Vermögenswirksame Leistung

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Die vermögenswirksame Leistung (VL) ist eine über die Gewährung einer Sparzulage staatlich geförderte Sparform in Deutschland. Oftmals gewährt der Arbeitgeber auf Grundlage eines Tarifvertrags, einer Betriebsvereinbarung oder des Arbeitsvertrages eine vereinbarte Geldleistung.[1] Gesetzliche Grundlage ist das Fünfte Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG).

Die staatliche Unterstützung für die Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand begann mit dem 312-Mark-Gesetz (1. VermBG), das später zum 624-Mark-Gesetz (2. VermBG) und ab 1983 zum 936-Mark-Gesetz (4. VermBG) umgestaltet wurde. Ziel des Gesetzes ist die Förderung der Vermögensbildung von Arbeitnehmern.

Nach dem 5. VermBG (1990) wird die vermögenswirksame Leistung je nach Durchführungsweg mit einer Arbeitnehmersparzulage (ANSpZ) vom Staat gefördert[2]. Die förderfähigen Durchführungswege sind vom 5. VermBG vorgegeben und unterscheiden sich hinsichtlich der vorgegebenen Sperrzeit, des maximal geförderten Anlagebetrags, des Sparzulagesatzes und der Einkommensobergrenzen der Sparzulageförderung.

Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistung
Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistung

Die vermögenswirksame Leistung wird direkt vom Arbeitgeber auf das vom Arbeitnehmer benannte Anlagekonto überwiesen. Dazu muss der Arbeitnehmer bei seinem Arbeitgeber schriftlich einen Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistungen stellen[3]. Je nach Vertrag kann der Arbeitnehmer die Zahlung des Arbeitgebers durch Eigenleistung aufstocken. Grundsätzlich sind sowohl regelmäßige Überweisungen als auch Einmalzahlungen möglich. Wird etwa unterjährig mit dem Abführen vermögenswirksamer Leistungen begonnen, kann für die im laufenden Jahr bereits verstrichenen Monate in Absprache mit dem Arbeitgeber eine Einmalzahlung vorgenommen werden, um den durch die Arbeitnehmersparzulage geförderten Maximalbetrag für das Jahr zu erreichen.

Durchführungswege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vermögenswirksamen Leistungen können über die folgenden Durchführungswege angelegt werden[4]:

  • Betriebliche Sparformen (z. B. Aktienfonds oder Mitarbeiterkapitalbeteiligung): Die Sperrfrist beträgt hier sieben Jahre. Sie beginnt allerdings immer rückwirkend zum 01.01. des Jahres, in dem die erste Einzahlung erfolgt. Gefördert wird eine VL-Anlage von maximal 400 EUR pro Jahr mit jeweils 20 % auf den Jahresmaximalbetrag, sofern der Anleger im Jahr der Anlage ein zu versteuerndes Einkommen von nicht mehr als 20.000 EUR (Alleinveranlagung) bzw. 40.000 EUR (bei Eheleuten) aufweist[5].
  • Bausparen: Die Sperrfrist beträgt hier sieben Jahre. Gefördert wird eine VL-Anlage von maximal 470 EUR pro Jahr mit jeweils 9 % auf den Jahresmaximalbetrag, sofern der Anleger im Jahr der Anlage ein zu versteuerndes Einkommen von nicht mehr als 17.900 EUR (Alleinveranlagung) bzw. 35.800 EUR (bei Eheleuten) aufweist[6].

Die Anlageformen können nebeneinander bei Einhaltung der Grenzen des zu versteuernden Einkommens bestehen. Beispiel: Roland S. hat ein zu versteuerndes Jahreseinkommen i.H.v. 16.500 € - Er besitzt einen VL-fähigen Aktienfonds und einen VL-fähigen Bausparvertrag und zahlt in beide Verträge jährlich über den Arbeitgeber jeweils 500 € ein. Im Jahr 1 wird daher der Aktienfonds mit 20 % von max. 400 € = 80 € und der Bausparvertrag mit 9 % von max. 470 € = 43 € (bei dieser Prämie wird immer aufgerundet!) vom Staat durch Festsetzung der Sparzulage gefördert. Die Auszahlung auf die jeweiligen Verträge wird nach Ablauf der Sperrzeit erfolgen.

  • Sparverträge oder Altersvorsorgeleistungen: Diese Sparformen unterliegen keinerlei Beschränkung hinsichtlich Sperrfrist oder Einkommenshöhe des Anlegers, ermöglichen aber auch keine Förderung im Rahmen der Gewährung einer Sparzulage.

Steuer- und Sozialversicherungsrechtliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermögenswirksame Leistungen sind arbeitsrechtlich Bestandteil des Lohns oder Gehalts. Sie gehören zu den steuerpflichtigen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit und sind Einkommen, Verdienst oder Entgelt (Arbeitsentgelt) im Sinne der Sozialversicherung und des Dritten Buches Sozialgesetzbuch.

Für nach dem 31. Dezember 2016 angelegte vermögenswirksame Leistungen werden für die Steuererklärung keine papierhaften Bescheinigungen (Anlage VL) mehr ausgestellt; stattdessen erfolgt die Meldung einer elektronischen Vermögensbildungsbescheinigung an die Finanzbehörden.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 5. VermBG, § 10 Vereinbarung zusätzlicher vermögenswirksamer Leistungen Webseite des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  2. 5. VermBG, § 13 Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage Webseite des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  3. 5. VermBG, § 11 Vermögenswirksame Anlage von Teilen des Arbeitslohns Webseite des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  4. 5. VermBG, § 2 Vermögenswirksame Leistungen, Anlageformen Webseite des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  5. 5. VermBG, § 13 Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage Webseite des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  6. 5. VermBG, § 13 Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage Webseite des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  7. Fünftes Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG); Erstmalige Anwendung des Verfahrens der elektronischen Vermögensbildungsbescheinigung. Bundesfinanzministerium, 16. Dezember 2016, abgerufen am 12. Februar 2017 (BMF-Schreiben; GZ IV C 5 - S 2439/16/10001, DOK 2016/1157725).