Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands

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Die Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands (russisch Союз Комитетов Солдатских Матерей России, Sojus Komitetow Soldatskich Materei Rossii) ist eine Menschenrechtsorganisation in Russland, die sich um die Situation von Soldaten und um Missstände in der russischen Armee kümmert. Sie erhielt mehrere internationale Auszeichnungen, so den Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis) 1996.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Komitee der Soldatenmütter Russlands wurde 1989 gegründet. Es ging aus mehreren Initiativen hervor, die sich um die Situation und Probleme der Soldaten in der Sowjetarmee engagierten, wie die berüchtigte Dedowschtschina. 1991 wurde sie offiziell beim Justizministerium als Organisation registriert.

Tschetschenienkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des ersten Tschetschenienkrieges wurden täglich 200 Beschwerdebriefe bearbeitet, in den ersten sechs Monaten des Krieges sprachen 10.000 Personen vor. Sie organisierten die Freilassung von russischen Kriegsgefangenen der tschetschenischen Armee. Der Mitleidsmarsch der Mütter von Moskau in die tschetschenische Hauptstadt Grosny wurde vom russischen Militär gestoppt.

Parteigründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 organisierten sie sich als Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands neu. Im November 2004 gründeten 160 Mitglieder aus 50 Regionen eine politische Partei mit dem Namen Vereinte Volkspartei der Soldatenmütter (CKCMP).[1] Sie wurde auf Grund zu geringer Unterstützerzahlen nicht als politische Partei zugelassen.

Ukrainekrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 erklärte Walentina Melnikowa, dass in der Ukraine bis zu 15.000 russische Soldaten eingesetzt worden seien.[2][3] Ella Poljakowa aus Sankt Petersburg teilte mit, dass mehr als 100 Soldaten eines Infanterieregiments, das in Tschetschenien stationiert ist, in der Ukraine getötet wurden. Die Angehörigen erhielten kaum Informationen über den Tod ihrer Söhne und Ehemänner.

Ausländischer Agent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daraufhin wurde das Komitee der Soldatenmütter in Sankt Petersburg wie zuvor schon andere Nichtregierungsorganisationen in Russland als „gemeinnnützige Organisationen in der Funktion ausländischer Agenten“ eingestuft, weil sie angeblich ausländische Finanzierungen aus den USA erhalten hätten.[4] Die Vorsitzende Ella Poljakowa erklärte, dass zu diesem Zeitpunkt keinerlei ausländische Unterstützungen mehr erfolgt seien. 2015 wurde diese Registrierung beim Justizministerium wieder suspendiert.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands arbeiten etwa 200 regionale Gruppen.

Vorsitzende ist Valentina Melnikowa, das Komitee in Sankt Petersburg wird von Ella Poljakowa und Jelena Wilenskaja geleitet. Die Kommission für Analyse und Kommunikation leitet Ida Kuklina.

Die Soldatenmütter arbeiten mit anderen Menschenrechtsorganisationen in Russland und im Ausland zusammen. Sie werden von der Organisation Memorial und der Partei Jabloko unterstützt. Es bestehen Kontakte zu evangelischen und katholischen Frauenverbänden, Frauen für den Frieden Düsseldorf und Schweiz, Mütter für den Frieden, Frauennetzwerk für Frieden, dem Kopelew-Forum, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Helsinki Citizens Assembly.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva Maria Hinterhuber: Die Soldatenmütter Sankt Petersburg. Zwischen Neotraditionalismus und neuer Widerständigkeit. In: Osteuropa. Geschichte, Wirtschaft, Politik. Bd. 21. Münster/Hamburg/London 1999, ISBN 3-8258-3932-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. russland.rz
  2. Bis zu 15'000 russische Soldaten wurden in die Ukraine geschickt. In: tagesanzeiger.ch. 1. September 2014, abgerufen am 4. Mai 2015.
  3. Soldatenmütter RP-online, 1.8.2015
  4. NED 2011 Annual report. In: www.ned.org. Archiviert vom Original am 18. Januar 2013, abgerufen am 4. Mai 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]