Walter Hehl

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Walter Hehl (2016)

Walter Hehl (* 10. April 1944 in Zábřeh, Protektorat Böhmen und Mähren) ist ein deutsch-schweizerischer Physiker, Informatiker und Philosoph und Autor mehrerer Bücher.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hehl verbrachte seine Kindheit in Gunzenhausen in Mittelfranken und seine Jugend in Stuttgart. Nach dem Studium der Mathematik und Physik an der Universität Stuttgart erwarb er das Diplom in Physik. Im Jahr 1972 promovierte er zum Dr. rer. nat. mit einer Arbeit in Festkörperphysik. Seit dem Vordiplom war er Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Er begann seine berufliche Laufbahn als Physiker und Entwicklungsingenieur im IBM Entwicklungslabor in Böblingen (Deutschland). Für viele Jahre war er im Labor Böblingen Leiter der Vorentwicklung mit Projekten im System- und Softwarebereich. Nach einem Sabbatjahr als Professor für Softwaretechnologie an der TU Dresden wurde er wissenschaftlicher Leiter des IBM Industry Labs Europe, zunächst in Stuttgart, dann direkt im IBM Forschungslabor Rüschlikon bei Zürich. In dieser Funktion führte er etwa 600 Innovationsworkshops durch mit Führungskräften aus Wirtschaft und Politik aus aller Welt. Seit der Pensionierung 2009 schreibt er Bücher über seine Interessengebiete Physik, Innovation, Informatik (Softwaretechnologie) und Philosophie. Er hat zwei Söhne und lebt mit seiner Frau in Thalwil bei Zürich.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus seiner Tätigkeit als Physiker und Manager in Entwicklung und Forschung bei IBM entstanden mehrere Bücher zu den Triebkräften der Informationstechnologie und zur Entwicklung von Innovationen in der Industrie. Die Verbindung von Physik und Softwareentwicklung führte zu Büchern über pragmatische Erkenntnistheorie, zur Übertragung von Softwarekonzepten in die Philosophie und zur Entwicklung einer modernisierten Form der Popperschen Drei-Welten-Lehre[1]. Die Grundidee ist ein Weltmodell mit Physik für die unbelebte Welt, mit verallgemeinerter Software für die belebte und die digitale Welt und gegebenenfalls mit Geist in der Form zum Beispiel von Kunst.

Die Diskrepanz zwischen dem glorreichen Bild von Galileo Galilei in der Öffentlichkeit und dem „wahren“ Galilei führt das Buch „Galileo Galilei kontrovers“ vor. Es zeigt auch unbekannte Facetten von Galilei und viele Irrtümer um und von Galilei im Geist seiner Zeit.

Eine Schlussfolgerung aus den Erkenntnissen in Physik, Informatik, Psychologie und der eigenen Lebenserfahrung ist das Buch "Gott kontrovers - was noch in Würde zu Glauben ist". Es versucht die Grenze von Wissen und Glauben nach den Wissenschaften des 21. Jahrhunderts neu zu ziehen in den genannten Bereichen. Versöhnliche Gedanken sind etwa die Bedeutung des Zufalls, das ozeanische Gefühl von Romain Rolland und Einsteins kosmische Religion. Ein begrenztes Überschreiten der Grenze in "Grenzsituationen" ist als menschlich erlaubt.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Alles, was ein normaler Mensch [an Fertigkeiten] lernen kann, das kann oder könnte ein Computer [Roboter] auch. Und schliesslich dies besser, vielseitiger und in Verbund mit Dingen, die wir Menschen nicht können.“ aus: „Die unheimliche Beschleunigung des Wissens“, Vdf Hochschulverlag, 2012, p. 274


„Im Anfang schuf Gott die Kraft. d.h., Gott erschuf die Energie und die Materie. Gott liess mit einem gewaltigen Donnerschlag Raum und Zeit loslaufen. Nach dem Big Bang beginnen die Zeit und die Ausdehnung des Alls. Nach Äonen des Zusehens legte Gott Feuer und zündete die ersten Sterne. Nach mehreren hundert Millionen Jahren entstehen die ersten Sterne. Mit gewaltigen Donnerschlägen löste Gott viele Sterne wieder auf und verteilte ihre Körper im All. In den Explosionen der Supernovae entstehen die schwereren Elemente, die das Leben benötigt. Nach Äonen und Myriaden von Sternen wählte Gott einen Stern mit bestem Sternenstaub aus. Er sah, dass dieser Stern besonders gut war, und nannte ihn Sonne.“ aus: „Gott kontrovers“, Vdf Hochschulverlag, 2019, p. 86. Es ist der Anfang des rektifizierten Schöpfungsberichts.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch „Galileo Galilei kontrovers“ wurde im Mai 2019 von der Ellen-und Max-Woitschach-Stiftung für ideologiefreie Wissenschaft mit dem Forschungspreis für 2018/2019 ausgezeichnet. Der Preis wurde für den „vorurteilsfreien Blick auf die Person Galileo Galilei, seine Leistungen und seine Irrtümer aus heutiger Sicht“ vergeben.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Trends in der Informationstechnologie. Von der Nanotechnologie zu virtuellen Welten. Vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, Zürich 2008.
  • mit Rainer Willmanns: Paradoxa und Praxis im Innovationsmanagement. Hanser Fachbuch, München 2009.
  • Die unheimliche Beschleunigung des Wissens. Warum wir nichts verstehen und trotzdem Grosses schaffen. Vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, Zürich 2012.
  • Wechselwirkung. Wie Prinzipien der Software die Philosophie verändern. Springer, Berlin-Heidelberg. 2016.
  • Galileo Galilei kontrovers. Ein Wissenschaftler zwischen Universalgenie und Despot. Springer, Berlin-Heidelberg. 2017.
  • Gott kontrovers. Was noch in Würde zu glauben ist. Vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, Zürich 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Popper: Three Worlds. The Tanner Lecture on Human Values. 1978.