Vecuronium

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Strukturformel
Strukturformel von Vecuronium Bromid-ion
Allgemeines
Freiname Vecuronium
Andere Namen

[(2S,3S,5S,8R,9S,10S,13S,14S,16S,17R)-3-Acetyloxy-10,13-dimethyl-16-(1-methylpiperidin-1-ium-1-yl)-2-piperidin-1-yl-2,3,4,5,6,7,8,9,11,12,14,15,16,17-tetradecahydro-1H-cyclopenta[a]phenanthren-17-yl]acetat-bromid (IUPAC)

Summenformel C34H57BrN2O4
CAS-Nummer 50700-72-6
PubChem 39764
ATC-Code

M03AC03

DrugBank DB01339
Kurzbeschreibung

geruchloses, weißes, kristallines Pulver [1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Muskelrelaxans

Eigenschaften
Molare Masse 637,73 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

228 °C [2]

Siedepunkt

ab 350 °C Zersetzung [1]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]

Vecuroniumbromid

07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [3]
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Vecuronium ist ein nicht-depolarisierendes, mittellang wirksames Muskelrelaxanz, das 1980 in die klinische Anwendung eingeführt wurde. Es stellt eine Weiterentwicklung des langwirksamen Pancuroniums dar und gehört wie dieses zur Gruppe der Amino-Steroide. Im Gegensatz zum Pancuronium besitzt das Vecuronium bei physiologischem pH-Wert nur ein quarternäres Aminzentrum (monoquarternäres Relaxans).

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vecuronium ist ein potentes Muskelrelaxans, die effektive Dosis für eine 95%ige Wirkung (ED95) beträgt 0,05 mg/kg Körpergewicht. Die Anschlagzeit nach einer üblichen Intubationsdosis (zweifache ED95) beträgt 2–3 Minuten, die klinische Wirkdauer nach einmaliger Gabe 30–40 Minuten. Das Verteilungsvolumen ist durch die Hydrophilie des Moleküls wie bei den anderen nichtdepolarisierenden Muskelrelaxanzien klein und beträgt 0,2–0,5 Liter pro kg Körpergewicht. Die Plasmaclearance beträgt 2,5–5 ml/kgKG/min.

Etwa 30 % des Vecuroniums werden über die Nieren ausgeschieden, der Rest auf biliärem Weg, wobei ein Teil von der Leber zu Metaboliten umgesetzt wird. Dabei entstehen 3-Hydroxy-, 3,17-Hydroxy- und 17-Hydroxyvecuronium, von denen das erstere eine 50%ige Potenz zeigt, während die anderen Metaboliten kaum wirksam sind. Bei wiederholter oder kontinuierlicher Gabe kann die Wirkdauer verlängert sein, hauptsächlich durch Akkumulation des 3-Hydroxy-Metaboliten. Dies kann auch bei einem Leberversagen der Fall sein, wobei ein solches nach einmaliger Gabe nur eine geringe Rolle spielt. Eine Niereninsuffizienz hat keine Auswirkungen auf die Wirkdauer.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vecuronium wird als nichtdepolarisierendes Muskelrelaxans zur Herstellung von guten Intubationsbedingungen (zur endotrachealen Intubation) im Rahmen einer Narkoseeinleitung und/oder bei operativen Eingriffen, die eine Relaxierung der Skelettmuskulatur erfordern, eingesetzt. Vecuronium (-bromid) wird als lösliches Pulver (Lyophilisat) geliefert, das zur Anwendung in Wasser gelöst wird; da die Lagerung dadurch vereinfacht wird und keine Kühlung notwendig ist, wird Vecuronium oft in der Notfallmedizin eingesetzt. Es ist jedoch nicht zur Rapid Sequence Induction geeignet, was seine Anwendung limitiert.

Es besteht eine Inkompatibilität mit dem Barbiturat Thiopental, so dass diese Wirkstoffe getrennt appliziert werden müssen.

In den US-Bundesstaaten Florida und Oklahoma soll Vecuronium zusammen mit Hydromorphon und Kaliumchlorid zur Hinrichtung eingesetzt werden, nachdem die üblichen Barbiturate nicht mehr verfügbar waren.[6] Im April 2014 misslang die erste derartige Hinrichtung im Staatsgefängnis McAlester spektakulär.[7][8]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nebenwirkungsprofil entspricht dem anderer nichtdepolarisierenden Muskelrelaxantien; eine eigenständige Atmung des Patienten ist durch die komplette Lähmung der Skelettmuskulatur nicht mehr möglich, weshalb eine Atemwegssicherung und kontrollierte Beatmung durchgeführt werden muss. Vecuronium zeichnet sich durch Kreislaufstabilität aus und hat nahezu keine blockierende Wirkungen an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren (keine Vagolyse, keine Auslösung einer Tachykardie). Auch wird keine relevante Histaminausschüttung verursacht.

Anwendungsbeschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Vecuronium nicht plazentagängig ist, liegen zur Sicherheit während der Schwangerschaft keine Studien am Menschen vor, so dass die Anwendung nicht empfohlen wird. Eine Anwendung bei Kindern ist jedoch möglich.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vecuronium ist als Bromid in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter dem Namen Norcuron sowie in Deutschland auch als Generikum im Handel erhältlich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rossaint, Werner, Zwissler (Hrsg.): Die Anästhesiologie. Allgemeine und spezielle Anästhesiologie, Schmerztherapie und Intensivmedizin. Springer, Berlin; 2. Auflage 2008. ISBN 978-3-540-76301-7
  • Heck, Fresenius: Repetitorium Anästhesiologie. Springer, Berlin; 5. Auflage 2007. ISBN 978-3-540-46575-1
  • Fachinformation Norcuron®

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d F. v. Bruchhausen, S. Ebel, A. W. Frahm, E. Hackenthal: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 5. Auflage, Bd. 7, Stoffe A–D, Springer/Birkhäuser, 1995, ISBN 978-3-540-52688-9, S. 97.
  2. a b c Eintrag zu Vecuronium in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  3. a b Datenblatt Vecuronium bromide bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 25. April 2011 (PDF).
  4. Anesthesia and Analgesia Vol. 66, S. 188, 1987.
  5. British Journal of Anesthesia. Vol. 57, S. 807, 1985.
  6. Oklahoma plans to use untested three-drug combination in two executions. The Guardian, 1. April 2014.
  7. Oklahoma blames inmate's vein for botched execution; attorney questions 'untried' lethal injection. AP, 30. April 2014.
  8. Eine Hinrichtung wühlt die USA auf. Tages-Anzeiger, 3. Mai 2014.
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