Vermögenswirksame Leistung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Vermögenswirksame Leistungen)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die vermögenswirksame Leistung (VL) ist eine über die Gewährung einer Sparzulage staatlich geförderte Sparform in Deutschland. Oftmals gewährt der Arbeitgeber auf Grundlage eines Tarifvertrags, einer Betriebsvereinbarung oder des Arbeitsvertrages eine vereinbarte Geldleistung.[1] Gesetzliche Grundlage ist das Fünfte Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG).

Die staatliche Unterstützung für die Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand begann mit dem sogenannten 312-Mark-Gesetz (1. VermBG), das später zum 624-Mark-Gesetz (2. VermBG) und ab 1983 zum 936-Mark-Gesetz (4. VermBG) umgestaltet wurde. Ziel des Gesetzes ist die Förderung der Vermögensbildung von Arbeitnehmern.

Nach dem 5. VermBG (1990) wird die VL mit einer Arbeitnehmersparzulage (ANSpZ) gefördert[2]. Die förderfähigen Anlageformen unterscheiden sich hinsichtlich der Sperrzeit, des maximal geförderten Anlagebetrags, des Sparzulagesatzes und der Einkommensobergrenzen.

Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistung
Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistung

Die VL wird direkt vom Arbeitgeber auf das vom Arbeitnehmer benannte Anlagekonto überwiesen. Dazu muss der Arbeitnehmer bei seinem Arbeitgeber schriftlich einen Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistungen stellen.[3] Je nach Vertrag kann der Arbeitnehmer die Zahlung des Arbeitgebers durch Eigenleistung aufstocken. Grundsätzlich sind sowohl regelmäßige Überweisungen als auch Einmalzahlungen möglich. Wird etwa unterjährig mit dem vermögenswirksamen Sparen begonnen, kann für die bereits verstrichenen Monate in Absprache mit dem Arbeitgeber eine Einmalzahlung vorgenommen werden, um den geförderten Maximalbetrag zu erreichen.

Durchführungswege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die VL können über die folgenden Durchführungswege angelegt werden:[4]

  • Betriebliche Sparformen (z. B. Aktienfonds oder Mitarbeiterkapitalbeteiligung): Die Sperrfrist beträgt hier sieben Jahre. Sie beginnt allerdings am 1. Januar des Jahres, in dem die erste Einzahlung erfolgt. Gefördert wird eine VL von maximal 400 EUR pro Jahr mit 20 %, sofern der Anleger im Sparjahr ein zu versteuerndes Einkommen von nicht mehr als 20.000 EUR (Alleinveranlagung) bzw. 40.000 EUR (bei Zusammenveranlagten) aufweist.[5]
  • Bausparen: Die Sperrfrist beträgt sieben Jahre. Gefördert wird eine VL von maximal 470 EUR pro Jahr mit 9 %, sofern der Anleger im Sparjahr ein zu versteuerndes Einkommen von nicht mehr als 17.900 EUR (Alleinveranlagung) bzw. 35.800 EUR (bei Zusammenveranlagten) aufweist.[6]

Die Anlageformen können nebeneinander bei Einhaltung der Grenzen des zu versteuernden Einkommens bestehen: Roland S. beispielsweise hat ein zu versteuerndes Jahreseinkommen i. H. v. 16.500 € - Er besitzt einen VL-fähigen Aktienfonds und einen VL-fähigen Bausparvertrag und zahlt in beide Verträge jährlich über den Arbeitgeber jeweils 500 € ein. Im Jahr 1 wird daher der Aktienfonds mit 20 % von max. 400 € = 80 € und der Bausparvertrag mit 9 % von max. 470 € = 43 € gefördert. Die Sparzulage wird nach Ablauf der Sperrzeit ausgezahlt.

  • Geldanlagen für wohnungswirtschaftliche Zwecke („Wohnungsbau“: Erwerb von Bauland, Wohngebäuden oder Eigentumswohnungen) sowie zur Tilgung von entsprechenden Darlehen bzw. Hypotheken („Entschuldung“). Diese unterliegen keiner Sperrfrist.
  • Sparverträge oder Altersvorsorgeleistungen: Diese Sparformen unterliegen keinerlei Beschränkung hinsichtlich Sperrfrist oder Einkommenshöhe, werden aber auch nicht gefördert.

Steuer- und sozialversicherungsrechtliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VL sind arbeitsrechtlich Bestandteil des Lohns. Sie gehören zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit und sind Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung und des Dritten Buches Sozialgesetzbuch.

Für nach dem 31. Dezember 2016 angelegte vermögenswirksame Leistungen werden für die Steuererklärung keine papierhaften Bescheinigungen (Anlage VL) mehr ausgestellt; stattdessen erfolgt die Meldung einer elektronischen Vermögensbildungsbescheinigung an die Finanzbehörden.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 5. VermBG, § 10 Vereinbarung zusätzlicher vermögenswirksamer Leistungen Website des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  2. 5. VermBG, § 13 Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage Website des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  3. 5. VermBG, § 11 Vermögenswirksame Anlage von Teilen des Arbeitslohns Website des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  4. 5. VermBG, § 2 Vermögenswirksame Leistungen, Anlageformen Website des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  5. 5. VermBG, § 13 Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage Website des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  6. 5. VermBG, § 13 Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage Website des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017
  7. Fünftes Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG); Erstmalige Anwendung des Verfahrens der elektronischen Vermögensbildungsbescheinigung. Bundesfinanzministerium, 16. Dezember 2016, abgerufen am 12. Februar 2017 (BMF-Schreiben; GZ IV C 5 - S 2439/16/10001, DOK 2016/1157725).
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!