Triebverzicht

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Triebverzicht bedeutet den Verzicht auf das Ausleben von bestimmten Trieben, insbesondere der aggressiven Triebe und des Sexualtriebs, beziehungsweise die Verwirklichung dieser Bedürfnisse. In der Kulturanthropologie stellt der Triebverzicht ein wichtiges Konzept dar. Triebverzicht gilt als Zivilisationsmerkmal[1] und eine der Grundvoraussetzungen für die Existenz von menschlichen Gesellschaften. Erst durch den Verzicht auf die unmittelbare Ausübung von Trieben, wie z. B. des Gewalttriebes, wird menschliche Interaktion auch ohne Aggression möglich. Voraussetzung für den Triebverzicht ist die Selbstkontrolle oder auch die Selbstdisziplin. Straftäter, die aufgrund mangelnder oder nicht existenter Triebkontrolle oder eines entsprechenden psychischen Defekts handeln, werden als Triebtäter bezeichnet.

Gründe für Triebverzicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triebverzicht kann unterschiedliche Gründe haben. Freiwilliger Triebverzicht aus psychologischen und persönlichen Gründen, wie der Verzicht auf die Ausübung des Gewalttriebes gegenüber anderen Menschen oder der Verzicht auf die unbeschränkte Ausübung des Sexualtriebes in einer Beziehung oder Ehe, wird von den meisten Menschen ausgeübt. Meist spielen dabei über das reine Triebverhalten hinausgehende Ziele und innere Antriebe eine Rolle.

Moralische und ethische Gründe spielen auch oft eine Rolle. Der Verzicht auf die Ausübung von Trieben, insbesondere des Gewalttriebs ist oft die Voraussetzung für die Umsetzung ethischer Vorstellungen.

Religion und daraus resultierende moralische Werte können auch ein wichtiger Auslöser für Triebverzicht sein. Der Triebverzicht wird hierbei als Tugend angesehen und in den meisten Religionen ausgeübt. Beispiele sind der Zölibat, das Mönchtum – mit dem Verzicht auf den Sexualtrieb und einer Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit – sowie Asketen, die z. B. in der hinduistischen Gesellschaft traditionell hohen Respekt genießen. Der islamische Fastenmonat Ramadan ist ebenfalls ein religiöses Beispiel für den Triebverzicht.

Triebverzicht kann auch gesellschaftlich bedingt oder erzwungen sein. Das zwanghafte und unfreiwillige Unterdrücken natürlicher Triebe kann hierbei zu psychischen Problemen führen, was insbesondere in der Psychoanalyse von Sigmund Freud als einer der Hauptgründe für Neurosen aufgeführt wurde.

Triebverzicht kann auch in einer individuellen Triebökonomie vorkommen. Hier wird darauf spekuliert, Glücksmomente (Triebabfuhr) durch sparsamen Genuss zu steigern oder, andersherum ausgedrückt, sie nicht abzunutzen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Detlef Weinich: Institutionen und Affektkontrolle als „Constraints“ sozialen Wandels. Norbert Elias (1897–1990) und die Zivilisationstheorie im Licht biologisch-systemtheoretischer Evolutionskonzepte. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen, 24, 2005, S. 434–473, hier: S. 464 ff.