Museum für Islamische Kunst (Berlin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Museum für Islamische Kunst
Mschatta-Fassade (Pergamonmuseum).jpg
Mschatta-Fassade im Museum für Islamische Kunst
Daten
Ort Berlin (Pergamonmuseum)
Art
Eröffnung 18. Oktober 1904
Betreiber
Leitung
Website
Unterseite von www.smb.museum
ISIL DE-MUS-814517

Das Museum für Islamische Kunst befindet sich im Pergamonmuseum und gehört zu den Staatlichen Museen zu Berlin.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum stellt vielfältige Werke islamischer Kunst vom 7. bis 19. Jahrhundert aus dem Gebiet zwischen Spanien und Indien aus. Die Grabungstätigkeit in Ktesiphon, Samarra[1] und Tabgha sowie die Erwerbungsmöglichkeiten führten dazu, dass vor allem Ägypten, der Vordere Orient und Iran wichtige Schwerpunkte bilden. Andere Regionen sind durch wichtige Sammlungsobjekte oder -gruppen vertreten, wie z. B. die Kalligraphie und Miniaturmalerei aus dem Mogulreich oder die sizilianischen Kunstwerke aus Elfenbein.

Wichtige Sammlungsobjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen ihrer Größe, der kunstgeschichtlichen Bedeutung oder der Beliebtheit bei Museumsbesuchern sind vor allem zu nennen:

Zusätzlich zur Dauerausstellung zeigt das Museum auch Ausstellungen moderner Kunst aus der islamischen Welt, im Jahr 2008 zum Beispiel "Turkish Delight" (zeitgenössisches türkisches Design) und "Naqsh" (Gender und Rollenbilder in Iran).

2009 erhielt das Museum als Dauerleihgabe eine Sammlung islamischer Kunst des Londoner Sammlers Edmund de Unger (1918–2011), die so genannte „Keir Collection“. Die in über 50 Jahren zusammengetragene Sammlung umfasst rund 1.500 Kunstwerke aus 2.000 Jahren und zählt zu den größten Privatsammlungen islamischer Kunst.[5] Mehr als einhundert Exponate aus der Keir Collection wurden erstmals 2007/2008 in der Sonderausstellung Sammlerglück. Islamische Kunst aus der Sammlung Edmund de Unger im Pergamonmuseum der Öffentlichkeit präsentiert. Eine weitere Sonderausstellung mit Teilen dieser Leihgabe fand ab dem März 2010 als Teil der Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst mit dem Titel Sammlerglück. Meisterwerke islamischer Kunst aus der Keir Collection statt. Im Juli 2012 wurde die Zusammenarbeit der Staatlichen Museen zu Berlin–Preußischer Kulturbesitz mit den Eigentümern der Sammlung Edmund de Unger beendet und die ursprünglich als langfristige Leihgabe vorgesehene Sammlung abgezogen. Als Gründe wurden „unterschiedliche Vorstellungen zur weiteren Arbeit mit der Sammlung“ genannt.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König Hussein und Königin Nūr wurden im Museum für Islamische Kunst in Dahlem von Direktor Klaus Brisch (Vordergrund rechts) geführt (6. November 1978)

Das Museum wurde 1904 durch Wilhelm von Bode als Islamische Abteilung im Kaiser-Friedrich-Museum (dem heutigen Bode-Museum) gegründet und zunächst von Friedrich Sarre als ehrenamtlichem Leiter aufgebaut.[7] Anlass war die Schenkung der Fassade des umayyadischen Wüstenschlosses Mschatta durch den osmanischen Sultan Abdülhamid II. an Kaiser Wilhelm II. Gemeinsam mit 21 von Bode gestifteten Teppichen bildete die Fassade den Grundstock der Sammlung. Im neu erbauten Pergamonmuseum bezog das Museum das Obergeschoss des Südflügels und wurde dort 1932 eröffnet. Wegen des II. Weltkrieges wurde die Ausstellung 1939 geschlossen.

Trotz der Auslagerung von Kunstwerken und der Sicherung von im Pergamonmuseum verbliebenen Objekten erlitt die Sammlung Schäden und Verluste. Ein Bombentreffer zerstörte einen der Tortürme der Mschatta-Fassade und durch eine Brandbombe verbrannten in einem Tresor der Münze untergebrachte wertvolle Teppiche ganz oder teilweise. 1954 wurde die Sammlung als Islamisches Museum im Pergamonmuseum wiedereröffnet. Die in die westlichen Besatzungszonen ausgelagerten Bestände wurden in das Museum in Dahlem zurückgeführt, wo sie ebenfalls 1954 erstmals nach dem Krieg wieder ausgestellt werden konnten. Von 1968 bis 1970 gab es eine Ausstellung im Schloss Charlottenburg. 1971 wurde die ständige Ausstellung des Museums für Islamische Kunst in einem Neubau im Museumskomplex Dahlem eröffnet.

Das Islamische Museum im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel erhielt 1958 den größten Teil der 1945 bis 1946 als Beutekunst in die Sowjetunion verbrachten Kunstwerke zurück. Mit der Restaurierung weiterer wichtiger Sammlungsobjekte wurde es bis 1967 möglich, alle Ausstellungsräume der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf der Grundlage des Einigungsvertrages wurden die beiden Museen 1992 unter dem Namen Museum für Islamische Kunst organisatorisch zusammengeführt. Am Standort Dahlem schloss die Ausstellung 1998. Eine neu gestaltete ständige Ausstellung wurde im Obergeschoss des Südflügels im Pergamonmuseum im Jahre 2000 eröffnet.

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlungsgeschichte wurde wesentlich von den jeweiligen Leitern und Direktoren geprägt, die damit gleichzeitig die Entwicklung der islamischen Kunstgeschichte in Deutschland beeinflussten.

Wilhelm von Bode 1904–1921
Friedrich Sarre 1921–1931
Ernst Kühnel 1931–1951
Dahlem Museumsinsel
Kurt Erdmann 1958–1964 Wolfgang Dudzus 1959–1965 Leiter des Islamischen Museums
Klaus Brisch 1966–1988 Volkmar Enderlein 1965–1971 kommissarischer Leiter, 1971–1978 amt. Direktor
Michael Meinecke 1988–1991 1978–1991
Michael Meinecke 1992–1995
Volkmar Enderlein 1995–2001
Claus-Peter Haase 1. Dezember 2001-31. Januar 2009
Stefan Weber seit 1. Februar 2009

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 2000: Islamische Kulturen[8]
  • seit 2016: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien – islamische Kunst?[9]

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013[10]

  • Samarra – Zentrum der Welt
  • Meisterwerke aus dem Serail Malereien aus den Klebealben des Heinrich Friedrich von Diez
  • Für viele erschwinglich. Bedruckte Gewebe aus ägyptischen Gräbern
  • Zierrat und Zunge: Bucheinbände aus der islamischen Welt

2014[11]

  • Genuss und Rausch. Wein, Tabak und Drogen in indischen Malereien
  • Stolz und Leidenschaft. Männerdarstellungen in der Moghulzeit
  • Mschatta im Fokus. Das jordanische Wüstenschloss in historischen Fotografien

2015[12]

  • Picknick im Park. Gärten in islamischer Miniaturmalerei
  • Aatifi – News from Afghanistan
  • Wie die islamische Kunst nach Berlin kam. Der Sammler und Museumsdirektor Friedrich Sarre

2016[13]

  • Mystische Reisende: Sufis, Asketen und Heilige Männer
  • Worte lesen – Worte fühlen Eine Einführung zum Koran in Berliner Sammlungen
  • Kontrast Syrien. Fotografien von Mohamad Al Roumi
  • Das Erbe der alten Könige. Ktesiphon und die persischen Quellen islamischer Kunst

2017[14]

  • Iran. Aufbruch in die Moderne
  • Gläubiges Staunen – Biblische Traditionen in der islamischen Welt
  • Behaglich: Teppiche in indischen Miniaturmalereien

2018[15]

  • Perched | Zwischenlandung. Eine Installation von Felekşan Onar
  • Kopie und Meisterschaft
  • Die Galerie im Buch. Islamische Sammelalben
  • Tape Art
  • Mit Augenmaß. Meisterwerke der Architektur im Jemen

Forschungs- und Vermittlungsprojekte[16][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungsvermittlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes
  • Gegenstände des Transfers
  • Kulturgeschichten aus dem Museum für Islamische Kuns
  • Multaka: Treffpunkt Museum – Geflüchtete als Guides in Berliner Museen

Forschungen im Ausland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Areia Antiqua. Das alte Herat / 3 Projekte
  • Erstellung digitaler Kulturgüterregister für Syrien
  • Iran: The Provincial Museum Yazd / National Museum Teheran
  • Qasr al-Mschatta: Das frühislamische Wüstenschloss Mschatta, Jordanien
  • Rekonstruktion einer alten Kulturlandschaft in Baluchistan, Pakistan
  • Die Zitadelle von Aleppo, Syrien

Kulturelle und politische Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Extremismusprävention und Erschließung museumspädagogischer Zugänge für muslimische Multiplikatoren
  • Gemeinsame Vergangenheit – gemeinsame Zukunft
  • TAMAM – Das Bildungsprojekt von Moscheegemeinden mit dem Museum für Islamische Kunst

Sammlungsbezogene Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Khurasan – Land des Sonnenaufgangs
  • Ktesiphon
  • Samarra und die Kunst der Abbasiden
  • Das Yousef Jameel Digitalisierungsprojekt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museum für Islamische Kunst (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. samarrafinds.info: Die archäologischen Funde aus Samarra im Irak
  2. Die Kuppel wurde 1891 von Arthur von Gwinner nach Berlin gebracht und 1978 von seinen Erben dem Museum übergeben. Jens Kröger: Alhambra-Kuppel (2012). Museum With No Frontiers – Discover Islamic Art.
  3. Anna McSweeney: ‘Arthur von Gwinner und die Alhambra-Kuppel’ in Julia Gonnella and Jens Kröger (eds) Wie die Islamische Kunst nach Berlin Kam. Der Sammler und Museumsdirektor Friedrich Sarre (Berlin: Dietrich Reimer Verlag GmbH, 2015), 89-102.
  4. Alhambra-Kuppel. Deutsche Digitale Bibliothek
  5. Umfangreiche Dauerleihgabe aus der Sammlung Edmund de Ungers
  6. Pressemitteilung vom 13. Juli 2012. (Memento des Originals vom 3. September 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.smb.museum Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  7. Jens Kröger: Das Berliner Museum für Islamische Kunst als Forschungsinstitution der Islamischen Kunst im 20. Jahrhundert@1@2Vorlage:Toter Link/orient.ruf.uni-freiburg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 692 kB). In: XXX. Deutscher Orientalistentag, Freiburg, 24.–28. September 2007. Ausgewählte Vorträge, herausgegeben im Auftrag der DMG von Rainer Brunner, Jens Peter Laut und Maurus Reinkowski, 2009, S. 10
  8. Staatliche Museen zu Berlin: Museum für Islamische Kunst: Detail. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  9. Staatliche Museen zu Berlin: Museum für Islamische Kunst: SMB Ausstellung: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien - islamische Kunst? - Transkulturelle Beziehungen, globale Objektbiographien, islamische Kunst, Ausstellungsparcours. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  10. Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Museen & Einrichtungen - Museum für Islamische Kunst - Ausstellungen - Archiv. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  11. Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Museen & Einrichtungen - Museum für Islamische Kunst - Ausstellungen - Archiv. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  12. Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Museen & Einrichtungen - Museum für Islamische Kunst - Ausstellungen - Archiv. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  13. Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Museen & Einrichtungen - Museum für Islamische Kunst - Ausstellungen - Archiv. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  14. Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Museen & Einrichtungen - Museum für Islamische Kunst - Ausstellungen - Archiv. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  15. Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Museen & Einrichtungen - Museum für Islamische Kunst - Ausstellungen - Archiv. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  16. Staatliche Museen zu Berlin: Staatliche Museen zu Berlin: Museen & Einrichtungen - Museum für Islamische Kunst - Sammeln & Forschen - Forschung & Kooperation. Abgerufen am 26. Juli 2018.

Koordinaten: 52° 31′ 15″ N, 13° 23′ 47″ O