Uskoken

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Uskoken-Schiffe verfolgen ein großes Schiff (Stich um 1600)

Mit Uskoken (vom slawischen Wort uskočiti abgeleitet, deutsch: „einspringen“) bezeichnete man einen militärisch organisierten Verband von Hajduken, der hauptsächlich aus kroatischen, aber auch zahlreichen serbischen Flüchtlingen bestand, die aus den osmanisch besetzten Gebieten Kroatiens, der Herzegowina und Bosniens, stammten. Die Uskoken verließen wegen der osmanischen Eroberungen Anfang des 16. Jahrhunderts ihr Heimatland. Die Geschichte der Uskoken lässt sich bis zu den Kämpfen serbischen-herzegowinischen Klans wie etwa der Drobnjaks gegen die Vorherrschaft der Osmanen zurückverfolgen. Später entwickelten sich daraus die in diese Gebiete einfallenden („einspringenden“) Uskoken. Es gelang ihnen, den herzegowinischen Gebieten eine gewisse Autonomie vom osmanischen Reich zu sichern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die meisten Uskoken sammelten sich in Dalmatien auf den Besitzungen des kroatischen Befehlshabers Petar Kružić in Klis und Umgebung. Sie waren römisch-katholischen Glaubens. Die Tracht der Uskoken orientierte sich an jener ihrer Ursprungsgebiete. Die Hosen, aus weißem, grobem Tuch waren bis zum Knie eng, oben etwas weiter. Die Hemden hatten weite, am Rande bestickte Ärmel. Das Wams hatte eine doppelte Reihe von Knöpfen. Dazu wurden leichte Riemenschuhe und als Kopfbedeckung ein rotes Käppchen mit einer Kranichfeder getragen. Bewaffnet waren die Senjer Uskoken bevorzugt mit Muskete, Streitaxt oder Streitkolben. Dazu kamen ein kurzes Krummschwert (Handschar), eine Pistole und ein Messer. Ihre durchwegs ausgezeichnete Bewaffnung war türkischer oder venezianischer Herkunft und nicht selten im Kampf erbeutet.

Ein Uskoken-Krieger
Burghauptman Ivan Lenković, Uskokenführer

Als 1537 die Osmanen Klis eroberten, zogen die Uskoken nach Senj. Es waren mehr als tausend waffenfähige Leute, meist kriegsbedingt aus der Heimat vertrieben. Sie hatten geschworen, für ihre verwüstete Heimat und unterdrückten Völker Rache zu nehmen und zwar „gleicherweise an Türken wie an Venezianern und zwar immer und überall“.[1] Von dort führten sie einen erbitterten Kampf sowohl gegen die Osmanen als auch gegen die Republik Venedig, besonders an der Küste von Zadar. Oberhalb der Stadt Senj befindet sich die gut erhaltene Uskoken-Burg Nehajgrad. Zwar wurden die Senjer Uskoken von den österreich-ungarischen Grenzgenerälen, Erzherzögen und Kaisern immer wieder Geld, Nahrung und Kleidung für die Grenzverteidigung versprochen, bei der Auszahlung kam es jedoch aufgrund korrupter Offiziere und Geschäftemacher oft zu jahrelangen Verzögerungen.[2] Dass die Senjer Uskoken überhaupt längere Zeit gegen Großmächte wie Osmanen und Venezianer bestehen konnten, beruhte auf der geographischen Lage des Ortes. Senj war über den Landweg lange schwer erreichbar und liegt im Zentrum des Bora-Gebiets. Entlang der Küste und im Festland sympathisierte die Bevölkerung mit den Uskoken und warnte bei der Sichtung von Feinden tagsüber mit Rauch und nachts mit Feuer.

Durch großes seefahrerisches Können, ausgerüstet mit wendigen, kleineren Booten, waren die Uskoken besonders in den Windphasen der Bora unschlagbar. Die starke Bora im Senjer Kanal war von den venezianischen Kapitänen gefürchtet, da ihr weder große Galeeren noch Kriegsschiffe ausreichend Widerstand leisten konnten. Die Uskoken hatten hingegen bis zu 30 schnelle Segelschiffe mit fünf bis zwölf Paar Segel und bis zu fünfzig Kämpfern Besatzung. Segelnd und rudernd, meist während der Nacht und oft in seichten Gewässern, operierten sie von Pula, Piran und Monfalcone im Westen bis nach Neretva und Boka Kotorska im Osten. Ihr meist unerwartetes Erscheinen mit den in den „Todesfarben“ Schwarz und Rot gefärbten Schiffen war der Schrecken aller feindlichen Schiffe.

In Senj begannen die Uskoken mit Duldung der Österreich-Ungarischen Monarchie damit, venezianische Schiffe zu überfallen. Der Republik Venedig gelang es nicht, die Uskoken unter ihre Kontrolle zu bringen. Ihre Stärke war den Venezianern unbegreiflich: „Es scheint als ob ihnen die Winde, das Meer und die Teufel geholfen hätten.“[3] Um 1600 begann man auf Befehl von Erzherzog Ferdinand II., die Uskoken aus Senj zu verjagen. Kaiserlicher Kommissär wurde der österreichische General Joseph von Rabatta, der unbarmherzig und sehr hart gegen die Bevölkerung vorging. Am Silvestertag 1601 eskalierte die Situation, die Uskoken drangen in das Kastell ein und töteten Rabatta und seine Knechte. Dem Senjer Bischof Markantun de Dominis-Gospodnetić hingegen gelang noch die Flucht vor den aufgebrachten Uskoken. Er hatte sich den Unmut der Bevölkerung zugezogen, da er mit allen Mitteln versuchte, Senj, Podgorje, Vinodol und Rijeka den Venezianern zu übergeben.

Dies gab 1612 die Veranlassung zum Uskoken-Krieg oder „Krieg um Gradiska“ zwischen Österreich und der Republik Venedig, der in einem Massaker der Venezianer in Karlobag am 10. Januar 1615 eskalierte. Die Uskoken wurden zwar weder zu Lande noch auf dem Wasser besiegt, mussten sich aber dem 1617 in Paris und Madrid zwischen den Großmächten geschlossenen Frieden fügen. Senj kam unter österreichische Besatzung. Die am Kampf beteiligten Uskoken sollten ins Landesinnere nach Brinje, Otočac, Brlog, Vinodol und Istrien ausgesiedelt werden, zogen aber 1617 bevorzugt in das Gebiet von Karlovac und an die Kupa, wo schon seit 1524 ein Teil der Uskoken im Žumberak-Gebirge wohnte. Alle wendigen Uskoken-Schiffe wurden verbrannt. Im fortwährenden Kampf mit den Osmanen bildete sich später aus den Uskoken der Kern der Militärgrenzer, die in den osmanisch-österreichischen Kriegen von 1683 bis 1699 und von 1788 bis 1791 den Osmanen Widerstand geleistet haben.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Klaus-Peter Matschke: Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege. 1. Auflage. Artemis & Winkler, Düsseldorf / Zürich 2004, ISBN 3-538-07178-0, S. 254ff.
  •  Darja Peitz Hlebec, Renate Nöldeke (Aktualisierung): Istrien und Kvarner Golf. Hotels, Restaurants, Strände, Aussichtspunkte, Antikes, Parks, Museen, Uferpromenaden – Mit Urlaubskarte. In: ADAC Reiseführer plus. ADAC-Verlag, München 2006, ISBN 978-3-89905-295-4, S. 23.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Uskoken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schautafeln im Museum der Festung Nehaj, 27. Juli 2009.
  2. Schautafeln, Festung Nehaj.
  3. Minnucio lt. Schautafel, Festung Nehaj.