Tod durch Lachen

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Der Tod des Pietro Aretino von Anselm Feuerbach (1854)

Der Tod durch Lachen (selten auch: Lachtod)[1][2] wurde bis zum 19. Jahrhundert als seltene Todesart beschrieben. Tatsächlich kann Lachen der Auslöser für Todesfälle sein, diese sind dann allerdings durch bereits vorliegende Krankheiten bedingt. In der Regel kommt es dabei zu Herzstillstand oder Ersticken (Asphyxie), die durch einen Lachanfall oder einen Affektkrampf ausgelöst werden. Bereits seit der Antike berichtete Vorfälle des plötzlichen Todes durch explosionshaftes oder andauerndes Lachen allein sind als Legenden und Anekdoten zu qualifizieren.

Die im deutschsprachigen Raum übliche umgangssprachliche Wendung „sich totlachen“ (auch: „sich halb totlachen“) wird verwendet, wenn ausgedrückt werden soll, dass ein Vorgang oder eine Aussage als besonders lustig oder auch lächerlich empfunden wird. Der Ausdruck findet im englischen Sprachraum eine Entsprechung in der Formulierung „to die laughing“ oder „to die of laughter“. Diese Formulierungen zeigen in humoristischer Form überspitzt, dass das Lachen viele Muskeln im Körper stimuliert (vor allem das Zwerchfell), was bei langanhaltenden Lachanfällen als schmerzhaft empfunden werden kann. Auf dem Zusammenhang beruht wahrscheinlich der Ausdruck: „Sich den Bauch vor Lachen halten“.[3]

Medizinischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lachen kann negative Auswirkungen auf Körperfunktionen haben. Umgekehrt können auch vorliegende Pathologien zu Lachanfällen führen. So kann Lachen Synkopen auslösen.[4] Lachen kann auch Kataplexie induzieren[5], die ihrerseits zu Traumata führen kann. Hirninfarkte (Schädigung des Pons und der Medulla oblongata) können pathologische Lachkrämpfe verursachen. Auch gelastische (epileptische) Anfälle können zu grundlosen Lachanfällen führen,[6] die in fokalen Läsionen an den Hypothalamus (Tuber cinereum) begründet sind.

Ein aufsehenerregender Todesfall aus jüngerer Zeit, der mit einer Lachattacke einherging, gilt heute als medizinisch aufgeklärt. Ein Maurer aus King’s Lynn in Norfolk, der 50-jährige Alex Mitchell, starb am 24. März 1975 während eines 30-minütigen Lachanfalls, den er beim Sehen der britischen Comedy-Fernsehserie The Goodies (Episode: The Kung Fu Kapers) erlitt. Die Witwe des Verstorbenen, Nessie Mitchell, hatte nach dem Tode ihres Mannes an die Hauptdarsteller der Comedyshow (Brooke-Taylor, Graeme Garden und Bill Oddie) geschrieben,[7] um ihnen für die positive Erinnerung an den Tod des Ehemanns zu danken:

“My last memory of my husband is looking at him and hearing his laughter at your programme.”

„Die letzte Erinnerung an meinen Mann ist, wie ich ihn ansah und über eure Sendung lachen hörte.“

– Nach: The Daily Telegraph vom 21. Juni 2012[8]

Nachdem im Jahr 2012 bei der Enkeltochter des Verstorbenen, Lisa Corke, die seltene, vererbbare Herzrhythmusstörung Long QT-Syndrom diagnostiziert wurde, vermuten Experten heute, dass diese Krankheit der Grund für den Tod Mitchells war.[8]

Historische Berichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berichte zu Lachtodesfällen gibt es seit dem Altertum. Noch im 19. Jahrhundert nahmen Mediziner an, dass Lachen selbst Todesursache sein könne. Im Grossen vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste von Johann Heinrich Zedler aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts[9] wie auch in Johann Theodor Jablonskis Allgemeinem Lexicon der Künste und Wissenschaften von 1748 wurde beschrieben:

„… dergleichen durch den Gebrauch des Apii risus oder herbae Sardoniae, durch überflüßigen Gebrauch des Saffrans u.d.g. kann verursachet werden, welches Lachen der Risus Sardonius genennet, und unter grossen Schmerzen endlich durch den Tod geendiget wird.“

Johann Theodor Jablonski: Allgemeines Lexicon der Künste und Wissenschaften[10]

Ernst Anton Nicolai (1722–1802) beschrieb im Jahr 1746 die nachteiligen Folgen eines nicht gesteuerten Lachens durch Verlust des körperlich-geistigen Gleichgewichts, der zu Ohnmacht oder zum Tod durch Lachen führen könne.[11] Grund sei, dass die rechte Herzkammer „sich nicht völlig von ihrem Blute entledigen kan“.[12] Die 1806 herausgegebene Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche praktischer Aerzte sieht den Milzriss als eine tödliche Folge heftigen Lachens.[13] In diesem Zusammenhang liegt vermutlich die Herkunft des Ausdruckes „Sich die Seite vor Lachen halten“.[14] Und der Medizin-Professor Michael von Lenhossek (1773–1840) führte noch 1825 aus:

„… nachtheilig wirkt das Lachen bey Vollblütigen und bey solchen Individuen die eine Neigung zu Entzündungskrankheiten oder zur Apoplexie haben, die sehr reizbar und von zartem Körperbau sind, die an Lungenkrankheiten, Bluthusten, Blutbrechen und anderen Hämorrhagien leiden … bey Gebärenden und Wöchnerinnen, und bey vorhandenen Vorfällen und Hernien. Gänzlich muß endlich das Lachen bey solchen Menschen vermieden werden, die an Herzkrankheiten und Anevrysmen leiden. Man hat sehr viele Fälle, wo das Lachen plötzlichen Tod bewirkte, aufgezeichnet.“

Darstellung des menschlichen Gemüths in seinen Beziehungen zum geistigen und leiblichen Leben: für Ärzte und Nichtärzte höherer Bildung, Band 2, Carl Gerold, 1825[15]

Im 1854 von William Löbe (1815–1891) herausgegebenen Illustrirten Lexikon der gesammten Wirtschaftskunde. Für alle Stände werden mehrere tödliche oder stark gesundheitsbeeinträchtigende Folgen des übermäßigen Lachens aufgezählt:

„Mit dem Lachen ist jedoch Maß und Zeit zu halten; denn die Redensarten: sich kranklachen, buckelig lachen, vor Lachen bersten wollen etc., sind nicht ganz aus der Luft gegriffen. Das Blut dringt nämlich beim Lachen nach Hals, Kopf, den Lungen und dem Herzen, und wenn dieses im Uebermaß und zu gewaltsam geschieht, so können allerdings sehr schlimme Folgen daraus entstehen; es kann eine Brust- oder Kopfader springen, man kann sich eine Zwerchfellentzündung, einen Bruch oder Kropf lachen oder die Kinnbacken aussetzen.[16]

Überlieferte Fälle des angeblichen Lachtodes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lachtod in der Fiktion (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Figur Kenny McCormick verstirbt in der South-Park-Episode der fünften Staffel (Scott Tenorman Must Die) an einem Lachanfall beim Betrachten eines TV-Videos.
  • Fulton, ein Freund von Jerry, stirbt in der Seinfeld-Episode „The Stand-In“ an einem Lachanfall.[25]
  • Der Batman-Gegenspieler The Joker tötet nach einem Comic von Alan Moore („The Killing Joke“) seine Opfer durch ein Lachgift, durch das diese sich totlachen und mit einem Grinsen versterben.
  • In der 12. Episode der ersten Staffel der Pseudo-Dokumentarserie 1000 Ways to Die stirbt ein Mann an einem Lachanfall über einen Witz.[26]
  • In einem Sketch von Monty Python (The Funniest Joke in the World) setzt das britische Militär im Zweiten Weltkrieg einen Witz als tödliche Waffe gegen deutsche Soldaten ein.
  • Ein von Coleman Barks übersetztes Gedicht von Dschalāl ad-Dīn ar-Rūmī (Dying, Laughing) erzählt vom Lachtod.
  • In Lord Dunsanys The Three Infernal Jokes sterben mehrere Menschen beim Lachen.[27]
  • Im Zeichentrick-/Realfilm-Mix Falsches Spiel mit Roger Rabbit schafft es der Privatdetektiv Eddie Valiant, dass sich mehrere böse Wiesel zu Tode lachen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lachhafte Bilder, Sedimente des Komischen in der Kunst der frühen Neuzeit in: Roland Kanz: Das Komische in der Kunst, Böhlau Verlag, Köln Weimar 2007, ISBN 3-412-07206-0, S. 26, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. In Francisco de Quevedos Werk Los Sueños werden mehrere allegorische Tode genannt, darunter der Lachtod, gem. Gerald Stieg und Jean Marie Valentin: Ein Dichter braucht Ahnen: Elias Canetti und die europäische Tradition, Akten des Pariser Symposiums, 16.–18. November 1995, in: Jahrbuch für Internationale Germanistik, Band 44, H. Lang, Bern Berlin u. a. 1997, S. 108
  3. Neuphilologische Nachlese, Schriftenreihe der Zeitschrift Moderne Sprachen des Verbandes der Österreichischen Neuphilologen, Verband der Österreichischen Neuphilologen (Hrsg.), 1996, S. 50
  4. Herbert Renz-Polster und Steffen Krautzig: Basislehrbuch Innere Medizin: kompakt-greifbar-verständlich, Elsevier, Urban & Fischer, 2012, ISBN 978-3-437-59210-2, S. 39, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Bettina Schmitz und Barbara Tettenborn: Paroxysmale Störungen in der Neurologie, Springer, 2006, ISBN 978-3-540-26665-5, S. 144, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  6. Günter Krämer: Epilepsie von A - Z: medizinische Fachwörter verstehen, TRIAS ärztlicher Rat, Georg Thieme Verlag, 2005, ISBN 978-3-8304-3229-6, S. 185
  7. Goodies' fan Alex Mitchell 1975 laughter death 'solved', 22. Juni 2012, BBC
  8. a b Anita Singh, Man who died laughing at Goodies had Long QT syndrome, 21. Juni 2012, The Daily Telegraph. In Englisch
  9. Michael Fiam: Die Funktion von Lachen und Lächeln in der deutschen Literatur. Eine Untersuchung anhand ausgewählter Werke, Diplomarbeit, 2003, S. 5f.
  10. Johann Theodor Jablonski: Allgemeines Lexicon der Künste und Wissenschaften: Oder Deutliche Beschreibung des Reichs der Natur, der Himmel und himmlischen Cörper, der Luft, der Erde, sammt den bekannten Gewächsen, der Thiere, Steine und Erzte, des Meers und der darinne lebenden Geschöpfe; Ingleichen Aller menschlichen Handlungen, Staats-Rechts-Kriegs-Policen, Haushaltungs- und Gelehrten-Geschäfte, Hanthierungen und Gewerbe, samt einer Erklärung der dabey vorkommenden Kunst-Wörter und Redens-Arten, Hartung, 1748, S. 571, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  11. Karlheinz Barck, Martin Fontius (Hrsg.), Ästhetische Grundbegriffe (ÄGB): historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Band 3, ISBN 978-3-476-00913-5, Metzler, 2001, S. 358
  12. Ernst Anton Nicolai und Christian G. Koetschke: Abhandlung von dem Lachen, Lüderwald, 1746, S. 52, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  13. Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche praktischer Aerzte, Band 89, Dyck, Leipzig 1806, S. 521, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  14. auch: „die Seite vor Lachen zersprengen“: Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche praktischer Aerzte, Band 89, Dyck, 1806, S. 521, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  15. a b Michael von Lenhossek: Darstellung des menschlichen Gemüths in seinen Beziehungen zum geistigen und leiblichen Leben: für Ärzte und Nichtärzte höherer Bildung, Band 2, Carl Gerold, 1825, S. 309, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  16. William Löbe: Illustrirtes Lexikon der gesammten Wirtschaftskunde: Für alle Stände, Band 3, O. Wigand, 1854, S. 294, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  17. Paul N. Morris: Patronage and Piety: Montserrat and the Royal House of Medieval Catalonia-Aragon. 2000, S. 8 (englisch).
  18. Folke Gernert: Francisco Delicados "Retrato de la Lozana Andaluza" und Pietro Aretinos "Sei giornate", Ausgabe 77 der: Kölner romanistische Arbeiten, Librairie Droz, 1999, ISBN 978-2-600-00365-0, S. 18, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  19. Heinrich Ernst Pöschl (Hrsg.): Thusnelda. Zeitschrift zur Bildung und Unterhaltung der Jugend; insbesondere der weiblichen, Band 5, Büreau der Thusnelda, 1841, S. 34, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  20. Jonny Wilkes: Has anyone ever died of laughter? auf Historyextra.com, 2. September 2014, Immediate Media Company. (englisch)
  21. Florian Herrmann: Strategien der Todesdarstellung in der Markuspassion: Ein literaturgeschichtlicher Vergleich, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2009, ISBN 978-3-525-55011-3, S. 270, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  22. 9. Laughed himself to death, in: 10 truly bizarre Victorian deaths, 25. Dezember 2013, BBC. In Englisch
  23. Moderne Verzweifelungen. Tod durch Lachen beim Haarabschneiden in: Adolf Neustadt (d. i. Adolph Friedrich Richter): Pannonia. Welt- und Zeitgemälde zur Belehrung und Unterhaltung, Hrsg. Ig. Ad. Schaiba, 7. Jg., Preßburg 1843, S. 54f., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  24. Wolfgang Christoph Dessler: Wolfgang Christoph Deßlers himmlische Seelen-Lust unter den Blumen göttliches Worts; oder andächtige Betrachtungen über unterschiedliche auserlesene Sprüche Heil. Schrifft: Wodurch ein glaubiger Mensch, in der Liebe gegen Gott und den Nächsten gestärket, im Creuz ermuntert und zur Beständigkeit im Glauben bis ans Ende, angewiesen wird. Mit erbaulichen Liedern und angenehmen Kupfern gezieret, Felßecker, 1726, S. 308 und S. 735 (Register), eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  25. Dennis Bjorklund: Seinfeld Reference: The Complete Encyclopedia with Biographies, Character Profiles & Episode Summaries, Praetorian, ISBN 978-0-9679852-4-4. In Englisch
  26. Folge 12 (I See Dead People (And They’re Cracking Me Up)) bei fernsehserien.de
  27. Lord Dunsany: The Three Infernal Jokes in: Tales of Wonder, 1916