Tintenlöscher

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Tintenlöscher mit Korrekturstift
Tinte, teilgelöscht

Ein Tintenlöscher oder Tintenlöschstift, ugs. auch Tintenkiller, kurz Killer, oder älter Tintentod genannt, ist ein Stift zur Vornahme von Korrekturen an mit meist nur blauer Tinte geschriebenen Texten. Regelmäßig besteht ein Tintenlöschstift aus zwei Teilen: Mit dem einen Ende kann die Tinte „unsichtbar“ gemacht, mit dem Filzstift am anderen Ende dann die Korrektur vorgenommen werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits vor 1900 waren industriell hergestellte Mittel zum Entfernen von Tinte unter den Bezeichnungen Radierwasser und Tintentod allgemein bekannt und im Handel erhältlich.[1] Die ersten Exemplare im Handel enthielten die wirksame Substanz als gepressten Stift (ähnlich den Rasierstiften). Zum Gebrauch wurde dieser angefeuchtet und die Tinte damit gelöscht. Nachfolgende Produkte, etwa das unter der Marke Pelikan seit ca. 1930 vertriebene, aus zwei Fläschchen bestehende Set, enthielten die Wirksubstanz als Lösung. Dazu zählt auch der 1972 als Neuheit auf den Markt gekommene Stift TINTEN-KILLER als Warenzeichen der damaligen Firma Kreuzer in Bonn. Das baugleiche Modell vertrieb später Pelikan als Tintentiger.

Wirkungsweise[Bearbeiten]

Alle gebräuchlichen Tinten sind organische Farbstoffe. Sie besitzen einen Chromophor, einen Molekülteil mit „frei“ beweglichen Elektronen, die durch Licht bestimmter Wellenlängenbereiche angeregt werden können. Das einfallende Licht wird daher in diesem Wellenlängenbereich absorbiert. Das Licht der anderen Wellenlängen wird reflektiert. Die Wellenlängenverteilung ändert sich also bei der (partiellen) Reflexion, wodurch das reflektierte Licht eine Farbe bekommt. Als blaue Füllertinte werden vor allem Triphenylmethanfarbstoffe wie Wasserblau eingesetzt.

Wird die Beweglichkeit der farbgebenden Elektronen gestört, verliert der Farbstoff seine Farbe. Im Fall der Triphenylmethanfarbstoffe reicht dazu häufig eine Beeinflussung des zentralen Kohlenstoffatoms, beispielsweise mit einem Nukleophil aus.

Löschen mit Sulfiten[Bearbeiten]

Diese Störung kann zum Beispiel mit Sulfiten erfolgen. Hierbei lagern sich OH und HSO3 an das zentrale Kohlenstoffatom der Farbstoffe an. Hierzu eignen sich zum Beispiel Natriumsulfit (Na2SO3), Natriumhydrogensulfit (NaHSO3) oder Kaliumsulfit (K2SO3). Das Prinzip entspricht dem der Herstellung Fuchsinschwefliger Säure aus Fuchsin.

Löschen mit Carbonaten[Bearbeiten]

Eine andere, etwas weniger effektive Möglichkeit ist die Störung mit Carbonaten wie Natriumcarbonat (Na2CO3) oder Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3). Hierbei lagern sich ebenfalls OH an das zentrale Kohlenstoffatom an.

Löschen mit Thiosulfaten und Dithioniten[Bearbeiten]

Neben einigen komplexeren Stoffen kommen zuletzt auch Dithionite oder Thiosulfate (z. B. Na2S2O3) für Tintenkiller in Frage.

Praktische Umsetzung[Bearbeiten]

In der Praxis werden diese Reduktionsmittel noch durch andere Stoffe wie Alkohol oder Soda (eben das obige Natriumcarbonat) verstärkt.

Aufheben des Löscheffekts[Bearbeiten]

Die Tinte wird beim Löschvorgang wie oben beschrieben nicht zerstört, sondern nur unsichtbar gemacht. Die Rückumwandlung in eine sichtbare Form kann mit Aldehyden oder dem Dampf etwa 36 %-iger Salzsäure erfolgen. Durch Erhitzen, möglichst mit Heißluft, kann der Löscheffekt bis zu einem gewissen Grade ebenfalls aufgehoben werden. Auch wird nach längerer Zeit (mehrere Jahre, z. B. in alten Schulheften) die Tinte teilweise wieder sichtbar.

Zauberstifte und „Geheimtinte“[Bearbeiten]

Nach demselben Prinzip können mit einem Tintenkiller auch geheime Botschaften geschrieben werden, die sichtbar werden, wenn mit einem dicken Pinsel großflächig und nicht zu intensiv Tinte aufgetragen wird. Es gibt etwa seit den 70er Jahren spezielle „Zauberstifte“, die eine dünne Schreibspitze und eine sehr dicke pinselartige Faserspitze haben, mit der ein meist ebenfalls unsichtbarer Farbstoff großflächig aufgetragen wird, der erst mit der „Geheimtinte“ zusammen farblich reagiert. Allerdings wird der Begriff „Zauberstift“ teilweise auch als Synonym für den Tintenkiller selbst verwendet. Als Hausmittel für Geheimtinten können auch Zitronen- oder bestimmte Obstsäfte oder Milch eingesetzt werden. Die Schrift wird meist unter Hitzeeinwirkung sichtbar.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Fa. Aug. Leonhardi warb mit einer Anzeige im Deutschen Literatur-Kalender auf das Jahr 1901, hrsg. von Joseph Kürschner, Leipzig 1901, vor S. I, u.a. für ihr Produkt Tintentod (Radierwasser). In dem Standardwerk Der Nachweis von Schriftfälschungen, Blut, Sperma usw., Braunschweig 1906, S. 81, erwähnen die Autoren Dennstedt und Voigtländer, dass diese Mittel weit verbreitet und sogar bei Schulkindern gebräuchlich seien.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tintenlöscher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Tintenkiller – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen