Unsinn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Eishockeyspieler und -trainer siehe Xaver Unsinn, zum deutschen Hersteller von Pkw-Anhängern siehe Unsinn Fahrzeugtechnik.

Unsinn, auch Widersinn, ist ein von Sinn und Logik gelöster oder grob falscher Sachverhalt – bisweilen (absichtlich) scherzhaft. Die Eigenschaft eines solchen wird als Unsinnigkeit bezeichnet. Unsinnig kann auch bedeuten: ohne erkennbaren Sinn.

Eine Handlung oder eine Aussage kann als Unsinn bewertet werden („Mach keinen Unsinn!“, „Red keinen Unsinn!“). Dies kann eine Warnung, eine Abwertung, oder rhetorisches Argument darstellen.[1]

Wortfeld

Der Blödsinn, Kupferstich von Johann Heinrich Lips 1780

Teilweise synonym verwendete Ausdrücke (vor allem aus Dialekten) sind: Aberwitz, Absurdität, Firlefanz, Hafenkäse,[2] Humbug, Irrwitz, Käse,[3] Kladderadatsch, Kokolores,[4] Larifari, Mumpitz, Nonsens, Quatsch, Schmarrn, Schmonzes, Schwachsinn, Unvernunft.

Die verschiedenen, synonymen Ausdrücke haben teilweise leichte Bedeutungsunterschiede und unterschiedlich wertende Konnotationen (Untertöne). So sind Aberwitz und Irrwitz mit dem Aspekt der Absurdität versehen, was eine besondere Steigerung andeutet, und sich sogar ins positive wenden kann (aberwitzige Leistung). Als Blödsinn wurde früher eine schwere Geisteskrankheit bezeichnet: „Blödsinn, der höchste Grad krankhafter Geistesschwäche, wie er teils angeboren beim Kretinismus und Idiotismus, teils erworben als Endstadium mannigfacher Geisteskrankheiten, des paralytischen Irreseins und als Folge des Gehirnschwundes im höhern Greisenalter (seniler Blödsinn) zur Beobachtung kommt“.[5] Schwachsinn haben die Nebenbedeutung der Unfähigkeit oder des mangelnden Denkvermögens. In einer veralteten Klassifizierung der Intelligenzminderung bezeichnete Idiotie den schwersten Grad der kognitiven Behinderung. Dieses System ist außer Gebrauch, da der Ausdruck umgangssprachlich – ähnlich wie Schwachsinn – nach und nach zum Schimpfwort wurde.

Unsinn und Poesie

Das Lautgedicht KARAWANE von Hugo Ball, 1917

1916 wurden in der Dadaismus-Bewegung unsinnige oder widersinnige Gedichte und Texte als Anti-Kunst vorgetragen. Die Bewegung gilt als Reaktion auf die Erfahrung der Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs. Hugo Ball trug in Zürich Lautgedichte vor.

Der Linguist Noam Chomsky verwies auf den Satz “Colorless green ideas sleep furiously.” (deutsch: „Farblose grüne Ideen schlafen zornig.“) als Beispiel für einen unsinnigen, aber syntaktisch grammatischen Satz. Logisch bietet das keinerlei Sinn, denn Ideen sind nicht grün und schlafen nicht; was grün ist, kann nicht farblos sein, und wütendes Schlafen scheidet aus. In der Poesie hingegen kann ein solcher Satz durchaus einen Sinn haben. Unsinn zeichnet sich demnach nicht zwangsläufig durch fehlenden Sinn aus. Als Metapher könnte es im übertragenen Sinne „farblose grüne Ideen“ geben. Der Satz erhält so eine neue Bedeutung. „Grüne Ideen“ könnten die Ideen Grüner Politik sein. Diese erscheinen manchen Menschen als „farblos“ (im Sinne von wenig auffällig), sie schlafen noch, aber sind „unter der Decke“ bereits aktiv. So gedeutet erhält der Satz Sinn. Ob dieser verständlich wird, entscheidet sich auf einer anderen Ebene.

In Sprichwörter scheint das Wort kaum eingegangen zu sein, denn in Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon (5 Bände, erschienen 1866–1880) gibt es lediglich zwei Beispiele (z. B. Der Unsinn schert die Sau und sengt das Schaf.).

In der Literatur gibt es eine einzelne Werke, die man der Nonsensliteratur zuordnen kann. Ein Kinderbuch in den 1970er-Jahren ist hier einzuordnen – schon im Titel zu erkennen: Quatsch – Bilder, Reime und Geschichten (rotfuchs 66; 480-ISBN 3-499-20066-X). Das Buch präsentiert Nonsens-Texte verschiedener Autoren für Kinder.

Zitate

Harry Frankfurt behauptet in seinem Buch On Bullshit: “… bullshit is a greater enemy of the truth than lies are” (deutsch: „Unsinn ist ein größerer Feind der Wahrheit, als es Lügen sind“).

In Schillers Jungfrau von Orleans sagt Talbot: „Unsinn, Du siegst, und ich muss untergehn.“

Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon nennt zwei Zitate: „Der Unsinn schert die Sau und sengt das Schaf“ sowie „Unsinn, du siegst“.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Unsinn: Bedeutung, Synonyme, Beispiele Duden. Abgerufen am 3. März 2014.
  2. Ulrich Ammon u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-016574-0, S. 323 (online bei Google Books).
  3. Eintrag Käse, Duden. Abgerufen am 14. Juni 2015.
  4. Gesellschaft für deutsche Sprache, abgerufen am 27. März 2012.
  5. Blödsinn. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 3, Leipzig 1905, S. 66.

Weblinks

  Wikiquote: Unsinn – Zitate
  Wikiquote: Blödsinn – Zitate
 Wiktionary: Unsinn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen