Waleri Abissalowitsch Gergijew

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Waleri Gergijew (2010)
Waleri Gergijew (2007)

Waleri Abissalowitsch Gergijew (russisch Валерий Абисалович Гергиев, wiss. Transliteration Valerij Abisalovič Gergiev, ossetisch Гергиты Абисалы фырт Валери Gergity Abisaly fyrt Waleri); (* 2. Mai 1953 in Moskau) ist ein russischer Dirigent und Intendant in Sankt Petersburg. Er stammt aus einer Familie aus der damaligen Nordossetischen Sozialistischen Sowjetrepublik, der heutigen Kaukasus-Republik Nordossetien-Alanien. Seit 2015 ist er Chefdirigent der Münchner Philharmoniker.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gergijew wuchs im Kaukasus auf und erhielt erste Klavierstunden in Wladikawkas, damals Ordschonikidse. Als begabter Jugendlicher absolvierte er bei Ilja Mussin ein Dirigenten-Studium am Rimski-Korsakow-Konservatorium in Leningrad. Er gewann als Student des Konservatoriums 1977 den Herbert-von-Karajan-Dirigentenwettbewerb in Berlin. Seit 1977 arbeitete er als Dirigent am Kirow-Theater in Leningrad. Von 1981 bis 1985 war er Leiter des Armenischen Staatsorchesters und wurde 1988 Künstlerischer Leiter der Kirow-Oper. Seit 1996 ist er Intendant des seit der politischen Wende wieder in Mariinski-Theater rückbenannten Theaters.

Unter seiner Intendanz entstanden Kontakte zu den führenden Opernhäusern der Welt, und das Mariinski-Theater wurde zu einem der renommiertesten Vertreter der russischen Kultur. Gergijews Arbeit konzentriert sich vor allem auf die Werbung für russische Opern im Ausland. Seine internationalen Erfolge begannen 1989 beim Schleswig-Holstein Musik Festival und mit dem Rotterdamer Philharmonischen Orchester, dessen Chefdirigent er 1995 wurde. Seit 1997 dirigiert er regelmäßig an der Metropolitan Opera in New York. Zu seinen vielen Aktivitäten gehören die Gründung verschiedener Festivals in Finnland, Rotterdam und St. Petersburg.

Mit dem Ensemble des Mariinski-Theaters gastierte er bei großen Festivals, wie 2004 bei den Salzburger Festspielen oder ab 2003 im Festspielhaus Baden-Baden, wo er Richard Wagners Der Ring des Nibelungen aufführte. Im Oktober 2008 gastierte er mit dem Mariinski-Ensemble im Konzerthaus Dortmund, unter anderen mit einer konzertanten Aufführung der Oper Turandot von Puccini. Seit Januar 2007 ist Gergijew auch Chefdirigent des London Symphony Orchestra.

Waleri Gergijew. Zchinwali (2008)

Im Herbst 2013 gründete Gergijew zusammen mit der Musikwissenschaftlerin Tatjana Rexroth die Russisch-Deutsche Musikakademie, die den Austausch zwischen Nachwuchstalenten beider Länder intensivieren soll.[2] Am 10. und 11. Juli 2014 fand unter seiner Leitung der erste Auftritt der Akademie mit jungen Musikern des Mariinski-Theaters St. Petersburg, der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin in St. Petersburg statt.[3]

Durch seine Tätigkeit hat Gergijew nicht nur russische Opern einem internationalen Publikum näher gebracht, sondern auch Protagonisten seines Theaters wie die Sopranistin Anna Netrebko, mit der er 2006 auf der Bühne des Mariinski-Theaters ihre CD The Russian Album einspielte.

Im Januar 2013 designierte der Münchner Stadtrat Waleri Gergijew zum Nachfolger des im Juli 2014 verstorbenen Lorin Maazel als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Gergijews Amtsantritt war am 17. September 2015.[4]

Weitere Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waleri Gergijew erhielt 2006 den Polar Music Prize und den Herbert-von-Karajan-Musikpreis sowie 2010 den Glashütte Original-Musikfestspiel-Preis der Dresdner Musikfestspiele für sein Engagement für den künstlerischen Nachwuchs.

2013 wurde Gergijew als einer der Ersten mit dem Titel Held der Arbeit der Russischen Föderation ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt er den ECHO Klassik für die Operneinspielung des Jahres (Oper des 19. Jahrhunderts) für Wagners Die Walküre.

Bei der Olympia-Eröffnungsfeier in Sotschi trug er als einer von acht Trägern am 7. Februar 2014 die Olympische Fahne.

Politische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im militärischen Konflikt zwischen Russland und Georgien ergriff Gergijew Partei für Russland. Als die russische Armee die international nicht anerkannte Republik Südossetien besetzte, spielte[5] Gergijew, der selbst Ossete ist, am 21. August 2008 in den Ruinen der süd-ossetischen Hauptstadt Zchinwali Schostakowitschs Leningrader Symphonie, die im Herbst 1941 im belagerten Leningrad komponiert wurde. „Wir sind hier, damit die Welt die Wahrheit erfährt. Wir sind verpflichtet, jener zu gedenken, die durch die georgische Aggression eines tragischen Todes gestorben sind“, sagte Gergijew anlässlich dieses Gedenkkonzertes.[6]

Im Jahr 2012 erschien im russischen Fernsehen Gergijews Werbeclip für die Wiederwahl Wladimir Putins am 4. März 2012. Über seinen „Freund“ Putin sagte Gergijew in einem 3sat-Interview: „Das Wort 'Demokrat' ist heute weit gefasst. Wenn Sie Putin mit Jelzin vergleichen, ist er ein wirklicher Demokrat […] Ein anderer Freund von mir, Michail Gorbatschow […] wollte zu schnell zu viele Veränderungen wie die komplette Freiheit.“[7]

Am 11. März 2014 unterzeichnete Gergijew den offenen Brief[8] von russischen Kulturschaffenden, in dem die Haltung des Präsidenten W. Putin zur Ukraine und Krim unterstützt wird.[9] In dem Brief wird die „gemeinsame Geschichte“ und „die gemeinsamen Wurzeln, unserer Kultur und ihrer geistigen Ursprünge, unserer Grundwerte“ und „Sprache“ als verbindendes Element beider Staaten hervorgehoben und der Wunsch nach einer „stabilen Zukunft“ ausgesprochen.[10] Die Unterzeichner des Briefes wurden von russischen und ukrainischen Künstlern stark kritisiert. Das Kultusministerium der Ukraine erstellte daraufhin eine „schwarze Liste“, auf der die Künstler genannt sind, die durch die Unterstützung Putins Position als Gefahr für die „nationale Sicherheit“ der Ukraine eingestuft werden.[11] Gergijew wurde auch in Deutschland für seine Unterschrift heftig kritisiert und seine vertraglich bereits bestehende Position als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker schien gefährdet.[12][13] Gergijew reagierte auf die Kritik mit einem offenen Brief.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. N. N.: Waleri Gergijew gibt Einstand bei Münchner Philharmonikern. welt.de, 16. September 2015, abgerufen am 16. September 2015
  2. Stardirigent Gergijew begeistert mit Mariinskij-Ensemble in Berlin. Russia Beyond the Headlines, 31. Oktober 2014, abgerufen am 4. November 2014.
  3. Russisch-Deutsche Musikakademie. Gazprom, abgerufen am 4. November 2014.
  4. Georg Etscheit: Rastlos: Waleri Gergijew in München. Mittelbayerische Zeitung, 15. Mai 2015, abgerufen am 8. Juli 2015.
  5. Kriegsmusik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. August 2008, abgerufen am 23. Januar 2013.
  6. Knut Mellenthin: Südosseten und Abchasen demonstrieren für ihre Unabhängigkeit. Junge Welt, 23. August 2008, abgerufen am 23. Januar 2013.
  7. Hannah Friedrich: Künstler für Putin. Stardirigent Gergijew unterstützt Putins Wiederwahl. 3sat, 2. März 2012, abgerufen am 23. Januar 2013.
  8. afp/BaM: Auch Stars wie Valery Gergiev schwören Putin Treue. Die Welt, 12. März 2014, abgerufen am 28. September 2015.
  9. Christine Lemke-Matwey: Dirigent Valery Gergiev. Putins Liebling. Die Zeit, 13. März 2014, abgerufen am 9. Juli 2015.
  10. http://mkrf.ru/press-tsentr/novosti/ministerstvo/deyateli-kultury-rossii-v-podderzhku-pozitsii-prezidenta-po-ukraine-i-krymu
  11. Ukraine erklärt 14 russische Künstler zu Gefahr für Sicherheit. Süddeutsche Zeitung, 8. August 2015, abgerufen am 28. September 2015.
  12. Markus Thiel: Pro-Putin Brief: Philharmoniker-Dirigent in Kritik. Münchner Merkur, 23. Juli 2015, abgerufen am 28. September 2015.
  13. Falscher Strahlemax. Die Zeit, 2. Januar 2014, abgerufen am 28. September 2015.
  14. Manuel Brug: Der Chef schreibt einen Brief. Die Welt, 20. Mai 2014, abgerufen am 28. September 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waleri Abissalowitsch Gergijew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien