Tjark Bartels

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Tjark Bartels, 2018

Tjark Bartels (* 28. Mai 1969 in Burgwedel) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er war Bürgermeister der Gemeinde Wedemark[1] und ist ehemaliger Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bartels wuchs in der Wedemark auf. Nach Abitur und Zivildienst studierte er an der Leibniz-Universität in Hannover Rechtswissenschaften. Er schloss das anschließende Referendariat im Jahr 2000 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen ab. Er war Lehrbeauftragter der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik in Vechta sowie Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter eines Beratungsunternehmens.

2006 gewann Bartels die Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Wedemark. Am 28. Mai 2013 stellte die SPD Hameln-Pyrmont Bartels als Kandidat für die Landratswahl am 22. September 2013 auf. Die Landratswahl wurde vorgezogen, da der gewählte Landrat Rüdiger Butte am 26. April 2013 in seinem Büro von einem Bürger erschossen worden war. In der Stichwahl am 6. Oktober 2013 gewann Bartels gegen seinen Herausforderer Uwe Schünemann mit 59,84 % der Stimmen.[3]

Tjark Bartels ist bundesweit bekannt als Initiator und Sprecher einer Zusammenarbeit von 20 Landkreisen, durch die ursprünglich die Gleichstrom-Höchstspannungsleitung Südlink verlaufen sollte.[4] Unter der „Hamelner Erklärung“ bekannten sich die Landkreise zur Notwendigkeit einer solchen Trasse, kritisierten aber die Planungen des Netzbetreibers TenneT[5] und forderten eine Verlegung als Erdkabel.[6] Im Februar 2015 wies die Bundesnetzagentur TenneT an, die Planungen zu überarbeiten und entsprach in wesentlichen Teilen den Forderungen der Landkreise. Im Koalitionsausschuss einigten sich die Spitzen der Regierungsparteien neben anderen Punkten auf einen Vorrang des Erdkabels beim Südlink und anderen Gleichstromtrassen.[7]

Bartels unterstützt Pläne, in der Gemeinde Emmerthal auf dem früheren Gelände der Reichserntedankfeste den Dokumentations- und Lernort Bückeberg einzurichten. Dies beschloss schließlich der Kreistag von Hameln-Pyrmont im März 2018.[8] Da sich seit 2009 gegen das Vorhaben am Hang des Bückebergs eine grundsätzliche Kritik durch die Bevölkerung vor Ort und die Lokalpolitik verfestigt hatte, wirkte er an einem Ende 2018 geschlossenen Kompromiss zur Realisierung mit.[9][10]

2019 geriet Bartels in die Medien im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Lügde, wozu er Fehler seiner Behörde einräumte. Das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont hatte dem späteren Hauptverdächtigen in dem Fall die Pflege eines Kindes übertragen, obwohl es innerhalb von fünf Monaten drei voneinander unabhängige Hinweise auf seine mögliche Pädophilie gegeben habe.[11]

Im Oktober 2019 wurde nach mehrmonatiger Krankheit auf seinen Antrag vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport ein Verfahren zu seiner Versetzung in den Ruhestand aufgrund von Dienstunfähigkeit eingeleitet.[12][13] In einer öffentlichen Videobotschaft machte er Angaben zu den Gründen seines Ausscheidens.[14] Damit löste er eine Debatte um Umgangsformen in Politik, Medien und sozialen Netzwerken aus, an dem sich neben dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil auch Politiker anderer Parteien beteiligten.[15] Am 28. Oktober 2019 hat das Niedersächsische Innenministerium Bartels in den Ruhestand versetzt.[16]

Bartels ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt im Ortsteil Bissendorf.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tjark Bartels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wedemark.de. Abgerufen am 25. Januar 2019.
  2. Tjark Bartels ist neuer Landrat (Memento vom 27. August 2016 im Internet Archive)
  3. Ergebnisse der Stichwahl 2013 (Memento vom 10. Oktober 2013 im Internet Archive)
  4. Hamelner Erklärung
  5. Hamelner Erklärung gegen Südlink an BNetzA übergeben (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive)
  6. Landkreise überreichen Hamelner Erklärung gegen die Stromtrasse
  7. Eckpunkte für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende
  8. Hameln-Pyrmont billigt NS-Infostätte am Bückeberg in Dewezet vom 13. März 2018
  9. Nach Widerstand von Anwohnern: Kompromiss für Bückeberg-Gedenkstätte in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. November 2018
  10. Christian Branahl: Weder Sieger noch Verlierer in Dewezet vom 30. November 2018
  11. Neue Pannen und Manipulationen im Fall Lügde ndr.de vom 19. März 2019
  12. Landrat Tjark Bartels weiterhin nicht im Dienst. Abgerufen am 11. Oktober 2019.
  13. Burn-out: Landrat Bartels kündigt Rücktritt an bei ndr.de vom 11. Oktober 2019
  14. Landrat Tjark Bartels weiterhin nicht im Dienst - Videobotschaft. Abgerufen am 13. Oktober 2019 (deutsch).
  15. Debatte über politische Umgangsformen nach Bartels-Rücktritt. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  16. Bartels in den Ruhestand versetzt. Abgerufen am 29. Oktober 2019.