UIC-Wagennummer

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Offene Güterwagen der Sonderbauart F der Rail Cargo Austria

Die UIC-Wagennummer (früher Waggonnummer) ermöglicht eine eindeutige Identifizierung von Güter- und Reisezugwagen und beinhaltet wichtige Schlüsseldaten für den Eisenbahnverkehr.

Die Wagennummer wird von der UIC vorgegeben und bildet eine gemeinsame Sprache zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), Infrastrukturbetreibern und den zuständigen staatlichen Stellen.

Eine vollständige Wagennummer besteht aus 12 Ziffern, die einzelnen Ziffern der Wagennummer haben dabei folgende Bedeutung:

erste und zweite Ziffer: Code für das Austauschverfahren (bei Triebfahrzeugen Bauartcode)
dritte und vierte Ziffer: UIC-Ländercode
fünfte bis achte Ziffer: Gattungskennzahlen
neunte bis elfte Ziffer: Nummer des Güterwagens in der Baureihe
zwölfte Ziffer: Selbstkontrollziffer

Code für das Austauschverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flachwagen der Gattung Rgmms

Der Code für das Austauschverfahren ist seit 1964 die erste und zweite Ziffer der zwölfstelligen Wagennummer an der Seitenwand eines Eisenbahnwagens. Er wurde von der UIC und der OSShD verbindlich für die Mitgliedsbahnen festgelegt.

UIC-Ländercode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem UIC-Ländercode wird das Herkunftsland eines Fahrzeugs festgelegt (beinhalteten fast ausschließlich Staatsbahnen). Der Eigentümer wird durch einen nachgestellten Buchstabencode gekennzeichnet. Anfang 2006 wurde die Codierung der Wagennummern verändert.

Gattungskennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattungskennzahlen, fünfte bis achte Ziffer der Wagennummer, beinhalten das UIC-Gattungszeichen sowie technische Eigenschaften eines Wagens. Die UIC-Gattungszeichen setzen sich aus einem „Gattungsbuchstaben“ (groß geschrieben) und einem oder mehreren „Kennbuchstaben“ (klein geschrieben) zusammen.

Gattungskennzahlen Güterwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hbbillns der ITL mit Ländercode 56 ist in der Slowakei beheimatet

Die fünfte Ziffer der Wagennummer verschlüsselt bei Güterwagen den Gattungsbuchstaben

Gattungsbuchstabe T → Güterwagen mit öffnungsfähigem Dach
Gattungsbuchstabe G → Gedeckter Güterwagen der Regelbauart
Gattungsbuchstabe H → Gedeckter Güterwagen in Sonderbauart
Gattungsbuchstabe K, O, R → Flachwagen mit Einzelradsätzen in Regelbauart
Gattungsbuchstabe L, S → Flachwagen mit Einzelradsätzen in Sonderbauart
Gattungsbuchstabe E → Offener Güterwagen der Regelbauart
Gattungsbuchstabe F → Offener Güterwagen in Sonderbauart
Gattungsbuchstabe Z → Kesselwagen
Gattungsbuchstabe I → Kühlwagen
Gattungsbuchstabe U → Sonderwagen

Die sechste bis achte Ziffer verschlüsselt die Kennbuchstaben

Gattungskennzahlen Reisezugwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fünfte Ziffer der Wagennummer verschlüsselt bei Reisezugwagen den Gattungsbuchstaben

Post- und Privatwagen, sowie ältere Schlafwagen der CIWLT
A – Sitzwagen 1. Klasse
B – Sitzwagen 2. Klasse
AB – Sitzwagen 1. und 2. Klasse
Ac und AcBc – Liegewagen 1. Klasse sowie 1. und 2. Klasse
Bc – Liegewagen 2. Klasse
Schlafwagen und Wagen der Sonderbauarten
Schlafwagen und Wagen der Sonderbauarten
Schlafwagen und Wagen der Sonderbauarten
Gepäckwagen

Die sechste Ziffer der Wagennummer bei Reisezugwagen verschlüsselt die Anzahl der Abteile:

bei Post- und Privatwagen:

Postwagen
6/7 
Schlafwagen, die noch nicht in den internationalen WL-Pool eingebracht und noch nicht für den nationalen Park codifiziert sind

bei Sitzwagen:

10 Abteile
11 Abteile (nur AB bzw. B)
12 Abteile (nur B)
7 Abteile
8 Abteile
9 Abteile

Die siebte Ziffer verschlüsselt die Höchstgeschwindigkeit:

0 bis 2 
bis 120 km/h
3 bis 6 
bis 140 km/h
7 bis 8 
bis 160 km/h
über 160 km/h

Die achte Ziffer verschlüsselt das Heizsystem.

Nummer der Baureihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neunte bis elfte Ziffer ist die fortlaufende Nummerierung von Güterwagen derselben Baureihe.

Innerhalb der einzelnen Wagengattungen werden für jede durch identische technische Eigenschaften definierte Güterwagen-Baureihe eine oder mehrere Seriennummern zugeteilt.

Beispiel:

Die DB-Güterwagenbaureihe 631 beginnt mit der Wagennummer 21 80 990 3 900-8 und endet mit der Nummer 21 80 990 3 914-9. Somit ist der Güterwagen mit der Wagennummer 21 80 990 3 914-9 der fünfzehnte Wagen dieser Baureihe.

Selbstkontrollziffer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Berechnung der Kontrollziffer nach dem Luhn-Algorithmus werden die einzelnen Ziffern der Wagennummer von rechts nach links abwechselnd mit 2 und 1 multipliziert. Danach wird die Quersumme gebildet. Die Differenz der Quersumme zur nächsthöheren Zehnerzahl ergibt die Selbstkontrollziffer. Die Selbstkontrollziffer wird mit einem Bindestrich an die elfstellige Stammnummer angefügt.

Beispiel:

Wagennummer: 31 81 665 0 286-0

3 1 8 1 6 6 5 0 2 8 6
Multiplikation mit
2 1 2 1 2 1 2 1 2 1 2
ergibt
6 1 16 1 12 6 10 0 4 8 12
Quersumme
6 +1 +1+6 +1 +1+2 +6 +1+0 +0 +4 +8 +1+2 = 40,
nächsthöhere Zehnerzahl = 40
→ Selbstkontrollziffer = 0

Beispiel UIC-Entschlüsselung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für die Entschlüsselung einer UIC-Güterwagennummer:

Wagennummer: 21 80 990 3 914-9 
  2 = Code Austauschverfahren → im grenzüberschreitenden Verkehr international auf
                                dem Gebiet von nur RIV oder RIV und PPW einsetzbar
  1 = Code Austauschverfahren → bahneigener Wagen mit Einzelradsätzen und festgelegter Spurweite
 80 = UIC-Ländercode → Deutschland
  9 = Gattungsbuchstabe → U
  9 = aus Tabelle UIC-438 → zwei Achsen
 03 = aus Tabelle UIC-438 – Kennbuchstaben → ikk
914 =   Nummer in der Baureihe
  9 = Selbstkontrollziffer

Berechnung Selbstkontrollziffer
 2  1   8   0   9   9  0  3   9   1  4
Multiplikation mit 
 2  1   2   1   2   1  2  1   2   1  2
ergibt
 4 +1 +16  +0  +18 +9 +0 +3  +18 +1 +8  
Quersumme
 4 +1 +1+6 +0 +1+8 +9 +0 +3 +1+8 +1 +8 = 51
 
 nächsthöhere Zehnerzahl = 60 → Selbstkontrollziffer = 9  (60 − 51 = 9)

Bei der Berechnung ist zu beachten, dass zum Beispiel 8×2 (dritte Spalte der Multiplikation) den Wert 16 ergibt, was dann zu einem Quersummenwert von 1+6=7 führt. Man addiert also nicht einfach nur die Ergebnisse der einzelnen Multiplikationen.

Zusammenfassung:

Es handelt sich um einen bahneigenen Wagen mit Einzelradsätzen und festgelegter Spurweite, der im grenzüberschreitenden Verkehr international auf dem Gebiet von nur RIV oder RIV und PPW einsetzbar ist. Herkunftsland ist Deutschland und der Eigentümer ist die DB AG. Er ist ein Sonderwagen der Gattung U mit den Eigenschaften von zwei Achsen, einer Tiefladebühne, einer Lademasse von bis zu 25 Tonnen und er ist der fünfzehnte Wagen derselben Baureihe.

Kurz: Zweiachsiger Tiefladewagen (vor 1951: SSt 111; ab 1980 UIC-Gattungszeichen Uikk, Baureihe 631) der DB AG, Tragfähigkeit 25 Tonnen, kann international eingesetzt werden.

Leseverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Nummerierung von Eisenbahnwagen wird die Wagennummer visuell gelesen. Kein Bahnunternehmen war bisher in der Lage, die Wagennummern automatisch und mit hinreichend geringer Fehlerquote zu lesen. Mit OCR-Verfahren liegt die Fehlerquote beim Lesen der Beschriftung (DB AG: Gerade Normschrift DIN 16 Variante DB) unter 5 % (1 aus 20). Siehe hierzu auch Identifizierung im Schienenverkehr

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Diener:Anstrich und Bezeichnung von Güterwagen. Verlag Dr. Bernhard Abend, Stuttgart 1992.
  • Internationaler Eisenbahnverband: Kennzeichnung der Güterwagen. UIC-Kodex 438-2 V. 7. Ausgabe, 01/07/2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]