Vorderpfälzische Dialektgruppe

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Vorderpfälzisch

Gesprochen in

Rheinland-Pfalz, Nordelsass
Linguistische
Klassifikation

Vorderpfälzisch gehört zu den Pfälzischen Dialekten und ist eine Dialektgruppe des Rheinfränkischen innerhalb des Westmitteldeutschen, die in Teilen von Rheinland-Pfalz und im äußersten Nordosten Frankreichs gesprochen wird. Gemeinsam mit dem Westpfälzischen und dem Kurpfälzischen bildet es die Pfälzische Dialektgruppe.

Sprachgeographie[Bearbeiten]

Varianten[Bearbeiten]

Das Linguasphere Register führt unter dem Vorderpfälzischen (52-ACB-df) fünf Dialekte auf:[1]

  1. 52-ACB-dfa: Elsässisch-Pfälzisch (Weißenburg (Wissembourg)/Nordelsass)
  2. 52-ACB-dfb: Haardtgebirgisch (Haardt/Deutsche Weinstraße)
  3. 52-ACB-dfc: Speyerisch-Landauisch (Speyer/Landau/Südpfalz)
  4. 52-ACB-dfd: Ludwigshafenerisch (Ludwigshafen am Rhein/Vorderpfalz)
  5. 52-ACB-dfe: Wormserisch (Worms/südliches Rheinhessen)

Diese Einteilung wird unter Linguisten nicht allgemein anerkannt. Als Gründe dagegen werden u. a. angeführt:

  1. Das Speyerische hat mit dem Landauischen wenig gemeinsam, jedoch relativ viel mit dem Ludwigshafenerischen.
  2. Das Landauische gehört eindeutig zum Südpfälzischen, das im Linguasphere Register gar nicht vorkommt.
  3. An der südlichen Haardt wird das Südpfälzische gesprochen.
  4. Das Ludwigshafenerische unterscheidet sich deutlich von den Idiomen der angrenzenden Nordostpfalz.

Sprachraum[Bearbeiten]

Die in der Rheinebene gelegene Vorderpfalz ist auch der Hauptsprachraum des Vorderpfälzischen; allerdings sind die Sprachgrenzen fließend, sie überlappen sich teilweise und lassen sich nicht immer eindeutig definieren.

Der östlich des Donnersbergs gelegene kleinere Teil des Nordpfälzer Berglands ist noch zum vorderpfälzischen Sprachraum zu zählen, während die Mitte und der Westteil eindeutig zum westpfälzischen Sprachbereich gehören. Im Nordosten endet das Vorderpfälzische im südlichen Rheinhessen.[1] Im Osten bildet der Oberrhein die Grenze,[1] was indessen von manchen Sprachforschern anders gesehen wird: Im Raum Mannheim/Heidelberg, der heutigen Region Kurpfalz, die dem Ostteil der historischen Kurpfalz entspricht, wird Kurpfälzisch gesprochen. Dieses Idiom stellen sie nicht neben das Vorderpfälzische, sondern zählen es als Untergruppe dazu.[2]

Im Süden greift das Vorderpfälzische mit seiner in der Südpfalz gesprochenen Variante geringfügig über die französische Grenze ins nördliche Elsass hinein. Nach Westen geht das Vorderpfälzische im Pfälzerwald allmählich ins Westpfälzische über, wobei im Südwesten die südpfälzische Variante noch fast das gesamte Dahner Felsenland einnimmt.[3]

Auswanderer[Bearbeiten]

Vor allem im 18. Jahrhundert brachten Auswanderer, die in der Mehrzahl aus der historischen Kurpfalz kamen, ihre Sprache nach Pennsylvania und in weitere nordamerikanische Gebiete. Die als Pennsylvania Dutch bezeichneten Nachfahren sprechen noch heute das intern „Deitsch“ oder „Mudderschbrooch“ genannte Pennsylvania Dutch, richtiger Pennsylvania German, das – besonders in der gesprochenen Form – dem rezenten Pfälzisch und speziell dem Vorderpfälzisch recht ähnlich ist.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c  David Dalby: The Linguasphere Register of the world’s languages and speech communities. Linguasphere Press, Hebron (Wales) 2000, ISBN 978-0-953291-91-5, S. 430 (englisch).
  2. Vgl. die Einleitung des Artikels Kurpfälzische Dialekte.
  3. Vgl. den Abschnitt Struktur und Grenzen des Artikels Südpfalz.
  4. Vgl. die Einleitung des Artikels Pennsylvania Dutch.