Thomas Royen

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Thomas Royen (* 6. Juli 1947 in Frankfurt/Main) ist ein deutscher Statistiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Eltern waren Paul Royen, Ordinarius des Instituts für anorganische Chemie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, und die Diplom-Chemikerin Elisabeth geb. Stumpf-Brentano. Royen studierte von 1966 bis 1971 Mathematik und Physik an der Universität Frankfurt sowie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Anschließend war er Tutor am mathematischen Institut der Freiburger Universität, bis er 1973 für seine Promotion an die Technische Universität Dortmund wechselte. Nach der Promotion 1975 arbeitete er dort als wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung für Statistik.

Zu Jahresbeginn 1977 nahm er eine Stelle als Biometriker beim Chemie- und Pharmaunternehmen Hoechst AG an. 1979 bis 1985 war er dort in der Abteilung für Aus- und Weiterbildung als Dozent für Mathematik und Statistik tätig; zudem oblag ihm seit 1982 die Ausbildungsleitung für die mathematisch-technischen Assistenten (Industrieinformatiker). Von 1985 bis zu seiner Emeritierung 2010 lehrte Royen als Professor für Mathematik an der Fachhochschule Bingen.[1]

Royen lebt in Schwalbach am Taunus und ist verheiratet.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1978 hat Royen mehr als 30 wissenschaftliche Arbeiten publiziert, hauptsächlich über multivariate Chi-Quadrat- und Gammaverteilungen sowie den sogenannten Maximum Range Test für paarweise statistische Vergleiche von Mittelwertsvektoren. Zwar veröffentlichte er in anerkannten Fachzeitschriften, doch wurden manche Arbeiten abgelehnt, nach Royens Ansicht auch ohne genaue Prüfung.[2] So erschienen Aufsätze auch in eher unbekannten Publikationen.

Im Sommer 2014 gelang Royen – damals bereits seit vier Jahren im Ruhestand – mit Hilfe der Laplace-Transformation für multivariate Gamma-Verteilungen der Beweis der erstmals 1955 formulierten Gaußschen Korrelationsungleichung (engl. Gaussian correlation inequality, kurz GCI).[3] Er veröffentlichte seinen Beweis auf der Wissenschaftsplattform arXiv[4] und in einer wenig reputablen indischen Fachzeitschrift für Statistik,[5] weswegen der Beitrag zunächst kaum wahrgenommen wurde. Erst als Ende 2015 zwei polnische Mathematiker Royens Arbeit auf arXiv neu präsentierten,[6] erhielt er die Anerkennung seines Fachs.[7] Internationale Medien wurden 2017 durch einen Artikel im Wissenschaftsmagazin Quanta auf ihn aufmerksam.[8]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf auf RLP-Forschung.de
  2. Holger Dambeck: Der Wunderopa der Mathematik. In: Der Spiegel, 4. April 2017, online, abgerufen am 7. April 2017.
  3. Sibylle Anderl: Der Beweis. Ein Mathematik-Rentner aus dem Taunus löste ein jahrzehntealtes Problem. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. April 2017, S. 11.
  4. Thomas Royen: A simple proof of the Gaussian correlation conjecture extended to some multivariate gamma distributions, in: arXiv.org, 13. August 2014, zum Download, abgerufen am 7. April 2017. Erweitert durch Thomas Royen: Some probability inequalities for multivariate gamma and nornal distributions, in: arXiv.org, 2. Juli 2015, zum Download, abgerufen am 7. April 2017.
  5. Thomas Royen: A simple proof of the Gaussian correlation conjecture extended to some multivariate gamma distributions. In: Far East Journal of Theoretical Statistics, Band 48, Nr. 2, Pushpa Publishing House, Allahabad 2014, S.139–145.
  6. Rafał Latała und Dariusz Matlak: Royen’s proof of the Gaussian correlation inequality, in: arXiv.org, 29. Dezember 2015, zum Download, abgerufen am 7. April 2017.
  7. Chloe Farand: Retired German man solves one of world's most complex maths problem with „simple proof“. In: The Independent, 3. April 2017, abgerufen am 15. Mai 2017.
  8. Natalie Wolchover: A Long-Sought Proof, Found and Almost Lost, in: Quanta Magazine, 28. März 2017, online, abgerufen am 7. April 2017.