Walter Rudersdorf

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Walter Rudersdorf (* 26. Mai 1926 in Waldbrunn-Ellar) ist ein deutscher Lehrer und Heimatforscher im Westerwald.

Walter Rudersdorf im Ellarer Ludwig-Bös-Haus am 5. August 2012

Leben[Bearbeiten]

Nach der Volksschule und einem Jahr an einer landwirtschaftlichen Berufsschule besuchte Rudersdorf von 1941 bis 1948 das Gymnasium in Limburg. Allerdings war diese Zeit am Gymnasium durch die Kriegsereignisse stark beeinträchtigt. So erfolgte im Februar 1944 die Einberufung Rudersdorfs zum Reichsarbeitsdienst und danach zur Infanterie. Nach einer Verwundung nahe Kaminken (im heutigen Litauen) Anfang 1945 und einigen Monaten in englischer Kriegsgefangenschaft kehrte der Gymnasiast an die Schule zurück. Rudersdorf studierte nach dem Abitur in Frankfurt Englisch und Geografie und war des Öfteren auch in den Fakultäten Geschichte, deutsche Sprachwissenschaften und Romanistik anzutreffen. Das Referendariat für das Lehramt absolvierte er in Hadamar und Wiesbaden und erhielt danach eine Festanstellung an der Wöhlerschule in Frankfurt am Main, wo er 1966 zum Oberstudienrat avancierte.

1967 erschien sein Buch "Im Schatten der Burg Ellar", eine detailreiche Darstellung der Ellarer Geschichte seit frühester Zeit. Unter diesem Titel stand bereits seit 1948 eine Vortragsreihe Rudersdorfs, deren Auftakt ein historischer Dia-Vortrag im Ellarer Haus der Dernbacher Schwestern war und der danach regelmäßig zahlreiche Besucher aus der gesamten Region anlockte. Den letzten Vortrag dieser Reihe hielt er im März 2008, wiederum im Ellarer Schwesternhaus. Bereits 1998 fand Rudersdorf mit seiner großen Zahl kulturhistorischer Vorträge Eingang in das Guinness-Buch der Rekorde.

Unter der Anleitung Rudersdorfs entstand 1992 das Ellarer Heimatmuseums im Ludwig-Bös-Haus, dem ehemaligen Ellarer Schulgebäude an der Hintermeilinger Straße. Die Exponate hatte er über viele Jahre im heimischen Raum gesammelt. Zwischen 2002 und 2005 wurde das Museum erweitert.

Weitere Initiativen Rudersdorfs betrafen die Restaurierung und den Erhalt alter Gebäude in Ellar wie die mittelalterliche Burgruine, die Reste der alten Stadtmauer und des Stadttores, eines Ziehbrunnens sowie der historischen Burgschmiede. Auch setzte er sich für die Errichtung eines Naturschutzgebietes rund um das südlich von Ellar gelegene Heidenhäuschen ein.

Im September 2011, im Alter von 85 Jahren, übergab Rudersdorf seine Sammlung historischer Materialien an die Gemeinde Waldbrunn. Zur Sammlung gehört auch ein umfangreiches persönliches Archiv mit mehr als 8500 eigenen Veröffentlichungen über sämtliche Themengebiete rund um die Geschichte des Ellarer Raumes, dazu ca. 35000 vertonte Dias sowie eine kulturgeschichtlichen Bibliothek, zu der unter Anderem zahlreiche Dorfchroniken, Fachzeitschriften, Festschriften und Lexika gehören.[1] Mit der elektronischen Erfassung der zugehörigen schriftlichen Unterlagen hat der Ellarer Kultur- und Geschichtsverein 2012 begonnen.[2]

Die Dorfchroniken der Waldbrunner Ortsteile sind Walter Rudersdorf von je her ein besonderes Anliegen. So gibt es auch bereits seit 1998 eine Dorf-Chronik von Waldbrunn-Hausen in Buchform. Es folgen zahlreiche Publikationen über Waldbrunn-Fussingen im Amtsblatt "Waldbrunner Nachrichten". Daran schließt sich ebendort eine Serie von mehr als 100 Beiträgen über die Geschichte des Waldbrunner Ortsteils Hintermeilingen an, die voraussichtlich 2012 ihren Abschluss finden wird. Seit 2012 erscheint - wiederum in den "Waldbrunner Nachrichten" - eine Artikel-Serie über die Geschichte von Waldbrunn-Lahr.

2012 stellt Rudersdorf die Ellarer Schulchronik vor, für die er rund 1000 Original-Seiten aus der altdeutschen Handschrift in lateinische Schrift übertragen hatte.[3]

Ehrungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  •  Walter Rudersdorf, Gemeinde Ellar/Westerwald (Hrsg.): Im Schatten der Burg Ellar. Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1967, ISBN ohne.
  •  Walter Rudersdorf, Gemeinde Waldbrunn Westerwald (Hrsg.): Waldbrunn/Westerwald. Vom Bauerndorf zum Luftkurort. 1. Auflage. Geiger-Verlag, Horb 1986, ISBN 3-89264-015-7.
  • Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsgb.): Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg. Darin:
    • Was bedeutet der Ortsname »Limburg«?, 1991, S. 94
    • Was kosteten Hexenprozesse?, 1992, S. 117
    • Von den Frondiensten zu den Geldabgaben, 1993, S. 184
    • Vom Gesundbeten, 1994, S. 77
    • Wie kam es zum Marienwallfahrtsort „Sieben Schmerzen” bei Oberzeuzheim?, 1995, S. 172
    • „Es flohen ganze Dorfschaften in die Wälder” (Kirchspiele Lahr und Frickhofen 1792-1797), 1996, S. 106
    • 15 Westerwälder Dörfer im Aufstand: Der „Klöppelstreit” anno 1736, 1997, S. 223
    • Wilhelm Breithecker - zum 100. Geburtstag des Priesters und Bekenners, 1998, S. 64
    • „Westerwald” wurde schon vor 950 Jahren so geschrieben, 1999, S. 133
    • „Hoch auf dem gelben Wagen“ (Postgeschichte), 2000, S. 181
    • Befreiung von einer schweren Bürde (Zehntablösung), 2001, S. 145
    • Pastor und Inspektor Eberhard Artopaeus, 2002, S. 192
    • Heimatmuseum Ellar, 2003, S. 81
    • Domdekan Johann Wilh. Jost, 2004, S. 211
    • Krista Jaschinski-Ehlers, 2005, S. 227
    • Wilhelm Breithecker - Priester und Bekenner, 2006, S. 239
    • Gedicht, 2007, S. 179
    • 600 Jahre Schiedsspruch von Bacharach, 2008, S. 104
    • Die Diezer Landesburg Ellar, 2010, S. 127

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Schoppet: Walter Rudersdorf, Eugen-Heyn-Medaille. In: Jahrbuch 1995 Kreis Limburg-Weilburg, S. 99.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlfred Sehr: Lebenswerk der Gemeinde geschenkt. Das Vermächtnis von Walter Rudersdorf bedeutet Geschenk und Auftrag für nachfolgende Generationen. In: Nassauische Neue Presse. 21. September 2011, abgerufen am 1. August 2012.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlfred Sehr (Kurzzeichen: sal): Moderne Zeiten im Museum. In: Nassauische Neue Presse. 10. Juli 2012, abgerufen am 1. August 2012.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVolker Thies: Die Ellarer Schulchronik gibt es jetzt als Buch. In: Nassauische Neue Presse. 18. Mai 2012, abgerufen am 1. August 2012.
  4. Staatsanzeiger für das Land Hessen, Nr. 2 Seite 166; 12 Januar 2004