Tsunami in Grönland 2017

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Der Tsunami in Grönland wurde am 18. Juni 2017 durch einen Bergrutsch im Nordwesten Grönlands ausgelöst.

Das European-Mediterranean Seismological Centre[1] und das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum[2] vermeldeten ein glaziales Erdbeben[3] der Stärke 4,8[4] an der Erdoberfläche um 23:39 am 17. Juni im Tal Kussinersuup Aaffaa. Dieses wurde vermutlich durch den Bergrutsch auf der Halbinsel Salliaruseq etwa 20 km westnordwestlich ausgelöst, bei dem 50 Millionen Kubikmeter Gestein aus 1200 Metern Höhe in den Fjord fielen.[5] Die dadurch verursachte 95 Meter hohe Flutwelle erreichte in der Nacht nach nur sieben Minuten den 28 km südlich gelegenen Ort Nuugaatsiaq mit einer Wellenhöhe von etwa zehn Metern, wodurch elf Gebäude zerstört wurden. Dabei wurden vier Personen auf das Meer hinausgezogen und dadurch getötet. Weiterhin wurden sieben Personen leicht und zwei Personen schwer verletzt.[6] Alle vor Ort aufgefundenen Bewohner wurden in den Distrikthauptort Uummannaq gebracht. Weitere Überschwemmungen wurden aus Illorsuit, Niaqornat und Uummannaq gemeldet, wo es aber nur zu Sachschäden kam.[7] Dennoch wurden Illorsuit und Niaqornat ebenfalls vollständig evakuiert. Auch die Bewohner der Orte Saattut, Qaarsut, Ikerasak und Ukkusissat wurden alarmiert.[8] Die dänischen Luftstreitkräfte stellten eine Lockheed C-130 Hercules für Hilfseinsätze bereit. Auch Air Greenland und Fährschiffe brachten Hilfskräfte in die betroffenen Gebiete. Aus Sorge vor weiteren Tsunamis wurde empfohlen, den Uummannaq-Fjord nicht zu befahren.[9] Am 24. Juni wurde die Evakuierung für Niaqornat aufgehoben.[10] Nuugaatsiaq und Illorsuit wurden jedoch insoweit zerstört, dass sie noch bis Ende 2017 unbewohnbar sind.[6]

Wissenschaftliche Untersuchungen bezüglich dieser Naturkatastrophe zielen darauf, Modellierungen von Felsstürzen zu verbessern.[11]

Auch im März 2018 waren Illorsuit und Nuugaatsiaq noch verlassen. Ein Schweizer Firma beobachtet Salliaruseq und maß, dass der Berg jeden Tag etwa einen Zentimeter abrutscht und man täglich mit einem weiteren fatalen Erdrutsch rechnet. Die Gefahr hierfür wurde auf 11,5 von 12 skaliert, weswegen eine Repopulation der beiden Dörfer momentan ausgeschlossen ist.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M 4.8 - WESTERN GREENLAND - 2017-06-17 23:39:24 UTC bei emsc.csem.org
  2. Erdbeben bei geofon.gfz-potsdam.de
  3. Earthquake in Greenland triggers fatal landslide-induced tsunami bei temblor.net
  4. Zuvor war noch von Stärken von 4,0 oder 4,1 gesprochen worden oder das das Erdbeben durch den Bergrutsch ausgelöst worden war.
  5. Christoph Seidler: Erdrutsch und riesige Flutwelle auf Grönland: Der 95-Meter-Tsunami. In: Spiegel Online. 17. August 2017, abgerufen am 10. Juni 2018.
  6. a b Der 95-Meter-Tsunami bei Spiegel Online
  7. A huge landslide generated tsunami waves damaging some villages in Greenland - 4 people (remain) missing bei earthquake-report.com
  8. Niaqornat bliver evakueret bei knr.gl
  9. Tsunami strikes Nunavut’s neighbour Greenland bei nunatsiaqonline.ca
  10. Evakuerede kan vende hjem bei knr.gl
  11. Quirin Schiermeier: Huge landslide triggered rare Greenland mega-tsunami. nature.com, 31. Juli 2017, abgerufen am 3. August 2017 (englisch).
  12. Tsunami: Fortsat høj risiko ved Karrat-fjeldet in der Sermitsiaq