V-J Day in Times Square

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Foto der Szene von Victor Jorgensen aus einer anderen Perspektive

V-J Day in Times Square ist der Titel eines Fotos des deutsch-amerikanischen Fotoreporters Alfred Eisenstaedt. Es entstand am 14. August 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg, der in den Vereinigten Staaten (USA) auch als „Victory over Japan Day“ beziehungsweise kurz „V-J Day“ bezeichnet wird. Das Foto gilt als eine der bekanntesten Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg und zeigt einen Matrosen der US-Marine, der eine Krankenschwester im Arm hält und küsst. Es erschien auf dem Titelbild der Ausgabe vom 27. August 1945 des Life Magazine und wurde in den USA landesweit zum Symbol der Hoffnung und der spontanen Freude über das Ende des Krieges. Das Bild war die Vorlage für die Skulptur „Unconditional Surrender“ des Künstlers J. Seward Johnson, die am 60. Jahrestag des V-J Day am Times Square enthüllt wurde.

Von Victor Jorgensen, einem Fotografen der US-Marine, existiert unter dem Titel Kissing the War Goodbye eine weitere Aufnahme, welche die gleiche Szene aus einer anderen Perspektive zeigt.

Entstehung und Wirkung[Bearbeiten]

Umsetzung des Motivs als Skulptur

Die fototechnischen Details waren nach Angaben von Alfred Eisenstaedt eine Belichtungszeit von 1/125 Sekunde, eine Blendenöffnung zwischen 5,6 und 8 sowie Kodak Super Double X als Filmmaterial in einer Kamera der Firma Leica. Die Entstehung des Bildes hat er folgendermaßen beschrieben:

„In Times Square on V.J. Day, I saw a sailor running along the street grabbing every girl in sight. Whether she was a grandmother, stout, thin, old, didn’t make any difference. I was running ahead of him with my Leica looking back over my shoulder. But none of the pictures that were possible pleased me. Then suddenly, in a flash, I saw something white being grabbed. I turned around and clicked the moment the sailor kissed the nurse. If she had been dressed in a dark dress I would never have taken the picture. If the sailor had worn a white uniform, the same. I took exactly four pictures. It was done within a few seconds.“

„Am V-J Day sah ich einen Matrosen am Times Square die Straße entlang laufen, der jedes Mädchen an sich zog, das er sah. Es machte keinen Unterschied (für ihn), ob sie eine Großmutter war, stämmig, dünn oder alt. Ich lief vor ihm mit meiner Leica und blickte zurück über meine Schulter. Aber keines der möglichen Bilder gefiel mir. Dann sah ich plötzlich, wie er sich blitzartig etwas Weißes griff. Ich drehte mich um und erwischte den Moment, in welchem der Matrose die Krankenschwester küsste. Wäre sie dunkel gekleidet gewesen, dann hätte ich dieses Bild nie gemacht. Ebensowenig, wenn der Matrose eine weiße Uniform getragen hätte. Ich machte genau vier Bilder. Alles geschah in wenigen Sekunden.“

Das Foto erschien auf der ersten Seite des Life Magazine als Teil einer Serie von 14 Fotos, die den Titel „The Men of War Kiss from Coast to Coast“ trug, und war das einzige ganzseitige Bild dieser Serie. Es zählt seit der Erstveröffentlichung zu einem der beliebtesten Motive aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Popularität des Fotos in den USA ist vergleichbar mit der Aufnahme „Raising the Flag on Iwo Jima“ des Fotografen Joe Rosenthal, welche die Errichtung der amerikanischen Flagge während der Schlacht um Iwojima zeigt. Das Bild des küssenden Matrosen ist bis in die Gegenwart in Form von Postern und gerahmten Drucken erhältlich. Seit dem Jahr 2005 findet am Times Square jährlich am Jahrestag der Entstehung der Aufnahme eine Veranstaltung statt, bei der Paare, zum Teil in entsprechender Verkleidung, die Szene des Bildes nachstellen.

Zur Wirkung des Bildes haben verschiedene Faktoren beigetragen. Fotografisch kann es, gemessen am Stand der Fototechnik der damaligen Zeit und den Umständen seiner Entstehung, als gelungene Aufnahme bewertet werden. Es ist scharf, kontrastreich sowie hinsichtlich der Verteilung der Bildelemente ausgewogen, und wurde weder gestellt noch nachbearbeitet oder anderweitig manipuliert. Die Körperhaltung der beiden Beteiligten ähnelt einem tanzenden Paar im Ballett und vermittelt damit die romantisierende Wahrnehmung von Kussszenen in klassischen Bühnenstücken. Wahrscheinlich den größten Anteil an der Wirkung des Bildes hatte nach Ansicht von Kultur- und Kommunikationswissenschaftlern jedoch die Tatsache, dass es die landesweite kollektive Freude über das Ende des Krieges durch zwei individuelle Menschen symbolisierte, die – als Soldat und als Krankenschwester – in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit stellvertretend für die Menschen standen, die durch ihre Aufopferungsbereitschaft den größten Anteil am Sieg der Vereinigten Staaten hatten. Auf der anderen Seite trug auch der Umstand, dass die Gesichter der beiden Beteiligten nicht zu erkennen sind, mit dazu bei, dass sich Millionen Menschen mit dem Bild identifizieren konnten.

Bild von Victor Jorgensen[Bearbeiten]

Unter dem Titel „Kissing the War Goodbye“ existiert eine weitere Aufnahme der gleichen Szene, die von Victor Jorgensen, einem Fotografen der US-Marine, aus einer leicht abweichenden Perspektive gemacht wurde. Das Bild von Jorgensen zeigt etwas weniger Details des Times Square sowie des Geschehens in der unmittelbaren Umgebung. Darüber hinaus sind die beiden Hauptpersonen nicht vollständig abgebildet, und die Aufnahme ist etwas dunkler und unschärfer als das Foto von Alfred Eisenstaedt. Das Bild von Victor Jorgensen ist im Gegensatz zur Aufnahme von Eisenstaedt urheberrechtlich gemeinfrei, da es durch einen Angehörigen einer der US-Regierung unterstellten Institution während seiner Dienstzeit fotografiert wurde. Es erreichte aber nicht die Popularität des Fotos „V-J Day in Times Square“.

Identität der Beteiligten[Bearbeiten]

Edith Shain bei der Enthüllung der oben abgebildeten Skulptur, 2007

Da Alfred Eisenstaedt in der Hektik der Feierlichkeiten am Times Square keine Gelegenheit hatte, von den beiden Beteiligten nähere Informationen zu erfragen, ist deren Identität umstritten. So nehmen beispielsweise verschiedene Menschen in Anspruch, die Krankenschwester auf dem Foto zu sein, unter ihnen Edith Cullen Shain (1918–2010)[1] aus Los Angeles, Greta Friedman aus Frederick, Maryland und Barbara Sokol aus Derby, Connecticut. Alfred Eisenstaedt selbst unterstützte dabei die Ansicht von Edith Shain.

Hinsichtlich des Matrosen gibt es rund 20 Männer, die ihren entsprechenden Anspruch in der Öffentlichkeit vertreten haben. Darunter sind zwei Personen, die aufgrund näherer Untersuchungen tatsächlich in Frage kommen, der betreffende Matrose zu sein. Für George Mendonça aus Newport, Rhode Island sprechen die Ergebnisse einer Bildanalyse, die im Jahr 2005 im Auftrag des Naval War College durchgeführt wurde. Dabei wurden unter anderem Übereinstimmungen in Bezug auf Narben und Tätowierungen festgestellt, soweit sie auf dem Foto erkennbar sind. Demgegenüber wird der seit vielen Jahren vertretene Anspruch von Glenn McDuffie (1927–2014) aus Houston durch eine 2007 von einer Expertin der Houstoner Polizeibehörde durchgeführte physiognomische Untersuchung der Körperproportionen und weiterer biometrischer Merkmale unterstützt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ian Jeffrey: The Photo Book. Phaidon, London 2000, ISBN 0-7148-3937-X, S. 134
  • Robert Hariman, John Louis Lucaites: The Times Square Kiss: Iconic Photography and Civic Renewal in U.S. Public Culture. In: Journal of American History. 94/2007. Organization of American Historians, S. 122–132, ISSN 0021-8723

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Edith Shain, nurse kissing Navy man in Eisenstaedt's WWII photo, dies at 91. In: The Washington Post, 24. Juni 2010

Weblinks[Bearbeiten]