Vladimir Genin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vladimir Genin (2011)

Vladimir Genin (russisch Влади́мир Михáйлович Гéнин/Wladimir Michailowitsch Genin; * 31. März 1958 in Moskau, Sowjetunion) ist ein russisch-deutscher Komponist, Pianist und Musikpädagoge jüdischer Abstammung. Seit 1997 lebt er in München.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vladimir Genin ist das zweite Kind des Schriftstellers[1] und Musikers Michail Genin und der Musikpädagogin Elena Spinel. Sein Großvater, Maler und Bühnenbildner Jossif Spinel,[2] wirkte unter anderem bei den Filmen Iwan der Schreckliche und Alexander Newski von Sergej Eisenstein mit.

Er studierte am Moskauer Staatlichen Tschaikowski Konservatorium in der Kompositionsklasse von Roman Ledenev[3] und in der Klavierklasse von Ilya Kljachko[4] und erhielt 1983 ein Abschlussdiplom mit Auszeichnung. Seine kompositorische Entwicklung wurde durch die langjährige Freundschaft mit Georgi Sviridov beeinflusst, der ein bedeutender Komponist und Schüler von Dmitri Schostakowitsch war.

Er komponiert Werke für Sinfonieorchester, Kammerensembles und Chor, die in Europa, Russland und in den USA aufgeführt werden. Musikverlage in Deutschland und Russland publizieren seine Werke, darunter Sikorski Music Publishers, Hamburg;[5] Verlag Neue Musik, Berlin;[6] Ries & Erler, Berlin;[7] Wolfgang Haas Classic Cologne, Köln;[8] Enter Media Publishing, München;[9] Musikverlag Kompozitor, Moskau.

Sie erklangen auf dem International Review of Composers in Belgrad (Serbien),[10] auf dem Internationalen Festival Moskauer Herbst und auf dem Internationalen Gori Chorfestival (Georgien), als auch beim Musikfest der Münchner Gesellschaft für Neue Musik.

Das Mysterienspiel Klage um Andrei Bogolubski, den Großen Fürsten von Vladimir wurde während der Feier zum Millennium des Christentums in Russland und bei einer Konzerttournee in den USA[11] aufgeführt und erlebte seitdem über 70 Darbietungen. Über 20.000 Exemplare dieses Werks wurden auf Schallplatten und CDs verkauft.

Aufführungen seiner Orchestrierungen der Vokalzyklen von Modest Mussorgski Lieder und Tänze des Todes und Ohne Sonne im Auftrag vom Bariton Dmitri Hvorostovsky fanden unter der Leitung von Valery Gergiev in St. Petersburg (Sinfonieorchester des Kirov-Mariinsky-Theaters), Rotterdam und Brüssel (Rotterdams Philharmoniker) statt.

Der Spielfilm Der Brief des Kosmonauten (D, 2001)[12] mit Originalmusik Genins wurde im Kino präsentiert und von Premiere TV ausgestrahlt. Die Suite aus der Filmmusik wurde von Camerata Nova im Carl-Orff-Saal der Münchner Philharmonie unter der Leitung von Vladimir Genin und bei der Nacht der Filmmusik[13] vom Münchner Rundfunkorchester unter Frank Zacher im Großen Konzertsaal der Münchner Musikhochschule aufgeführt.

Im Auftrag von der Musikbibliothek Sonoton (Creative Sound Solutions, München) komponierte er 2001 zusammen mit Roman Raithel sechs Stücke für Kammerensemble, die auf der CD „Abstract Images“ herausgegeben und seitdem als Hintergrundmusik von Fernsehsendern in Europa, Australien, Japan und den USA ausgestrahlt wurden.

Der für die Pianistin Olga Domnina komponierte Klavierzyklus Seven Melodies for the Dial (Sieben Melodien für das Zifferblatt) wurde 2012 von Challenge Records International (Niederlande) auf einer CD[14] veröffentlicht, die für eine positive Kritik[15][16] gesorgt hat. Ein Blick in den Pressespiegel verrät den Erfolg der Aufführungen von diesem Zyklus in Concertgebouw Amsterdam,[17][18] in dem Internationalen Haus der Musik Moskau[19] und im Moskauer Stanislavski Musik Theater.

Eine neue CD von Vladimir Genin mit dem großen Vokalzyklus Les Fleurs du Mal, inspiriert von Charles Baudelaire,[20] wurde im Januar 2015 vom Portal MusicWeb International zur CD des Monats ernannt.[21]

Ein multimediales Projekt von Vladimir Genin zusammen mit dem Nodelman-Quartett Threnody for the Victims in Ukraine (Trauergebet für die Opfer in der Ukraine)[22] zum Gedenktag an die Toten der Proteste auf dem Kiewer Majdan-Platz im Februar 2014 (Euromajdan) hat für eine große Aufmerksamkeit[23][24][25] in Deutschland gesorgt.

Außerdem orchestriert V. Genin gelegentlich Filmpartituren für bedeutende deutsche Filmkomponisten, wie z.B. zu dem ZDF-Zweiteiler "Die Pilgerin" (2014), zu den Kinofilmen "Insoupçonnable" (Schweiz/Frankreich 2010), "Lippels Traum" (D 2009).

The New Grove Dictionary of Music and Musicians widmete einen Artikel dem Schaffen von Vladimir Genin.

Als Initiator und künstlerischer Leiter des Projektes Die MusikerZunft der Zukunft unterrichtet er Klavier, Kammermusik, Komposition, Orchestrierung und bereitet junge Künstler auf Wettbewerbe und für ein Studium an der Musikhochschule vor. Unter seinen Schüler sind Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz. Seine pädagogischen Prinzipien verwirklicht er seit 2002 als Fachbereichsleiter Musik mit einem 20-köpfigen Team und 260 Schüler an der Volkshochschule Hallbergmoos [26] und an den Austrian Master Classes im Schloss Zell an der Pram. Zudem ist er Künstlerischer Leiter der Konzertreihe erstKlassiK,[27] die er 2008 ins Leben gerufen hat.

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikalische Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Malafemmina, or Awful Beauty Tragedia Buffa (Opera in two acts) 2013.
  • Russian Roulette A Game of Hazard for Symphony Orchestra 2014.
  • Liturgisches Konzert für Klavier und Sinfonieorchester 2011.
  • Diptych für Klavier und Sinfonieorchester 2010.
  • Sinfonietta für Streicher 2010.
  • Der Brief des Kosmonauten „Suite aus der Filmmusik“ 2002.
  • Threnody for the Victims in Ukraine für Streicher 2015.
  • Alkestis Mini-Mono-Oper (Kammerkantate) für Mezzosopran und Streichquartett zu dem Text von R. M. Rilke 2015.
  • Bach is all around für Streicher 2009.
  • Intermede avec deux pantomimes plastiques Triptych für Violine und Klavier 2003.
  • Sonate für Violine und Klavier 2014.
  • Poeme für Viola und Klavier 1986.
  • Fantasie nach Temen aus der Oper „Boris Godunov“ von Modest Mussorgski für Klavierquartett 1998.
  • Polowetzer Tänze aus der Oper „Fürst Igor“ von Alexander Borodin für Klavierquartett 1998.
  • Seven Melodies for the Dial, Piano cycle 2011.
  • The Plaint of Andrei Bogolubski, Great Prince of Vladimir Misterienspiel für Solisten und Chor 1987.
  • Confession of St. Augustine Kantate für Sprecher, Solisten und Chor 1990.
  • Les Fleurs du Mal Twelve Songs and Dances for Soprano, Violin, Viola, Cello & Piano inspired by Charles-Pierre Baudelaire 2013.
  • Transport of Elements / Nachdichtung Vokalzyklus zu den Texten von B. Pasternak, M. Zwetajewa und R. M. Rilke (in Englisch, Deutsch und Russisch) 2010.
  • Letzte Augenblicke Sieben Lieder für Sopran, Cello und Klavier zu den Texten von Xenia Evangelista (in Deutsch) 2006.
  • Werke für Streichinstrumente (verschiedene Besetzungen)
  • Werke für Streichinstrumente mit Klavier (verschiedene Besetzungen)
  • Werke für Saxophonentrio
  • Werke für Klavier zu vier Händen und zwei Klaviere

[28]

Musikwissenschaftliche und literarische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedanken auf der Klavierbank Artikelreihe // Pianist – München: Piranha Media, 2009 №1-4
  • Отец; Голый остров Essais // Almanach Dominante – München: Verlag Otto Sagner, 2006, 2008, ISBN 978-3-86688-062-7, ISSN 1863-6322
  • Небо как колокол // „Музыкальный мир Георгия Свиридова“ - М.: Советский композитор, 1990 – C. 165-173, ISBN 5-85285-048-9.
  • Владимирское чудо // М.: Советская музыка, 1989. № 10

[29]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exclusive Platten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Plaint of Andrei Bogolubski, Great Prince of Vladimir für Solisten und Chor
  2. Confession of St. Augustine für Sprecher, Solisten und Chor
  3. in C est 4/4: four chamber compositions for four interpreters
  4. Seven Melodies for the Dial, Piano cycle
  5. Les Fleurs du Mal: Twelve Songs and Dances for Soprano, Violin, Viola, Cello & Piano inspired by Charles-Pierre Baudelaire

Weitere CDs und DVD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Originalmusik zu dem Film Der Brief des Kosmonauten // DVD Der Brief des Kosmonauten (Euro Video)
  • Sechs Stück für Kammerensemble (zusammen mit Roman Raithel) // CD Abstrakt Images (Sonoton)
  • Bearbeitung für 12 Saxophonen der Suite von Georgi Sviridov Schneesturm // CD Saxophone Cinema (MDG)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The New Grove Dictionary of Music and Musicians. 2. Auflage. Band 9, ISBN 0-333-60800-3, S. 652.
  • Karsten Dürer: Höreindruck. In: Pianonews. №6, Staccato Verlag, 2012, ISSN 1434-3592, S. 96.
  • История отечественной музыки второй половины XX века. Композитор, Sankt Petersburg 2010, ISBN 978-5-7379-0277-3, S. 482–510.
  • М. Аркадьев: Размышления о молодом композиторе. In: Советская музыка. № 12, Moskau 1989, ISSN 0869-4516.
  • Д. И. Тахватулина: В. Генин. «Плач по Андрею Боголюбскому, Великому Князю Владимирскому». In: Свиридовские чтения: «Родная земля»: образ и идея русской культуры// Сборник научных статей по материалам VIII Всероссийской студенческой научно-практической конференции. Изд-во ИП Чемодуров, Kursk 2012, ISBN 978-5-9902693-1-6, S. 233–248.
  • Д. И. Тахватулина: Действо «Три Спаса» В. Генина: опыт жанрового анализа In: Актуальные проблемы культуры, искусства и художественного образования: сборник научных трудов ОГИИ. Вып. 14. Изд-во ГБОУ ВПО «ОГИИ им. Л. и М. Ростроповичей». Оренбург 2013, ISBN 978-5-93867-013-6, S. 142–147.
  • Д. И. Тахватулина: Отражение славянских духовных традиций в современной музыке (на примере действа «Три Спаса» В. Генина). In: Свиридовские чтения: «ХХ век: изломы русской истории и русское искусство» // Сборник научных статей по материалам Х Всероссийской студенческой научно-практической конференции. Изд-во ООО «РАСТР». Курск 2014, ISBN 978-5-9902693-1-6, S. 242–248.
  • Д. И. Тахватулина: В. Генин. Действо «Плач по Андрею Боголюбскому, великому князю владимирскому»: особенности жанровой драматурги. In: Художественное произведение в современной культуре: творчество – исполнительство – гуманитарное знание: сб. материалов и науч. ст. III международной заочн. науч.-практ. конф. ЮУрГИИ им. П.И. Чайковского. Челябинск 2015, ISBN 978-5-94934-050-9, S. 87–97.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schriftsteller Michail Genin
  2. Maler und Bühnenbildner Jossif Spinel
  3. Леденев, Роман Семенович
  4. Клячко, Илья Рубинович (Романович)
  5. Webseite von V. Genin bei Sikorski
  6. Augsburger Violinbuch
  7. Webseite von V. Genin bei Ries & Erler
  8. Webseite von V. Genin bei Wolfgang Haas Classic
  9. Webseite von V. Genin bei Enter Media Publishing
  10. International Review of Composers, Belgrad
  11. USA Concert Tour Booklet
  12. Der Brief des Kosmonauten, Film
  13. Nacht der Filmmusik
  14. Webseite der CD Seven Melodies for the Dial
  15. Karsten Dürer: Höreindruck. In: Pianonews. №6, Staccato Verlag, 2012, ISSN 1434-3592.
  16. MusicWeb International über Seven Melodies fort he Dial
  17. Interview von Olga Domnina, TV Amsterdam
  18. Pressebericht
  19. Михаил Аркадьев: Два концерта - два взрыва. In: Московская правда. 10. November 2011.
  20. Webseite der CD Les Fleurs du Mal
  21. MusicWeb International über Les Fleurs du Mal
  22. Threnody for the Victims in Ukraine auf der Webseite von Euromaidanpress
  23. BR-Klassik Multimedia-Projekt zum Gedenken: Trauergebet für die Opfer in der Ukraine
  24. WDR Multimediaprojekt für die Ukraine: Musiker in NRW gedenken der Maidan-Opfer
  25. B5 aktuell "Trauergesang" Projekt zum Gedenken an die Opfer in der Ukraine
  26. Die Musikabteilung der vhs Hallbergmoos
  27. erstKlassiK
  28. Volle Werkliste auf der offiziellen Webseite von Vladimir Genin
  29. Andere Texte von V. Genin (in Russisch)