Vermögenswirksame Leistungen

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Vermögenswirksame Leistungen (abgekürzt VL oder vwL) sind Geldleistungen, die der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer anlegt. Manche Arbeitgeber gewähren auf der Grundlage eines Tarifvertrags, einer Betriebsvereinbarung oder des Arbeitsvertrags eine VL-Geldleistung als Zuzahlung;[1] die vermögenswirksame Leistung kann auch durch Eigenleistung als Abzug vom Arbeitsentgelt erbracht werden,[2] auch auf mehrere verschiedene Verträge. Vermögenswirksame Leistungen liegen auch insoweit vor, als ein Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage nicht besteht, weil z. B. die Einkommensgrenzen überschritten worden sind.[3] Beamte, Soldaten, Richter erhalten vermögenswirksame Leistungen von ihrem Dienstherrn auf Grundlage des Gesetzes über vermögenswirksame Leistungen für Beamte, Richter, Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit.

Die staatliche Förderung der Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand begann 1961 mit dem „312-Mark-Gesetz“ (1. VermBG), 1965 2. VermBG,[4] das 1970 zum „624-Mark-Gesetz“ (3. VermBG) und ab 1983 zum „936-Mark-Gesetz“ (4. VermBG) erweitert wurde.

Antragstellung und Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antrag auf Überweisung vermögenswirksamer Leistungen

Die Anlage vermögenswirksamer Leistungen durch den Arbeitnehmer ist grundsätzlich freiwillig, Vereinbarungen in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung bezüglich einer zusätzlichen vermögenswirksamen Leistung durch den Arbeitgeber sind verbindlich.[1]

Sofern die Zahlung einer vermögenswirksamen Leistung vereinbart wurde, hat der Arbeitnehmer verschiedene Möglichkeiten, wie diese Leistung verwendet wird. Die Verwendungsform wird vom Arbeitnehmer beim Arbeitgeber schriftlich beantragt, beispielsweise mit einem Antrag wie rechts abgebildet.[2] Der Arbeitgeber kann den Antrag nicht ablehnen. Der Arbeitgeber überweist die vermögenswirksamen Leistungen unmittelbar an das Institut oder Unternehmen, mit dem nach Wahl des Arbeitnehmers die vermögenswirksame Anlage vereinbart worden ist (beispielsweise eine Bank oder ein Lebensversicherer).[3][5]

Für die Zahlung vermögenswirksamer Leistungen kommen ausschließlich Arbeitnehmer in Betracht. Dies umfasst alle in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst beschäftigten Personen einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Umschüler und Volontäre. Auch Beamte, Richter, Berufssoldaten oder Soldaten auf Zeit zählen zum geförderten Personenkreis.[6]

Der Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, die Zahlung des Arbeitgebers aus dem Bruttolohn mit einem Nettoabzug aufzustocken. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn dem Arbeitnehmer eine staatliche Förderung der VL zusteht und die maximale Fördersumme noch nicht erreicht wurde. Der Betrag muss dabei bestimmte Mindestwerte überschreiten, damit der Arbeitgeber zur Abführung verpflichtet ist.[2] Dies ist vor allem sinnvoll, wenn dem Arbeitnehmer eine staatliche Förderung der VL zusteht und die maximale Fördersumme noch nicht erreicht wurde. Der Betrag muss dabei bestimmte Mindestwerte überschreiten, damit der Arbeitgeber zur Abführung verpflichtet ist.[2]

Anlageformen, staatliche Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unabhängig davon, ob die vermögenswirksamen Leistungen vom Arbeitgeber gezahlt oder vom Arbeitnehmer aufgestockt werden, können sie mit Arbeitnehmersparzulage gefördert werden. Je nach Anlageform in Höhe von neun Prozent oder 20 Prozent. Die Arbeitnehmersparzulage wird nur gewährt, wenn das zu versteuernde Einkommen des Arbeitnehmers 20.000 Euro, bei Zusammenveranlagten 40.000 Euro, nicht überschreitet. Details dazu finden sich im zugehörigen Artikel.

Anlageformen mit 9-%-Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlageformen mit 20-%-Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlageformen ohne staatliche Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermögenswirksame Leistungen können auch für andere Anlageprodukte wie die nachfolgend Genannten verwendet werden, eine staatliche Förderung ist dabei allerdings nicht möglich.

  • Verwendung für wohnungswirtschaftliche Zwecke (Erwerb von Bauland, Wohngebäuden oder Eigentumswohnungen) sowie zur Tilgung von entsprechenden Darlehen bzw. Hypotheken
  • Bank-Sparverträge wie z. B. Kapitalversicherungsverträge mit einer Lebensversicherung oder einem Banksparplan

Steuer- und sozialversicherungsrechtliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VL sind arbeitsrechtlich Bestandteil des Lohns. Sie gehören zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit und sind Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung und des Dritten Buches Sozialgesetzbuch und in voller Höhe zu versteuern.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b § 10 des 5. VermBG - Arbeitgeberanteil VL. Abgerufen am 8. April 2021.
  2. a b c d 5. VermBG, § 11 Vermögenswirksame Anlage von Teilen des Arbeitslohns Website des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Februar 2017.
  3. a b Bundesamt für Finanzen: Anwendung des Fünften Vermögensbildungsgesetzes. Hrsg.: Bundesamt für Finanzen. IV C 5 - S2430/17/10001. Berlin 29. November 2017, S. 39 (bundesfinanzministerium.de [PDF]).
  4. 2. VermBG. Abgerufen am 8. April 2021.
  5. § 12 5. VermBG - Einzelnorm. Abgerufen am 3. August 2021.
  6. Prof. Hans-Ferdinand Schramm: Definition: vermögenswirksames Sparen. Abgerufen am 31. Oktober 2021.