Tim van Beveren

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Tim van Beveren (* 1961 in Düsseldorf) ist ein deutscher Journalist, Sachbuchautor und Regisseur, u. a. im Bereich Luftfahrt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tim van Beveren absolvierte nach dem Abitur eine Fotografenlehre und studierte dann Rechtswissenschaften in Bonn, später Bildende Kunst in Urbino, Italien. Er lebt in Berlin.

Während seiner Studentenzeit drehte er einen ersten programmfüllenden Spielfilm (Jannan – Die Abschiebung), der 1986 in deutschen Programmkinos gezeigt wurde.[1] Neben dem Studium begann er für Film- und Fernsehproduktionsfirmen zu arbeiten, absolvierte ein journalistisches Volontariat bei einer Nachrichtenagentur in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn und arbeitete für das lokale Stadtfernsehen. Ein besonderer Schwerpunkt seiner journalistischen Tätigkeit war schon früh die zivile Luftfahrt, mit dem besonderen Schwerpunkt Flugsicherheit.[2]

Später arbeitete er für Fluggesellschaften und internationale Anwalts-Societäten sowie Institutionen als Berater für Flugsicherheitsfragen. Er war Gutachter für die Staatsanwaltschaft Frankfurt a. M. im Zusammenhang mit dem Absturz einer Boeing 757 der türkischen Fluggesellschaft Birgenair vor der Küste der Dominikanischen Republik im Jahr 1996.[3][4]

Seit den späten 1980er Jahren arbeitete er als freier Autor und Mitarbeiter für folgende Formate: „Tagesschau“, „Tagesthemen“, „Plusminus“, „Markt“, „Frontal“, „Aspekte“, „Auslandsjournal“, „Weltspiegel“, „Monitor“, „Kontraste“, „Report“, „Fakt“, „Stern-TV“, „Akte“, „Fokus-TV“. Ende der 1980er Jahre war er als einer der ersten Video-Journalisten (VJ) besonders in Krisengebieten wie dem Irak (1990–1991) und dem damals anhängigen Jugoslawien-Konflikt (1991–1995) für öffentlich-rechtliche und private Fernsehanbieter im Einsatz. Von 1998 bis 2005 arbeitete er u. a. als Korrespondent in den USA, nach seiner Rückkehr nach Deutschland dann bis 2014 überwiegend als freier Mitarbeiter für öffentlich-rechtliche Programmanbieter, insbesondere den Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln.

Als Autor war er auch für zahlreiche Printmedien im In- und Ausland tätig, darunter der Spiegel,[5] Focus,[6] Facts, Süddeutsche Zeitung,[7][8] Die Zeit,[9] Stern, Die Welt,[10] Aviation Today,[11] Air Safety Week und Flight International.[12]

Seit 2008 recherchiert van Beveren zu dem Themenkomplex „kontaminierte Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen“. Hierzu hat er als Autor und Journalist seitdem zahlreiche Beiträge für die ARD und Printmedien verfasst. Am 21. September 2011 war er dazu einer der sechs Experten einer nicht-öffentlichen Anhörung im Deutschen Bundestag.[13]

Von 2013 bis 2015 realisierte er eine Filmdokumentation zum Thema „kontaminierte Kabinenluft“. Die englischsprachige Originalversion des Films Unfiltered breathed in – The Truth about Aerotoxic Syndrome (dt. Titel: „Ungefiltert eingeatmet – Die Wahrheit über das Aerotoxische Syndrom“) wurde erstmals am 15. Juli 2015 im Berliner Programmkino Babylon in Berlin-Mitte uraufgeführt. Über eine zuvor im Auftrag des WDR für die ARD Sendereihe „Die Story“ 2014 hergestellte Dokumentation mit dem Titel Nervengift im Flugzeug[14] kam es zu einem Eklat hinsichtlich der Autorenschaft und des Inhaltes der Fernsehsendung.[15] Die schließlich am 7. Juli 2014 vom WDR ausgestrahlte Fassung des Films war auch Gegenstand einer Programmbeschwerde.[16]

Seit 2015 unterstützt van Beveren Master-Studierende der Beuth-Hochschule für Technik Berlin beim „Nekropolen-Projekt“, das sich mit der Visualisierung von Kriegstod und den Opfern von Gewaltherrschaft auseinandersetzt.[17]

Besondere Aufmerksamkeit erhielt van Beveren im Rahmen einer Pressekonferenz im März 2017, in der er als „Gutachter“ die Verantwortlichkeit von Andreas Lubitz am Unglück des Germanwings-Flug 9525 in Zweifel zog. Auf Initiative des Vaters von Lubitz präsentierte van Beveren die Ergebnisse eigener Ermittlungen in einem Gutachten, das mehrere Schlussfolgerungen der offiziellen Untersuchungen in Frage stellt. Nach seiner Ansicht sei nicht zweifelsfrei erwiesen, dass Lubitz die Maschine vorsätzlich zum Absturz gebracht hat. Er kritisiert, dass die Ermittler in einem frühen Stadium einem sogenannten confirmation bias (einem Bestätigungsfehler) aufgesessen seien und der Stimmrekorder der abgestürzten Maschine entgegen den Anforderungen der International Civil Aviation Organisation (ICAO) nur von Ingenieuren, nicht aber von Human-Factor Spezialisten ausgewertet worden sei.[18] Die zuständige Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wies diese Ausführungen zurück.[19] Das abgeschlossene Verfahren habe „eine klare Verantwortlichkeit von Andreas Lubitz als Schuldigen“ belegt.[20] Auch die französischen Ermittlungsbehörden bekräftigten, der Copilot habe das Flugzeug gezielt zum Absturz gebracht.[21] Bundesregierung und Bundesverkehrsministerium erklärten, es bestünden keine Zweifel an den Ermittlungsergebnissen. Das französische Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’aviation civile (BEA) und die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) als zuständige Untersuchungsbehörden wiesen die erhobenen Vorwürfe ebenfalls zurück.[22] Kritik übte er dabei auch an der Berichterstattung, hier besonders der Boulevard Medien. Im Nachgang zu der Pressekonferenz ergab sich, dass die Bildzeitung bei einer Geschichte, in der kurz nach dem Absturz eine angebliche Freundin von Andreas Lubitz zitiert wurde, offenbar auf eine Hochstaplerin reingefallen ist.[23]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stellungnahme zum Thema „kontaminierte Kabinenluft“. 11. September 2011[24]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Runter kommen sie immer – Die verschwiegenen Risiken des Flugverkehrs. Campus-Verlag, 1996, ISBN 3-593-35254-0.
  • Flug Swissair 111 – Die Katastrophe von Halifax und ihre Folgen. Gemeinsam mit Simon Hubacher. Pendo-Verlag, 1999, ISBN 3-85932-288-5.
  • Das Risiko fliegt mit – Die versteckten Gefahren im Flugverkehr. Eichborn-Verlag, Frankfurt 2005, ISBN 3-8218-3977-5.

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jannan – Die Abschiebung, spot-filmproduktion 1986
  • Sterne für Warschau, WDR 1990
  • Willy Brandt in Bagdad, RTL 1990
  • Das Risiko fliegt mit – über den Handel mit gefälschten Flugzeugersatzteilen spot-filmproduktion/ZDF 1994
  • Tödliche Logik – ein Film über Airbus, WDR 1995
  • Überstunden für Piloten, ZDF 1996
  • Angst im Flugpreis inbegriffen, ARD 1996
  • Urlaubsreise in den Tod, RTL 1997
  • Operation Latin Phönix, tvbmedia production 2003
  • Der 3. Mann – Sicherheitsrisiko beim Airbus A380?, ARD 2005
  • Meldepflichten verletzt?, WDR 2009
  • Toxische Airlines, WDR 2009
  • Gift im Flieger, WDR 2010
  • Wenn Fliegen krank macht, BR 2011
  • Sicherheitsrisiko: müde Piloten, WDR 2011
  • Die Story: Nervengift im Flugzeug, ARD 2014
  • Ungefiltert Eingeatmet – Die Wahrheit über das Aerotoxische Syndrom, tvbmedia productions & suju-films, 2015
  • Komponistinnen - eine filmische und musikalische Spurensuche, tvbmedia productions, 2018

Nominierungen, Auszeichnungen, Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1986: für den Max Ophüls Preis nominiert (Drehbuch und Regie), mit dem Film Jannan
  • 1988: Bundesfilmpreis Das Treibhaus (Produktionsstab)
  • 1996: Gold-Medaille auf den New York Festivals für die TV Dokumentation Angst im Flugpreis inbegriffen (ARD)
  • 2015: Auszeichnung als „bester Dokumentarfilm“ auf dem Great Lakes International Film Festival für Unfiltered breathed in – The Truth about Aerotoxic Syndrome[25]
  • 2016: Finalist auf den New York Festivals - International TV & Film Awards[26] und "Award of Merit" auf dem International Film Festival for the Environment, Health and Culture, Jakarta[27] für Unfiltered breathed in - The Truth about Aerotoxic Syndrome

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jannan – die Abschiebung. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  2. Über mich. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  3. Gutachten für die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Aktenzeichen 58 UJs 30369/96 vom Dezember 1998.
  4. Birgenair: Hat doch ein Konstruktionsfehler den Absturz verursacht? Die Legende vom Billigflieger. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  5. Erst landen, dann löschen. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  6. Absturz in New York: Ermittler haben starke Luftwirbel und neue Werkstoffe im Visier. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  7. Die Risiko-Gesellschaft. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  8. Airbus A380 – Riesenvogel in Schräglage. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  9. Absturz der Birgenair-Maschine: Piloten waren überfordert. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  10. Airlines tun nichts gegen gefährliches Kabinen-Gas. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  11. Bogus Parts Broker Gets Jail. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  12. Peter B. Ladkin: A320 incident. pprune, 18. Juni 2001, abgerufen am 7. August 2017 (englisch).
  13. Deutscher Bundestag: Web-Archiv. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  14. http://programm.ard.de/?sendung=2810612384907203
  15. Ulli Schauen: Streit um Lufthansa-Doku in der ARD: „Ausgenutzt, ausgebeutet“. In: Die Tageszeitung: taz. 7. Juli 2014, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 29. Oktober 2017]).
  16. Volker Birk: >b's weblog. Abgerufen am 29. Oktober 2017.
  17. Dorothee Gümpel: Unsichtbares wird sichtbar. In: Beuth-Magazin. Beuth-Hochscule für angewandte Wissenschaften, Berlin, 4. Oktober 2017, abgerufen am 29. Oktober 2017.
  18. Petra Sorge: Oder waren es Turbulenzen? In: Die Zeit. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.
  19. Nach Faktencheck bleibt wenig von Lubitz-Gutachten übrig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.
  20. Dirk Banse, Michael Behrendt, Per Hinrichs, Ibrahim Naber: Lubitz' Verschwörungstheorien. „Andreas war lebensbejahend und verantwortungsvoll“. In: Die Welt. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.
  21. Reinhard Kowalewsky und Rena Lehmann: Günter Lubitz gegen den Rest der Welt. In: Rheinische Post. 25. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.
  22. Zwei Jahre nach Germanwings-Absturz. Neues Gutachten verärgert Hinterbliebene. In: Focus. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.
  23. Bei diesem Interview ist die BILD-Zeitung offenbar auf eine Hochstaplerin reingefallen. In: BuzzFeed. (buzzfeed.com [abgerufen am 29. Oktober 2017]).
  24. Stellungnahme zum Thema „kontaminierte Kabinenluft“
  25. 2015 Great lakes Film Festival Award Winners. In: unfiltered: Breathed In The Truth About Aerotoxic Syndrome. Abgerufen am 7. August 2017.
  26. New York Festivals - 2016 World's Best Television & Films™ Winners. In: www.newyorkfestivals.com. Abgerufen am 1. Dezember 2016.
  27. Winners - International Film Festival Environment, Health, and Culture. In: internationalfilmfestivals.org. Abgerufen am 1. Dezember 2016.