt, der Elbe dadurch 430 Hektar mehr Überflutungsfläche geboten, und Auwälder angelegt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Bäkern kam am 1. Juli 1961 zu Lenzen. Gandow folgte am 22. Juli 1965. Nausdorf wurde am 1. April 1971 eingegliedert.[3] Die Orte Eldenburg und Mellen wurden am 26. Oktober 2003 nach Lenzen (Elbe) eingemeindet.[4]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[5][6]
Wahlbeteiligung: 57,55 % (2003: 55,07 %)
 %
40
30
20
10
0
35,13 %
23,29 %
15,35 %
11,70 %
7,35 %
7,18 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-8,16 %p
-3,27 %p
+2,32 %p
+0,69 %p
+7,35 %p
+3,57 %p
-2,49 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d 2003: PDS
e 2008: EB Wange
g 2003: EB Lamprecht

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Lenzen besteht aus 16 Stadtverordneten:

  • CDU: 6 Sitze (–1)
  • Bürgerliste Lenzen und Eldenburg: 4 Sitze (±0)
  • SPD: 2 Sitze (±0)
  • LINKE: 2 Sitze (±0)
  • Einzelbewerber Wange: 1 Sitz (+1)
  • FDP: 1 Sitz (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Hauptwache mit Rathaus[Bearbeiten]

Das erste Lenzener Bürgerhaus fiel dem Stadtbrand von 1558 zum Opfer. Es hieß, dass „… alle documenta und obligationibus gäntzlich verdorben und zu Asche geworden“ wären. Die wieder neu errichteten Rathäuser wurden ebenfalls bei den Stadtbränden von 1652 und 1703 zerstört. Das heutige Rathaus wurde „zierlicher als vorhin“ 1713 errichtet. Um 1756 wurde eine Turmuhr in Auftrag gegeben, die als Besonderheit nur einen Zeiger aufweist, der lediglich die Stunden anzeigt. (Siehe: Rathausuhr in Lenzen). 1994 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes.

Stumpfer Turm[Bearbeiten]

Der Stumpfe Turm, an dem noch Reste der 3 bis 4 Meter hohen Stadtmauer, die aus Feld- und Backsteinen bestand, zu sehen sind, war der Torturm des Bergtors, eines der Lenzener Stadttore. An diesem sowie den anderen Toren, dem Seetor und dem Heidetor wurde Zoll erhoben. Zum Stumpfen Turm gelangte man über zwei Brücken, über die Flut und den Stadtgraben jeweils mit Vortor und Zugbrücke. Am Turm war früher eine eiserne Elle als in der Stadt geltendes Längenmaß angebracht. Das Stadttor war nachts verschlossen. Ab 1700 verfielen die Stadtmauern und das Bergtor wurde 1758 abgerissen. Nachdem das Dach des Turmes eingestürzt war, hieß der Turm Stumpfer Turm.

Weitere Bauwerke[Bearbeiten]

Orgel in St. Katharinen
Das Hünengrab bei Mellen

Landschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Lenzen verläuft die Bundesstraße 195. Eine Elbfähre verkehrt zwischen Lenzen und dem niedersächsischen Pevestorf und bietet eine Möglichkeit der Überquerung des Flusses auf dem brückenlosen Abschnitt zwischen Dömitz und Wittenberge.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lutz Mohr: Die Schlacht bei Lenzen 929. Deutsche gegen Slawen. In: Karfunkel Combat. Das jährliche Special zu Militärgeschichte ... Wald-Michelbach Nr. 3/2007, S. 6-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lenzen (Elbe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Lenzen (Elbe) – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Susanne Schrammar: Salzstock Gorleben: Warnung vor neuen Risiken auf dradio.de vom 20. September 2010, abgerufen am 20. März 2011
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  5. http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2008/SB_B7-3-5_j05-08_BB.pdf#page=125
  6. http://www.wahlen.brandenburg.de/kw2003/kg/ergebnisse/gemeinde/1314.html
  7. Die Lenzener Orgel auf nomine.net