Volkmar Enderlein

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Volkmar Enderlein (1996)

Volkmar Enderlein (* 21. Juli 1936 in Oschersleben/Bode) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Archäologe. Sein Spezialgebiet ist die islamische Kunst.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmar Enderlein verbrachte seine Kindheit in Brieg (Schlesien) und Plaue (Erzgebirge). Das Abitur legte er 1954 in Karl-Marx-Stadt ab.

Enderlein studierte 1954–1958 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Alte Geschichte. Sein wichtigster akademischer Lehrer war Robert Heidenreich. 1956 und 1957 absolvierte er Praktika am Islamischen Museum. Auf der Grundlage der während des Studiums erworbenen Kenntnisse des Pehlevi und weiterführender Untersuchungen im Münzkabinett (Bodemuseum) schrieb er seine Diplomarbeit über die Münzen mit Pehlevi-Legenden aus der Münzsammlung der Friedrich-Schiller-Universität.

1959 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Islamischen Museum, wo er sich unter anderem mit sasanidischen Siegelsteinen beschäftigte. 1965 reichte er eine Doktorarbeit über Porträtbüsten auf Siegelsteinen. Untersuchung zur Ikonographie der sasanidischen Kunst ein, die aus politischen Gründen erst 1995 zu seiner Promotion an der Universität Leipzig führte.

Ab 1. August 1965 war Enderlein kommissarischer Leiter des Islamischen Museums, wurde 1971 amtierender Direktor und am 1. September 1978 schließlich Direktor des Museums. Der lange Weg des international anerkannten Wissenschaftlers, der nicht Mitglied der SED oder einer der Blockparteien war, lässt sich ebenfalls nur durch die politische Einflussnahme auf das Museumswesen erklären. Ab 1992 war er stellvertretender Direktor des durch die Vereinigung gebildeten Museums für Islamische Kunst, das er von 1995 bis 2001 als Direktor leitete.

In seiner langen Tätigkeit als Leiter und Direktor prägte Volkmar Enderlein nicht nur wesentlich die Erwerbungs- und Ausstellungstätigkeit, sondern nahm mit der behutsamen Lenkung der Tätigkeit aller Mitarbeiter auch Einfluss auf die Gestaltung der Entwicklung des Museums. Die Wiedereröffnung der Ausstellungsräume nach dem Krieg, die Aufstellung des Aleppo-Zimmers (1960) und der Gebetsnische aus Konya (1965) gehören zu den frühen Glanzlichtern seiner Laufbahn, die bereits ein wichtiges Anliegen erkennen lassen: die Verbindung von wissenschaftlich fundierter Arbeit an den Sammlungsobjekten mit der für ein breites Publikum verständlichen Präsentation von islamischer Kunst.

Während der Teilung der Sammlung hielt Enderlein den Kontakt zum Museum in Dahlem zum Teil auf konspirative Art und Weise aufrecht und sorgte u. a. gemeinsam mit Kollegen dafür, dass Kopien der auf der Museumsinsel befindlichen Dokumentation in den Westteil der Stadt gelangten. Die Zusammenführung der Sammlungen (1992) und die wesentlich von ihm geprägte Neugestaltung der ständigen Ausstellung (2001) unterstreichen die historische Bedeutung dieser Tätigkeit.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Beschäftigung mit orientalischen Teppichen. Seine zahlreichen Arbeiten auf diesem Gebiet fanden die Anerkennung der internationalen Fachwelt. Bevor Kelims und Turkmenenteppiche in der islamischen Kunstgeschichte größere Beachtung fanden, beschäftigte sich Enderlein mit ihnen und konnte damit auch den Grundstein für Erwerbungen des Museums in dieser Richtung legen.

Die islamische Buchkunst, die Beziehungen Europas zum Orient, frühislamische Architektur sowie biographische Forschungen zu Wilhelm von Bode und Friedrich Sarre gehörten ebenfalls zu wichtigen Forschungs- und Ausstellungsthemen Enderleins.

Er ist Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orientalische Kelims. Flachgewebe aus Anatolien, dem Iran und dem Kaukasus. Henschelverlag, Berlin 1986 / Hülsey, Wesel 1986. ISBN 3-923185-03-0
  • Islamisches Museum. Wegleitung. Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 1988.
  • Herausgeber mit Werner Sundermann: Schahname. Das persische Königsbuch. Miniaturen und Texte der Berliner Handschrift von 1605. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1988. / Müller & Kiepenheuer: Hanau 1988. ISBN 3-7833-8815-5
  • Islamische Kunst. Verlag der Kunst, Dresden 1990. ISBN 3-364-00195-2
  • Die Miniaturen der Berliner Bāisonqur-Handschrift. Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 1991. (Bilderhefte der Staatlichen Museen zu Berlin, 1)
  • Wilhelm von Bode und die Berliner Teppichsammlung. Ausstellung des Museums für Islamische Kunst anlässlich des Jubiläums Wilhelm von Bode zum 150. Geburtstag im Pergamonmuseum 18. Oktober 1995. Staatliche Museen zu Berlin-PK: Berlin 1995. (Bilderhefte der Staatlichen Museen zu Berlin-PK, 84). Gebr. Mann, Berlin 1995 ISBN 3-7861-1908-2

Wichtige Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1972 Orientalische Wirkteppiche 14. Mai–17. September 1972
1973 Turkmenische Teppiche 5. September 1973–6. Januar 1974
1974 Die islamische Welt in der europäischen Literatur des 16. bis 18. Jahrhunderts Januar-März 1974
1975 Islamische Keramik aus Museen der DDR Dezember 1975–Februar 1976
1979 75 Jahre Islamisches Museum 1904–1979 Herbst 1979
1986 Orientalische Kelims 7. Mai–20. Juli 1986
1987 Die erste türkische Gesandtschaft in Berlin 1763 2. Juli–17. August 1987
1991 Die Miniaturen der Berliner Baisonqur-Handschrift 17. November 1991–1992
1993 Die klassischen Berliner Teppiche: Fragmente und Verluste 26. Mai–1. August 1993
1995 Wilhelm von Bode und die Berliner Teppichsammlung 18. Oktober 1995–14. April 1996

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz: Museum für Islamische Kunst. von Zabern, Mainz 2001. ISBN 3-8053-2681-5 ISBN 3-8053-2734-X
  • Jens Kröger, Desirée Heiden (Hrsg.): Islamische Kunst in Berliner Sammlungen. 100 Jahre Museum für Islamische Kunst in Berlin. Parthas: Berlin 2004. ISBN 3-86601-435-X
  • Gisela Helmecke, Jens Kröger: Wissenschaft und Restaurierung für die Ausstellung des Islamischen Museums 1959–1991 und des Museums für Islamische Kunst 1992–2001. Volkmar Enderlein und Uta Tyroller zum Dank. 23. Juli 2001. [Museum für Islamische Kunst, Ms.]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]