Unsinn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Eishockeyspieler und -trainer siehe Xaver Unsinn, zum deutschen Hersteller von Pkw-Anhängern siehe Unsinn Fahrzeugtechnik

Unsinn (von althochdeutsch unsinnig: nicht bei Verstand, nicht bei Sinnen, ohnmächtig, bewusstlos, wahnsinnig, geisteskrank, verrückt, verblendet, töricht, delirant)[1] ist ein von Substanz, Sinn und Logik gelöster Satz zu einem Sachverhalt oder einer Meinung – bisweilen (absichtlich) scherzhaft. Unsinn ist etwas anderes als Sinnlosigkeit und Aussichtslosigkeit.

Wortfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Sinn (Philosophie) und On Bullshit

Teilweise synonym verwendete Ausdrücke (vor allem aus Dialekten) sind: Absurdität, Firlefanz, Hafenkäse,[2] Humbug, Käse,[3] Kappes (eigentlich Weißkohl),[4] Kladderadatsch, Kokolores,[5] Larifari, Mumpitz, Nonsens, Quatsch, Schmarrn, Schmonzes, Schwachsinn, Unvernunft. Aberwitz und Irrwitz haben etwas von verwegener Kühnheit. Die verschiedenen, synonymen Ausdrücke haben teilweise leichte Bedeutungsunterschiede und unterschiedlich wertende Konnotationen (Untertöne).

„Der Sinn empfängt von den Worten seine Würde, anstatt sie ihnen zu geben.“

Poesie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lautgedicht KARAWANE (Hugo Ball, 1917)

1916 wurden in der Dadaismus-Bewegung unsinnige oder widersinnige Gedichte und Texte als Anti-Kunst vorgetragen. Die Bewegung gilt als Reaktion auf die Erfahrung der Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs. Hugo Ball trug in Zürich Lautgedichte vor.

Der Linguist Noam Chomsky verwies auf den Satz “Colorless green ideas sleep furiously.” (deutsch: „Farblose grüne Ideen schlafen zornig.“) als Beispiel für einen unsinnigen, aber syntaktisch grammatischen Satz. Logisch bietet das keinen Sinn, denn Ideen sind nicht grün und schlafen nicht; was grün ist, kann nicht farblos sein, und wütendes Schlafen scheidet aus. In der Poesie hingegen kann ein solcher Satz durchaus einen Sinn haben. Unsinn zeichnet sich demnach nicht zwangsläufig durch fehlenden Sinn aus. Als Metapher könnte es im übertragenen Sinne „farblose grüne Ideen“ geben. Der Satz erhält so eine neue Bedeutung. „Grüne Ideen“ könnten die Ideen Grüner Politik sein. Diese erscheinen manchen Menschen als „farblos“ (im Sinne von wenig auffällig), sie schlafen noch, aber sind „unter der Decke“ bereits aktiv. So gedeutet erhält der Satz Sinn. Ob dieser verständlich wird, entscheidet sich auf einer anderen Ebene.

In Sprichwörter scheint das Wort kaum eingegangen zu sein, denn in Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon (5 Bände, erschienen 1866–1880) gibt es lediglich zwei Beispiele (z. B. „Der Unsinn schert die Sau und sengt das Schaf“).

In der Literatur sind manche Werke dem Nonsens zuzuordnen. Ein Kinderbuch in den 1970er-Jahren ist hier einzuordnen – schon im Titel zu erkennen: Quatsch – Bilder, Reime und Geschichten.[6] Das Buch präsentiert Nonsens-Texte verschiedener Autoren für Kinder.

Wohl zu Recht behauptet Harry Frankfurt in seinem Buch On Bullshit: “Bullshit is a greater enemy of the truth than lies are”.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Unsinn – Zitate
 Wikiquote: Blödsinn – Zitate
 Wiktionary: Unsinn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Höfler: Deutsches Krankheitsnamen-Buch. München 1899, S. 651 und 919.
  2. Ulrich Ammon u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-016574-0, S. 323 (online bei Google Books).
  3. Eintrag Käse, Duden. Abgerufen am 14. Juni 2015.
  4. Kappes in duden.de; abgerufen am 3. März 2017
  5. Gesellschaft für deutsche Sprache, abgerufen am 27. März 2012.
  6. Quatsch – Bilder, Reime und Geschichten. rotfuchs 66, 480-ISBN 3-499-20066-X).