Thiofentanil

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Strukturformel
Struktur von Thiofentanil
Allgemeines
Name Thiofentanil
Andere Namen
  • R 31826
  • 4-(N-Propanoylanilino)-1-(2-thiophen-2-ylethyl)piperidin-4-carbonsäuremethylester
Summenformel C22H28N2O3S
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
  • 60771-38-2
  • 73005-06-8 (Oxalat)
PubChem 173761
Wikidata Q26882856
Eigenschaften
Molare Masse 400,53 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Thiofentanil ist das 2-Thienyl-Analogon zum Carfentanil. Es wurde 1976 erstmals in der Literatur beschrieben. Thiofentanil ist ein hochpotentes Opioid mit einer etwas geringeren analgetischen Potenz als Carfentanil. Bei der Ratte (i.v., tail withdrawal) wurden folgende Werte bestimmt: 7159-8676-fache Morphinpotenz für Thiofentanil und 7682-10031-fache Morphinpotenz für Carfentanil (im direkten Vergleich).[2][3] Thiofentanil fand zunächst im Gegensatz zum Carfentanil wenig Interesse, wurde jedoch Anfang der 90er Jahre in China eingehender studiert, wobei es mit Etorphin verglichen wurde. Außerdem wurde das physische Suchtpotential bei chronischer Gabe untersucht.[4]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thiofentanil zeigt ähnliche pharmakologische Eigenschaften wie Etorphin. Die analgetische Potenz bei der Maus (i.p., hot plate) beträgt das 3260fache von Morphin, das 22fache des Fentanyls und das 1,5fache von Etorphin.[4] Die immobilisierende Potenz ist 2–3 mal höher als von Etorphin.[4] Untersuchungen an Mäusen, Ratten und Affen ergaben, dass Thiofentanil unter analgetisch äquivalenten Dosen ein signifikant niedrigeres physisches Suchtpotential als Morphin besitzt. Bei Ratten wurde keine physische Abhängigkeit beobachtet, wenn Thiofentanil über einen Zeitraum von 72 h stündlich intravenös verabreicht wurde (72 mal i.v. über 3 Tage). Bei Affen waren nach chronischer Gabe über 5 Monate (20 Wochen) ebenfalls keine Anzeichen von körperlicher Abhängigkeit erkennbar.[4]

Diesen Ergebnissen zufolge könnte Thiofentanil, ähnlich wie Dihydroetorphin, für die humane Schmerztherapie und die Entgiftung Opioidabhängiger bedeutsam sein. Um das Suchtpotential von Thiofentanil besser beurteilen zu können, sind allerdings weitere Studien erforderlich, insbesondere der direkte Vergleich mit dem isomeren 3-Thienyl-Analogon, Carfentanil, Sufentanil, und Dihydroetorphin. Studien mit Dihydroetorphin[5][6][7][8] und Ohmefentanyl[9] zeigten, dass das physische Suchtpotential von Opioiden nicht mit der analgetische Potenz und Wirksamkeit korrelieren muss.

Intensität des Abstinenzsyndroms nach chronischer Gabe von Thiofentanil im Vergleich zu Morphin und Saline:[4]

Substanz Intensität Entzugssyndrom
Morphin 25,33
Thiofentanil 7,60
Saline 5,60

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thiofentanil (R 31826) ist nicht zur verwechseln mit Thiafentanil und Thiofentanyl. Thiafentanil ist das analoge Methoxyacetamid (Methyl{1-[2-(2-thienyl)ethyl]-4-(N-phenyl-methoxyacetamido)piperidin-4-carboxylat}), während Thiofentanyl das entsprechende Fentanyl-Derivat (N-Phenyl-N-{1-[2-(2-thienyl)ethyl]piperidin-4-yl}propanamid) ist.

Das zum Thiofentanil isomere 3-Thienyl-Analogon (Methyl{1-[2-(3-thienyl)ethyl]-4-(N-phenylpropanamido)piperidin-4-carboxylat}) ist etwa 1,5 mal potenter als Thiofentanil und etwa 1,3 mal potenter als Carfentanil. Bei Mäusen (i.v. hot plate) war es 16.600 mal potenter als Morphin, Carfentanil zum Vergleich erzielte die 10.500-fache Morphinpotenz.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. P. G. Van Daele, M. F. De Bruyn, J. M. Boey, S. Sanczuk, J. T. Agten, P. A. Janssen: Synthetic analgesics: N-(1-[2-arylethyl]-4-substituted 4-piperidinyl) N-arylalkanamides. In: Arzneimittel-Forschung. Band 26, Nr. 8, 1976, S. 1521–1531, PMID 12769.
  3. W. F. Van Bever, C. J. Niemegeers, K. H. Schellekens, P. A. Janssen: N-4-Substituted 1-(2-arylethyl)-4-piperidinyl-N-phenylpropanamides, a novel series of extremely potent analgesics with unusually high safety margin. In: Arzneimittel-Forschung. Band 26, Nr. 8, 1976, S. 1548–1551, PMID 12771.
  4. a b c d e M. Li, J. W. Zheng, Y. H. Liu, J. L. Zhang, L. N. Liu, Z. J. Cai: [Experimental study on the principal effects and dependence potential of thiofentanil]. In: Yao Xue Xue Bao = Acta Pharmaceutica Sinica. Band 26, Nr. 4, 1991, ISSN 0513-4870, S. 241–245, PMID 1683505.
  5. M. Huang, D.X. Wang, B.Y. Qin: Dihydroetorphine, a Potent Opioid with low Dependence Potential. In: Regulatory Peptides. Band 53, 1994, S. 81–82.
  6. B.Y. Qin, M. Huang, Y.C. Zhang, H. Miao: Comparison of the Dependence Potential of Dihydroetorphine, Etorphine and Morphine. In: Regulatory Peptides. Band 54, 1994, S. 237–238.
  7. B.Y. Qin, D.X. Wang, M. Huang: The Application of Dihydroetorphine to Detoxification of Heroin Addicts. In: Regulatory Peptides. Band 53, 1994, S. 293–294.
  8. Bo-Yi Qin: Advances in Dihydroetorphine: From Analgesia to Detoxification. In: Drug Development Research. Band 39, 1994, S. 131–134.
  9. Guo, G. W.; He, Y.; Jin, W. Q.; Zou, Y.; Zhu, Y. C.; Chi, Z. Q. (2000). Comparison of physical dependence of ohmefentanyl stereoisomers in mice. In: Life Sciences 67 (2): 113–120.
  10. Jerome R. Bagley, Sheela A. Thomas, Frieda G. Rudo, H. Kenneth Spencer, Brian M. Doorley, Michael H. Ossipov, Thomas P. Jerussi, Mark J. Benvenga, Theodore Spaulding: New 1-(heterocyclylalkyl)-4-(propionanilido)-4-piperidinyl methyl ester and methylene methyl ether analgesics. In: Journal of Medicinal Chemistry. Band 34, Nr. 2, 2002, S. 827–841, doi:10.1021/jm00106a051.