Vater aller Bomben

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Vater aller Bomben


Allgemeine Angaben
Indienststellung: 2007
Technische Daten
Ausstattung
Listen zum Thema

Der Vater aller Bomben (russisch Авиационная вакуумная бомба повышенной мощности (АВБПМ)) ist ein konventioneller Bombentyp. Seine Explosionskraft entspricht 44 Tonnen TNT und ist damit die größte jemals durch eine konventionelle Bombe erreichte. Der Zerstörungsradius beträgt ca. 300 Meter, die Masse 7,1 Tonnen.

Am 11. September 2007 wurde erstmals ein Exemplar gezündet.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Bombe ist eine sogenannte thermobarische oder auch Fuel-Air-Waffe, die den in der Luft enthaltenen Sauerstoff zur Verbrennung nutzt. Beim Vorgänger, der Aerosolbombe, wird durch eine erste Explosion ein Pulver oder eine Flüssigkeit in Form eines Aerosols freigesetzt. Meist werden hier Flüssigkeiten wie Decan und Feststoffe wie Aluminiumstaub genutzt. Mit einer zweiten Explosion wird dann dieses Aerosol entzündet. Bei thermobarischen Waffen genügt eine einzelne Sprengladung bzw. Explosion, um beide Schritte, die Verteilung des Aerosols und dessen Entzündung, zeitgleich auszuführen.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verglichen mit konventionellen Bomben entfachen thermobarische Bomben eine enorme und überdies besonders langanhaltende Hitze- sowie Druckwelle, weshalb man sie mitunter mit kleinen, sogenannten taktischen Atombomben vergleicht: Lebewesen, die im Wirkkreis der Bombe deren erste Druck- und Hitzewelle überleben, werden anschließend sehr wahrscheinlich durch das dem hohen Druck folgende „Einatmen“ des Feuerballs getötet.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland gilt als führend in der Aerosol-Waffentechnologie. Das US-amerikanische Militär zündete im Jahr 2003 einen Sprengsatz mit dem Codenamen „MOAB“ (GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast), der bis 2007 als stärkste konventionelle Bombe galt. Das Kürzel MOAB ist auch ein Backronym für „mother of all bombs“ („Mutter aller Bomben“). So könnte auch dies zum russischen Namen „Vater aller Bomben“ (russisch Папа всех бомб, Papa wsech bomb) geführt haben.

Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Vater aller Bomben handelt es sich um die momentan stärkste existierende konventionelle Bombe. Die angegebene Explosionskraft von 44 t TNT-Äquivalent ist viermal so groß wie die der bisher größten konventionellen Bombe, der oben erwähnten amerikanischen GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast. Die Explosionskraft übertrifft die kleinste Stufe der kleinsten jemals gezündeten Atombombe, der ebenfalls US-amerikanischen Davy Crockett aus den 1950er Jahren, die auf eine Explosionskraft von 20 t TNT-Äquivalent eingestellt werden konnte. Im Gegensatz zu Nuklearsprengköpfen setzen die konventionellen Systeme keine (eventuell weiterreichende) radioaktive Wolke frei. Dafür sind sie mit bis zu 9,5 t im Gegensatz zu 23 kg bedeutend schwerer und können nur mit Transportflugzeugen oder schweren Bombern ins Zielgebiet gebracht werden, während Davy Crockett auch nach dem Panzerfaustprinzip von einem Mann von einer Abschusslafette aus abgefeuert werden konnte.

In der folgenden Tabelle die drei Systeme im Vergleich:

System Masse TNT-Äquivalent Explosionsradius
Vater aller Bomben (Russland) 7100 kg 44 t 300 m
Massive Ordnance Air Blast (USA) 9550 kg 11 t 150 m
Davy Crockett (USA) 0023 kg 10 oder 20 t[1] 150–200 m

Erstabwurf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Test des am 11. September 2007 von einer Tupolew Tu-160 über einem Militärgelände abgeworfenen und in der Erdatmosphäre gezündeten Vater aller Bomben wurde im staatlichen russischen Fernsehen auf den Sendern ORT und Vesti präsentiert. Der Vizestabschef der russischen Streitkräfte, Alexander Rukschin, erklärte in der Sendung, dass die nun getestete Waffe mit keiner anderen ihrer Art auf der Welt vergleichbar und so „effizient und leistungsfähig wie eine Nuklearwaffe“ sei. Rukschin betonte, dass die Bombe die nationale Sicherheit sicherstellen soll und Russland zudem nun ebenfalls im Kampf gegen den internationalen Terrorismus „jederzeit und überall einsatzbereit“ sei.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nuclearweaponarchive.org Abgerufen am 4. Oktober 2016