Tunnel Oberau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tunnel Oberau
Nutzung Straßentunnel
Verkehrsverbindung B 2, B 23, E 533
Ort Oberau
Länge 2971 m
Anzahl der Röhren 2
Bau
Bauherr Bundesrepublik Deutschland
Baukosten 204 Mio. € für die gesamte Umfahrung, davon 161 Mio. € für den Tunnel
Baubeginn 2015
Fertigstellung 2021Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren
Planer Autobahndirektion Südbayern
Lage
Tunnel Oberau (Bayern)
Red pog.svg
Red pog.svg
Koordinaten
Nordportal 47° 34′ 6″ N, 11° 8′ 37″ O
Südportal 47° 33′ 3″ N, 11° 7′ 46″ O

Der Tunnel Oberau ist ein Straßentunnel, der die Hauptdurchgangsstraße der Gemeinde Oberau entlasten soll. Damit soll dem hohen Verkehrsaufkommen auf der Bundesstraße 2 zwischen dem Ende der Bundesautobahn 95 bei Eschenlohe und der vierspurigen Umfahrung um Farchant begegnet werden.

Problemsituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die durchschnittliche Verkehrsbelastung auf der Bundesstraße 2 im Bereich von Oberau beläuft sich auf 26 000 Kraftfahrzeuge pro Tag.[1] Die Spitzenbelastungen an den Wochenenden liegen noch deutlich darüber, bis zu 45 000 Fahrzeuge pro Tag.[2] Dies führte bisher vor allem an den Skifahrer-Wochenenden und zu den Ferienreisezeiten zu häufigen und langen Stauungen. An der B 2 sind innerhalb von Oberau zahlreiche Wohnhäuser unmittelbar von diesem hohen Verkehrsaufkommen betroffen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Planungen für eine Ortsumfahrung von Oberau reichen bis in die 1970er Jahre zurück. Die Verkehrsbelastung für die Ortsdurchfahrt hatte sich weiter verschärft, nachdem 1982 die Autobahn A95 bis Eschenlohe fertiggestellt worden war. Die Realisierung des Tunnel-Projekts geht maßgeblich auf das Engagement der Bürgerinitiative zur Verkehrsentlastung Oberau (VEO) zurück. Diese hatte für den Tunnel und die Umfahrung über 15 Jahre lang gekämpft.[3]

Das Planfeststellungsverfahren wurde von der Regierung von Oberbayern am 11. Februar 2010 abgeschlossen.[4] Die Finanzierungs-Freigabe seitens des Bundesverkehrsministeriums erfolgte im Juli 2014.[5]

Konzeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem vierstreifigen Neubau der Ortsumfahrung Oberau soll, zusammen mit dem geplanten vierstreifigen Ausbau zwischen dem Autobahnende bei Eschenlohe und Oberau (Auerbergtunnel) sowie der bereits vorhandenen vierstreifigen Umfahrung Farchant (Tunnel Farchant), die Bundesautobahn 95 faktisch bis an die Ortsgrenze von Garmisch-Partenkirchen herangeführt werden, in Form einer Kraftfahrstraße (B 2 neu). Im weiteren Verlauf der Straße soll die Entlastung der Ortsdurchfahrten der Ortsteile Garmisch und Partenkirchen durch zwei weitere Tunnel (Kramertunnel = B 23 neu für Garmisch sowie Wanktunnel = B 2 neu für Partenkirchen) realisiert werden.

Die insgesamt 4,2 km lange Umfahrung von Oberau beginnt im Norden mit einer Anschlussstelle, an der künftig die Bundesstraße 23 angebunden werden soll. Dazu wird die B 23 verlegt, indem diese Straße ab der Spitzkehre (Ettaler Bergstraße), die nahe dem Oberauer Schwimmbad gelegen ist, oberirdisch in Richtung Nordosten entlang des Hangs bis zu der neuen Anschlussstelle Oberau-Nord weitergebaut wird. Unmittelbar an die Anschlussstelle Oberau-Nord schließt südwestlich der zweiröhrige Tunnel an, der den Ort im Westen um- und unterfährt. Die Trasse kommt im Süden von Oberau wieder an die Oberfläche und schließt an das bereits ausgebaute Teilstück der B 2 bei Farchant an. Hier entsteht die neue Anschlussstelle Oberau-Süd, ein Halbanschluss mit den Fahrbeziehungen von Garmisch-Partenkirchen nach Oberau und umgekehrt.

Beide Röhren (je eine pro Fahrtrichtung) weisen jeweils zwei Fahrstreifen mit beidseitigen Notgehwegen auf. Die Fahrbahnbreite beträgt 7,5 Meter. Während die nördlichen 140 Meter des Tunnels als Rechteckquerschnitt in offener Bauweise erstellt werden, weist der daran angrenzende 2,8 km lange südliche Tunnelbereich einen Gewölbequerschnitt auf, der weitgehend in bergmännischer Bauweise hergestellt wird. Der Achsabstand der beiden Röhren beträgt im Regelbereich 40 Meter. Diese sind im Abstand von maximal 300 Metern mit insgesamt 5 begehbaren und 5 befahrbaren Rettungsquerschlägen verbunden. Gegenüber den befahrbaren Querschlägen werden an den Tunnelaußenseiten 40 Meter lange Pannenbuchten angeordnet. Im Abstand von maximal 150 Metern befinden sich jeweils Notrufstationen, die in die Tunnelaußenwände integriert sind. Die Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen der Anschlussstelle Oberau-Nord reichen rund 200 Meter in den Tunnel hinein und erfordern dort die Aufweitung des Tunnelquerschnittes um 3,5 Meter je Röhre.

Die Weströhre des Tunnels wird eine Länge von 2971 m, die Oströhre eine Länge von 2910 m aufweisen.

Bauphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Ende 2011 wurde mit den Vorarbeiten zur Sanierung der ehemaligen Mülldeponie im Bereich der neuen Anschlussstelle Oberau-Nord begonnen. Der offizielle Baubeginn für den Tunnel war am 1. September 2015.[1][6][7][8] Am 25. November 2017 erfolgte der Durchschlag der Weströhre,[9] am 19. Dezember 2017 erfolgte der Durchschlag der Oströhre.[10] Die Rohbauarbeiten werden voraussichtlich Mitte 2020 abgeschlossen sein. Anschließend werden die Arbeiten für die betriebstechnische Ausstattung des Tunnels ausgeführt. Parallel zum Tunnelbau erfolgt ab 2018 die Erstellung der für den Tunnelbetrieb erforderlichen Betriebsgebäude Nord und Süd sowie der Strecken- und Brückenbau für die beiden neuen Anschlussstellen und die Anbindung an die bestehende B 2. Die Gesamtfertigstellung der Ortsumfahrung Oberau ist für Ende 2021 geplant.[1]

Zur Erkundung der Gebirgsverhältnisse wurden im Zuge der Tunnelplanung umfangreiche Gebirgsaufschlüsse erstellt. Die Randbedingungen bezüglich der Geologie und Hydrologie sind sehr unterschiedlich. Der südliche und nördliche Teil des Tunnels liegt weitgehend im gering wasserdurchlässigen Festgestein (Kalk- und Dolomitgestein). Der Tunnel ist dort vom Gebirge bis zu 120 Meter überdeckt. Im mittleren Bereich unterfährt der Tunnel, mit einer minimalen Überdeckung von nur 7 Metern, stark wasserdurchlässige Lockergesteinsschichten (Schotter) im Gießenbachtal. Neben den sich daraus ergebenden erschwerten Vortriebsbedingungen kann der Grundwasserspiegel dort bei Starkregen-Ereignissen sprunghaft und zum Teil über die Ausbruchssohle ansteigen. Zur Absicherung der Baustelle vor Überflutung sind deshalb massive Wasserhaltungsarbeiten vorgesehen, mittels gebohrter Brunnen, die von der Geländeoberfläche aus in eine Tiefe von 45 Meter voran getrieben werden.

Den Zuschlag für die Bauausführung erhielt der Schweizer Baukonzern Marti Holding AG.

Die frühere Biathletin Magdalena Neuner hat die Patenschaft für den Tunnel übernommen. Er soll daher künftig Magdalena-Tunnel heißen.[11]

Der Tunnel Oberau ist der längste Straßentunnel des Freistaats Bayern, solange die Fertigstellung des Kramertunnels ungewiss bleibt. Nach seiner Fertigstellung wird der Tunnel einer der 10 längsten Straßentunnel in Deutschland sein.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Spatenstich für Ortsumfahrung Oberau (Memento vom 25. Oktober 2015 im Internet Archive); in: Bayerischer Rundfunk vom 1. September 2015
  2. Eine halbe Milliarde für das Tunnel-Terzett; in: Süddeutsche Zeitung Online vom 31. Juli 2014
  3. Am Sonntag drohen lange Staus; in: Augsburger Allgemeine vom 11. Juli 2013
  4. Grünes Licht für Oberauer Umfahrung; in: tz München vom 18. Februar 2010
  5. Grünes Licht für Umgehungsstraße von Oberau; in: Augsburger Allgemeine vom 29. Juli 2014
  6. Oberau: Ein Tunnel für das geteilte Dorf; in: Merkur Online vom 30. August 2015
  7. Langersehnte Ortsumfahrung von Oberau wird jetzt gebaut; in: Augsburger Allgemeine vom 31. August 2015
  8. Die ersten 50 Meter Tunnel; in: Merkur Online vom 24. September 2015
  9. Erster Tunnel-Durchbruch in Oberau geschafft in Merkur.de, zuletzt aktualisiert am 26. November 2017
  10. Tunnel Oberau: Durchbruch Nummer zwei erledigt in Merkur.de, 19. Dezember 2017
  11. Magdalena Neuner ist Tunnel-Patin; in: Merkur Online vom 23. Dezember 2015