Sigmund Freud

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Sigmund Freud (geboren am 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren als Sigismund Schlomo Freud; gestorben am 23. September 1939 in London) war ein österreichischer Arzt, Neurophysiologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker und Religionskritiker. Er ist der Begründer der Psychoanalyse und gilt als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Seine Theorien und Methoden werden bis heute diskutiert und angewendet, aber auch kritisiert. Zum Teil erfahren sie Bestätigung durch die Erkenntnisse der noch jungen Neuropsychoanalyse.

Sigmund Freud (Fotografie von Max Halberstadt, 1921)
Unterschrift Sigmund Freud

Freuds neuartige Vorstellungen der großen Bedeutung kindlicher sexueller Konfliktlagen und Traumata bei der Entstehung von Neurosen fanden zunächst wenig Resonanz in der Ärzteschaft, sodass er eine lange Phase der Ausgrenzung durchlebte, bevor sich, ausgehend von Wien, allmählich ein Kreis von Anhängern um ihn scharte, um die psychoanalytische Lehre weiterzuentwickeln und zu verbreiten. Grundlegend als Werk und als Instrument zur Erforschung des Unbewussten wurde die an der Wende zum 20. Jahrhundert erschienene Traumdeutung.

Die größte Verbreitung unter Freuds Schriften erzielte die Studie Zur Psychopathologie des Alltagslebens. Allgemein bekannt sind unter anderem die Freudsche Fehlleistung und das mit den Lehren Freuds verbundene Strukturmodell der Psyche: das Es, das Ich und das Über-Ich. Besonders in seinem Spätwerk zeigte sich Freud als scharfer Religionskritiker. Sein Bekenntnis zum Judentum war nicht religiös motiviert.

Eine kritische Auseinandersetzung mit Freuds Lehrmeinungen ließ schon unter seinen frühen Anhängern nicht lange auf sich warten. Eigene Lehren entwickelten erst Alfred Adler, dann auch der von Freud zunächst als Nachfolger vorgesehene C. G. Jung. Die wahre Hüterin von Freuds Erbe wurde seine Tochter Anna Freud, die sich zur Psychoanalytikerin ausbilden ließ, selbst publizierte und ihren 1923 an Gaumenkrebs erkrankten Vater bei Vorträgen und Kongressen vertrat. Sie blieb auch bei ihm, als er nach der Bücherverbrennung 1933 in Wien ausharrte und begleitete ihn nach dem Anschluss Österreichs 1938 ins Londoner Exil.

Werdegang und Wegmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familiäre Verhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freuds Geburtshaus in Freiberg (heute Sigmund Freud Museum Příbor)

Freud wurde als Sohn jüdischer Eltern aus Galizien in Freiberg in Mähren (tschechisch Příbor) – damals Teil des Kaisertums Österreich, heute in Tschechien – geboren und hieß ursprünglich Sigismund Schlomo Freud. Sein Vater Jacob Freud war Wollhändler, entstammte einer chassidischen Familie, war bei Sigmunds Geburt bereits 40 Jahre alt und in dritter Ehe verheiratet mit der wesentlich jüngeren Amalia Nathansohn Freud.[1] Jacob Freud las zwar die Bibel in hebräischer Schrift und vermittelte seinem Sohn die Faszination für die Geschichten des Alten Testaments, gab die religiösen Bräuche seiner chassidischen Vorfahren aber auf und ließ nur noch einzelne jüdische Feste als Familienfeste feiern. Freud äußerte im Rückblick: „Mein Vater ließ mich in voller Unwissenheit über alles, was das Judentum betrifft, aufwachsen.“[2]

Sigmund Freud hatte zwei ca. 20 Jahre ältere Halbbrüder aus der ersten Ehe seines Vaters, die Österreich aber noch in seinen Kindertagen verließen, um in Manchester ihr Auskommen zu suchen. Der nach ihm geborene jüngere Bruder Julius starb noch vor Freuds zweitem Geburtstag; seine Schwester Anna wurde zum Jahresende 1858 geboren. Als der im Tuchhandel tätige Jacob Freud in Freiberg für sich keine Zukunftsperspektive mehr sah, zog die Familie 1859 erst nach Leipzig und wegen einer für Leipzig nicht erteilten Aufenthaltsgenehmigung weiter nach Wien, wo sie in den von Juden bewohnten Quartieren der Leopoldstadt unterkam und in der Folgezeit noch mehrfach umzog. In den Jahren 1860 bis 1864 kamen Freuds jüngere Schwestern Rosa, Maria, Adolfine und Pauline zur Welt und 1866 sein Bruder Alexander, dessen Namen Sigmund hatte aussuchen dürfen.[3]

Einen argen Reputationsverlust erlitt die Familie 1865, als Jacobs Bruder Josef Freud wegen des Verdachts auf Verbreitung gefälschter russischer Rubel festgenommen und 1866 zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, die er bis 1870 absitzen musste. Polizeiberichten zufolge führte die Spur nach Manchester, wo sich Jacobs Söhne Emmanuel und Philipp Freud aufhielten, ohne dass diese jedoch erwähnt wurden. Sigmund fiel auf, dass die Haare seines Vaters binnen weniger Tage stark ergrauten.[4]

Gymnasialzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch einer privaten Volksschule ging Freud ab 1865 auf das Leopoldstädter Communal-Realgymnasium. Das auf das Erlernen der alten Sprachen und den Erwerb historischen Wissens zentrierte humanistische Bildungsangebot kam Freuds Anlagen und Interessen entgegen. Gelesenes vermochte er nach eigenem Bekunden auch in längeren Passagen auswendig herzusagen. Neben dem Pflichtpensum las er für sich in den Schriften der Vorsokratiker, Platons sowie der attischen Tragödiendichter und beschäftigte sich mit archäologischen Studien, insbesondere denen Heinrich Schliemanns zu Troja.[5]

Unter den Geschwistern hatte er als einziger einen eigenen Raum in der Wohnung, den er mehr und mehr mit Büchern füllte. Um beim Lesen keine Zeit zu verlieren, nahm er hier auch oft seine Mahlzeiten ein. Seinen Schwestern half er bei den Hausaufgaben, verlangte aber energisch Rücksichtnahmen auf den eigenen Pauk- und Studienbetrieb. „Als er sich, in seine Bücher vergraben, über den Lärm beklagte, den Annas Klavierstunden machten, verschwand das Piano auf Nimmerwiedersehen.“ Die Familie nahm seine „jungenhafte Herrschsucht“ gleichmütig hin und bestärkte ihn in dem Gefühl der eigenen Außergewöhnlichkeit.[6]

Für die Vorbereitung der Reifeprüfung an den zeitgenössischen österreichischen Gymnasien war umfängliches Auswendiglernen über Monate nötig.[7] Wechselnde Stimmungslagen des Hoffens, Schwankens, der Bestürzung und Erheiterung begleiteten Freud in der Abschlussprüfung im Juli 1873, die mit glänzenden Ergebnissen für ihn endete. In sieben Fächern erreichte er die Bestnote: „Vorzüglich“. Die Übertragungsaufgabe ins Altgriechische bestand aus 33 Versen der Sophokles- Tragödie König Ödipus. Noch im selben Jahr schaffte Freud sich eine deutsche Ausgabe der Tragödien des Sophokles an, mit der er später weiterhin arbeitete.[8]

Ausgedehntes Medizinstudium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freud, der auch mit dem Gedanken an ein Studium der Rechtswissenschaft gespielt hatte, entschied sich – in der Absicht, Naturforscher werden zu wollen – für Medizin und immatrikulierte sich im Sommer 1873 an der Universität Wien. Sein Interesse galt dabei vor allem der menschlichen Natur und ihrer Erforschung.[9] Der Andrang auf das Fach war so groß – etwa 1300 Medizinstudenten Anfang der 1870er Jahre an der Universität Wien –, dass dort bereits damals die anonyme Atmosphäre einer Massenuniversität herrschte.[10] Freud war von vornherein entschlossen, seine akademischen Interessen nicht auf die Ausbildung als Mediziner zu beschränken. So nahm er bald auch an Vorlesungen Franz Brentanos über Logik, aristotelische Erkenntnistheorie und Empirismus teil und begann Brentanos psychologische Schriften zu lesen. „Sein ganzes Leben stand jetzt unter dem Diktat eines großen, nahezu unersättlichen Bildungstriebs, geprägt von heftigen Neigungswechseln, schwankend zwischen Zoologie, Physiologie und Naturphilosophie“, so Peter-André Alt.[11] Beim Durchlaufen der medizinischen Fachrichtungen ließ sich Freud speziell von den Vorlesungen des Psychiaters Theodor Meynert anregen, in dessen Klinik er nach beendetem Studium 1883 „das breite Spektrum unterschiedlichster Nervenleiden kennenlernte und den Grundstock für eigene Forschungen auf therapeutischem Feld legte.“[12]

Seit Herbst 1874 betrieb Freud seinen eigenen Philosophiezirkel, teils mit früheren Schulkameraden, und widmete sich unter anderem Feuerbachs Werk Das Wesen des Christentums mit Aussagen zur Religionskritik, die ihn dauerhaft beeindruckten.[13] Im Sommer 1875 besuchte er seine Halbbrüder in Manchester und zeigte sich hinfort von englischer Lebensart äußerst positiv eingenommen. Anschließend nahm ihn der Zoologe Carl Claus – von Peter Gay zu den „erfolgreichsten und fruchtbarsten Propagandisten Darwins in deutscher Sprache“ gezählt – als Famulus in sein Labor auf und verschaffte ihm die Möglichkeit, an der von ihm eingerichteten Versuchstation für Meeresbiologie in Triest Forschungsarbeit an Aal-Hoden zu leisten.[14] 1876 wechselte Freud in das Labor des Physiologen Ernst Wilhelm von Brücke, in dessen Auftrag er, hauptsächlich mikroskopierend, bis 1882 arbeitete und forschte. Die Untersuchungen bezogen sich auf das Nervensystem niederer Fische und im Vergleich dazu auf das menschliche.

Vor den Abschlussprüfungen seines Medizinstudiums hatte Freud 1879 noch seinen einjährigen Militärdienst im Wiener Sanitätskorps zu absolvieren. Da er seine Dissertation Über das Rückenmark niederer Fische bereits vor den Prüfungen abgeschlossen hatte, wurde er schon am Tag nach Bestehen der letzten medizinischen Prüfung auch zum Doktor der Medizin promoviert.[15] Das mit 17 Jahren früh begonnene Medizinstudium endete für den 25-Jährigen vergleichsweise spät. „Seine umfassende Neugier und sein Hang zur Forschung hinderten ihn daran, seinen Doktorgrad innerhalb der üblichen fünf Jahre zu erwerben“, resümiert Peter Gay.[16]

Berufliche Ausgangslagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physiologische Forschung und klinische Erfahrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch mehr als ein Jahr nach der Promotion setzte Freud seine physiologische Forschung in Brückes Labor fort. Schon während des Studiums hatte er einem Freund geschrieben, dass er es bei der Berufsvorbereitung vorziehe, lieber „Tiere zu schinden“ als „Menschen zu quälen“.[17] Als er jedoch im April 1882 Martha Bernays kennenlernte und zu heiraten begehrte, musste er eine deutliche Verbesserung seiner Einkommensverhältnisse anstreben.

Ende Juli 1882 nahm Freud eine Beschäftigung als Assistenzarzt im Wiener Universitätsklinikum an, um auf klinischem Gebiet Kenntnisse zu erwerben, die ihm für den anschließend geplanten Betrieb einer eigenen Praxis nützlich sein sollten. In der Chirurgie, für die ihm das handwerkliche Geschick und Zutrauen fehlten, blieb er nur wenige Wochen und wechselte dann mit einer Empfehlung Meynerts in die von Hermann Nothnagel geführte innere Abteilung, in der er sich aber ebenfalls eher schlecht als recht aufgehoben fühlte. So ergriff er ein halbes Jahr später eine Gelegenheit, in Meynerts psychiatrischer Klinik unterzukommen. Dort bekam er es mit drastischen Krankheitsbildern zu tun, für deren Behandlung Psychopharmaka noch nicht zur Verfügung standen. Auch in der syphilitischen Abteilung beschäftigte man Freud, ein „Gruselkabinett der Geschlechtskrankheiten“ mit hoher Sterberate.[18]

Hirnanatomie, Kokain und Pariser Impulse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeweils nach Beendigung des Dienstes an den Patienten bei 19 Uhr begab sich Freud für hirnanatomische Studien in Meynerts Labor. Um diese Forschungsarbeit enger mit der klinischen Tätigkeit verbinden zu können, wechselte er im Januar 1884 in die neurologische Abteilung, wo Nervenleiden wie Lähmungen, Kopfschmerz und Wahrnehmungsstörungen behandelt wurden.[19]

Mit der medizinischen Verwendung der damals neu in sein Blickfeld geratenen Substanz Kokain hatte Freud in doppelter Hinsicht kein Glück: Die von ihm angeregte Verwendung als örtliches Betäubungsmittel ging als wissenschaftliches Verdienst mangels näherer Beschäftigung nicht auf sein Konto, sondern auf das von Carl Koller, der die lokalanästhetische Wirkung des Kokains am Auge untersuchte und publizierte. Freuds an dem befreundeten Arztkollegen Ernst von Fleischl vorgenommene und als unbedenklich angesehene Behandlung einer Morphiumabhängigkeit mittels Kokain-Ersatzgaben zeigte nur anfänglich deutlichen Erfolg, erzeugte aber ebenfalls die fatale Sucht nach Dosissteigerung. Freud, der Kokain in kleinen Dosen unter anderem zur lokalen Behandlung von Nebenhöhlenentzündungen und als leistungssteigerndes Mittel bis 1896 selbst konsumierte, und seine Verlobte Martha, die damit auf seine Empfehlung kleine Beschwerden kurierte, wiesen hingegen keine Suchtmerkmale auf.[20]

Charcot demonstriert die Wirkung der Hypnose an einer „Hysterikerin“, der Patientin Blanche Wittman, Gemälde von André Brouillet (1887)

Im September 1885 erhielt Freud nach erfolgreich absolviertem Habilitationscolloquium die Zulassung als Privatdozent an der Universität Wien. Unmittelbar danach erhielt er die Zusage für ein von ihm beantragtes sechsmonatiges Reisestipendium für Nachwuchswissenschaftler und verbrachte es bei Jean Martin Charcot an der Pariser Salpêtrière, weil die dortige Neuropathologie als die seinerzeit fortgeschrittenste überhaupt galt. Nachhaltig beeindruckend für auswärtige Gäste der Einrichtung waren vor allem Charcots im wöchentlichen Turnus vor Fachpublikum stattfindende Patienten-Vorführungen mit Diagnose-Erhebung, bei denen oft eine Hypnotisierung der Kranken die Feststellung der jeweils typischen Krankheitssymptome erleichtern sollte. Auch gab Charcots regelmäßig herausragende Beispiele belebender Vortragskunst in Vorlesungen. Nach Wien zurückgekehrt, übersetzte Freud einige Schriften Charcots und würdigte ihn in einem Nachruf 1893 unter anderem als Entdecker der traumatisch ausgelösten Neurosen und für die Verfeinerung des hypnotischen Verfahrens.[21]

Psychoanalyse im Werden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwendung der Hypnose als Behandlungsmethode hatte Freud bereits bei dem ihm aus Meynerts Klinik bekannten und befreundeten Arztkollegen Josef Breuer kennengelernt; und er versuchte sich nach den Pariser Erfahrungen auch selbst an ihr, als er sich im April 1886 mit eigener Praxis selbstständig machte. Daneben kümmerte er sich während der zehn folgenden Jahre um Aufbau und Betrieb der neurologischen Ambulanz am Ersten öffentlichen Kinder-Krankeninstitut im 1. Wiener Gemeindebezirk.[22] Dieses Betätigungsfeld lieferte ihm „Anschauungsmaterial von unschätzbarer Bedeutung“, so Alt, da er „seine spätere Sexualtheorie wesentlich auf Beobachtungen infantiler und pubertärer Veränderungsprozesse gründete.“[23]

Das Haus Berggasse 19 in Wien. Hier lebte Freud mit seiner Familie 47 Jahre lang von 1891 bis zur Emigration nach London 1938
Ornate staircase, a landing with an interior door and window, staircase continuing up
Aufgang zu Freuds Wohnung und Praxis in der Berggasse 19. Hier kamen und gingen fast ein halbes Jahrhundert die Patienten zu Freuds Arbeitsraum mit der berühmten Couch. Die Couch und die meisten Bücher, Sammlungsstücke und Möbel stehen heute im Freud Museum (London), der Exilwohnung der Freuds.

Mit der eigenen Privatpraxis, die allerdings zunächst nur spärliche Einnahmen erbrachte, schienen nun auch die Voraussetzungen für eine Eheschließung gegeben. Nach vierjähriger Verlobungszeit heirateten Sigmund Freud und Martha Bernays am 13. September 1886 standesamtlich im Rathaus von Wandsbek bei Hamburg; tags darauf folgte die Trauung nach jüdischem Ritus.[24] In den Jahren 1887 bis 1895 brachte Martha Freud sechs Kinder zur Welt: Mathilde (1887–1978), Jean-Martin (1889–1967), Oliver (1891–1969), Ernst (1892–1970), Sophie (1893–1920) und Anna (1895–1982). 1891 bezog die Familie die Wohnung in der Wiener Berggasse 19, Freuds Domizil bis 1938.

Seelenarzt in eigener Mission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz nach Beendigung der in Travemünde verbrachten Flitterwochen stieß Freud im Oktober 1886 mit einem Vortrag Über männliche Hysterie in der Wiener Gesellschaft der Ärzte auf teils heftige Ablehnung, die auch sein vormaliger Förderer Meynert zum Ausdruck brachte, indem er männliche Hysterie als ein abwegiges „Spezifikum französischer Dekadenz“ bezeichnete und damit die Erträge von Freuds Parisreise herabwürdigte. In der Folge sah sich Freud von den klinischen Kapazitäten in der Wiener Ärzteschaft weitgehend isoliert und ins Abseits gestellt. Entsprechend schleppend war während der ersten Jahre der Zulauf zu seiner Praxis.[25]

Seine an nervösen Erkrankungen leidenden, vorwiegend weiblichen Patienten behandelte Freud mit den bereits erprobten Verfahren, darunter neben der Hypnose auch Elektrotherapie. Anfang der 1890er Jahre kehrte er sich aber davon ab. Er legte sein Augenmerk nun stärker auf die wahrscheinliche Wirkung sexueller Konflikte hinsichtlich neurotischer Erkrankungen bis hin zu der gegenüber Wilhelm Fließ 1893 geäußerten Hypothese, „daß die Neurasthenie überhaupt nur eine sexuelle Neurose ist.“[26] Der seinerseits theoriefreudige Berliner Arztkollege und Nasenspezialist Fließ wurde in diesen Jahren, in denen Freud wenig Anerkennung in seinem beruflichen Umfeld fand, als Brief- und gelegentlicher Partner für den persönlichen Austausch mit seinen Ideen, Anregungen und mit dem Lektorieren von Freuds Manuskripten zum wichtigsten Förderer von dessen psychoanalytischen Ansätzen.[27]

Einen bedeutenden Beitrag in der Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse leistete auch Josef Breuer, der den Fall der „Anna O.“ (Bertha Pappenheim) in den mit Freud gemeinsam publizierten Studien zur Hysterie schilderte. Die von Breuer 1880 begonnene Behandlung, über die Freud orientiert war, ließ trotz letztlich ausgebliebenen Heilerfolgs erkennen, dass eine therapeutische Gesprächssituation und -dynamik die wirksame Behandlung von Krankheitssymptomen ermöglichte. Bis in die frühen 1890er Jahre, so Gay, versuchte Freud nach Art Breuers, durch Hypnose zu therapeutischen Effekten zu gelangen. Doch manche Patienten ließen sich von ihm nicht hypnotisieren; unzensiertes Sprechen stellte sich ihm dann als überlegenes Untersuchungsmittel dar. „Die Technik der ‚freien Assoziation‘ war im Entstehen begriffen.“[28]

Dass nervöse Krankheitserscheinungen auf Vererbung beruhten, wie von Charcot gelehrt, hielt Freud nur noch teilweise für zutreffend. Nunmehr zog er es vor, „nach frühen traumatischen Erlebnissen als Schlüssel für die verborgenen Ursachen der merkwürdigen Störungen seiner Patienten zu suchen.“[29] Im Rückblick auf die von Breuer angelegte kathartische Behandlungstechnik erläuterte Freud: „Wir lenkten die Aufmerksamkeit des Kranken direkt auf die traumatische Szene, in welcher das Symptom entstanden war, suchten in dieser den Konflikt zu erraten und den unterdrückten Affekt frei zu machen.“[30] Den Begriff „Psychoanalyse“ verwendete Freud erstmals im Jahr 1896 in zwei Aufsätzen, in der französischsprachigen Revue Neurologique am 30. März, im Neurologischen Zentralblatt am 15. April. Die einzige Methode, den Krankheitsursachen bei Neurosen zuverlässig nachzugehen, hieß es dort, sei die „Psychoanalyse zur Bewußtmachung des bisher Unbewußten“.[31]

Das Material, aus dem Freud die für seinen Biographen Peter-André Alt „folgenreichste Theorie des modernen Menschen“ entwickelte, waren die Leidensgeschichten, die er in seiner Behandlungspraxis über die Jahre analysiert und aufgezeichnet hatte. Dabei handelte es sich zunächst um „ein Hören, ein Hineinfinden in die Schwingungen der fremden Seele, aus der dann Zusammenhänge des Unbewußten abgeleitet wurden.“ Denn für Freud sei eine Theorie nur dann etwas wert gewesen, wenn sie einen Bezug zur praktischen Erfahrung aufwies. Das Recht zur Publikation seiner wichtigsten Fallgeschichten habe Freud aus einem rein wissenschaftlichen Interesse bezogen. „Entscheidend blieb die analytische Zielsetzung, die Intimes in ‚aller Freimütigkeit‘ offenbarte, aber nicht der Aufreizung erotischer Phantasien diente.“[32]

Verbreitungsansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Wiener Ärzteschaft war Freud seit längerem weitgehend isoliert, als er im September 1897 der jüdischen B’nai-B’rith-Loge beitrat, um in geselliger Runde geistigen Austausch zu pflegen.[33] Aus seiner Nichtgläubigkeit und Distanz gegenüber allen religiösen Riten, die er zum Beispiel seiner Frau gegenüber zur Geltung brachte und im Familienalltag durchsetzte, machte er auch in diesem Kreis keinen Hehl. Gleichwohl bekannte sich Freud zeitlebens zu seiner jüdischen Herkunft und Zugehörigkeit. Die Loge war der Aufklärung über das Judentum, über seine Werte und Geschichte gewidmet; man diskutierte Vorträge zum Beispiel über jüdische Geistesgrößen wie Baruch Spinoza und Heinrich Heine. Dass unter den Mitgliedern auch streng gläubige waren, die sich gern mit theologischen Fragen beschäftigten, hinderte Freud nicht daran, etwa auch zu seiner Traumforschung vorzutragen, was sehr wohlwollend und teils begeistert aufgenommen wurde.[34]

Sigmund-Freud-Stele am Cobenzl in Grinzing

Den Sommer 1895 verbrachte Freud bei der Familie Ritter von Schlag in deren Schloss Belle Vue am Cobenzl, oberhalb Grinzings, in Wien. Am 24. Juli enthüllte sich ihm in der Deutung des Traumes von ‚Irmas Injektion’ gemäß einer Mitteilung an Fließ vom 12. Juni 1900 „das Geheimnis des Traumes“.[35] Daran erinnert eine Stele mit Inschrift an der Stelle des 1963 abgerissenen Schlosses: „Glaubst Du eigentlich, daß an dem Hause dereinst auf einer Marmortafel zu lesen sein wird?: ‚Hier enthüllte sich am 24 Juli 1895 dem Dr. Sigm. Freud das Geheimnis des Traumes‘. Die Aussichten sind bis jetzt hierfür gering.“

Die Studie zur Technik der Traumdeutung begann Freud, nachdem er sich 1895 bis 1898 einer Selbstanalyse unterzogen hatte, die ihm speziell den Ödipuskomplex erschloss: „Ich habe die Verliebtheit in die Mutter und die Eifersucht gegen den Vater auch bei mir gefunden und halte sie jetzt für ein allgemeines Ereignis früher Kindheit […]“[36] Im November 1899 erschien Die Traumdeutung mit einer Auflage von 600 Exemplaren. Das Werk war in drei Teile gegliedert, von denen der erste der Darstellung der bisherigen Traumforschung galt, der Hauptteil eine mit Fallbeispielen unterlegte Darstellung enthielt und der dritte „die theoretische Ausfaltung der Befunde im Hinblick auf die neuen Leitkategorien des Unbewußten und Vorbewußten ermöglichte.“[37] Für Peter Gay stellt die Traumdeutung das „strategische Zentrum“ in der Entwicklung von Freuds psychoanalytischem Denken dar. Mit ihrer Veröffentlichung „standen die Prinzipien der Psychoanalyse fest.“[38] Peter-André Alt sieht in der Traumdeutung ebenfalls das grundlegende Werk für sämtliche weiteren Elemente von Freuds Theorie: „Das Unbewußte und die Wunschökonomie, die Aktivität der Triebe, die infantile Sexualität, die Rolle der Libido und des ödipalen Inzestwunsches, Vergessen und Erinnern als Reflexe psychischer Arbeit, die sprachähnliche Leistung des Traums – das alles war hier in faszinierender Prägnanz gegenwärtig.“[39]

Allerdings fand das Werk zunächst nur geringe Verbreitung. Bis 1906 waren lediglich 351 Exemplare verkauft.[40] Vereinzelte begeisterte Reaktionen jüngerer Arztkollegen änderten wenig an der für Freud enttäuschenden Aufnahme durch die nicht weiter interessierte etablierte Fachkollegenschaft. Ab Oktober 1902 lud Freud vier der jungen Wiener Ärzte, die sich ohne eigene fachspezifische Ausbildung für Freuds Theorien nachhaltig interessierten und teils persönlich von ihm behandelt worden waren, im wöchentlichen Turnus jeweils am Mittwochabend in das Wartezimmer seiner Praxis in der Berggasse 19 ein, um in Vortrag und Diskussion anstehende psychoanalytische Fragen zu behandeln. Die ersten vier Geladenen in diesem bald sich erweiternden Mittwochskreis waren Alfred Adler, Max Kahane, Rudolf Reitler und Wilhelm Stekel. Sie bildeten mit Paul Federn den Kern der im Oktober 1908 gegründeten Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, dem Vorbild für viele weitere psychoanalytische Gesellschaften in aller Welt. In dieser Zeit schlossen sich unter anderen auch Otto Rank, Sándor Ferenczi, Ernest Jones dem Zirkel um Freud an. Als erste Frau gelangte 1911 Lou Andreas-Salomé in Freuds engeren Schülerkreis.

Mit weiteren Publikationen zwischen 1901 und 1906 erschloss Freud der psychoanalytischen Lehre neue Bereiche, dehnte sie, wie es bei Alt heißt, „von der Nachtseite der Träume auf die seelische Wachexistenz aus.“[41] Darunter war die 1901 erschienene Untersuchung Zur Psychopathologie des Alltagslebens, die zum meistgelesenen Werk Freuds überhaupt werden sollte und zu seiner Popularisierung erheblich beitrug, so insbesondere der „Freudsche Versprecher“ als bekanntestes Beispiel einer Fehlleistung.[42] Zudem veröffentlichte er 1905 Drei Abhandlungen zum Unbewußten und 1906 Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. Als Freud in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feierte, schenkten ihm seine Bewunderer eine Medaille, die eine Seite mit seinem Portrait im Profil, die andere mit Ödipus, das Rätsel der Sphinx lösend; dazu die bei Sophokles gefundene und nun auf Freud zu münzende Inschrift: „Er löste das berühmte Rätsel und war ein gar mächtiger Mann.“[43]

Behandlungspraxis und Lebensalltag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigmund Freud auf einer Porträt-Fotografie um 1905 von Ludwig Grillich

Nach der Jahrhundertwende nahm Freuds Praxisbetrieb verstärkt Fahrt auf, speziell nachdem sich Freud entschlossen hatte, dem lange vergeblichen Anwarten auf die Ernennung zum außerordentlichen Professor[44] durch Einschalten seines Beziehungsnetztes widerwillig nachzuhelfen. Über mangelnden Zulauf zu seiner Praxis brauchte er sich fortan keine Gedanken mehr zu machen, denn, so betrachtete er es selbst, eine Professur „erhebt den Arzt in unserer Gesellschaft zum Halbgott für seine Kranken.“[45] Angesichts sich einstellender Übernachfrage steigerte Freud seine Honorarforderung für die einstündige Therapiesitzung auf 40 oder ausnahmsweise 50 Kronen, den Gegenwert eines passablen Anzugs beim Herrenschneider. Bei bis zu zehn Patienten täglich an sechs Tagen pro Woche über zehn Monate im Jahr betrug der Jahresverdienst 24.000 Kronen und war damit doppelt so hoch wie bei einem ordentlichen Universitätsprofessor und zwölffach höher als der eines Gymnasiallehrers. Da die Honorarkosten von den Patienten privat aufgebracht werden mussten, war Freuds Kernklientel auf die gutsituierten Wiener Kreise begrenzt. Schwere Fälle erschienen täglich außer sonntags, leichtere dreimal in der Woche.[46]

Die psychoanalytische Behandlung wie von Freud entwickelt, ausgeübt und gelehrt, stützte sich allein auf das therapeutische Gespräch, bei dem Freud neben den auf der Couch liegenden Patienten außerhalb von deren Sichtfeld saß und seine Impulse, Fragen und kurzen Kommentare zu ihren Äußerungen anbrachte. „Für die Analyse selbst galt“, so Alt, „daß jedes Detail wichtig, jede Nebenspur verfolgenswert war.“ Eine erfolgreiche Therapie bedurfte in der Regel längerer Zeiträume. Für die Heilung von Psychosen hielt Freud den eigenen Behandlungsansatz nicht für geeignet. Die Behandlung von Patienten im Alter von über 50 Jahren mied er als technisch schwierig.[47]

Der Arbeitsalltag begann für Freud mit dem Aufstehen um 7 Uhr. Von 8 bis 12 Uhr und von 15 oft bis 21 Uhr behandelte er seine Patienten. Den Rest des Abends bis zum Zubettgehen bei 1 Uhr nachts verbrachte Freud mit Lektüre und dem Verfassen seiner Publikationen.[48] Samstags von 19 bis 21 Uhr hielt er seine Vorlesungen an der Universität. Danach verbrachte er den Abend mit Freunden und den allwöchentlichen Tarock-Partien. Den Sonntag widmete er der Familie sowie der anliegenden Briefkorrespondenz. Seit Mitte der 1890er Jahre schloss er seine Praxis spätestens Mitte Juli für mindestens zwei Monate, um Urlaub mit der Familie zu machen und auf Reisen zu gehen. Mit der Wiedereröffnung der Praxis spätestens am 1. Oktober begann jeweils ein neuer Jahreszyklus.[49]

Psychoanalytische Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufmerksam registrierte und unterstützte Freud alle Rezeptionsansätze seiner Lehre auch im Ausland. Eine wichtige Rolle dabei kam der Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (Burghölzli genannt) unter Eugen Bleuler zu. Hier bildete sich mit Carl Gustav Jung, Ludwig Binswanger, Max Eitingon und Karl Abraham ein Kreis nachmals bekannter Freud-Schüler. Hinzu kam Sabina Spielrein, die als Jungs Patientin am Burghölzli behandelt und in die Psychoanalyse eingeführt wurde, die später zu Freud Kontakt aufnahm und sich sowohl publizierend als auch praktizierend psychoanalytisch betätigte. Die jungen Ärzte an dieser als Avantgarde der internationalen Psychiatrie geltenden Schweizer Klinik mit hoher wissenschaftlicher Reputation waren Freud als Verbündete bei der Etablierung und Verbreitung der psychoanalytischen Theorie und Praxis sehr willkommen. Vor allem mit C. G. Jung, der ihm als Nachfolger und Fortsetzer der eigenen Arbeit vorschwebte, suchte er ein enges Zusammenwirken herzustellen.[50]

Gruppenfoto 1909 vor der Clark University. Vorne: Sigmund Freud, Granville Stanley Hall, C. G. Jung. Hinten: Abraham A. Brill, Ernest Jones, Sandor Ferenczi

So war Jung bereits 1908 mit Vorbereitung und Organisation des ersten internationalen Analytiker-Kongresses in Salzburg betraut und übernahm die Redaktion des von Freud und Bleuler 1909 herausgegebenen ersten Jahrbuchs für psychoanalytische und psychotherapeutische Forschungen. Hinzu kam 1910 das ebenfalls von Freud herausgegebene Wiener Zentralblatt für Psychoanalyse mit Adler und Stekel als Schriftleitern sowie 1913 die Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse.[51] Ein deutliches Zeichen internationaler Wahrnehmung und Anerkennung von Freuds Wirken setzte Anfang September 1909 die Clark University in Massachusetts, als sie dem in seiner Sommerpause angereisten Freud die Ehrendoktorwürde verlieh und desgleichen C. G. Jung auszeichnete.[52]

Auf dem zweiten internationalen Analytiker-Kongress 1910 in Nürnberg kam es zu Spannungen, als Freuds Wiener Unterstützerkreis sich gegenüber den Schweizern bei der Gründung der Internationalen psychoanalytischen Vereinigung zurückgesetzt sah. Als Präsident wurde C. G. Jung auf Freuds Betreiben vorgeschlagen und als Sekretär ein anderer Schweizer Psychiater und Verwandter Jungs. Als die Wiener daraufhin interne Beratungen ansetzten, zu denen Freud gar nicht gebeten war, erschien dieser in großer Erregung dennoch und beschwor laut Fritz Wittels die Anwesenden wie folgt: „Ihr seid zum größten Teile Juden und deshalb nicht geeignet, der neuen Lehre Freunde zu erwerben. Juden müssen sich bescheiden, Kulturdünger zu sein. Ich muß den Anschluß an die Wissenschaft finden: bin alt, will nicht immer angefeindet werden. Wir alle sind in Gefahr.“[53] Man verständigte sich auf Jung als Präsidenten mit einer auf zwei Jahre begrenzten Amtszeit. Dem ihm gleichfalls nahestehenden Karl Abraham, der von Burghölzli nach Berlin gegangen war und dort die erste psychoanalytische Praxis eröffnet hatte, suchte Freud die unterdessen entwickelte Skepsis gegenüber seinem früheren Chef C. G. Jung brieflich auszureden. Er bat ihn nicht zu vergessen, dass er, Abraham, es als Jude eigentlich leichter habe, die Psychoanalyse zu akzeptieren als Jung, der als Christ und Pastorensohn nur gegen große Widerstände den Weg zu ihm, Freud, finde. „Umso wertvoller ist sein Anschluß. Ich hätte beinahe gesagt, daß erst sein Auftreten die Psychoanalyse der Gefahr entzogen hat, eine jüdische nationale Angelegenheit zu werden.“[54]

Richtungskämpfe und Beziehungskonflikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vordenker, Leitfigur und Verbreitungsmotor der psychoanalytischen Lehre besaß und behauptete Freud zeitlebens wegweisende Autorität. Da er selbst den neuen Erkenntnisraum als wissenschaftliches Forschungs- und Entwicklungsprojekt betrachtete, lag es nahe, dass sowohl er selbst als auch seine mitforschenden Anhänger zu Differenzierungen und Korrekturen gelangten. Die aus Analyseäußerungen von Patienten zunächst abgeleitete Vorstellung Freuds beispielsweise, dass jede geschilderte Missbrauchserfahrung im Kindesalter tatsächlich stattgefunden hatte und als Neurosenursache zu gelten habe, erwies sich als unhaltbar: Zumindest teilweise handelte es sich dabei, wie Freud später erkannte, um eine fälschliche Einbildung.[55]

Unter den langjährigen Unterstützern Freuds in Wien war es zunächst Alfred Adler, der eine deutliche abweichende Sichtweise entwickelte. Seiner Individualpsychologie lag aus Freuds Perspektive eine massive Unterschätzung erotischer Impulse zugrunde. Adler habe sich „ein Weltsystem ohne Liebe“ geschaffen. Indem Adler den Akzent auf die egoistischen Triebe legte, wie Freud 1917 im Rückblick urteilte, brachte er die gesamte Theorie des Unbewussten aus dem Gleichgewicht. Zu Jahresbeginn 1911 eskalierten die Differenzen nach zwei Vorträgen Adlers. Im darauffolgenden Sommer verließen Adler und drei seiner engsten Anhänger die Wiener Psychoanalytische Gesellschaft. Weitere folgten, nachdem Freud die Unvereinbarkeit mir Adlers neuem Donnerstagskreis erklärt hatte. Als Reaktion auf den Ausgang des Konflikts mit Adler bildete sich im Juli 1912 auf Initiative von Ernest Jones ein international zusammengesetztes „Geheimkomitee“ aus Freud-Getreuen, die dessen Lehre zu bewahren und seine Gegner zu beobachten sich vornahmen.[56]

Unterdessen nahmen auch Unstimmigkeiten zwischen Freud und seinem vorgesehenen Nachfolger C. G. Jung zu. Während mehrerer Jahre hatte Jung die ihm zugedachte Rolle des Nachfolgers in den Bahnen Freuds angenommen und in seinen Briefen die Autorität des Ziehvaters hervorgehoben. Doch auch Jung stieß sich an Freuds exklusiver Betonung der Libido als psychodynamischem Treiber. Er versuchte laut Gay seinerseits, die Bedeutung von Freuds Libido-Begriff über die Sexualtriebe hinaus zu erweitern zu einer allgemeinen psychischen Energie.[57] Dieser Grundkonflikt blieb lange Zeit überdeckt und in wechselseitigen Respektsbezeugungen niedergehalten, wobei Freud vielleicht auf das Vorübergehen von Jungs Vorbehalten setzte, während dieser davor zurückschrecken mochte, bei demjenigen in Ungnade zu fallen, den er selbst brieflich auf eine Stufe stellte mit „Herakles als menschlicher Heros und höherer Gott“.[58]

Anzeichen dafür, dass es sich für Freud um eine mit starken Spannungen verbundene Beziehung handelte, waren zwei Ohnmachten Freuds in Jungs Gegenwart. Zur ersten kam es im Zuge des Aufbruchs zur gemeinsamen Reise 1909 in die USA zwecks Verleihung der Ehrendoktorwürden. Den zweiten Schwächeanfall erlitt Freud bei einem kontroversen Gespräch mit Jung im November 1912, als er selbst die Hoffnung auf ein Einlenken Jungs bereits aufgegeben hatte. Jung hob den zu Boden gestürzten Freud auf und trug ihn zu einer Couch, wo er rasch wieder bei sich war. Der Riss in der Beziehung jedoch erwies sich als unheilbar. Schließlich bescheinigte man einander wechselseitig neurotische Störungen, ein in der ersten Generation der Psychoanalytiker gängiges Diskreditierungsverfahren, wie Gay betont.[59] Jung schied aus allen bisherigen Funktionen aus und schuf sich – wie Adler zuvor – seinen eigenen Wirkungskreis. Seine Abrechnung mit beiden Widersachern veröffentlichte Freud Anfang 1914 in der Abhandlung Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung.

Weltkriegs- und Nachkriegserfahrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorkriegsjahr 1913 erschien als methodische Erweiterung und fachübergreifende Fundierung der psychoanalytischen Lehre Freuds kulturtheoretische Schrift Totem und Tabu.[60] In der Absicht, eine Synthese aus Vorgeschichte, Biologie und Psychoanalyse herzustellen, suchte Freud das kulturanthropologische Feld eilig zu beschicken, bevor es womöglich von C. G. Jung beherrscht würde.[61]

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges ließ sich Freud von der allgemeinen Kriegseuphorie mitreißen und verstieg sich sogar zu der Bemerkung, seine „ganze Libido“ gehöre Österreich-Ungarn.[62] Bis tief in das Jahr 1915, heißt es bei Alt, habe Freuds patriotischer Enthusiasmus angehalten, genährt durch Erfolge deutscher Truppen an der Ostfront und jeden Durchbruch österreichischer Heere, in denen seine Söhne dienten.[63] Doch bekam Freud mehr und mehr die Härten der Kriegswirklichkeit zu spüren. Den bis dahin eingetretenen Verlust an Praxiseinnahmen bezifferte er im April 1915 mit 40.000 Kronen. Statt 10 Patienten täglich waren es zeitweise gerade noch zwei. Ende 1917 wurde statt mit Lebensmitteln mit Zigarren oder Kohle gezahlt.[64]

Das Überleben der psychoanalytischen Bewegung war durch den Weltkrieg in Frage gestellt. Der Großteil der Aktiven waren zum Militärdienst einberufene Ärzte, sodass sowohl die Analysetätigkeit als auch einschlägige Publikationen praktisch zum Erliegen kamen. Das Jahrbuch wurde ganz eingestellt; die Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse und die 1913 gegründete Zeitschrift Imago erschienen noch, aber in stark reduziertem Umfang. Psychoanalytische Kongresse oder Konferenzen entfielen; die Wiener Psychoanalytische Gesellschaft kam nur noch in jeder zweiten, ab 1916 in jeder dritten Woche zusammen, wenn nicht noch unregelmäßiger.[65] Freud selbst allerdings konnte sich infolge der stark rückläufigen Praxistätigkeit verstärkt theoretischen Arbeiten und Publikationsprojekten zuwenden. Zu dieser Zeit entstanden metapsychologische Abhandlungen zum Narzissmus, zu Trieb und Verdrängung, zu Traumtätigkeit, Vergessen und Erinnern, zum Unbewussten und zur Übertragung.[66] Im 18. Kapitel der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse stellte er 1917 seine Entdeckung der Macht des Unbewussten als die empfindlichste von drei „Kränkungen der Menschheit“ in eine Reihe mit den grundstürzenden Theorien von Nikolaus Kopernikus und Charles Darwin.[67] Zum ordentlichen Professor wurde Freud erst unter den geänderten Nachkriegsverhältnissen am 31. Dezember 1919 ernannt.[68]

Kriegsende und unmittelbare Nachkriegszeit brachten auch im Hause Freud Versorgungsnöte. Kohlenknappheit ließ bei steif gefrorenen Händen kaum Schreibtischarbeit zu. Vom Herbst 1919 an ging es mit Freuds Praxis aber wieder aufwärts, weil vor allem zahlungskräftige Briten und Amerikaner Freud aufsuchten, der unter den Bedingungen einer galoppierenden Inflation bald Gefallen daran fand, sich in Dollar bezahlen zu lassen. Eine Vielzahl therapiebedürftiger Amerikaner suchte in den frühen 1920er Jahren den alten Kontinent und insbesondere Wien auf, weil es daheim noch an geschulten Analytikern fehlte, und teils auch, um sich als Ärzte bei Freud einer Lehranalyse zu unterziehen.[69] Auch publizistisch blieb Freud in den Nachkriegsjahren anhaltend produktiv: 1920 erschien Jenseits des Lustprinzips, ein Werk, in dem die Begriffe „Wiederholungszwang“ und „Todestrieb“ eingeführt wurden; 1921 brachte Freud Massenpsychologie und Ich-Analyse heraus, 1923 Das Ich und das Es.

Leben und arbeiten mit dem Krebsleiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigmund Freud 1926 auf einem Porträt-Foto von Ferdinand Schmutzer

Bei Freuds bereits seit langem in mancher Hinsicht angegriffener Gesundheit kam es 1923 zu einem dramatischen Einschnitt, als er es mit einer blutenden Wucherung im Gaumen zu tun bekam. Bei ersten Untersuchungen verschwieg man ihm die Bösartigkeit der Geschwulst, um ihn zu schonen und ihm den Lebensmut zu erhalten. Vom Zigarrenrauchen, dem er jahrzehntelang exzessiv gefrönt und das dem Gaumenkarzinom Vorschub geleistet hatte, ließ Freud sich weiterhin nicht abhalten. „Das Laster aufzugeben“, so Alt, „war nicht möglich, denn es hätte den Verzicht auf geistige Arbeit bedeutet. In allen anderen Lebenssituationen – beim Kartenspiel, während des Spazierengehens, auf Reisen – konnte Freud ohne Zigarre auskommen, nicht aber am Schreibtisch.“[70]

Nach einer Romreise in der Sommerpause unterzog sich Freud am 12. Oktober 1923 der operativen Entfernung unter anderem des größeren Teils des rechten Oberkiefers sowie von Teilen des Unterkiefers. Danach wurde eine Prothese erstellt, um das Sprechen und Kauen wieder möglich zu machen. Die Handhabung des sperrigen Konstrukts beim Einsetzen und Herausnehmen war kompliziert und zeitaufwendig. Mehr als 50 weitere kleine und größere Eingriffe wurden in den Freud verbleibenden 16 Lebensjahren nötig, um teils gutartige neue Wucherungen einzudämmen und Prothesenanpassungen vorzunehmen. Lange öffentliche Vorträge, Konferenzteilnahmen und das Essen in Gesellschaft waren Freud unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Erschwert war auch die Abhaltung von Analysesitzungen mit Patienten, die Freud in vermindertem Umfang aber noch bis ins letzte Lebensjahr durchführte.[71] Auch unterzog sich Freud in den zwanziger Jahren aus dem Wunsch heraus, vitaler zu werden, einer von Eugen Steinach erdachten Vasoligatur, bei dem ihm seine Samenleiter abgebunden wurden.[72]

Trotz zunehmender gesundheitlicher Beeinträchtigung, die vermehrt längere Kuraufenthalte nach sich zog, und zeitweise nachlassender Konzentrationsfähigkeit blieb Freud auch im Fortgang der 1920er Jahre und der frühen 1930er Jahre als führende Persönlichkeit der psychoanalytischen Bewegung sowohl in theoretischer als auch organisatorischer Hinsicht bestimmend. Mit beträchtlicher Tatkraft, so Alt, habe Freud die Geschicke der Internationalen Psychoanalytischen Gesellschaft, der Zeitschrift wie des Verlags, weiterhin gesteuert. „Er und niemand sonst entschied über personelle Wechsel, die ihm vor allem dann notwendig schienen, wenn Kollegen und frühere Vertraute die Prinzipien der Loyalität verletzten.“[73] Mit seiner 1925 erschienenen Abhandlung über Widerstände gegen die Psychoanalyse brachte er erneut seine Sicht der Anlaufschwierigkeiten für das eigene Therapiekonzept in Umlauf, indem er sie auf die irritierende Wirkung desillusionierender Erkenntnisse zurückführte.[74] In Die Zukunft einer Illusion legte Freud 1927 sein religionskritisches Denken dar. Nicht von fadenscheinigen religiösen Fiktionen, sondern allein von der Wissenschaft dürfe man die Entschleierung der Welträtsel erwarten.[75] In der Studie Das Unbehagen in der Kultur entwickelte er seine psychoanalytische Perspektive der conditio humana im Kontext des modernen Gesellschaftslebens, für das die Sublimierung des Sexualtriebs und diesbezüglicher Bedürfnisse grundlegend sei – eine der meistrezipierten und -diskutierten in der Vielzahl von Freuds Veröffentlichungen.[76]

Tochter Anna als starker Rückhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigmund und Anna Freud in den Dolomiten 1913

Im Kreis seiner Angehörigen war Freud durchgängig der oft großzügig sorgende und trotz intensiver Beschäftigung zugewandte Familienvater, der die zeittypischen Erziehungshärten ablehnte und mied. Er war damit aber außer sonntags und in den Sommerferien ohnehin kaum befasst, weil seine Frau Martha für Kinder und Haushalt sorgte, ab 1896 unterstützt durch ihre verwitwete jüngere Schwester Minna als Mitbewohnerin,[77] die Freud anstelle Marthas zeitweise auch auf seinen Reisen begleitete. Eine besonders enge Beziehung entwickelte sich zwischen Freud und seiner letztgeborenen Tochter Anna, die sich schon in jungen Jahren für die Bücher ihres Vaters und für die Diskussionen interessierte, die er mit seinen Gästen über psychoanalytische Themen führte. Seit 1915 zunächst als Lehrerin arbeitend, strebte Anna Freud zugleich danach, sich als Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen.[78]

Beginnend im Oktober 1918 führte Freud mit Anna therapeutische Gespräche im Sinne einer Lehranalyse, die zunächst bis 1922 andauerten und unter anderem die inzestuösen Neigungen der Tochter gegenüber dem Vater tabufrei behandelten.[79] Nach ersten eigenen Analyseversuchen mit Kindern gelang es Anna Freud 1922 mit einer Abhandlung über kindliche Schlagephantasien, als Mitglied in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen zu werden.[80]

Als Freuds Gaumenkrebserkrankung 1923 ausbrach, war es Anna, die ihn auf seiner letzten Romreise begleitete und die danach zu seiner wichtigsten Pflegerin wurde. Sie war als Einzige imstande, ihm bei der Einsetzung der Gaumenprothese zu helfen, was unter Umständen zu einer halbstündigen Prozedur werden konnte.[81] Anna übernahm aber von da an auch die Vertretung ihres Vaters bei psychologischen Kongressen und bekleidete ab 1927 die Stellung der Generalsekretärin in der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.[82]

Freuds Frauenbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühe Praxisklientel Freuds ab Mitte der 1880er Jahre war vorwiegend weiblich; gut zwei Dekaden später fing er an, auch Psychoanalytikerinnen auszubilden, obwohl sein Frauenbild zum Teil weiterhin ausgeprägt konservative Züge aufwies. Er selbst erwartete Mitte der 1920er Jahre, dass man seine diesbezüglichen Ansichten als nachteilig für die Frauenbewegung kritisieren werde. Dabei schien es ihm allerdings selbst unbefriedigend und unsicher, „was wir von der weiblichen Frühentwicklung wissen.“ In einer Publikation zur Laienanalyse im Jahr 1932 gab er seinen Lesern zu verstehen, es sei „gewiß unvollständig und fragmentarisch“, was er über die Weiblichkeit zu sagen habe, und riet dazu, die eigenen Lebenserfahrungen dazu zu befragen, sich an die Dichter zu wenden oder zu warten, bis ihnen die Wissenschaft „tiefere und besser zusammenhängende Auskünfte geben kann.“[83]

Desungeachtet leitete Freud aus der von ihm vorausgesetzten unterschiedlichen Wirkungsweise des Ödipuskomplexes bei Jungen und Mädchen eine schwächere Gewissensausprägung beim weiblichen Geschlecht ab. Während Frauen ihren Triebimpulsen stärker verhaftet blieben, suchten Männer diese kulturell zu verfeinern.[84] Voll ausgeprägte Lusterfahrungen wiederum konnten Frauen nach Freuds Vorstellungen nur entwickeln, wenn ihnen der Übergang von der klitoralen zur vaginalen sexuellen Befriedigung gelänge. Andernfalls brauchten sie zu ihrem erotischen Genuss doch den Mann nicht.[85]

Die 1931 verfasste Abhandlung Über die weibliche Sexualität thematisierte den Ablösungsprozess bei Mädchen von der Mutter hin zum Vater. Dabei konnte Freud auf Eindrücke zurückgreifen, die er während der gemeinsamen Analyse hinsichtlich einer homosexuellen Prägung seiner Tochter Anna gewonnen hatte. Anhaltende gleichgeschlechtliche Liebesneigungen unter Frauen interpretierte er folglich als den Versuch, das mit einer Fixierung auf den Vater gekoppelte Inzestproblem und die damit verbundenen Schuldgefühle zu überwinden.[86]

Berühmtheit mit Kehrseiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als in der Isolationserfahrung vor der Jahrhundertwende zogen Freud und seine Lehren in den 1920er Jahren immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Mitte des Jahrzehnts sei Freud in aller Welt bekannt gewesen, meint Peter Gay und verweist auf das Vorhaben des Hollywood-Produzenten Samuel Goldwyn, der den „größten Liebesspezialisten der Welt“ dazu bewegen wollte, seine Expertise für 100.000 Dollar „kaufmännisch zu verwerten und eine Geschichte für die Leinwand zu schreiben oder nach Amerika zu kommen und bei einem ‚Großangriff‘ auf die Herzen dieser Nation zu helfen.“ Ein Treffen mit Goldwyn lehnte Freud jedoch kategorisch ab.[87]

Dass Freud und die Psychoanalyse in die Wiener Kaffeehäuser Einzug hielten, auf Cocktailpartys besprochen wurden und auf die Theaterbühne gelangten, war für ein nüchternes Verstehen seines Denkens kaum förderlich. „Seine Fachausdrücke und fundamentalen Ideen wurden mißdeutet und gewöhnlich verfälscht, um als allgemeine Währung zu dienen.“ Dem schwedischen Arzt und Freud-Anhänger Paul Bjerre schien es, der Freudianismus habe Empfindungen erregt, „als wäre er eine neue Religion und nicht ein neues Forschungsgebiet.“[88] Freud selbst äußerte sich zur erlangten Popularität zwiespältig. Wohl registrierte er 1920 angesichts der Zusendung gehaltvoller psychoanalytischer Publikationen aus verschiedenen Ländern, die Sache gehe „überall vorwärts“; doch hinsichtlich der eigenen Popularität zeigte er sich skeptisch und hegte schlimme Erwartungen, was nach seinem Tod aus der Psychoanalyse gemacht würde.[89]

Andererseits war Freud durchaus an öffentlichem Beifall interessiert und erwartete Anerkennung für die Originalität seiner Beiträge zur Wissenschaft, die sich auch zunehmend einstellte, selbst wenn ihm der Nobelpreis, für den er im Rahmen einer Kampagne neben anderen von Persönlichkeiten wie Alfred Döblin, Jakob Wassermann, Bertrand Russell, Knut Hamsun und Thomas Mann vorgeschlagen wurde, verwehrt blieb. Genugtuung erfuhr er hingegen bei der Feier zur Eröffnung der Universität Jerusalem 1925, als ihn Lord Balfour neben Henri Bergson und Albert Einstein zu den drei Männern zählte, die den größten nützlichen Einfluss auf das moderne Denken ausgeübt hätten.[90]

Im Jahre 1930 verlieh die Stadt Frankfurt Freud „für die besonderen sprachlichen Qualitäten seiner Werke“ den Goethepreis.[91] Auf Anregung des Völkerbunds untersuchte Freud 1932 in einem Briefwechsel mit Albert Einstein die Möglichkeiten der Wissenschaft, Kriege zu verhüten: „Warum Krieg?“ Im Jahre 1935 wurde er Ehrenmitglied der British Royal Society of Medicine. Zu Freuds 80. Geburtstag hielt Thomas Mann 1936 den Festvortrag „Freud und die Zukunft“, erst im Wiener Akademischen Verein und danach noch einmal in der Berggasse 19 direkt für den Jubilar, dem die Kraft zur Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung fehlte. Zu diesem Jubiläum gratulierten auch die Alten Herren der jüdischen Studentenverbindung Kadimah Wien, der Freuds Sohn Martin angehörte; kurz darauf wurde er selbst Ehrenmitglied.[92][93]

An den Abgründen des Zeitgeschehens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freuds Betrachtung der politischen Lage Österreichs nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war leicht sarkastisch getönt. Am 17. März 1919 schrieb er: „Heute erfahren wir, daß wir nicht an Deutschland anschließen, aber Südtirol abtreten dürfen. Ich bin ja kein Patriot, aber es ist schmerzlich zu denken, daß so ziemlich die ganze Welt Ausland sein wird.“[94] Den Sturz der österreichischen Monarchie begrüßte er Lou Andreas-Salomé gegenüber recht verhalten: „Ich glaube, zu Revolutionen kann man erst ein freundliches Verhältnis gewinnen, wenn sie vorüber sind; sie sollten darum in sehr kurzer Zeit abgelaufen sein.“[95] Die Verhältnisse in Russland nach der bolschewistischen Oktoberrevolution betrachtete Freud, der in jüngeren Jahren mit sozialdemokratischen Positionen sympathisiert hatte, skeptisch und bezeichnete sich gegenüber Arnold Zweig als „Liberaler vom alten Schlag“.[96] Eine Instrumentalisierung der Psychoanalyse für politische Zwecke lehnte Freud ab; die Psychoanalyse forme keine Weltanschauung aus.[97]

Bekennender Nichtreligiöser war Freud sowohl in seinen Schriften als auch im Familienalltag, der nach Auskunft seines Sohnes Martin auf jüdische Traditionen keine Rücksicht nahm. Man feierte Weihnachten mit Geschenken unterm Baum und Ostern mit bemalten Eiern. Eine Synagoge hätten weder er noch seine Geschwister besucht.[98] Zu seiner kulturellen Selbstverortung äußerte Sigmund Freud 1926 in einem Interview mit George Sylvester Viereck: „Meine Sprache ist deutsch. Meine Kultur, meine Erziehung sind deutsch. Ich hielt mich geistig für einen Deutschen, bis ich das Anwachsen des Antisemitismus in Deutschland und Deutsch-Österreich beobachtete. Seitdem ziehe ich es vor, mich einen Juden zu nennen.“[99] Eine andere Facette seiner kulturellen Selbstreflexion hatte er ein Jahr zuvor angesprochen: „Es ist vielleicht auch kein bloßer Zufall, daß der erste Vertreter der Psychoanalyse ein Jude war. Um sich zu ihr zu bekennen, braucht es ein ziemliches Maß an Bereitwilligkeit, das Schicksal der Vereinsamung in der Opposition auf sich zu nehmen, das dem Juden vertrauter ist als einem anderen.“[100]

Bücherverbrennung und Schuschnigg-Regime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise die Österreichische Creditanstalt im Mai 1931 die Zahlungsunfähigkeit erklärte und damit zusätzliche ökonomische Verwerfungen hervorrief, geriet Freud wegen seiner in harten Devisen zahlenden ausländischen Klientel zwar selbst nicht in eine wirtschaftliche Notlage, beklagte aber den Verfall des Gemeinwesens.[101] Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in Deutschland fielen auch Freuds Werke der Bücherverbrennung vom Mai 1933 anheim. „Was wir für Fortschritte machen!“, schrieb er Ernest Jones. „Im Mittelalter hätten sie mich verbrannt, heutzutage begnügen sie sich damit, meine Bücher zu verbrennen.“[102]

Ein Jahr später wurde in Österreich die Demokratie von Engelbert Dollfuß und – nach dessen Ermordung durch österreichische Nationalsozialisten – unter Kurt Schuschnigg in einen klerikalfaschistischen Ständestaat transformiert. Freud gab sich noch gelassen. Er hielt den reaktionären österreichischen Katholizismus für einen brauchbaren Schutz gegen die Nazis. In Verkennung des Ernstes der Lage ließ er sich sogar zwecks Fortbestands der Psychoanalyse in Deutschland auf allerlei organisatorische Kompromisse mit den Nationalsozialisten ein.[103] Zustände wie in Deutschland erwartete er für Österreich nicht. Eine gesetzliche Judenverfolgung werde der Völkerbund in Österreich nicht zulassen; einen Anschluss Österreichs an Deutschland aber würden Frankreich und seine Verbündeten gewiss verhindern. Der österreichische Faschismus erschien ihm folglich als das kleinere Übel, zumal er Österreichern nicht die gleiche Brutalität zutraute wie den Deutschen.[104]

In dieser Zeit verschärfte sich auch Freuds Konflikt mit dem – zu dieser Zeit – kommunistisch orientierten Wilhelm Reich, einem ursprünglich von ihm geschätzten Schüler, der 1930 in die KPD eintrat und in Wort und Schrift gegen den Nationalsozialismus agitierte. Freud ließ Reich 1934 aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausschließen. Ob dies – wie mitunter gemutmaßt wurde – ein Bauernopfer zur Beschwichtigung der Nationalsozialisten sein sollte,[105] oder doch primär aus „wissenschaftlichen Gründen“ geschah, wie Freud selbst in einem privaten Brief angab, ist bislang offen.[106]

„Finis Austriae“ – Fortgang nach dem Anschluss 1938[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 12. März 1938 verschaffte sich am 15. März ein siebenköpfiger SA-Trupp zwecks Beschlagnahme von Kunst und Antiquitäten Zutritt in der Berggasse 19, konnte aber von Martha Freud durch Aushändigung ihrer Geldbörse zum Abrücken bewogen werden. Als am 22. März die Gestapo Freud zum Verhör abholen wollte, verwies Anna auf ihres Vaters Gebrechlichkeit, bot sich statt seiner zur Vernehmung an und wurde mitgenommen. Sie war vom Hausarzt Max Schur für den Notfall mit dem Barbiturat Veronal ausgestattet worden. Zum Abend kam sie auf Intervention des amerikanischen Botschaftssekretärs frei und nach Hause.[107]

Unterdessen arbeiteten vor allem Ernest Jones und Marie Bonaparte energisch darauf hin, Freud noch eine geordnete Emigration nach England zu ermöglichen. Sie initiierten diplomatischen Druck von Seiten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten. Die Erledigung der beiderseitigen Formalitäten, einschließlich Zahlung der von Marie Bonaparte vorgestreckten „Reichsfluchtsteuer“, zog sich bis zum 4. Juni 1938 quälend hin.[108]

Vor der Abreise hatte Freud noch ein vorgefertigtes Formular zu unterzeichnen: „Ich bestätige gerne, dass bis heute, den 4. Juni 1938, keinerlei Behelligung meiner Person oder meiner Hausgenossen vorgekommen ist. Behörden und Funktionäre der Partei sind mir und meinen Hausgenossen ständig korrekt und rücksichtsvoll entgegen getreten.“[109] Mit seiner Frau Martha, der Tochter Anna und der Haushälterin Paula Fichtl verließ Freud am Nachmittag des 4. Juni Wien mit dem Orient-Express, um über Paris ins englische Exil zu gelangen. Zurück blieben vier Schwestern Freuds, deren zum Herbst 1938 geplante Ausreise nach Frankreich scheiterte und die 1942/43 zu Opfern des Holocaust wurden.[110]

Exil und Tod in England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigmund Freud, seine Ehefrau sowie zahlreiche ihrer Nachkommen sind im Freud Corner des Golders Green Crematorium in London bestattet.

Am Morgen des 6. Juni 1938 wurden die Freuds an der Londoner Victoria Station mit Presseaufgebot empfangen und in das vom Sohn Ernst für sie gemietete Haus an der Elsworthy Road 39, Primrose Hill, gebracht. Bereits wenige Wochen nach der Ankunft kaufte Freud eine großzügige Villa in Hampstead, Maresfield Gardens 20. Hier ließen sich zwei Praxisräume für ihn selbst und Tochter Anna unterbringen. Marie Bonaparte hatte den Transfer von Freuds Vermögen auf ein Londoner Konto organisieren können. Der Sohn Ernst war mit architektonischen Umbauten beschäftigt, die dem Vater den Alltag erleichtern sollten. Freud zeigte sich begeistert: „Er baut einen Lift ein, macht aus zwei Zimmern eines oder umgekehrt, das reine Hexeneinmaleins ins Architektonische übersetzt.“ Im August 1938 trafen Freuds Bibliothek und Antikensammlung in London ein und wurden nach dem Wiener Muster in den Räumlichkeiten des neuen Hauses aufgestellt.[111]

Freundlich empfangen wurden die Freuds nicht nur in der Londoner psychoanalytische Gruppe; Freud berichtete auch von Brieffluten, die zu beantworten seien, und von Blumengrüßen in großer Zahl. „Wir sind mit einem Schlag populär geworden in London.“ Zu den Besuchern, die Freud alsbald in seinem neuen Domizil empfing, gehörten Stefan Zweig, Bronisław Malinowski und Salvador Dalí, der bei dieser Gelegenheit Freuds Kopf mit übergroßer Denkerstirn zeichnete. Im November 1938 suchte H. G. Wells ihn auf, Anfang 1939 kamen Virginia Woolf, Chaim Weizmann und Arthur Koestler zu Besuch.[112]

Bereits im Herbst 1938 musste sich Freud einer weiteren komplizierten Krebsoperation unterziehen. Die vorübergehende Entlastung wich schon im Spätsommer 1939 weiterer Geschwulstbildung, die mit Eiterungen und Fäulnis einherging, sodass Freuds Hund sich zurückzog und man zur Fernhaltung von Fliegen ein Netz über sein Bett spannte. Am 21. September erinnerte Freud seinen Arzt Max Schur an eine frühere Verabredung und ließ sich von ihm Morphium in Dosen spritzen, die ihn am Morgen des 23. Septembers 1939 entschlafen ließen.[113] Schur war angerührt von der Art, wie Freud dem Tod mit Würde und ohne Selbstmitleid begegnete. Bei seinem Londoner Exil war es ihm ausdrücklich darum gegangen, in Freiheit zu sterben, möglichst ohne Siechtum und Lähmung der Leistungsfähigkeit, gleichsam „im Harnisch“ wie Macbeth. Peter Gay bemerkt dazu abschließend: „Der alte Stoiker hatte die Kontrolle über sein Leben behalten – bis zum Ende.“[114]

Lebenswerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über-Ich, Ich und Es

Sigmund Freud war der Begründer und unbestritten der bestimmende Theoretiker der Psychoanalyse. Er hat dadurch auf nahezu alle Vertreter dieses Fachs und darüber hinaus auf viele Humanwissenschaftler einen starken Einfluss ausgeübt. Schon zu Lebzeiten Freuds hat sich die Psychoanalyse in zahlreiche Schulen diversifiziert. Sie ist heute durch eine Pluralität der Konzepte und Konstrukte gekennzeichnet. In psychoanalytischen Diskussionen und Veröffentlichungen ist es gleichwohl üblich, sich auf das Werk Freuds als gemeinsame Referenz zu beziehen. Auf diese Weise haben Freuds Schriften trotz zahlreicher Korrekturen, Modifikationen und Weiterentwicklungen auch heute noch eine hohe Bedeutung.

Das Prinzip der Ausdifferenzierung und stetigen Revision der psychoanalytischen Lehre hatte Freud in seiner Werkgeschichte selbst praktiziert, zuletzt in der im Juli 1938 begonnenen Zusammenfassung unter dem Titel Abriß der Psychoanalyse. Zum „soundsovielten Male“ habe er damit eine Einführung in sein Denksystem entworfen, meldete er Ernest Jones. Nicht nur die Lehrschriften, heißt es bei Alt, sondern „nahezu sämtliche seiner großen Texte und Fallstudien boten regelmäßig eine Zusammenfassung leitender methodischer Prinzipien. […] Wenn er die Psychoanalyse in ständigen Modifikationen vorstellte, als sei sie unbekanntes Terrain, so hatte das auch den Effekt der Selbstaufklärung. Wo Freud in seine Forschung einführte, schrieb er sie zugleich fort, indem er sie auf ein höheres Niveau der Durchdringung hob.“[115]

Um zu klären, wie die menschliche Psyche funktioniert, entwickelte Freud eine damals ungewöhnliche Technik, bei der er die Träume seiner Patienten und deren Assoziationen dazu analysierte und hermeneutisch (textauslegend) deutete. Aus diesen Beobachtungen und Interpretationen entwickelte er sein Modell einer dreiteiligen psychischen Struktur. Seinem Vorschlag zufolge setzt sich die Struktur der Psyche eines Menschen aus den drei Instanzen Es, Ich und Über-Ich zusammen. Er vertrat die Ansicht, dass der überwiegende Teil der menschlichen Entscheidungen „unbewusst“ und nur ein geringer Teil „bewusst“ motiviert ist.

Krankengeschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwischen 1895 und 1918 veröffentlichten Krankengeschichten Freuds geben als historische Dokumente Einblick in seine Behandlungsmethode wie in das soziale Milieu Wiens seiner Zeit. Als Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis sind sie bis heute immer wieder Ausgangsmaterial für Auseinandersetzungen mit der Psychoanalyse als Behandlungsform und als psychologische Theorie.

Es, Ich und Über-Ich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der psychische Apparat nach Freud

Sein „Strukturmodell der Psyche“ entwickelte Freud in zwei Schritten. So veröffentlichte er im Laufe seiner Forschungen verschiedene topische Modelle über die Struktur und die Dynamik (siehe auch Dynamische Psychiatrie) des psychischen Apparates.

In der ersten Topik unterschied er das „Bewusste“ vom größeren und einflussreicheren „Unbewussten“ und legte dar, wie das Unbewusste das Bewusstsein beeinflusst. In der zweiten Topik, die er vor allem in seiner Schrift Das Ich und das Es (1923) entwickelte, führte Freud erstmals seine Theorie über das Es, das Ich und das Über-Ich näher aus. Den Begriff Es übernahm Freud von dem Arzt und Wegbereiter der Psychosomatik Georg Groddeck, allerdings mit einer veränderten Bedeutung.

  • Das Es bildet das triebhafte Element der Psyche und kennt weder Verneinung noch Zeit oder Widerspruch. Damit bezeichnet Freud jene psychische Struktur, in der die Triebe (z. B. Hunger, Sexualtrieb), Bedürfnisse und Affekte wie Neid, Hass, Vertrauen oder Liebe gründen. Die Triebe, Bedürfnisse und Affekte sind auch Muster (psychische „Organe“), mittels derer wir weitgehend unwillentlich bzw. unbewusst wahrnehmen und durch die unser Handeln geleitet wird.
  • Das Ich, Randgebiet des „Es“, bezeichnet jene psychische Instanz, die mittels des vernünftigen und selbstkritischen Denkens sowie mittels kritisch-rational gesicherter Normen, Wertvorstellungen und Weltbild-Elemente realitätsgerecht vermittelt „zwischen den Ansprüchen des Es, des Über-Ich und der sozialen Umwelt mit dem Ziel, psychische und soziale Konflikte konstruktiv aufzulösen (= zum Verschwinden zu bringen).“[116]
    • Denken, Erinnern, Fühlen, Ausführen von Willkürbewegungen
    • Vermittler zwischen impulsiven Wünschen des Es und des Über-Ich
    • sucht nach rationalen Lösungen
    • ist zum größten Teil bewusst
  • Das Über-Ich schließlich bezeichnet jene psychische Struktur, in der die aus der erzieherischen Umwelt verinnerlichten Handlungsnormen, Ich-Ideale, Rollen und Weltbilder gründen.

Das Ich und das Über-Ich entstehen aus dem Es. Die Verdrängung von Vorstellungen (insbesondere solchen aus dem Es) wird dem Über-Ich zugeschrieben. Dieses ist ein Teil des Ich und beurteilt seine Gedanken, Gefühle und Handlungen. Das Über-Ich entsteht nach Freud mit der Auflösung des Ödipus-Komplexes (ca. im 5. Lebensjahr). Nach Freud entsteht ein Großteil der Motivation menschlichen Verhaltens aus dem unbewussten Konflikt zwischen den triebhaften Impulsen des Es und dem strengen, bewertenden Über-Ich (vgl. die Konzepte zur Abwehr und Sublimierung). Nach Freud unterliegen auch manche Aspekte der Gesellschaft einer solchen Triebdynamik.

Entwicklungsmodell der Psyche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den ersten Lebensmonaten erfahre ein Neugeborenes immer deutlicher, dass es von Dingen und anderen Menschen unterschieden ist. Es entwickle ein erstes Bewusstsein von den eigenen Körpergrenzen und Selbstwahrnehmungen. „In den folgenden vier Lebensjahren lernt ein Kind (vorsprachlich und deshalb auch unbewusst) die Fragen zu beantworten: ‚Wer bin ich?‘ – ‚Was kann ich?‘ und somit sein Selbstbewusstsein auch inhaltlich zu füllen.“[117] Um das Es herum wird also eine Zone aufgebaut, die man als frühes Ich bezeichnen kann. Das frühe Ich, das sich wie eine Hülle um das Es legt, wird somit von den frühen Körperrepräsentanzen und den frühen Selbstrepräsentanzen gebildet. Die frühen Körperrepräsentanzen seien die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte über Körperbereiche. Zu den frühen Selbstrepräsentanzen zählen die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte bezüglich der eigenen Person. Sie bestimmten den Sozialcharakter und all unsere später erworbenen Selbstvorstellungen (wer wir sind, was wir fürchten und erhoffen, was wir uns zutrauen etc.) auf unterschiedliche Weise mit.

Diese Theorien werden heutzutage von den kognitiven Neurowissenschaften herausgefordert.

Religionskritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unbehagen in der Kultur, Erstdruck
„Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daß eine größere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glückversicherung und Leidensschutz durch wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen. Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.“ (S. 33)

Freud bezeichnete sich selbst als einen Feind der Religion „in jeder Form und Verdünnung“ und steht somit in der Tradition Ludwig Feuerbachs (dessen Thesen er als seine philosophische Grundlage ansieht) und Friedrich Nietzsches (dem er zugesteht, etliche Einsichten der Psychoanalyse intuitiv vorweggenommen zu haben). Auch Arthur Schopenhauers Schriften hatten großen Einfluss auf den jungen Freud. Doch vor allem sein Spätwerk stand zu einem beträchtlichen Teil im Zeichen der Religionskritik. Sein letztes Werk (1939), wenige Tage vor seinem Tod veröffentlicht, war die provokative Studie über den Religionsgründer Moses: Der Mann Moses und die monotheistische Religion.

Freud bekräftigt die Religionskritik der Philosophen durch Einsichten, die er als naturwissenschaftlich geprägter Mediziner bei der Entwicklung der klinischen Psychoanalyse gewonnen hat. Dabei drängte sich ihm die Auffassung auf, dass die Religion einer Kindheitsneurose vergleichbar sei. Hierbei argumentiert er anthropologisch, ontogenetisch und phylogenetisch:

Das anthropologische Argument definiert die Religion als infantiles (= kindliches) Abwehrverhalten gegen die menschliche Unterlegenheit: Der Mensch habe die Naturkräfte personalisiert und zu schützenden Mächten erhoben. Somit helfen sie ihm in seiner Hilflosigkeit. Das zugrunde liegende Verhaltensmuster knüpfe an die frühkindliche Erfahrung mit den schützenden Eltern, besonders mit dem Vater, an.[118]

In seiner Schrift Zwangshandlungen und Religionsübungen (1907) entdeckte Freud Parallellen zwischen den Zwangshandlungen psychisch Kranker mit Religionsübungen, da in beiden Fällen die Nichtausführung oder ungenaue Ausführung Angst auslöse. In beiden Fällen handle es sich um verdrängte Triebstrebungen.[119]

Auf die frühkindlichen Erfahrungen geht auch Freuds ontogenetischer Ansatz ein: Das ambivalente Verhältnis des Kindes gegenüber dem Vater setzt sich im Glauben des Erwachsenen fort. Er erkennt, dass er auch als solcher sich nicht völlig gegen fremde Übermächte wehren kann, weswegen er seinen Schutz im Gottesglauben sucht. Die Götter fürchtet er, trotzdem überträgt er ihnen seinen Schutz.

Rezeptionsaspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein historisches Verdienst Freuds besteht darin, die Rolle des Unbewussten im menschlichen Denken und Handeln wissenschaftlicher Betrachtung zugänglich gemacht und popularisiert zu haben. Darüber hinaus begründete er mit der Psychoanalyse eine neue medizinische und psychologische Disziplin und stellte grundlegende therapeutische Vorgehensweisen vor, die auch heute noch in abgewandelter Form in der psychotherapeutischen Behandlung von Neurosen und Psychosen eingesetzt werden. Von manchen ihrer Anhänger wird die Psychoanalyse als eine umfassende Theorie betrachtet, die das komplexe menschliche Erleben und Handeln beschreiben und erklären kann. Hinsichtlich der individuellen und kollektiven Geschichte steht sie, so Andreas Mayer, für Illusionsbereinigung und Fortschrittsskepsis. „Wenn Freud recht behält, bildet die Psychoanalyse keine neue Weltanschauung und kein geschlossenes System aus, sondern gleicht vielmehr einem immer wieder von Neuem zu beginnenden Eroberungsfeldzug in einem Gebiet, das von zahlreichen Unbekannten beherrscht wird.“[120]

Kritische Auseinandersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dessen ungeachtet waren die Freudschen Theorien von Anfang an unterschiedlichster Kritik ausgesetzt. Diese Kritik hält bis heute an, wobei allerdings zu beachten ist, dass die Psychoanalyse seit Freud in vielfältige Richtungen weiterentwickelt wurde und in ihrer aktuellen Ausprägung nicht in allen Punkten mit den Auffassungen Freuds übereinstimmt. Zu erwähnen sind die Ich-Psychologie von Anna Freud, die Objektbeziehungstheorie Melanie Kleins, die Selbstpsychologie Heinz Kohuts und die Theorie Jacques Lacans mit besonderem Augenmerk auf die Funktion des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse.

Die Existenz eines Todestriebs, den der späte Freud 1920 postulierte, wurde noch zu Freuds Lebzeiten von einigen (marxistischen) Psychoanalytikern bestritten oder stark angezweifelt.[121] Er wurde jedoch außerhalb der Psychoanalyse, etwa von dem Soziologen Franz Borkenau oder dem Philosophen Herbert Marcuse, zum Ausgangspunkt umfassender Kulturtheorien gemacht bzw. uminterpretiert.

Auch die klassische Triebtheorie, die von einem Antagonismus zwischen Libido und Aggression ausging, wurde um die Annahme zusätzlicher menschlicher Grundbedürfnisse erweitert, z. B. Bindung, Individuation und Exploration.[122] Der Pansexualismusvorwurf, d. h. die Behauptung, die Psychoanalyse führe alles auf Sexualität zurück, übersieht zum einen, dass Freud einen sehr viel umfassenderen Begriff von „Sexualität“ hatte, als es heute üblicherweise der Fall ist, und zum anderen, dass die Sexualtheorie in manchen Versionen der modernen Psychoanalyse nur eine Randstellung innehat.

Deutungsprobleme schafft, dass Freud sich zum Teil widerspricht, manchmal sogar in derselben Publikation. Beispielsweise in der Traumdeutung, die immer noch als ein Eckpfeiler der Psychoanalyse gilt und vielleicht am wenigsten umstritten ist, behauptet Freud kategorisch, dass alle Träume immer auf infantilen Wünschen beruhen und meistens sexuell motiviert seien. Gleichzeitig sind seine Beispiele und Deutungen (vor allem eigener Träume) gemäß Mackenthun oft weder infantil noch sexuell motiviert.[123]

Freuds Aussagen zum Thema des sexuellen Missbrauchs, auf den er in seinen Analysen immer wieder durch Erinnerungen, Träume und andere Hinweise seiner Patientinnen gestoßen war, wurden von Anfang an kritisiert. Er ordnete die Aussagen seiner Patientinnen in späteren Veröffentlichungen oftmals als ‚ödipal gefärbte Wunschphantasien‘ ein. In diesem Punkt unterscheidet sich die Psychoanalyse von anderen Theorien: Unbewussten sexuellen Phantasien, Vorstellungen und Wünschen wird kein geringerer Stellenwert eingeräumt als manifesten Erlebnissen.

Häufig bezweifelt wird auch Freuds Theorie vom sogenannten „Penisneid“: Dieser stehe in der psychischen Entwicklung mancher Mädchen symmetrisch der „Kastrationsangst“ der Jungen gegenüber. Freud vertrat die Auffassung, dass psychisch fehlgeleitete Handlungen von Frauen oft auf eine mangelhafte psychische Verarbeitung der Beobachtung zurückgingen, dass ihnen der Penis eines Jungen unerreichbar fehle, woraus ein Gefühl des Neides resultiere. Freuds Aussage, dass Frauen, die durch Stimulation der Klitoris Orgasmen erleben könnten, unreif seien, ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus nicht mehr haltbar.[124]

Von der Religionswissenschaft und der Theologie wurden Freuds Thesen, von einigen Ausnahmen wie Eugen Drewermann und Günter Krinetzki abgesehen, in der Regel zurückhaltend aufgenommen. Dennoch fanden viele seiner Begriffe und Überlegungen, zum Teil ohne genaue Identifikation ihrer Herkunft, Eingang in die Religionswissenschaft.[125]

Bleibender Nachruhm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als „in die eigentliche Textur des modernen Denkens verwoben“ sieht Peter Gay Freuds Denken in vielerlei Hinsicht – „ob man bei ihm Anleihen macht oder ihn ablehnt, ob man ihn bewundert oder ihm mißtraut, ihn genau zitiert oder verzerrt“. Auf je eigene Art zur Unsterblichkeit Freuds beigetragen hätten „die gehässigen Wortklaubereien skeptischer Psychologen, die nicht weniger gehässigen Abwertungsversuche der Marxisten und die sogar noch gehässigeren Polemiken der Feministinnen.“ Als ein „überragender Gestalter des modernen Geistes“ sei und bleibe Freud „eine so allgegenwärtige und umstrittene Autorität, wie es Plato im klassischen Altertum gewesen ist.“[126]

Bei dem Bemühen, seine Lehre als einheitliches Werk zu bewahren, habe Freud „über sein Genie als Erforscher des Unbewussten hinaus“ einen „ausgeprägten pragmatischen Sinn“ erkennen lassen, heißt es bei Irene Berkel. Zusammen mit seinen Anhängern habe er – nach Gründung einer internationalen psychoanalytischen Bewegung im Jahr 1910 – von den Zentren Wien, Budapest, Berlin und Zürich aus zielstrebig die Institutionalisierung und internationale Ausbreitung der Psychoanalyse betrieben. Gründung und Herausgabe verschiedener psychoanalytischer Zeitschriften ab dem Jahr 1909 hätten der noch jungen psychoanalytischen Vereinigung zudem „ein Forum für theoretische Auseinandersetzungen und Entwicklungen“ geboten. Freuds Originalität zeige sich darin, dass er die Psychoanalyse für andere Wissenschaften geöffnet und so zahlreiche Anregungen für seine eigene Arbeit gewonnen habe.[127]

Eine Auseinandersetzung mit dem Werk Sigmund Freuds werde schwerlich vermeiden können, urteilt Andreas Mayer, wer sich „um ein Verständnis der Kulturen der westlichen Welt des 20. Jahrhunderts bemüht.“ Von Freuds Zeitgenossen bis in die Gegenwart hinein „haben seine Werke in den Sozial- und Geisteswissenschaften auf jede Generation in jeweils eigener Weise gewirkt.“ Im Rahmen einer „akademisch relevanten Auswahl“ reiche die Liste „von den philosophische Auseinandersetzungen bei Ludwig Wittgenstein, Karl Popper oder Adolf Grünbaum, den verschiedenen Lesarten in der französischen Theoriediskussion bei Jean-Paul Sartre, Maurice Merleau-Ponty, Jacques Lacan, Claude Lévi-Strauss, Jacques Derrida, Michel Foucault und Paul Ricœur, der vielfältigen Rezeption in der Literaturtheorie, den freudomarxistischen Spielarten der Frankfurter Schule bis zu den anthropologischen und soziologische Analysen von Autoren wie Philipp Rieff und Ernest Gellner.“ Viele von Freud geprägte Begriffe wie „Ödipuskomplex“, „Narzissmus“, „Fixierung“, „Kastrationsangst“ oder „Penisneid“ seien zum Allgemeingut geworden.[128]

Wer von der Moderne spreche, so Peter-André Alt, komme an der Psychoanalyse nicht vorbei. „Die Diagnose, die sie dem Trieb und dem Unbewußten stellt, erfaßt unsere großen Erzählungen von der Kultur des Menschen. Niemand kann diese Erzählungen mehr anheben lassen, ohne den Deutungsmustern Freuds seinen Tribut zu zollen.“ Aus den intimsten Erfahrungen ihres Begründers sieht Alt die Netze dieser neuen Theorie gewebt. „Das rückt sie in die Nähe der Kunst, deren Werke immer auch die subjektive psychische Signatur ihrer Schöpfer tragen.“ Auch wo sie sich auf die Philosophie des 19. Jahrhunderts, auf die neuere Naturforschung, auf die europäische Literatur oder auf die Ethnologie und die Mythendeutung der klassischen Altertumswissenschaften stützte, sei Freuds Theorie „ein hochgradig originelles System, das unabhängige Urteile über Trieb und Geist, Gesellschaft und Staat, Religion und Kultur ermöglichte.“ Was Freud geschaffen habe, dauere fort „als herausforderndes Vermächtnis der dunkelsten und zugleich hellsten Wissenschaft vom Menschen, die jemals entworfen wurde.“[129]

Auszeichnungen und postume Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigmund Freud auf der österreichischen 50-Schilling Banknote 1987
50-Schilling-Münze (2000)
Sigmund-Freud-Statue im Innenhof der Meduni Wien

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Freuds Veröffentlichungen zählen, in chronologischer Reihenfolge:

Unveröffentlichte Schriften: Das Freud-Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine sehr große Sammlung von Originalschriften und Briefen Freuds befindet sich in der Sigmund Freud Collection der Library of Congress in Washington. Das sogenannte Freud-Archiv wurde 1951 auf Betreiben von Anna Freud und vor allem Kurt Eissler gegründet.[138] Zu den ursprünglichen Kuratoren gehörten neben Eissler als Direktor, Ernst Kris und Heinz Hartmann.[139] Es umfasst ca. 80.000 Dokumente zur Frühgeschichte der Psychoanalyse, davon etwa 35.000 Briefe und 45.000 Manuskripte. Ein zweites Archiv dieser Art befindet sich in Sigmund und Anna Freuds letztem Wohnsitz Maresfield Gardens, dem heutigen Freud Museum in London.[140]

Die restriktive Zugangspolitik des Archivs war Gegenstand der Kritik seitens der historischen Forschung. Insbesondere sind Briefe, die Freud verfasst hat, teilweise bis über das Jahr 2060 hinaus unter Verschluss gehalten.[141] Für die Einsicht in bestimmte Dokumente benötigt man eine Sondergenehmigung des Leiters der Handschriftenabteilung nach Absprache mit den Sigmund Freud Archives in New York, welche aber nur in Ausnahmefällen erteilt wird. Für eine Reihe von Briefen gibt es kein Freigabedatum.[142]

Für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Freud ergibt sich daraus ein Problem: Zu Korrekturen und Auslassungen in früheren Veröffentlichungen seiner Schriften, wie etwa in den 1950 erschienenen Briefen von Freud an Wilhelm Fließ, bestand lange Zeit kein Zugang. In der Erstveröffentlichung dieser Schriften[143] hatten seine Tochter Anna Freud und Ernst Kris zahlreiche Retuschen vorgenommen, wie Jeffrey Masson, Herausgeber der 1985 erschienenen, vollständigen Briefsammlung, nachweisen konnte.

Im Februar 2017 wurden ca. 20.000 Dokumente der Sigmund Freud Papers in digitalisierter Form öffentlich zugänglich gemacht.[144] Es handelt sich dabei vornehmlich um Briefdokumente.[145]

Gesamtausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesammelte Schriften. 12 Bde., Hrsg. v. Anna Freud, Psychoanalytischer Verlag, Leipzig 1924–1934.
  • Gesammelte Werke. Chronologisch geordnet. 17 Bände, dazu ein Registerband (Band 18) und ein Band mit Nachträgen (Band 19). Hrsg. v. Anna Freud u. a. Zuerst erschienen bei Imago, London 1940–1952, Registerband 1968, Nachtragsband Texte aus den Jahren 1885 bis 1938 1987, mehrere Auflagen; Nachdruck beim Fischer Taschenbuch-Verlag 1999, ISBN 3-596-50300-0 („Imago-Ausgabe“; umfassendste Edition von Freuds Schriften, nach dieser Ausgabe wird am häufigsten zitiert).
  • Standard Edition of the Complete Psychological Works of Sigmund Freud. 24 Bände Hrsg. v. James Strachey in Zusammenarbeit mit Anna Freud. Hogarth Press, London 1953–1974 (englische Übersetzung; die Ausgabe mit dem ausführlichsten editorischen Material).
  • Studienausgabe. 10 Bände und ein Ergänzungsband. Hrsg. von Alexander Mitscherlich, Angela Richards, James Strachey. S. Fischer, Frankfurt am Main. Die Bände 1 bis 10 erschienen zuerst 1969 bis 1975. Der Ergänzungsband mit Freuds technischen Schriften wurde von Ilse Grubrich-Simitis herausgegeben und erschien 1975. (Die Studienausgabe enthält etwa zwei Drittel der Standard Edition. Die Studienausgabe ist die philologisch beste Ausgabe in deutscher Sprache, mit editorischen Vorbemerkungen zu jedem Text, Anmerkungen der Herausgeber zu Entwicklungen von Freuds Denken sowie dem Nachweis wichtiger Änderungen, die Freud in verschiedenen Auflagen seiner Schriften vorgenommen hat; jeder Band enthält eine Bibliographie sowie ein ausführliches Register. Der editorische Apparat dieser Ausgabe beruht überwiegend auf der von Strachey ab 1953 herausgegebenen Standard Edition.).
    • 1977 wurde die Studienausgabe um eine bereits 1975 außer der Reihe erschienene Arbeit von Ingeborg Meyer-Palmedo erweitert: Sigmund-Freud-Konkordanz und -Gesamt-Bibliographie, so dass die Studienausgabe vorübergehend zwei Ergänzungsbände umfasste, insgesamt also 12 Bände. Ein Nachdruck der 12-bändigen Studienausgabe erschien 1982 im Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main, ISBN des ersten Bandes, ISBN 3-596-27301-3.
    • 1989 veröffentlichte der S. Fischer-Verlag eine revidierte Neuausgabe der Studienausgabe, jetzt wieder ohne die Bibliographie, also in 11 Bänden, ISBN 3-10-822732-7. Im Jahr 2000 erschien im Fischer Taschenbuch-Verlag eine Lizenzausgabe der revidierten Neuausgabe der Studienausgabe von 1989, ISBN 3-596-50360-4 (Die Revision besteht vor allem in der Beseitigung von Druckfehlern und in der Verbesserung der Querverweise zu seitengenauen Querverweisen innerhalb der Ausgabe.).
    • Parallel zur revidierten Neuausgabe der Studienausgabe im Jahr 1989, aber außerhalb dieser Reihe, erschien im selben Jahr eine revidierte und erweiterte Version der Bibliographie; der Titel wurde dabei verändert in Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz. ISBN 3-10-022742-5; 1999 erschien eine verbesserte und erweiterte Auflage. dieser Bibliographie, ISBN 3-10-022742-5.
  • Werkausgabe in zwei Bänden. Band 1: Elemente der Psychoanalyse. Band 2: Anwendungen der Psychoanalyse. Herausgegeben und kommentiert von Anna Freud und Ilse Grubrich-Simitis. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-17216-0.
  • Das Lesebuch. Schriften aus vier Jahrzehnten. Herausgegeben und kommentiert von Cordelia Schmidt-Hellerau. Fischer, Frankfurt 2006, ISBN 3-10-073302-9.

Briefe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Carl Gustav Jung: Briefwechsel. Herausgegeben von W. McGuire, W. Sauerländer. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1974.
  • Briefe 1873–1939. Ausgewählt und herausgegeben von Ernst u. Lucie Freud. Frankfurt am Main 1960; 3. Auflage. S. Fischer, Frankfurt am Main 1980.
  • Briefe an Wilhelm Fließ 1887–1904. Ungekürzte Ausgabe, herausgegeben von Jeffrey Moussaieff Masson. (Deutsche Fassung von Michael Schröter, Transkription von Gerhard Fichtner). Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 1986, ISBN 3-10-022802-2.
  • Brautbriefe: Briefe an Martha Bernays aus d. Jahren 1882–1886. Ausgew., hrsg. u. mit e. Vorw. vers. von Ernst L. Freud. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-596-26733-1.
  • Mit Max Eitingon: Briefwechsel (1906–1939). edition diskord 2004.
  • Mit Anna Freud: Briefwechsel. Herausgegeben von Ingeborg Meyer-Palmedo. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-10-022750-6.
  • Unterdeß halten wir zusammen. Briefe an die Kinder. Herausgegeben von Michael Schroeter unter Mitwirkung von Ingeborg Meyer-Palmedo und Ernst Falzeder. Aufbau Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-351-03302-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Mayer: Sigmund Freud. Zur Einführung. Junius Verlag, Hamburg 2017, ISBN 978-3-88506-090-1.
  • John Forrester, Laura Cameron: Freud in Cambridge. Cambridge University Press, Cambridge, England 2017, ISBN 978-0-521-86190-8.
  • Peter-André Alt: Sigmund Freud. Der Arzt der Moderne. Eine Biographie. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69688-6 (über das Buch).
  • Adam Phillips: Becoming Freud: The Making of a Psychoanalyst. Yale University Press, New Haven, 2014 ISBN 978-0300158663.
  • Irene Berkel: Sigmund Freud. Wilhelm Fink, Paderborn 2008, ISBN 978-3-7705-4605-3.
  • Birgit Lahann: Als Psyche auf die Couch kam. Das rätselvolle Leben des Sigmund Freud. Aufbau Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-351-02631-5.
  • Eva Weissweiler: Die Freuds. Biografie einer Familie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, ISBN 3-462-03617-3.
  • Christian Moser: Sigmund Freud – Die ganze Wahrheit. Carlsen, Hamburg 2006, ISBN 3-551-78195-8 (Comic).
  • Linde Salber: Der dunkle Kontinent. Freud und die Frauen. Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 2006, ISBN 3-499-62138-X.
  • Hans-Martin Lohmann: Sigmund Freud. Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 1998, ISBN 3-499-50601-7. (Neuausgabe: 2006, ISBN 3-499-50693-9).
  • Charles Rojzman: Freud. Un humanisme de l'avenir. Desclée de Brouwer, Paris 1998. (Freud, the humanist. Open Gate, London 1999, ISBN 1-871871-46-8)
  • Peter Gay: Freud. A life for our time. Norton, New York 1988, ISBN 0-393-02517-9. (Eine Biographie für unsere Zeit. Übersetzt von Joachim A. Frank. S. Fischer, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-17170-9, Lizenzausgabe im Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12913-3).
  • Marianne Krüll: Freud und sein Vater. Die Entstehung der Psychoanalyse und Freuds ungelöste Vaterbindung. Psychosozial, Gießen 1979. (3. Auflage. 2004, ISBN 3-89806-361-5)
  • Ronald W. Clark: Sigmund Freud. The man and the cause. Cape, London 1980, ISBN 0-224-01745-4. (deutsch: Sigmund Freud. Übersetzt von Joachim A. Frank. S. Fischer, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-10-010802-7)
  • Max Schur: Freud. Living and dying. International University Press, New York 1972. (Sigmund Freud. Leben und Sterben. Übersetzt von Gert Müller. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-37278-5; Schur war Freuds letzter Arzt)
  • Ernest Jones: Sigmund Freud. Life and work. 3 Bände. Hogarth, London 1954–1957. (Spätere Auflagen erschienen unter dem Titel The life and work of Sigmund Freud. Vollständige deutsche Übersetzung: Das Leben und Werk von Sigmund Freud. 3 Bände Übers. v. Katherine Jones und Gertrud Meili-Doretzki. Huber, Bern 1960–1962. Ein Nachdruck dieser vollständigen Übersetzung erschien 1984 bei dtv, München, ISBN 3-423-04426-8, der Titel wurde hierbei verändert in Sigmund Freud. Leben und Werk. Jones' Freud-Biographie umfasst im englischen Original etwas mehr als 1500 Seiten. 1961 erschien bei Hogarth, London, eine von Lionel Trilling und Steven Marcus auf etwa die Hälfte gekürzte Fassung unter dem Titel The life and work of Sigmund Freud, mit einem Vorwort von Lionel Trilling. Die Übersetzung dieser gekürzten Fassung erschien 1969 unter dem Titel Sigmund Freud. Leben und Werk bei S. Fischer, Frankfurt am Main).
  • Siegfried Bernfeld, Suzanne Cassirer Bernfeld: Freuds frühe Kindheit (1944). In: Dieselben: Bausteine der Freud-Biographik. Hrsg. v. Ilse Grubrich-Simitis. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-518-07577-2, S. 78–92.
  • Werner LeibbrandFreud, Sigmund. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 407–409 (Digitalisat).

Lexika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nador Fodor, Frank Gaynor (Hrsg.): Freud: Dictionary of psychoanalysis. A compilation of selections from Freud's work. Philosophical Library, New York 1950, Nachdruck Greenwood, New York 1969.
  • Jean Laplanche, Jean-Bertrand Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse. Übersetzt von Emma Moersch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972, zahlreiche unveränderte Auflagen, ISBN 3-518-07607-8. (Freud-Lexikon mit detaillierter Darstellung der Entwicklung der einzelnen Begriffe und mit Seitenverweisen auf die Gesammelten Werke und die Standard Edition; zuerst auf Französisch Paris 1967).
  • Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.): Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe. Kohlhammer, Stuttgart, 3., überarbeitete und erweiterte Ausgabe, ebenda 2008, ISBN 978-3-17-018844-0.
  • Alain de Mijolla (Hrsg.): Dictionnaire international de la psychanalyse. 2 Bde., Calmann-Lévy, Paris 2002, ISBN 2-7021-2530-1 (erweiterte englische Übersetzung: International dictionary of psychoanalysis. 3 Bde., Thomson/Gale, Detroit 2005, ISBN 0-02-865924-4; die englische Übersetzung im Internet unter enotes.com).
  • Humberto Nagera (Hrsg.): Psychoanalytische Grundbegriffe. Eine Einführung in Sigmund Freuds Terminologie und Theoriebildung. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1977 (zuerst englisch 1969 und 1970), ISBN 3-596-42288-4.
  • Elisabeth Roudinesco, Michel Plon: Dictionnaire de la psychanalyse. Fayard, Paris 1997 (Übersetzung: Wörterbuch der Psychoanalyse. Namen, Länder, Werke, Begriffe. Springer, Heidelberg/New York 2004, ISBN 3-211-83748-5).
  • Helmut Siefert: Freud, Sigmund. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 438 f.
  • Ross M. Skelton (Hrsg.): The Edinburgh International Encyclopaedia of Psychoanalysis. Edinburgh University Press, Edinburgh 2006, ISBN 0-7486-1265-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Ballhausen, Günter Krenn, Lydia Marinelli (Hrsg.): Psyche im Kino. Sigmund Freud und der Film. Filmarchiv Austria, Wien 2006, ISBN 3-901932-89-5.
  • Raymond Battegay: Psychologie: Freud und das Judentum. Ambivalenz und Zugehörigkeit. Freud und seine ambivalente Beziehung zum Judentum sowie seine Einstellung zu den Religionen im Allgemeinen. In: Aufbau. Das jüdische Monatsmagazin. Mai 2006, S. 6–11. ISSN 0004-7813.
  • Micha Brumlik: Sigmund Freud. Der Denker des 20. Jahrhunderts. Beltz, Weinheim 2006, ISBN 3-407-85780-2.
  • Frederick Crews: Freud: The Making of an Illusion. Metropolitan Books, New York 2017, ISBN 978-1-62779-717-7.
  • Mark Edmundson: The Death of Sigmund Freud: The Legacy of His Last Days. Bloomsbury, New York 2007, ISBN 978-1-58234-537-6 (engl.).
  • Lydia Flem: Der Mann Freud. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 1993, ISBN 3-593-34907-8.
  • Werner Greve, Jeanette Roos: Der Untergang des Ödipuskomplexes – Argumente gegen einen Mythos. Huber, Bern 1996, ISBN 3-456-82724-5.
  • Horst Gundlach: Sigmund Freud und die Lauterkeit. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte. 27, 3, 204, S. 175–185, ISSN 0170-6233.
  • Albrecht Hirschmüller: Freuds Begegnung mit der Psychiatrie. Von der Hirnmythologie zur Neurosenlehre. Edition diskord, Tübingen 1991.
  • Han Israëls: Der Fall Freud. Die Geburt der Psychoanalyse aus der Lüge. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1999, ISBN 3-434-50454-0.
  • Roland Kaufhold, Hans-Jürgen Wirth: Vor 70 Jahren emigrierte Sigmund Freud nach London. www.hagalil.com.
  • Christine Kirchhoff, Falko Schmieder (Hrsg.): Freud und Adorno. Zur Urgeschichte der Moderne. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2014, LiteraturForschung Band 19, ISBN 978-3-86599-212-3.
  • Adriaan de Klerk: Die Bedeutung der Kastrationsangst und der Beschneidung in Freuds Werk und Leben. In: Matthias Franz (Hrsg.): Die Beschneidung von Jungen. Ein trauriges Vermächtnis. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-40455-3, S. 190–210.
  • Jürg Koller: Der kranke Freud. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-91032-8.
  • Anton Leitner, Hilarion G. Petzold (Hrsg.): Sigmund Freud heute. Der Vater der Psychoanalyse im Blick der Wissenschaft und der psychotherapeutischen Schulen. Krammer, Wien 2009, ISBN 978-3-901811-52-4.
  • Jacques Le Rider: Das Ende der Illusion. Die Wiener Moderne und die Krisen der Identität. Wien 1990, ISBN 3-215-07492-3.
  • Hans-Martin Lohmann: Sigmund Freud zur Einführung. Junius, Hamburg 1986. (5. Auflage. 2002, ISBN 3-88506-362-X).
  • Hans-Martin Lohmann, Joachim Pfeiffer (Hrsg.): Freud-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-476-01896-2.
  • Zvi Lothane: Mit Schreber Freud die Stirn geboten. (1), In: Psychoanalyse im Widerspruch. 40/2008.
  • Lydia Marinelli, Andreas Mayer: Träume nach Freud. Die Traumdeutung und die Geschichte der psychoanalytischen Bewegung. Wien/ Berlin 2002. (3. Auflage. 2011).
  • Andreas Mayer: Sigmund Freud zur Einführung. Junius, Hamburg 2016, ISBN 978-3-88506-090-1.
  • Joachim Pfeiffer: Sigmund Freud. In: Matías Martínez, Michael Scheffel (Hrsg.): Klassiker der modernen Literaturtheorie. Von Sigmund Freud bis Judith Butler (= Beck'sche Reihe. 1822). Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60829-2, S. 11–32.
  • Josef Rattner: Sigmund Freud. In: Klassiker der Psychoanalyse. 2. Auflage. Beltz/Psychologie Verlags Union, Weinheim 1995, ISBN 3-621-27285-2. (Erstauflage 1990 u. d. T. Klassiker der Tiefenpsychologie), S. 3–27.
  • Josef Rattner: Sigmund Freud als Schöpfer einer neuen Seelenkunde. In: J. Rattner, G. Danzer: Europäisches Österreich - Literatur- und geistesgeschichtliche Essays über den Zeitraum 1800–1980. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-3026-5, S. 97–118.
  • Günter Rebing: Freuds Phantasiestücke. Die Fallgeschichten Dora, Hans, Rattenmann, Wolfsmann. Athena Verlag Oberhausen 2019, ISBN 978-3-7455-1044-7.
  • Paul Roazen: Sigmund Freud und sein Kreis. Eine biografische Geschichte der Psychoanalyse. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1976. (1996, ISBN 3-930096-77-3).
  • Wilhelm Salber: Entwicklungen der Psychologie Sigmund Freuds. Drei Bände. Bouvier, Bonn 1973/74, ISBN 3-416-03351-5.
  • Max Schur: Freud: Living and Dying. Hogarth, London 1972. (Deutsche Ausgabe: Sigmund Freud. Leben und Sterben. Übersetzt von Gert Müller, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-07273-0).
  • Sieglinde Eva Tömmel: Wer hat Angst vor Sigmund Freud? Wie und warum die Psychoanalyse heilt. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-86099-827-7.
  • Samuel M. Weber: Freud-Legende. Vier Studien zum psychoanalytischen Denken. Passagen-Verlag, Wien 2002, ISBN 3-85165-547-8.
  • Heinrich Zankl: Sigmund Freud - süchtiger Vater der Psychoanalyse. In: Zankl H., Betz K.: Trotzdem genial. Wiley-VCH, Weinheim 2014, ISBN 978-3-527-33410-0, S. 157–168.
  • Eli Zaretsky: Freuds Jahrhundert. Die Geschichte der Psychoanalyse. Zsolnay, München 2006, ISBN 3-552-05372-7.

Literarische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Theaterstück Le Visiteur (1993) von Éric-Emmanuel Schmitt spielt 1938 in Sigmund Freuds Arbeitszimmer.
  • Der Roman Und Nietzsche weinte des amerikanischen Psychiaters Irvin D. Yalom spielt 1882 in Wien und handelt von einer fiktiven Behandlung des Philosophen Friedrich Nietzsche durch Josef Breuer. Dabei berät der Arzt sich mit seinem jungen Kollegen und Schüler Sigmund Freud und erörtert mit ihm die im Fall Bertha Pappenheims angewandten Methoden der Redekur (chimney-sweeping) und der Erinnerungsarbeit unter Hypnose. Unterschiedlicher Meinung sind beide über Freuds Traumdeutungshypothesen.
  • In Robert Seethalers Roman Der Trafikant lässt der Autor seinen Protagonisten Franz Huchel dem alten und kranken Sigmund Freud 1937, kurz vor dessen Emigration, beim Kauf seiner Zigarren begegnen und mit ihm Freundschaft schließen. Der junge, unerfahrene Mann sucht beim berühmten Psychoanalytiker Orientierungshilfe, doch der verweist ihn in dieser Zeit politischer Unsicherheit auf sich selbst: „Wir tasten uns mühselig durch die Dunkelheit, um wenigstens hie und da auf etwas Brauchbares zu stoßen.“ Im besten Fall seien es Träume und er empfiehlt Franz, die seinen aufzuschreiben. „In den entscheidenden Dingen sind wir von Anfang an auf uns selbst gestellt. […] Du musst deinen eigenen Kopf bemühen. Und wenn dir der keine Antworten gibt, frag dein Herz!“
  • Die in Deutschland unter dem Titel „Die Max-Liebermann-Krimis“ publizierten Romane des britischen Autors Frank Tallis spielen in Wien um 1900. Der Psychiater Max Liebermann, Freund und Berater des Wiener Polizeiinspektors, ist ein Schüler Freuds und geht in dessen Haus in der Berggasse 19 ein und aus.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Commons: Sigmund Freud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Trauung der Eltern im Jahre 1855 vollzog Isaak Noah Mannheimer, der 1841 eine Debatte im Rahmen des Reformjudentums mit dem Hamburger Oberrabbiner Isaak Bernays eröffnet hatte, dem Großvater von Freuds Ehefrau Martha Bernays. (W. Aron: Farzeichnungen wegen opshtam fun Sigmund Freud un wegen sein Yiddishkeit. In: Yivo Bleter. Band 40, S. 169.)
  2. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 14.
  3. Zu Alexander dem Großen hatte der Zehnjährige, inspiriert durch den Schulunterricht, seinen Eltern kurz nach der Geburt des Bruders einen ausführlichen Vortrag gehalten. (Alt 2016, S. 32)
  4. Alt 2016, S. 34.
  5. Alt 2016, S. 43–45.
  6. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 22 f.
  7. „Allein in den alten Sprachen wurden Text und Vokabelkenntnisse verlangt“, schreibt Peter-André Alt, „die heutige Studierende kaum beim Staatsexamen vorweisen können.“ (Alt 2016, S. 53.)
  8. Alt 2016, S. 53 f.
  9. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 34–36.
  10. Alt 2016, S. 57.
  11. Alt 2016, S. 60.
  12. Alt 2016, S. 64 f.
  13. Alt 2016, S. 69.
  14. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 41–44.
  15. Alt 2016, S. 73–85.
  16. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 39.
  17. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 47.
  18. Alt 2016, S. 105–109.
  19. Alt 2016, S. 109–112.
  20. Alt 2016, S. 112–120.
  21. Alt 2016, S. 136–149.
  22. Walter Mentzel: Aus den Medizinhistorischen Beständen der UB MedUni Wien: Das erste Öffentliche Kinderkranken-Institut (1788 – 1900 – 1938): Joseph Johann Mastalier – Max Kassowitz – Carl Hochspringer – Sigmund Freud. II. Sigmund Freud Wirken an der Abteilung für Nervenerkrankungen am Ersten Öffentlichen Kinderkranken-Institut. Blog Unibibliothek Medizinische Universität Wien, 23. Juli 2020. Digitalisat, abgerufen am 16. August 2020.
  23. Alt 2016, S. 155 f.
  24. Martha war väterlicherseits auch mit dem Dichter Heinrich Heine entfernt verwandt. (David Bakan: Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition. Princeton 1958, S. 196) Freuds Schwester Anna wiederum heiratete Marthas Bruder Ely Bernays. Edward Bernays (1891 in Wien–1995 in New York City), der „Vater der Public Relations“, war ein Sohn aus dieser Ehe und somit ein Neffe von Sigmund Freud.
  25. Alt 2016, S. 166 f.
  26. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 77.
  27. Alt 2016, S. 175–177.
  28. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 78–82 und 86 (Zitat).
  29. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 85.
  30. Zitiert nach Alt 2016, S. 198.
  31. Zitiert nach Alt 2016, S. 232.
  32. Alt 2016, S. 17 und 416 f.
  33. „In dieser Vereinsamung erwachte in mir die Sehnsucht nach einem Kreis von auserlesenen, hochgestimmten Männern, die mich ungeachtet meiner Verwegenheit freundschaftlich aufnehmen sollten“, schrieb Freud im Rückblick. (Zitiert nach Alt 2016, S. 309)
  34. Alt 2016, S. 309.
  35. (Brief vom 12. Juni 1900 an Wilhelm Fließ, in: Sigmund Freud: Aus den Anfängen der Psychoanalyse. Briefe an Wilhelm Fließ, Abhandlungen und Notizen aus den Jahren 1897–1902. London 1950, S. 344).
  36. Brief an Fließ vom 15. Oktober 1897; zitiert nach Alt 2016, S. 253 f.
  37. Alt 2016, S. 264.
  38. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 122 und 137.
  39. Alt 2016, S. 288.
  40. Alt 2016, S. 288. Der zweiten Auflage von 1908 folgten dann bis 1921 vier weitere. (Ebenda)
  41. Alt 2016, S. 316.
  42. Vgl. zur Theorie der Fehlleistungen: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. 1901. In: A. Freud u. a. (Hrsg.): Gesammelte Werke. Chronologisch geordnet. Band 4, Fischer, Frankfurt am Main 1999.
  43. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 122 und 137.
  44. Gay sieht Freuds akademische Laufbahn durch die staatlichen Stellen in auffälliger Weise behindert: Die übliche Spanne von der Privatdozentur 1885 bis zur Professur habe bei acht Jahren gelegen; Freud aber ließ man 17 Jahre warten. (Gay, 2. Aufl. 2006, S. 158 und 161)
  45. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 159.
  46. Alt 2016, S. 354–356.
  47. Alt 2016, S. 451.
  48. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 181 f.
  49. Alt 2016, S. 242–245.
  50. Alt 2016, S. 482 f. und 522 f.
  51. Alt 2016, S. 507, 509 und 520.
  52. Außer Freud und Jung wurden allerdings in dem akademischen Festakt noch 25 weitere Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen mit einem Doktortitel geehrt. (Alt 2016, S. 544)
  53. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 250.
  54. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 234.
  55. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 112 f.
  56. Alt 2016, S. 547–552.
  57. Peter-André Alt sieht mit Emma Jung das Zentrum des Konflikts in Jungs Publikation Wandlungen und Symbole der Libido: „Jung suchte die monokausale Sexualtheorie der Neurosenlehre auf ein Weltmodell zu übertragen, das Libido und Mythos in einer an Schopenhauers Willensbegriff orientierten Gesamtkonzeption zusammenschloß.“ (Alt 2016, S. 557)
  58. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 258.
  59. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 266–268.
  60. Alt 2016, S. 573.
  61. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 369; Alt 2016, S. 574.
  62. Bernd Ulrich: Sigmund Freud. In: G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn 2003, S. 505 f.
  63. Alt 2016, S. 584.
  64. Alt 2016, S. 595 f.
  65. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 396 f.
  66. Alt 2016, S. 559.
  67. „Die dritte und empfindlichste Kränkung aber soll die menschliche Größensucht durch die heutige psychologische Forschung erfahren, welche dem Ich nachweisen will, daß es nicht einmal Herr im eigenen Hause, sondern auf kärgliche Nachrichten angewiesen bleibt von dem, was unbewußt in seinem Seelenleben vorgeht.“ (Zitiert nach Alt 2016, S. 613)
  68. Damit waren für Freud jedoch keine neuen Rechte verbunden, wie Alt betont: „Er war auch künftig kein vollgültiges Mitglied der medizinischen Fakultät, gehörte nicht dem Kollegium an und besaß bei akademischen Entscheidungen kein Stimmrecht.“ (Alt 2016, S. 648)
  69. Alt 2016, S. 635 und 644.
  70. Alt 2016, S. 653.
  71. Alt 2016, S. 655–658 und 858.
  72. Frank Thadeusz, DER SPIEGEL: Als Sigmund Freud die spätere Schwiegermutter der Queen verstümmelte - DER SPIEGEL - Geschichte. Abgerufen am 26. August 2020.
  73. Alt 2016, S. 810.
  74. Alt 2016, S. 802.
  75. Alt 2016, S. 700–703.
  76. Alt 2016, S. 705–713.
  77. Alt 2016, S. 311.
  78. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 489 f.
  79. Alt 2016, S. 663.
  80. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 490.
  81. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 497.
  82. Alt 2016, S. 775.
  83. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 562 f.
  84. Alt 2016, S. 764 f.
  85. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 497.
  86. Alt 2016, S. 766.
  87. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 510.
  88. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 505 und 507.
  89. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 510.
  90. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 511 f.
  91. Die Stadt Frankfurt gibt die Nominierung des Psychoanalytikers Sigmund Freud für den Goethepreis bekannt, 6. August 1930. Zeitgeschichte in Hessen. (Stand: 5. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  92. Martin Freud: Sigmund Freud: man and father. Vanguard Press, 1958, S. 165.
  93. Michael Molnar (Hrsg.), Sigmund Freud: The diary of Sigmund Freud, 1929–1939. A record of the final decade. Hogarth, 1992, ISBN 0-7012-0924-0, S. 206.
  94. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 428.
  95. Zitiert nach Alt 2016, S. 633.
  96. Alt 2016, S. 713 f.
  97. Das Zukunftsbild des Marxismus erschien ihm illusionär, weil zu optimistisch hinsichtlich der Erwartungen an das Handeln der Menschen; zukunftsweisend positiv sah er hingegen die antireligiöse Stoßrichtung des Sowjetstaats. (Zitiert nach Alt 2016, S. 806)
  98. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 674 f.
  99. Zitiert nach Alt 2016, S. 817.
  100. Zitiert nach Alt 2016, S. 790. Ähnlich hieß es in einem Brief an die Mitglieder der B’nai-B’rith-Loge vom 6. Mai 1926: „Weil ich Jude war, fand ich mich frei von vielen Vorurteilen, die andere im Gebrauch ihres Intellekts beschränkten, als Jude war ich dafür vorbereitet, in die Opposition zu gehen.“ (Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 677)
  101. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 663.
  102. Zitiert nach Gay, 2. Aufl. 2006, S. 428, der anmerkt, dass es sich dabei wohl um das am wenigsten vorausschauende je von Freud geprägte Bonmot handeln dürfte.
  103. Hans-Martin Lohmann, Joachim Pfeiffer (Hrsg.): Freud-Handbuch. Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, S. 72–73.
  104. Alt 2016, S. 822.
  105. Karl Fallend, Bernd Nitzschke (Hrsg.): Der „Fall“ Wilhelm Reich. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997.
  106. Anonym: Der Ausschluß Wilhelm Reichs aus der Internationalen Psychoanalytischen Gesellschaft. In: Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie. Band 2, Heft 1 (5), 1935, S. 54–61.
    Bernd A. Laska: Sigmund Freud contra Wilhelm Reich.
  107. Alt 2016, S. 844 f.
  108. Alt 2016, S. 846–848.
  109. Alt 2016, S. 849. Bekannt, jedoch zweifelhaft ist die Anekdote, Freud habe handschriftlich ergänzt: „Ich kann die Gestapo jedermann auf das beste empfehlen“. (Ebenda, S. 849)
  110. Alt 2016, S. 849 f.
  111. Alt 2016, S. 853 und 856.
  112. Alt 2016, S. 854 f. und 857 f.
  113. Alt 2016, S. 877–882.
  114. Gay, 2. Aufl. 2006, S. 733.
  115. Alt 2016, S. 871. Peter-André Alt emfiehlt: „Wer immer eine Einführung in die Psychoanalyse benötigt, sollte als erstes Freuds letztes Buch lesen.“ (Ebenda, S. 873)
  116. Rupert Lay: Vom Sinn des Lebens. München 1985, S. 212.
  117. Rupert Lay: Ethik für Wirtschaft und Politik. S. 68.
  118. Sigmund Freud: Totem und Tabu. S. Fischer, Frankfurt am Main 1913 (1956).
  119. Hartmut Zinser: Sigmund Freud (1856–1939). In: Axel Michaels (Hrsg.): Klassiker der Religionswissenschaft. 3. Auflage, München 2010, S. 97.
  120. Andreas Mayer 2016, S. 191 f.
  121. Wilhelm Reich: Der masochistische Charakter. Eine sexualökonomische Widerlegung des Todestriebes. In: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse. Band 18, 1932, S. 303–351; Otto Fenichel: Zur Kritik des Todestriebes. In: Imago. Band 21, 1935, S. 458–466.
  122. Judith Helfer: Sigmund Freud die Stirn geboten. Der Wissenschaftler Zvi Lothane hat zumindest in einem Fall Sigmund Freud widerlegt, in: Aufbau – jüdisches Monatsmagazin. Nachrichtenblatt des German Jewish Club New York. 20. Januar 1995.
  123. Gerald Mackenthun: Freuds „Traumdeutung“ von 1900 – wieder gelesen, zusammengefasst und kritisiert 100 Jahre später. S. 327. und passim im Wiederabdruck der 1. Auflage
  124. Pamela Madsen: 14 Crazy Amazing Facts About Female Sexuality. psychology today, 21. Juni 2015, abgerufen am 26. Juni 2015.
  125. Hartmut Zinser: Sigmund Freud (1856–1939), In: Axel Michaels (Hrsg.): Klassiker der Religionswissenschaft. München 1997, 3. Aufl. 2010, S. 102.
  126. Peter Gay im Vorwort für die deutsche Ausgabe von Freud. A life for our time (Eine Biographie für unsere Zeit, 1989, S. XIII)
  127. Berkel 2008, S. 7.
  128. Andreas Mayer 2016, S. 10 und 12.
  129. Alt 2016, S. 14–16 und 18.
  130. Neuer „Freudplatz“ in Wien, ORF, 11. Februar 2014; Planauschnitt
  131. Spaziergang auf der Freud-Promenade nach Klobenstein - Wanderung am Ritten - Südtirol. In: suedtirolerland.it. (suedtirolerland.it [abgerufen am 19. September 2017]).
  132. 4342 Freud (1987 QO9) JPL Small-Body Database Browser, zuletzt abgerufen am 30. April 2010.
  133. Sarah Sloat: Typographer Turns Freud into a Font. In: The Wall Street Journal. Dow Jones & Company, 25. November 2013, abgerufen am 2. August 2018.
  134. Mark Wilson: Kickstarting: Sigmund Freud’s Handwriting As A Scrawling Typeface. In: Fast Company (Magazin). Mansueto Ventures, LLC, 5. Juli 2013, abgerufen am 2. August 2018.
  135. Harald Geisler: Sigmund Freud Typeface - A Letter to your Shrink. In: Kickstarter. Abgerufen am 2. August 2018.
  136. Daniel Vahab: Kickstarter Project Turns Sigmund Freud’s Handwriting Into a Computer Font. In: Huffington Post. 1. April 2013, abgerufen am 2. August 2018.
  137. orf.at: Freud kehrt überlebensgroß zurück. Artikel vom 4. Juni 2018, abgerufen am 4. Juni 2018.
  138. Kurt R. Eissler and the Sigmund Freud Archives
  139. freudarchives.org
  140. freud.org.uk
  141. Dazu kritisch: Jacques Bénesteau, Das Freud Archiv und die Library of Congress
  142. Siehe Sigmund Freud. A Register of His Papers in the Sigmund Freud Collection in the Library of Congress (PDF; 312 kB).
  143. Aus den Anfängen der Psychoanalyse: Briefe an Wilhelm Fliess, Abhandlungen und Notizen aus den Jahren 1887–1902, (1950 im S. Fischer-Verlag) herausgegeben und kommentiert von Anna Freud, Ernst Kris u. Marie Bonaparte
  144. Sigmund Freud Papers in der Library of Congress
  145. US Library Of Congress Releases Sigmund Freud's Digitized Letters, University Herald, 4. Februar 2017 (abgerufen am 16. Februar 2017).
  146. Das Burghölzli liegt am Bodensee. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Tages-Anzeiger. 3. September 2011, archiviert vom Original am 12. März 2016; abgerufen am 22. Januar 2016.