Walter Barylli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Walter Barylli, 2016

Walter Barylli (* 16. Juni 1921 in Wien[1]) ist ein österreichischer Geiger. Er war von 1938 bis 1972 aktives Mitglied der Wiener Philharmoniker, ab 1939 deren Konzertmeister und von 1966 bis 1969 deren Vorstand sowie Gründer und Leiter des Barylli-Quartetts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Barylli wurde 1921 als Sohn eines Offiziers in Wien Erdberg geboren.[2] Er wurde von seinem Onkel Karl Barylli, einem Geiger, von Kindesalter an auf der Violine unterricht.[3] Später war er Schüler des Konzertmeisters der Wiener Philharmoniker, Franz Mairecker, an der damaligen Wiener Musikakademie. 1934 siegte er bei einem von Fritz Kreisler als interne Veranstaltung an der Akademie initiierten Wettbewerb, einem Vorläufer des 1979 gegründeten Internationalen Fritz Kreisler Wettbewerbes, wo er später als Juror tätig war.[4] 1935/36 besuchte er in Wien einen Meisterkurs des in München lebenden Geigers Florizel von Reuter. Dieser unterrichtete Barylli in München weiter und ließ ihn kostenlos bei sich wohnen. 1936 fand in München sein erstes Solokonzert statt, und es kam zu seiner ersten Schallplattenaufnahme. In Folge war Barylli zwei Jahre lang international solistisch tätig.

Aufgrund der Nürnberger Gesetze wurden bei den Wiener Philharmonikern ab Herbst 1938 drei Stellen frei, darunter eine Stelle als Primgeiger.[5][2] Auf Empfehlung seines ehemaligen Lehrers Franz Mairecker hatte sich Barylli um die frei werdende Stelle als Primgeiger beworben. Am 12. März 1938, dem Tag des Einmarsches deutscher Truppen in Österreich, kehrte er nach Österreich zurück. Er gewann das Probespiel, erhielt die frei gewordene Stelle und war mit siebzehn Jahren das damals jüngste Mitglied des Orchesters der Wiener Staatsoper.[2][3] Mit 1. September 1938 wurde er von den Wiener Philharmonikern engagiert und am 1. November 1938 in den Verein Wiener Philharmoniker aufgenommen, welchem er bis zum 31. August 1972 als aktives Mitglied angehörte.[6] 1939 wurde die Stelle des Konzertmeisters frei, auch dieses Probespiel gewann er. Barylli war vom Kriegsdienst befreit und bis 1944 im normalen Konzert- und Opernbetrieb tätig, das letzte Konzert während des Krieges fand im April 1944 statt.[3]

Mit seinen Philharmoniker-Kollegen Otto Strasser (2. Violine), Rudolf Streng (Viola) und Richard Krotschak (Cello) gründete er das Barylli-Quartett. Im Jahr 1958 war Emanuel Brabec, unter anderem der Lehrer von Nikolaus Harnoncourt, Cellist in dem Quartett. Von 1951 bis 1960 konzertierten sie im Wiener Musikverein unter dem vertraglich geregelten Ehrennamen Musikvereins-Quartett,[2] ab 1952 begannen sie das Repertoire auf Schallplatte einzuspielen.[3]

1964 wurde er zum Vizevorstand der Wiener Philharmoniker gewählt, von 1966 bis 1969 fungierte als deren Vorstand und folgte damit seinem Quartettkollegen Otto Strasser nach.[6]

Von 1969 bis 1986 unterrichtete Barylli am Konservatorium der Stadt Wien.[2] Zu seinen Schülern zählt unter anderem Robert W. Eshbach, Professor an der University of New Hampshire.[7]

Walter Barylli war in erster Ehe mit der Künstler-Fotografin Lillian Barylli-Fayer (1917–2014) verheiratet.[8] Aus dieser Verbindung entstammen zwei Söhne (* 1945 und 1949). 1953 heiratete er seine zweite Frau Elsa, aus dieser Ehe stammt ihr gemeinsamer Sohn, der Schriftsteller und Schauspieler Gabriel Barylli (* 1957).[9][3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Musiklexikon - Walter Barylli. Abgerufen am 20. Dezember 2014.
  2. a b c d e Lebensfülle - Walter Barylli erinnert sich (Memento vom 20. Dezember 2014 im Internet Archive). Magazin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Ausgabe September/Oktober 2006, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  3. a b c d e club-carriere.com - Prof. Walter Barylli. Abgerufen am 20. Dezember 2014.
  4. Wiener Zeitung: Finale des VI. Fritz Kreisler Wettbewerbs am Samstag: WZ-Gespräch mit Violin-Doyen Walter Barylli. Artikel vom 30. September 2005, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  5. orf.at - Schatten der Vergangenheit - Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus. Artikel vom 19. Mai 2013, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  6. a b Wiener Philharmoniker - 90. Geburtstag von Prof. Walter Barylli. Artikel vom 10. September 2011, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  7. Robert Eshbach - University of New Hampshire. Abgerufen am 20. Dezember 2014.
  8. diepresse.com - Lillian Fayer: Sie konnte sogar Musik fotografieren. Artikel vom 16. Dezember 2014, abgerufen am 17. Dezember 2014.
  9. Zuhause im Denkmal - Schloss Belvedere - Elsa und Walter Barylli, Künstler. Artikel vom 24. August 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  10. a b Liste der Träger des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Abgerufen am 14. Dezember 2014.