Vierzig-Märtyrer-Kathedrale

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Kathedrale der Vierzig Märtyrer
Սրբոց Քառասնից Մանկանց Մայր Եկեղեցի
Der Glockenturm der Vierzig-Märtyrer-Kathedrale

Der Glockenturm der Vierzig-Märtyrer-Kathedrale

Baujahr: 1429
Stilelemente: dreischiffige Basilika ohne Dom
Lage: 36° 12′ 22″ N, 37° 9′ 19″ O36.206237.1552Koordinaten: 36° 12′ 22″ N, 37° 9′ 19″ O
Standort: Jdeydeh
Aleppo, Syrien
Zweck: armenisch-apostolische Kathedrale

Die Vierzig-Märtyrer-Kathedrale (arabisch ‏كنيسة الأربعين شهيدا‎) in der syrischen Stadt Aleppo ist eine armenisch-apostolische Kirche aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts im alten Christenviertel Judeida (Dschudaide). Die dreischiffige Basilika ist eine der ältesten Kirchen der armenischen Diaspora und der Stadt Aleppo. Ihr Glockenturm aus dem Jahre 1912 ist vom europäischen Neobarock beeinflusst.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kathedrale

Die 1429 erbaute Vierzig-Märtyrer-Kirche wurde 1476 in der zweiten Ausgabe des Buches The Exploit of the Holy Bible des Paters Melikseth in Aleppo erwähnt.

Es wurde errichtet, um eine kleine Kapelle im alten christlichen Friedhof zu ersetzen. Die Kirche wurde zu Ehren einer Gruppe römischer Soldaten benannt, die das Märtyrertum in der Stadt Sebastia in Kleinarmenien erlitten, und alle wurden im Christentum als die Vierzig Märtyrer von Sebaste verehrt. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hatte die Kirche eine vergleichsweise kleine Größe, mit einer Kapazität von 100 Gläubigen. 1499 bis 1500 unterging die Kirche großangelegten Renovationen. Innerhalb von zwei Jahren wurde es vergrößert und ein neues Prälatsgebäude (Armenisches Prälat von Beria oder Beroea) wurde im Kirchengelände errichtet, finanziert durch die Spende eines armenischen Intellektuellen namens Reyis Baron Yesayi.[1] In den folgenden Jahren wurde die Kirche ein temporärer Sitz vieler armenischer Katholikoi des Heiligen Stuhls von Kilikien.

Während der ersten Jahre der Einweihung wurde die Kirche mit Grabsteinen aus dem armenischen Friedhof umgeben, bis 1579, als der Friedhof umgebettet wurde, und es nur noch Klerikern und der Elite der Gemeinde erlaubt wurde, auf dem Kirchengelände begraben zu werden.

Die Kirche wurde 1616 erneut durch die Spenden des Emirs Chodscha Bedig Tschelebi und der Aufsicht seines Bruders Chodscha Sanos Tschelebi renoviert. Am Ende des Jahres wurde die Kirche unter Anwesenheit des Katholikos Hovhannes IV. von Aintab (Hovhannes 4. Aintabzi) und Bischof Katschatur Karkarez wiedereröffnet.[2]

Kircheninneres

1624 begann das Prälat, als Folge der wachsenden Zahl armenischer Bürger und Pilger, damit, ein neues Viertel nahe der Kirche zu errichten, was noch weiterhin seinen Ursprungsnamen Hokedun (Spirituelles Haus) behält. Das Hokedun wurde als ein Rasthaus mit 23 großen Zimmern, das für die armenischen Pilger auf ihrem Weg nach Jerusalem dient, gewidmet. Es wurde durch die Spende des Chodscha Gharibjan erbaut.

Der italienische Entdecker Pietro Della Valle, welcher Aleppo 1625 besichtigte, beschrieb die Kirche als eine der vier an einem Platz mit einem Tor nebeneinander errichteten Kirchen im neu gebauten Christenviertel Jdeydeh. Die anderen drei Kirchen sind die griechisch-orthodoxe Kirche der Entschlafung Unserer Frau, die armenische Heilige-Mutter-Gottes-Kirche (die heutige Zarehian-Schatzkammer) sowie die alte maronitische Kirche des Sankt Elias.

Heutzutage hat die Kirche 3 Altäre, ein 1874 erbautes Obergeschoss und ein 1888 platziertes Taufbecken. Die Kirche hatte keine Glocken bis zum Jahre 1912, als durch die Spende des syrisch-armenischen Philanthropen Rizkallah Tahhan aus Brasilien ein Glockenturm errichtet wurde. Am 28. Mai 1991 wurde durch die Spende der Keledjian-Brüder aus Aleppo auf dem Gelände neben dem Kircheingang eine Chatschkar-Gedenkstätte errichtet, das den Opfern des blutigen Völkermords an den Armeniern gewidmet ist.

Am 26. April 2000 markierte hat die armenische Gemeinde von Aleppo den 500. Jahrestag der ersten Erweiterung der Kirche, unter der Schirmherrschaft von Seiner Heiligkeit Katholikos Aram I. und in der Regentschaft des Erzbischofs Souren Kataroyan.

Ikonen[Bearbeiten]

Das Jüngste Gericht (1708)

Die Kirche ist reich sowohl an alte, als auch an moderne Ikonen, mit mehr als 30 Stücken:

  • Die Mutter Gottes (Leinwand, 96x118, 1663 von Der-Megerdich)
  • Jungfrau Maria mit Jesus (Leinwand, 115x145cm, 1669 von einem unbekannten armenischen Maler)
  • Die Taufe Jesu (Leinwand, 66x90cm, aus dem 17. Jahrhundert)
  • Die Anbetung der Heiligen Drei Könige (Leinwand, 112x134cm, aus dem 17. Jahrhundert von einem unbekannten armenischen Maler)
  • Johannes der Täufer (Holz-Farbe, 39x76cm, 1720 von Kevork Anania)
  • St. Josef (Holz-Farbe, 39x76cm, 1720 von Kevork Anania)
  • Jungfrau Maria mit Jesus (Holz-Farbe, 46x126cm, 1729 von Kevork Anania)
  • Die Taufe Jesu Christi (Holz-Farbe, 86x105cm, 1756 von Kevork Anania)
  • Jungfrau Maria umgeben von den Aposteln (Leinwand, 70X80cm, aus dem späten 18. Jahrhundert von einem unbekannten armenischen Maler)
  • Das jüngste Gericht, einer der berühmtesten Ikonen der Aleppiner Schule (Leinwand, 400x600cm, 1703 von Nehmatallah Hovsep)

Mit der Initiative des Erzbischofs Souren Kataroyan wurden die meisten der Symbole zwischen 1993 und 1996 vom armenischen Experten Andranik Antonyan renoviert.

Kirche der Heiligen Mutter Gottes[Bearbeiten]

Zarehian-Schatzkammer

Die alte Kirche der Heiligen Mutter Gottes wurde vor 1942 errichtet, zu einem Zeitpunkt, als die armenische Gemeinde als bedeutungsvollste Gemeinschaft mit ihren eigenen Klerikern, Gelehrten und einem Prälat neu formiert wurde. Diese kleine Kirche wurde in den Jahren 1535, 1784 und 1849 sowie 1955 mehreren Renovierungen unterzogen. Die Kirche blieb bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts aktiv, als es in eine Bibliothek umgewandelt wurde. Im Jahre 1991 wurde das Bibliotheksgebäude in die Zarehian-Schatzkammer der armenisch-apostolischen Kirche von Aleppo umgewandelt, in Erinnerung an den Katholikos Zareh I. aus dem Großen Haus von Kilikien, welcher als Erzbischof der Diözese von Aleppo diente, bevor er Katholikos wurde.

Derzeitiger Status[Bearbeiten]

Die Vierzig-Märtyrer-Kathedrale ist der Sitz des armenischen Prälatur von Aleppo und eine der ältesten aktiven Kirchen in der Stadt. Es ist auch eine der ältesten funktionierenden Kirchen in der armenischen Diaspora. Im Jahre 1991 wurde die alte Kirche der Heiligen Mutter Gottes als Zarehian-Schatzkammer wiedereröffnet, auch das Museum der armenisch-apostolischen Kirche im Vierzig-Märtyrer-Kathedralemkomplex. Das alte Gebäude der Prälatur, das sich zwischen dem Museum und der heutigen Kirche befindet, ist im Umbau. Der Kirchenkomplex enthält auch die Armenische Haygazian-Schule, das Awetis-Aharonian-Theater und den Nikol-Aghbalian-Zweig der Hamazkayin Bildungs- und Kulturgesellschaft. Das heutige Gebäude der Prälatur steht nur wenige Meter entfernt neben der Kirche.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vierzig-Märtyrer-Kathedrale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manuscript No. 70, author: Movses Vardapet, found in April 2000, kept in Zarehian Museum-Treasury of the Forty Martyrs Cathedral
  2. Mentioned in an edition of the Holy Bible written in Aleppo by historian Simeon Lehatsi (Simeon of Poland), now exhibited in the British Library of London among the collection of Armenian manuscripts