Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg

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Universitätsbibliothek
„Johann Christian Senckenberg“
Gründung 15. Jahrhundert
Bestand 9,4 Mio. Medieneinheiten[1]
Bibliothekstyp Universitätsbibliothek
Ort Frankfurt am Main Welt-IconKoordinaten: 50° 7′ 13″ N, 8° 39′ 11″ O
ISIL DE-30
Leitung Heiner Schnelling
Website www.ub.uni-frankfurt.de
Der von Ferdinand Kramer entworfene Neubau (heute Sitz der Zentralbibliothek und der Verwaltung)
Ein Lesesaal der Zentralbibliothek (2003)

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main ist mit neun Millionen Medieneinheiten die größte Universitätsbibliothek in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie entstand im 15. Jahrhundert als Stadtbibliothek aus der Arbeitsbibliothek des Rates. Seit dem 16. Jahrhundert besitzt sie das Pflichtexemplarrecht. Sie war zunächst im Haus Viole untergebracht, das zum Rathauskomplex des Römer gehörte. 1668 wurde sie mit der Bibliothek des ehemaligen Barfüßerklosters in dessen Räumen zusammengelegt.[2] 1825 bezog sie einen klassizistischen Neubau am Mainufer, die heutige Alte Stadtbibliothek.

Im Jahre 1763 stiftete der Frankfurter Stadtphysikus Johann Christian Senckenberg seine naturwissenschaftliche Bibliothek mit Publikationen aus den Bereichen Medizin, Pharmazie und Biologie, um die Ausbildung von Ärzten zu unterstützen. Auf dem Stiftungsgelände am Eschenheimer Tor entstand die Senckenbergische Bibliothek, die gemäß dem Stifterwillen nicht an die Stadt fallen sollte.

Stadtbibliothek und Senckenbergische Bibliothek übernahmen 1914 die Literaturversorgung für die neu gegründete Universität Frankfurt am Main. 1943/44 wurde das Gebäude der Alten Stadtbibliothek bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main durch Fliegerbomben zerstört. Nur ein gutes Drittel der Bestände konnte durch Auslagerung nach Oberfranken gerettet werden, der Rest wurde vernichtet.[3] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie mit weiteren Bibliotheken zur Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt zusammengeschlossen. Zunächst bezog sie das unzerstört gebliebene Rothschild-Palais am Untermainkai, in dem bis dahin die Freiherrlich Carl von Rothschild'sche öffentliche Bibliothek untergebracht war. Heute ist es Sitz des Jüdischen Museums.

1964 wurde sie gemeinsam mit der Senckenbergischen Bibliothek in einem vom Universitätsbaumeister Ferdinand Kramer entworfenen Neubau an der Bockenheimer Warte untergebracht. Schwerpunkt der Stadt- und Universitätsbibliothek bei der Literaturerwerbung und -vermittlung war die Bereitstellung von Medien für die Universität; die Senckenbergische Bibliothek erwarb schwerpunktmäßig medizinische, naturwissenschaftliche und technische Literatur. Seit 2005 sind Stadt- und Universitätsbibliothek und Senckenbergische Bibliothek in der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg unter Trägerschaft des Landes Hessen vereinigt. Bedingt durch den Umzug der geisteswissenschaftliche Fachbereiche von Bockenheim auf den neuen Campus Westend und der Naturwissenschaften auf den Campus Riedberg wurde die Entwicklung des Bestands zunehmend auf die Bereichsbibliotheken an den neuen Standorten übertragen.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Zentralbibliothek gehören mehrere Bereichsbibliotheken zur Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. Auf dem Campus Bockenheim liegen die Zentralbibliothek, die Bibliothek Kunstgeschichte/Städelbibliothek sowie die Bibliothek des Mathematischen Seminars und die Institutsbibliothek Informatik.

Am Campus Riedberg findet sich die Bibliothek Naturwissenschaften, am Campus Niederrad die Medizinische Hauptbibliothek.

Auf dem Campus Westend liegen drei Bereichsbibliotheken: Bibliothek Recht und Wirtschaft, Bibliothek Sozialwissenschaften und Psychologie, Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften.

Archive und Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prometheus im Eingangsbereich der Zentralbibliothek

Die Bibliothek beherbergt unter anderem im Archivzentrum Nachlässe und Privatbibliotheken von Philosophen der Frankfurter Schule sowie von Arthur Schopenhauer. Außerdem werden in der Handschriftenabteilung rund 2850 Handschriften, darunter gut 600 mittelalterliche, und etwa 2700 Inkunabeln aufbewahrt. Die meisten dieser Buchbestände stammen aus der Ratsbibliothek und aus den ehemaligen geistlichen Institutionen Bartholomäus-Stift, Leonhard-Stift, Dominikanerkloster und Karmeliterkloster.[4] Zwei Codices mit besonders wertvollen Prachteinbänden aus Elfenbein befinden sich als Dauerleihgaben im Liebieghaus.

Sammelschwerpunkte sind Frankfurter Drucke, Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften, Francofurtensien, Geistesgeschichte, Sozialgeschichte und Zeitgeschichte des 19. Jahrhunderts, Judaica, Volkskunde und Völkerkunde von Afrika südlich der Sahara und Ozeaniens.

Die Universitätsbibliothek Frankfurt betreut daher folgende DFG-Sondersammelgebiete: Afrika südlich der Sahara, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Allgemeine Linguistik, Biologie, Botanik, Germanistik, Deutsche Sprache und Literatur, Israel, Judentum, Ozeanien, Theater und Filmkunst, Zoologie. Aufbauend auf die Sondersammelgebiete bieten vier Virtuelle FachbibliothekenGermanistik im Netz, ilissAfrica, medien buehne film, vifabio – zeitgemäße Informationsdienstleistungen im Internet.

Die „Sammlung jüdischer Studien“, die für Deutschland zentral ist, hatte Aron Freimann begründet. Er war über Jahrzehnte bedeutendster jüdischer Bibliothekar Deutschlands und letzter Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurts vor dem Holocaust.

Die Universitätsbibliothek zählt zu den sechs Mitgliedsbibliotheken der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke, in der sie für den Zeitraum 1801–1870 zuständig ist.[5]

Kooperationen und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1977 erfasst und katalogisiert in der Frankfurter Bibliothek ein DFG-finanziertes Zentrum Handschriften verschiedener deutscher und ausländischer Bibliotheken. Aktuell werden dort Bände aus Luxemburg bearbeitet.

Die UB ist Mitglied im Hessischen BibliotheksInformationsSystem (HeBIS).

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Eingangsbereich der Bibliothek befindet sich die von Ossip Zadkine gefertigte Bronzeskulptur Prometheus. Diese bereits 1954 gefertigte Figur aus der griechischen Mythologie wurde 1965 in der Halle aufgestellt. Sie stellt Prometheus dar, wie er das Feuer in der Hand hält, um es den Menschen zu bringen.[6]

Index[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Universitätsbibliothek Frankfurt landete 2007 auf Platz zwei des Bibliotheksindex für Universitätsbibliotheken mit unabhängigen Institutsbibliotheken.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg: Übersicht 2013 (PDF; 107 kB), Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
  2. Hermann Traut, Der Römer und Die Neuen Rathausbauten in Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1908, S. 32
  3. Edith Kießling, Die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1969, S. 92–98, 111-113
  4. http://www.ub.uni-frankfurt.de/hsn.html
  5. http://www.ag-sdd.de/
  6. http://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page12.html?id=142