Torres-Strait-Insulaner

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Die Torres-Strait-Insulaner sind die Indigene Bevölkerung auf den Torres-Strait-Inseln vor Queensland in Australien. Viele von ihnen leben inzwischen auf dem australischen Kontinent. Sie haben eine melanesische Kultur und sind nicht mit den Aborigines verwandt.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als im späten 18. Jahrhundert die europäische Kolonisation Torres-Strait-Inseln begann, lebten je nach Schätzungen 300.000 bis zu mehr als einer Million Insulaner. Man geht davon aus, dass die Zahl von 750.000 Bewohner in etwa korrekt sei. Der Bevölkerungsrückgang im 19. und 20. Jahrhundert wird auf Krankheiten, Zwangsenteignungen von Land und kulturellen Zusammenbruch und Auflösung zurückgeführt.[1]

Es gibt derzeit etwa 6000 Torres-Strait-Insulaner, die in der Umgebung der Torres-Straße leben, dazu kommen 37.000 weitere, die größtenteils im Norden Queenslands (Stand 2015), beispielsweise in Townsville oder Cairns, leben.[2]

Auf den etwa 100 Inseln in der Torres Strait, von denen 17 von 20 Gemeinschaften bewohnt werden, hat jede Gemeinschaft ihr eigenes Council.[2]

Entwicklung vor der britischen Kolonisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Torres-Strait-Insulaner sind ein Volk von Seefahrern und betreiben Handel mit den Einwohnern von Papua-Neuguinea. Im Gegensatz zu den auf dem australischen Festland lebenden Aborigines betreiben die Torres-Strait-Insulaner auch intensiven traditionellen Gartenbau, welche sie durch Jagen und Sammeln ergänzen. Zudem kannten sie Einbaum-Boote sowie Pfeil und Bogen, Technologien, die vor der Ankunft der Europäer in Australien ebenfalls unbekannt waren.[3]

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insulaner sprechen zwei verschiedene Sprachen. Auf den östlich gelegenen Inseln Darnley Island, Murray Island und Stephens Island wird Meriam Mir gesprochen und auf den westlich und zentral gelegenen Insel wird entweder Kala Lagaw Ya oder Kala Kawa Ya, beide jeweils ein Dialekt der gemeinsamen Sprache.

Seit der europäischen Besiedlung war Kreol verbreitet und im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Sprache Pidginenglisch des südwestlichen Pazifiks und ist nun auf den Inseln verbreitet.[2]

Kultur und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Torres-Strait-Islaner lieferten auch einen bedeutenden Beitrag zur Kunst und Kultur, aber auch zur wirtschaftlichen Entwicklung Australiens durch den Eisenbahnbau und die Zuckerindustrie.[1]

In der Torres Strait wurde vor allem nach Perlmutt gefischt, das zur Herstellung von Knöpfen, Essbestecken, Kämmen, Produkten im Juweliergewerbe und als Möbeleinlagen in den USA und Großbritannien verwendet wurde. Diese Fischerei in der Torres Strait war derart erfolgreich, dass weltweit die Hälfte aller Produkte aus Muscheln von dorther kam. In der Torres Strait waren im Jahr 1886 etwa die Hälfte der Perlenfischer Nicht-Insulaner.[4]

Landrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wohl bekannteste Torres-Strait-Insulaner ist Eddie Mabo, der in die Geschichte einging, als er in den 1990er Jahren die Gewährung von Landrechten für alle indigenen Australier erreichte (siehe Mabo v. Queensland (No. 2)). Damit wurde das bis dahin dominierende Rechtsprinzip von Terra Nullius obsolet.

Bekannte Torres-Strait-Insulaner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sängerin und Schauspielerin Christine Anu kann auf viele erfolgreiche Albumveröffentlichungen verweisen. International machte sie unter anderem durch ihre Teilnahme an der Abschlussveranstaltung der Olympischen Spiele 2000, wo sie das Lied My Island Home vortrug, und 2001 durch ihre Rolle im von Baz Luhrmann produzierten Musical Moulin Rouge, das einen Oscar gewann, aufmerksam. Zudem gewann sie Preise der nationalen Musikindustrieorganisationen APRA und ARIA.

Der 1929 auf Thursday Island geborene Henry "Seaman" Dan veröffentlichte 2000 seine erste CD. 2004 wurde ihm von der ARIA ein Preis für das beste Weltmusik-Album verliehen. Er hat sich mittlerweile eine Reputation erworben, die über Australien hinausgeht.

Wendell Sailor, Sam Thaiday und Brent Webb sind Rugby-League-Nationalspieler. Sailor erwarb sich auch im Rugby Union-Code Verdienste. Brent Webb, der derzeit in England für die Mannschaft aus Leeds spielt, trat übrigens für die Nationalmannschaft von Neuseeland an.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ian Crawshaw; Australia Walkabout - Reiseführer für das Australien der Aborigines und Torres Strait Islander, Sabine Muschter Herausgeber der deutschen Auflage, Intuitiv media, Kiel 2011 ISBN 978-3-00-029490-7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Australia's Aboriginal and Torres Strait Islander peoples (Memento vom 8. Oktober 2006 im Internet Archive), Department of Foreign Affairs and Trade. Abgerufen am 4. Dezember 2016
  2. a b c Australian Communities: Torres Strait Islander People, von 2015, NSW Government, Department of Education. Abgerufen am 4. Dezember 2016
  3. Sibylle Kästner: Jagende Sammlerinnen und sammelnde Jägerinnen: Wie australische Aborigines-Frauen Tiere erbeuten. LIT Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-10903-3. S. 122.
  4. Stan Florek: Reports of the Australian Museum, von 2005, auf publications.australianmuseum.net.au. Abgerufen am 4. Dezember 2016