Udo Rukser

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Udo Rukser (* 19. August 1892 in Posen; † 6. Juni 1971 Quillota, Chile) war ein deutscher Jurist und Publizist, u. a. war er Mitherausgeber der Exilzeitschrift „Deutsche Blätter“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Udo Rukser studierte nach dem Abitur 1910 auf Druck des Vaters Jura, ohne seine starken literarischen und künstlerischen Interessen aufzugeben. Seine Spezialisierung auf Internationales und Ostrecht erlaubte ihm nach dem Ersten Weltkrieg die erfolgreiche Verteidigung von Mandanten, die durch den Kriegsausgang ihre Besitztümer verloren hatten. Die Honorare seiner erfolgreichen Berliner Kanzlei legte er in einer hochrangigen Sammlung moderner Kunst an. Rukser suchte auch die Bekanntschaft mit Künstlern wie Richard Janthur, Ludwig Meidner, Walter Trier oder Ewald Mataré und arbeitete an Zeitschriften mit („Der Einzige“, „Feuer“ u. a.). Durch seinen Schwager, den Filmpionier Hans Richter, stand er dem Dadaismus nahe. 1932 erwarb er die Villa Schade van Westrum am Griebnitzsee in Potsdam.[1]

Nach 1933 trat er von seinem Posten als Herausgeber der von ihm mitbegründeten „Zeitschrift für Ostrecht“ zurück, weil er die verlangte Entlassung seiner jüdischen Mitarbeiter verweigerte. Seine Möglichkeiten als Jurist im nationalsozialistischen Deutschland illusionslos einschätzend, gab er seine Kanzlei auf und zog sich zusammen mit seinem Sozius Otto Blumenthal an den Bodensee zurück. Auf dem Schienerberg bei Radolfzell erwarben Udo und Dora Rukser (Richter-Rothschild)[1] mit dem Oberbühlhof ein großes landwirtschaftliches Gut, das erfolgreich auf Obstbau umgestellt wurde.[2] Das Haus am Griebnitzsee mietete der Rennfahrer Hans Stuck.[1] Das Vordringen des Antisemitismus und der Nazis auch in diesen abgelegenen Winkel des Reiches beendete die „innere Emigration“, die Rukser aufgrund der Nähe zur Schweizer Grenze zunächst für möglich gehalten hatte.

1939 emigrierte er mit seiner Frau Dora nach Chile, wo er eine Farm betrieb. Von 1943 bis 1946 gab er zusammen mit seinem Landsmann Albert Theile die „Deutschen Blätter“ (Untertitel: „Für ein europäisches Deutschland. Gegen ein deutsches Europa“) heraus, eine der wichtigsten deutschen Exilzeitschriften, die Rukser zum großen Teil durch den Verkauf seiner Kunstsammlung finanzierte. Viele bedeutende Autoren des Exils arbeiteten an ihr mit. Seit den 1950er Jahren erforschte Rukser am Beispiel Goethes, Nietzsches und Heines den Einfluss des deutschen Geisteslebens auf die hispanische Kultur.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Diebstahl nach der Lex Ribuaria. Dissertation, 1913.
  • Staatsangehörigkeit und Minoritätenschutz in Oberschlesien. Ein Leitfaden. 1922.
  • Deutsche Blätter. (Hrsg.): 1943–1946. (Reprint 1970)
  • Goethe in der hispanischen Welt. 1958.
  • Nietzsche in der Hispania. 1962.
  • Über den Denker Rudolf Pannwitz. 1970.
  • Bibliografia de Ortega. 1971.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Blumenthal: Die Verhaftung. In: Gerhard Schoenberner (Hrsg.): Wir haben es gesehen. Augenzeugenberichte über Terror und Judenverfolgung im Dritten Reich. 1962.
  • Lotte Maass: Deutsche Exilpresse in Lateinamerika. 1978.
  • Irmtrud Wojak: Exil in Chile. 1994.
  • Ralph Peter Vander Heide: Deutsche Blätter. 1975.
  • Angela Huß-Michel: Literarische und politische Zeitschriften des Exils 1933–1945. 1987.
  • Manfred Bosch: Für eine Vergeistigung der Politik. Zum 100. Geburtstag Udo Ruksers. In: Hegau. Band 49/50.
  • Manfred Bosch: Udo Rukser und die „Deutschen Blätter“. In: Manfred Bosch (Hrsg.): Bohème am Bodensee. 1997.
  • Manfred Bosch: „...das Land, das uns soviel Kummer gemacht hat“. Der Oberbühlhof von Udo und Dora Rukser in Schienen. In: Manfred Bosch, Oswald Burger: „Es war noch einmal ein Traum von einem Leben.“ Schicksale jüdischer Landwirte am Bodensee 1930–1960. UVK Verlagsgesellschaft Konstanz 2015, ISBN 978-3-86764-630-7, S. 17–35.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Das Landhaus Schade van Westrum
  2. Zu Udo Rukser als Landwirt auf dem Oberbühlhof 1934 bis zu seiner Emigration 1939 vgl. Manfred Bosch: „...das Land, das uns soviel Kummer gemacht hat“. Der Oberbühlhof von Udo und Dora Rukser in Schienen. In: Manfred Bosch, Oswald Burger: „Es war noch einmal ein Traum von einem Leben.“ Schicksale jüdischer Landwirte am Bodensee 1930–1960. UVK Verlagsgesellschaft Konstanz 2015, ISBN 978-3-86764-630-7, S. 17–35.