Seemann

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Seemann (Begriffsklärung) aufgeführt.
Seefahrerdenkmal in Bangladesch

Ein Seemann (offizieller Plural „Seeleute“) ist eine Person, die ihren Arbeitsplatz auf seegehenden Schiffen hat. Das Arbeitsverhältnis von Seeleuten auf Schiffen unter deutscher Flagge ist heute durch das Seearbeitsgesetz geregelt. Seeleute gehören regelmäßig zur Schiffsbesatzung, wenn sie zur See fahren. Die weibliche Form Seefrau wird sehr selten benutzt[1], da die Seefahrt traditionell eine von Aberglauben dominierte Männerdomäne ist und Frauen an Bord Unglück bringen sollen.[2]

Umgangssprachlich nannte man sie an der Küste auch Janmaaten. Italienische Seeleute wurden wegen ihrer auffallenden Locken und ihres Akzents jahrhundertelang als Lumpeys bezeichnet. Der Spitzname der englischen Seeleute lautete Limeys. Dieser Name ist zurückzuführen auf die tägliche Ration Zitronensaft („lime juice“), welche an Bord der englischen Schiffe zur Vorbeugung gegen Skorbut einzunehmen war.

Dienstgrade und Funktionsbezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapitän[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kapitän (auch Käpt’n, Master, Alter, Skipper) an Bord eines Schiffes ist ein Nautiker, der (heute) durch schulische oder fachhochschulische Ausbildung sein nautisches Patent erworben hat, dieses zuerst mindestens ein Jahr lang als nautischer Wachoffizier und danach entweder ein Jahr als Erster Offizier oder weiterhin zwei Jahre als nautischer Wachoffizier ausgefahren hat. Als rechtlicher Vertreter des Reeders leitet er den gesamten Schiffsbetrieb und trägt dafür die Verantwortung (Handelsschifffahrt). Auf sehr großen Schiffen gibt es auch zwei Kapitäne.

In der Marine der Bundeswehr hat der Begriff Kapitän mehrere Bedeutungen, zum Einen ist es ein Dienstgrad (Kapitän zur See), zum Anderen ist es der Schiffsführer, der im militärischen Sprachgebrauch Kommandant ist. Nicht jeder Schiffskommandant (genauer gesagt jeder Kommandant einer schwimmenden Einheit) ist auch vom Dienstgrad her Kapitän zur See. Den Begriff "Kapitän" wie er im Zivilleben eine Bedeutung hat, gibt es in der Marine so überhaupt nicht.

Maschineningenieur/Leitender Ingenieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Maschineningenieur/Leitender Ingenieur (auch Chief, LI) ist nach dem Kapitän die zweitwichtigste Person im Schiffsbetrieb. Als Leiter der Maschinenanlage ist er für alle technischen Angelegenheiten an Bord zuständig und verantwortlich.

Nautischer Wachoffizier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nautische Wachoffizier (1., 2., 3. oder 4.) hat ein Patent zum Führen eines Seeschiffes erworben. Mit seiner Wachtätigkeit auf der Brücke ist er für die Sicherheit des Schiffes und des umliegenden Verkehrs verantwortlich (Fahrzeugführer). Ausgebildet wird heute nach dem internationalen STCW-95-Standard für die internationale Seefahrt.

Während der Erste Offizier für Ladung und die Besatzung zuständig ist, ist der Zweite in der Regel für die Navigation und der Dritte für die Sicherheitsausrüstung, die Brandabwehr und Rettung zuständig.

Maschinenpersonal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elektriker oder Elektrotechnischer Offizier (sehr selten in Deutschland)
  • Maschinist, technischer Offizier: Er untersteht direkt dem Chief Engineer (leitenden Ingenieur)
  • Gelernte: Oiler (deutsch: Schmierer, Öler), Assistent für Wartungsarbeiten, Inspektions- und Instandhaltungsarbeiten, Schmierkraft
  • Ungelernte: Wiper (deutsch: Wischer): Reinigungskraft sowie Helfer für Wartungs-, Inspektions- und Instandhaltungsarbeiten
  • früher auch: Schiffsheizer und Kohlentrimmer
  • Schiffsmechaniker: ausgelernter Vollmatrose und Schmierer ist sowohl im Decks- als auch im Maschinenbetrieb einsetzbar.

Deckspersonal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bootsmann: Er untersteht direkt dem Ersten nautischen Offizier und koordiniert die Arbeiten an Deck und im Laderaum. In der Regel ist diese Position, auch auf Schiffen unter deutscher Flagge, von ausländischen Seeleuten besetzt. Bootsmann ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf, sondern ein Bewährungsaufstieg vom Matrosen
  • Matrose (Matrose/OA, Vollmatrose, Leichtmatrose)
  • Schiffsjunge (Moses, heute: Azubi): Auszubildender oder Praktikant
  • Schiffsmechaniker: Er ist sowohl im Decks-, als auch im Maschinenbetrieb einsetzbar

Matrose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Matrose war Facharbeiter. Die Ausbildung zum Matrosen wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1983 eingestellt und durch die Ausbildung zum Schiffsmechaniker abgelöst. Nach der Wiedervereinigung ging die Ausbildung zum Matrosen in der DDR in die Ausbildung Westdeutschlands auf.

  • In der Handelsmarine wurde bis 1983 ein Seemann nach Beendigung der dreijährigen Lehrzeit und Prüfung an einer deutschen Seemannsschule als Matrose mit Brief bezeichnet. Die offizielle Bezeichnung lautete: Matrose in der Seeschiffahrt und die Prüfung umfasste die Befähigung zum Rettungsbootsmann und Feuerschutzmann. Die Ausbildung begann als Schiffsjunge (genannt „Moses“, da Moses als Kind in einem Binsenkorb ausgesetzt wurde), gewöhnlich nach einem Jahr war man Jungmann, nach wiederum einem Jahr Leichtmatrose. Der ausgelernte Matrose mit umfangreicher Erfahrung auf See wurde umgangssprachlich als „Vollmatrose“ bezeichnet.
  • In der Deutschen Marine ist ein Matrose der unterste Mannschaftsdienstgrad. Aufgrund der verschiedenen Tätigkeitsbereiche in der Marine braucht ein Matrose nicht notwendigerweise eine seemännische Ausbildung oder Verwendung zu haben. Die Abkürzung ist „Matr“. Die typische Uniform besteht u. a. aus einer weißen Tellermütze, einem weißen Matrosenhemd mit blauem Exerzierkragen und schwarzem Knotentuch mit weißer Schleife sowie einer blauen Hose. Für Seeleute im Maschinenbetrieb waren auch die umgangssprachlichen Ausdrücke „Heizer“ oder „Black Gang“ üblich.

Die adäquate Bezeichnung für einen Vollmatrosen in englischer Sprache ist „able (bodied) seaman“ (AB oder A/B). In der Royal Navy gibt es einen speziellen OR-2 Rang,[3] den Able Seaman.

Weitere Seeleute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bösche, Hochhaus, Pollem, Taggesell u. a.: Dampfer, Diesel und Turbinen – die Welt der Schiffsingenieure. Convent Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-934613-85-3.
  • Timo Heimerdinger: Der Seemann. Ein Berufsstand und seine kulturelle Inszenierung (1844–2003). Böhlau Verlag, Köln 2005, ISBN 978-3-412-21205-6.
  • Heide Gerstenberger/Ulrich Welke: Arbeit auf See. Zur Ökonomie und Ethnologie der Globalisierung. Westfälisches Dampfboot, Münster 2004.
  • Jürgen Rath: Schiffszwieback, Pökelfleisch und Koje – Seemannsleben an Bord. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2004, ISBN 3-7822-0892-7.
  • Heinrich Hasebeck: Gasparan oder Die letzte Fahrt des Francis Drake. Hrsg.: Andreas Venzke. Benziger, Zürich 1996, ISBN 978-3-545-36531-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Fahrensmann – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Seemann – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemäß (Wortschatzlexikon der Universität Leipzig) im Textkorpus; Häufigkeitsklasse „Seemann“: 14 (nominale Anzahl: 828)/Häufigkeitsklasse „Seefrau“: 22 (nominale Anzahl: 1)
  2. Vgl. Artikel Seemannskultur und Birgit Tanner: Allein unter Männern. ZDF, 28. April 2010, archiviert vom Original am 20. Februar 2016, abgerufen am 10. Februar 2017.
  3. Die Abkürzung „OR“ steht für „other ranks/sous-officiers et militaires du rang“, siehe: NATO glossary abbreviations used in NATO documents and publications/Glossaire OTAN des abréviations utilisées dans les documents et publications OTAN. 2010, S. 237, archiviert vom Original am 8. Mai 2010, abgerufen am 10. Februar 2017 (PDF).