Lahr (Westerwald)

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Lahr
Koordinaten: 50° 30′ 35″ N, 8° 7′ 37″ O
Höhe: 257 (210–398) m ü. NHN
Fläche: 7,41 km²
Einwohner: 1273 (Jan. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 65620
Vorwahl: 06479
Ansicht von Lahr
Ansicht von Lahr

Lahr ist ein Ortsteil der Gemeinde Waldbrunn (Westerwald) im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Der Ort liegt am Kerkerbach am südlichen Rand des Oberwesterwaldes. Er hat etwa 1300 Einwohner. Der 782 erstmals erwähnte Ort hatte als Kirch- und Marktort lange eine zentrale Bedeutung für die umliegenden Dörfer. Noch heute wird das Ortsbild des ehemaligen Haufendorfs von der romanischen Pfeilerbasilika St. Johannes Enthauptung bestimmt. Von 1337 bis 1866 gehörte der Ort, mit Unterbrechungen, zum Machtbereich des Hauses Nassau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kerkerbach nahe der Schlagmühle
Der ehemalige Basaltsteinbruch „Füllburg“ zwischen Lahr und Waldernbach

Lahr liegt im südlichen Westerwald, etwa 18 Kilometer nördlich von Limburg an der Lahn, 12 Kilometer westlich von Weilburg und 13 Kilometer östlich von Westerburg. Der Ort liegt in Hessen und ist etwa zwei Kilometer von Rheinland-Pfalz entfernt. Die Gemarkung hat eine Größe von 7,41 km². Der Ort liegt an der Westgrenze innerhalb der Gemarkung. Der größte Teil der Gemarkung erstreckt sich daher östlich des Ortes Richtung Merenberg und Heckholzhausen. Hier ist die Grenze etwa 2 bis 2,5 km vom Ortsrand entfernt.

Die angrenzenden Orte sind, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn: Waldernbach (Gemeinde Mengerskirchen), Merenberg (Gemeinde Merenberg), Heckholzhausen (Gemeinde Beselich), Hintermeilingen mit Schlagmühle, Ellar, Hausen, Fussingen (Gemeinde Waldbrunn Westerwald), Neunkirchen (Verbandsgemeinde Rennerod). Neunkirchen gehört zum Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz, die übrigen Orte zum Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen.

Lahr liegt in der ehemals versumpften Quellmulde des Kerkerbachs, oberhalb von 210 m.ü.NN und ist von bewaldeten Basalthöhenrücken umgeben. Weitere Quellen des Kerkerbachs befinden sich bei Fussingen. Die höchste Erhebung ist der Backenscheid mit 390 m.ü.NN, gefolgt vom Berg Füllburg mit 358 m.ü.NN, beide nördlich von Lahr Richtung Waldernbach. Dieser Rücken setzt sich östlich über den Pilzberg (346 m.ü.NN), Steinbühl und Maiberg (290 m.ü.NN) bis an den Kerkerbach fort. Nach Süden ist das Tal geöffnet, hier schlängelt sich der Kerkerbach Richtung Heckholzhausen. Südlich des Kerkerbacheinschnitts zwischen Lahr und Hintermeilingen erstreckt sich ein Höhenrücken aus den Bergen Honig (312 m.ü.NN) Steinkopf (329 m.ü.NN) und Obernholz (331 m.ü.NN) Richtung Ellar.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologische Karte der „Lahn/Dill-Region“ und angrenzender Gebiete. Lahr liegt hierauf im Westen im Westerwald zwischen Westerburg und Weilburg

Der Ort liegt im Übergangsbereich zwischen dem Oberwesterwald und dem Limburger Becken im Oberwesterwälder Hügelland. Der Untergrund besteht aus oberdevonischem Schiefer, der am Kerkerbacheinschnitt in Richtung Heckholzhausen hervortritt. Diese Schicht besitzt ein Alter vor etwa 300 Millionen Jahren. Über dieser Schicht haben sich tertiäre Ablagerungen, vor allem während der Miozänzeit vor etwa 20 Millionen Jahren, gebildet. Diese bestehen im Wesentlichen aus Basalten und Tonen, aber auch Braunkohle, Phosphorit, Kupfererzen, Pyrit, Eisenerzen und Manganerzen. Der Oberboden ist lößhaltig.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7,5 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 750 Millimeter und ist damit etwas geringer als im Oberwesterwald. Durch die mittlere Höhenlage zwischen dem Lahntal und dem hohen Oberwesterwald gibt es nur wenige Nebeltage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karte der Topographische Aufnahme der Rheinlande von 1819, auf der Lahr verzeichnet ist

Der Ort wurde wahrscheinlich bereits während einer vorgermanischen Siedlungsperiode gegründet. Von der Dornburg, dem Heidenhäuschen, bei Fussingen und nahe Heckholzhausen sind Funde bekannt, die eine keltische Besiedlung während der späten Hallstattzeit und der La-Tène-Zeit belegen.

Nach einer Urkunde vom 10. Juni 782 schenkte ein gewisser Frechkolf dem Kloster Lorsch Ländereien „in Pago Logenehe in villa Lara“. Bei dieser Urkunde könnte es sich um die älteste Erwähnung des Ortes Lahr handeln. Die Zuordnung der Urkunde ist jedoch umstritten, da sie sich auch auf Lohra bei Marburg beziehen könnte.

Die erste eindeutige urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1213. Lahr war der Zentralort der Zente Lahr und Sitz der Pfarrei des gleichnamigen Kirchspiels. Die Zente Lahr war Teil des Amtes Ellar. Zur Zente und zum Kirchspiel gehörten 14 Ortschaften. Neben den heute zur Gemeinde Waldbrunn gehörenden Orten Ellar, Hausen, Fussingen, Lahr und Hintermeilingen waren dieses der Ort Waldernbach und die heutigen Wüstungen Oberlahr, Bortelbach, Brechelbach, Breitenbach, Winnau, Renderode, Graleshofen und Oberndorf.

Die Wüstungen Oberlahr (zwischen Lahr Waldernbach und Fussingen) und Gralshofen (etwa ein Kilometer östlich von Lahr) lagen im Bereich der heutigen Gemarkung. Oberlahr ist wie Lahr 1213 erstmals Urkundlich erwähnt worden[2]. Oberndorf lag etwa ein Kilometer südlich von Ellar, Brechelbach zwischen Hausen und Neunkirchen am Lasterbach, Breitenbach östlich von Waldernbach die übrigen im heutigen Wald zwischen Waldernbach Elsoff und Neunkirchen. An Oberndorf erinnert der Oberndorfer Hof, der sich am ehemaligen Standort befindet.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende der Karolingerzeit gehörte das Amt Ellar mit den vier Zenten zum Niederlahngau des Herzogtums Franken. In Lahr bestand ein Gericht der Herren von Molsberg das aber bereits im 13. Jahrhundert an die Grafschaft Diez überging. Die Grafen von Diez verlegten das Gericht nach Ellar. Dieser Schritt war gegen die Herren von Westerburg gerichtet, die als Vögte des Stift St. Severus in Gemünden auch die Vogteirechte über das Kirchspiel Lahr besaßen.

Ab dem Jahr 1315 war die Zente Lahr an die Herrschaft Merenberg verpfändet. Die Einlösung erfolgte vor 1333. Im Jahr 1337 verpfändete die Grafschaft Diez die Gebiete erneut, diesmal an das Haus Nassau-Hadamar. Die Einlösung erfolgte zwischen 1356 und 1362.

Im Jahr 1367 trat die Grafschaft Diez das Amt Ellar mit der Zente Lahr als Mitgift an die Grafschaft Katzenelnbogen ab. Nach dem Ende des Erbfolgestreits der Grafschaft Nassau-Hadamar erhielt 1408 das Haus Nassau-Dillenburg ein Drittel des Amtes Ellar, der Rest verblieb bei der Grafschaft Katzenelnbogen.

Mit dem Tod von Philipp von Katzenelnbogen 1479 starben die Grafen von Katzenelnbogen im Mannesstamm aus. Es kam zu einem lang anhaltenden Streit zwischen den Grafen von Nassau-Dillenburg und der Landgrafschaft Hessen um das reiche Erbe. Als nächster Verwandter Philipps ergriff Heinrich III. von Hessen-Marburg Besitz des Katzenelnbogener Erbes. Die hessischen Landgrafen verkauften 1534 die Hälfte ihres Anteils an Kurtrier. Mit dem Vergleich im Katzenelnbogener Erbfolgestreit 1555 kam das Amt Ellar komplett an Nassau-Dillenburg.

Grenzstein 113 der Grenze zwischen Oranien-Nassau und Nassau-Weilburg

Bei der Erbteilung des Hauses Nassau-Dillenburg im Jahr 1607 wurde das Amt Ellar der neu gegründete Grafschaft Nassau-Hadamar unter Graf Johann Ludwig zugewiesen. Im Jahr 1650 wurde die Grafschaft zum Fürstentum erhoben. Nach dem Aussterben des Hauses Nassau-Hadamar 1711 wurde das Fürstentum mehrfach zwischen den übrigen Ottonischen Linien des Hauses Nassau geteilt. Lahr fiel 1717 an das Haus Nassau-Dillenburg, 1739 an Haus Nassau-Diez, 1742/43 an das Haus Nassau-Siegen (Katholisch), 1743 wieder an Nassau-Diez als letzte ottonische Linie.

Im Jahr 1806 wurde Lahr in das Großherzogtum Berg eingegliedert. Der Ort war ab 1807 der Hauptort der Mairie Lahr im Canton Hadamar. Dieser gehört zum Arrondissement Dillenburg und damit zum Département Sieg. Nach der Niederlage Napoléon Bonapartes in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde die oranisch-nassauische Landeshoheit wieder hergestellt. Das Haus Oranien-Nassau tauschte seinen Besitz im Westerwald jedoch schon auf dem Wiener Kongress mit dem Königreich Preußen gegen Luxemburg. Das Königreich Preußen übergab noch am selben Tag das Gebiet an das Herzogtum Nassau.

Karte von 1828 des Amt Hadamar im Herzogtum Nassau

Bei der Neugliederung der Ämter im Herzogtum Nassau 1816 wurde Lahr dem Amt Hadamar zugeschlagen. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau gehöre Lahr ab 1866 wieder zum Königreich Preußen. Dort gehörte es der Provinz Hessen-Nassau und dem Regierungsbezirk Wiesbaden an. Im Jahr 1866 wurde durch die preußische Kreis- und Provinzialordnung die nassauische Ämterteilung aufgehoben. Lahr gehörte zum Oberlahnkreis und ab 1886 zum neugegründeten Kreis Limburg.

Im Jahr 1945 wurde der Ort der US-amerikanischen Besatzungszone zugeteilt und somit Teil Hessens. Lahr gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Mit dessen Auflösung 1968 wurde Lahr Teil des Regierungsbezirks Darmstadt und 1981 Teil des Regierungsbezirks Gießen. 1974 wurde der Ort Teil des neu geschaffenen Landkreises Limburg-Weilburg.

Am 1. April 1972 schlossen sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Orte Lahr, Fussingen und Hausen zur Gemeinde Waldbrunn zusammen.[3] Der Name war ein Kompromiss der beteiligten Orte. Am 1. Juli 1974 wurde die alte Gemeinde Waldbrunn mit der Gemeinde Ellar zur neuen Gemeinde Waldbrunn zusammengeschlossen.[3]

Bereits mit Schreiben vom 28. Februar 1973 sprach sich der hessische Innenminister gegen den Namen Waldbrunn als farblos und ortsfremd aus. Zur Unterscheidung von Waldbrunn (Unterfranken) schlug er den Namen Waldbrunn (Hessen) vor. Die Gemeinde trat für den Nemen Waldbrunn (Westerwald) ein. Diesen Namen erhielt sie schließlich am 1. Januar 1977.[3]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Lahr lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[4][5]

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Lahr und Merenberg verlief im Mittelalter die Alte Rheinstraße als eine der Verbindungen von Mainz über Limburg nach Siegen.[6] Wie die andere Altstraßen wurde sie bei dem Bau der neuen Chausseen um 1780 aufgegeben.

Die Bevölkerung lebte überwiegend von dem geringen Ertrag der Landwirtschaft auf den eher kargen Böden. Eine wichtige Rolle nahm über lange Zeit die Schafzucht ein. Die Landwirtschaft war seit dem Mittelalter in der Dreifelderwirtschaft organisiert. Es bestand Mühlenbann auf Mühlen in Hausen und bei Waldernbach. Der große Wald war der Grafschafter Wald am Pilsberg. Dieser war eine Domänenwald, die Nutzung durch die Bevölkerung führte wiederholt zu Konflikten mit der Obrigkeit.[7]

Durch die Realerbteilung entstanden immer kleinere Höfe, was dazu führte, dass die Bevölkerung versuchte, weitere Einkunftsquellen zu erschließen. Um die wirtschaftliche Situation aufzubessern, waren viele Einwohner nebenher noch handwerklich tätig. Der wichtigste Handwerkszweig war das Mannemachen (Korbflechten). Hier war Lahr vor allem für die Backmannen, flache Körbe für den Einsatz in Bäckereien, berühmt.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) kam das wirtschaftliche Leben zum Erliegen. Durchziehende Soldaten fügten der Bevölkerung mit ihren Plünderungen erheblichen Schaden zu. Die schlechte Versorgung führte zur Ausbreitung von Seuchen. 1679 hatte Lahr noch nicht die Anzahl der Einwohner erreicht, die vor Beginn des Krieges in dem Ort lebten.

Im 18. Jahrhundert setzte das Hausiererwesen ein. Die Handelsrouten der Sachsengänger reichten vom Rheinland bis nach Sachsen und in die Schweiz. Gehandelt wurde vor allem mit Töpferwaren, Wäsche und Kleidung. Die Obrigkeit versuchte ab 1730 dieses Gewerbe mit der Krämerzunftordnung für die Kirchspiele Frickhofen und Lahr in geordnete Bahnen zu lenken. Ebenfalls um 1730 begann der Anbau von Kartoffeln auf den Brachfeldern[8].

1780 wurde der Jahrmarkt in Lahr als bedeutendster Jahrmarkt und das Kirchspiel Lahr als das einträglichste in Oranien-Nassau bezeichnet. Der Markt fand jährlich am Dienstag nach dem 15. Juli und vier Wochen später, Mitte August, statt. Auf dem Markt, der auch von Bewohnern des Fürstentums Nassau-Weilburg besucht wurde, wurden etwa 300 Stück Rindvieh verkauft.

Laderampen der Tongruben Maria und Barwir II an der ehemaligen Kerkerbachbahn in der Nähe der Schlagmühle

Während der Herzoglich-Nassauischen Epoche kam es zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum. Viele Bewohner waren weiter als Hausierer unterwegs. In Lahr wurde Brauneisenstein und Walkerde abgebaut.

Im Jahr 1905 wurde der Bahnhof Schlagmühle eröffnet, der Lahr an die Kerkerbachbahn anschloss. Der Bahnhof Lahr lag rund zwei Kilometer außerhalb des Ortes und damit etwa gleich weit entfernt wie der Bahnhof Fussingen und der Bahnhof Schlagmühle. Der Bahnhof Lahr diente hauptsächlich als Güterbahnhof für Bergbauprodukte und Holz. Die Gemeinde beteiligte sich am Bau, indem sie für 4000 Mark Aktien der Kerkerbachbahn A.G. erwarb. Durch die Bahn wurde der Warentransport erleichtert, was zu einer Ausweitung des Bergbaus führte. So wurden die Braunkohlegruben Alte Keller (nördlich von Lahr) und Kohlengrube (östlich von Lahr) angelegt. Ebenfalls wurde der Basaltsteinbruch Füllburg (nahe Waldernbach) eröffnet. Dieser verfügte über einen eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke.

Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs waren die „Goldenen Zwanziger“ ein Zeitalter des Aufbruchs. Die Landwirtschaft verlor langsam an Bedeutung. Der letzte Schäfer stellte 1920 seinen Dienst ein. Nach der Flurbereinigung 1919/20 endete die seit dem Mittelalter praktizierte Dreifelderwirtschaft und wurde von der Fruchtwechselwirtschaft abgelöst. Immer mehr Bewohner nutzten die bessere Verkehrsanbindung und pendelten als Bauarbeiter in das Rheinland und das Ruhrgebiet. Zeitweilig bestanden Busverbindungen nach Köln und Düsseldorf. Gleichzeitig setzte der Tourismus als Erwerbsquelle ein. Mit der Weltwirtschaftskrise begann die Depression. Es wurde für die Pendler immer schwerer, Arbeit zu finden, und der Tourismus brach ein.

1946 wurde im Grubenfeld „Alte Keller“ wieder mit dem Braunkohleabbau begonnen. Bis zu hundert Menschen arbeiteten dort. Der Höhepunkt der Förderung wurde im Oktober 1948 mit 2.320 Tonnen erreicht[9]. Gemäß Sozialisierungsartikel 41 der Hessischen Verfassung galt die Grube als sozialisiert. Seitens der hessischen Landesregierung wurde daher der Betrieb mit Krediten gefördert und Planungen zur Umwandlung in einen Staatsbetrieb vorgenommen[10]. Aber bereits 1949 wurde die Grube wegen Unwirtschaftlichkeit wieder aufgegeben. Die Kerkerbachbahn wurde ab 1958 wieder stillgelegt und die Gleise bis 1960 abgebaut. Mit dem Ende der Kerkerbachbahn kam auch der Bergbau zum Erliegen.

Im Jahr 1953 wurde der Verkehrs- und Verschönerungsverein gegründet, der sich um eine Belebung des Tourismus kümmerte. Mit der Zunahme des Fremdenverkehrs erreichte Lahr am 7. November 1973 die staatliche Anerkennung als Erholungsort. Im Jahr 1980 folgte der Beitritt zur Initiative Ferienland Westerwald-Lahn-Taunus. Am 21. Juni 1983 folgte die staatliche Anerkennung als Luftkurort. Das sich ändernde Reiseverhalten in den 1980er und 1990er Jahren führte zu einem Abflauen des Tourismus. In den 1980er Jahren bestanden Pläne der hessischen Landesregierung das Gebiet zwischen Lahr und Merenberg als Standort einer Wiederaufarbeitungsanlage zu nutzen[11]. Aufgrund von Protesten der Bevölkerung wurden die Pläne jedoch nie umgesetzt.

Die fortschreitende technische Entwicklung führte zu einer schrittweisen Abkehr von der Landwirtschaft. Die Pendlerbewegung verschob sich zunehmend ins Rhein-Main-Gebiet.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostseite der historischen Kirche mit Chor und Wehrturm

Die alte Pfarrkirche, eine romanische Pfeilerbasilika wurde im 13. Jahrhundert erbaut, sie war Mittelpunkt einer wahrscheinlich früher gegründeten Urpfarrei. Der früheste bekannte Pfarrer war der Dekan Herr Dietrich, der als Zeuge am 1. Juli 1284 eine Urkunde für das Kloster Beselich siegelte. Filialkirchen waren die Appenkirche bei Merenberg und die Liebfrauenkirche am Seeweiher bei Mengerskirchen.

Mit dem Einsetzen der Reformation in Nassau-Weilburg wurde 1532 die Appenkirche aus dem Kirchspiel herausgelöst. Vier Jahre später setzte die Reformation auch in der Grafschaft Nassau-Dillenburg ein. Die Pfarrei wurde lutherisch. Um 1557 wurde der Calvinismus eingeführt. Im Zuge der Reformation wurde 1582 die Kirchspielschule für die Region gegründet. Johann Ludwig von Nassau-Hadamar veranlasste 1630 die Rekatholisierung.

Seit dem 17. Jahrhundert sind im Bereich des Kirchspiels Lahr wohnende Juden belegt. Zentrum der Gemeinde war die 1717 gegründete Synagoge in Ellar. Bis 1843 war die jüdische Gemeinde im Amt Ellar auf 124 Mitglieder angewachsen. Bestrebungen eine weitere Synagoge in Lahr einzurichten scheiterten an der mangelnden finanziellen Leistungsfähigkeit der Gemeinde. Um die bestehende Gemeinde zusammenzuhalten ging die herzoglich nassauische Regierung energisch gegen die Winkelgottesdienste in Lahr vor.

Im Jahr 1806 wurde, nach der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Berg, die Sommerschule eingeführt. Nachdem der Ort an das Herzogtum Nassau gefallen war, wurde im Rahmen der Schulreform die Kirchspielschule 1817 in staatliche Trägerschaft übernommen. Im folgenden Jahrhundert gründeten die zur Pfarrei gehörenden Orte zunehmend eigene Pfarreien. Die Freiheitsbewegung des Jahres 1848 hatte zur Folge, dass die Lahrer Katholiken wieder viele Jahrzehnte zur Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich pilgerten und dort eindrucksvoll ihren Glauben kundgaben.[12]

In den Jahren 1964 bis 1966 wurde die neue Kirche erbaut und am 30. Oktober 1966 eingeweiht.

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert ist wenig über das Dorf überliefert. Die meisten Urkunden betreffen Hoheitsrechte oder sind der Kirchengeschichte zuzuordnen. So befreiten die Grafen von Nassau-Dillenburg und Katzenelnbogen die Orte des Kirchspiels 1450 gegen Zahlung einer jährlichen Abgabe von Frondiensten[13].

Im Jahr 1614 wütet eine Pestepidemie in Hintermeilingen, Ellar und Lahr. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurden das Dorf fast zerstört. Andere Orte in der Nachbarschaft verschwanden von der Karte. 1619 plünderten bayrische und habsburgische Soldaten den Ort. 1622/23 nahmen die Truppen des kaiserlichen Generals Johann t’Serclaes von Tilly im Westerwald Winterquartier. Im Amt Ellar wurden holsteinische Truppen untergebracht. 1624 wurde der Ort erneut von kaiserlichen Truppen geplündert. 1632/33 kam es zu starken Verheerungen durch schwedische Truppen. In der Folge brach die Pest unter der notleidenden Bevölkerung aus. Bereits 1636/37 brach die Pest erneut aus. Der Jesuitenpater Rutger Hesselmann machte sich um die Krankenpflege in Lahr verdient. Er starb an der Pest am 30. April 1637 und wurde auf Wunsch der Fürstin Ursula von Nassau-Hadamar in der Liebfrauenkirche in Hadamar bestattet. 1640 nahmen die schwedischen Truppen im Amt Ellar Quartier. Auf einen Einwohner kamen zwei Soldaten. 1646 wurde Lahr erneut von kaiserlichen Truppen geplündert, die alles bis auf wenige Häuser niederbrannten. Während des Dreißigjährigen Krieges fielen fünf Einwohner aus Lahr als Soldaten im kaiserlichen Dienst.

Im Jahr 1736 beteiligen sich die Lahrer Bauern am „Klöppelstreit“, einen Aufstand gegen den neuen Landesherren in Dillenburg. Ursache war die Kriegssteuer, die Fürst Christian von Nassau-Dillenburg den Dörfern auferlegt hatte. Die Bauern jagten die Pfändungsbeamten aus den Dörfern. Ungefähr 1600 Bauern versammelten sich zu einem Heerlager am Seeweiher bei Mengerskirchen. Vieh und bewegliches Vermögen hatten die Bauern über die nahen Grenzen in andere Herrschaften gebracht. Gleichzeitig riefen die Bauern das Reichskammergericht an. Das Gericht bestätigte am 13. Juni 1736 jedoch Christian von Nassau-Dillenburg in seinem Recht und verurteilte die Bauern zu einer Geldstrafe. Christian musste aber die Fürsten von Nassau-Weilburg um Hilfe bitten, um das Urteil zu vollstrecken.

Das Mordkreuz für Wilhelm Keyl

Im Siebenjährigen Krieg war das Dorf 1759 zeitweise von französischen Truppen besetzt. Von diesen wurde der Waldernbacher Bauer Wilhelm Keyl am Backenscheid zwischen Lahr und Waldernbach erschossen.[14] An die Tat erinnert bis heute das Mordkreuz, das die Steller der Tat anzeigt.

Während des 18. Jahrhunderts kam es wiederholt zu Streitigkeiten mit Merenberg über den Grenzverlauf im Bereich des Pilzbergs. Dieser Streit belastete das Verhältnis zwischen Nassau-Hadamar und Nassau-Weilburg. Er gipfelte in der Erteilung des Schussbefehls an den Nassau-Weilburgischen Förster in Merenberg auf alle Lahrer die den von Merenberg beanspruchten Wald nutzten. Mit der Abmarkung der Grenze 1772/73 wurde der Streit beigelegt.[7] Am 4. März 1790 wütete im Ort eine Feuersbrunst, die erheblichen Schaden verursachte.[7]

Während des Ersten Koalitionskrieges kam es ab 1792 wieder zu Truppendurchmärschen und Einquartierungen. Im Jahr 1795 plünderten französische Truppen die Orte im Amt Ellar. Nach einer Aufstellung des Amtmanns Creutzer betrug von 1795 bis 1800 die in Lahr entstandene Schäden 57.369 Gulden 24 Albus und 4 Pfennig. Aus Lahr waren am 21. November 1810 sechs Personen im französischen Militärdienst.[15]

Herzogtum Nassau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des 19. Jahrhunderts kam es vereinzelt zu Auswanderungen nach Nordamerika. Zu den Auswanderern gehörte sogar der Lahrer Bürgermeister und Müller der Vöhlermühle Wilhelm Heun, der 1867 mit seiner Familie nach Nebraska, Colfax County, auswanderte und dort den Ort Heun gründete.[16]

Im Jahr 1830/31 grassiert eine Fleckfieber-Epidemie, an der der Schullehrer Bausch starb. Dies war Anlass, den längst geplanten Bau eines neuen Schulgebäudes voranzutreiben. 1833 wurde dies im Bornweg eingeweiht. Im Jahr 1839 wurde der Gesangverein zum ersten Mal erwähnt. Er ist somit einer der ältesten Gesangvereine des Westerwalds.

Im Oktober 1848 erreichte die Deutsche Revolution den Westerwald. Nach anfänglichen Tumulten und Steuerverweigerungen brach offener Widerstand aus, als das Militär versuchte, Pfänder für die Steuern einzutreiben. Am 5. Februar 1849 kam es zu flächendeckenden Ausschreitungen. In Lahr setze die Bevölkerung gewaltsam den Schultheiß ab[17]. Mit Wilhelm Heun wurde 1849 erstmals ein Bürgermeister durch die Bevölkerung gewählt. Im gleichen Jahr wurde der Lahrer Pfarrer Johann Georg Rau Mitglied der nachrevolutionären Landstände des Herzogtums Nassau.[9]

Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Deutsch-Französischen Krieg werden 27 Einwohner als Soldaten eingezogen, zwei sterben während des Feldzuges.[9] Am Ende des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung so stark gewachsen, dass das Schulgebäude am Bornweg nicht mehr ausreichte. Daher wurde 1899 ein neuer Schulhausbau in der Gartenstraße begonnen. Bereits 1904 wurde in Lahr eine flächendeckende Wasserversorgung für die meisten Häuser errichtet. Dies war das erste Wasserversorgungsnetz im heutigen Waldbrunn. Im Jahr 1907 wurde die Freiwillige Feuerwehr Lahr gegründet.

Während des Ersten Weltkriegs fielen 29 Einwohner bei Kampfhandlungen, 6 Einwohner wurden als vermisst gemeldet.[18] Am 28. Februar 1924 gab es das erste elektrische Licht in Lahr, 1925 das erste Motorrad. Am 22. Dezember 1926 wurde die Kraftpostlinie nach Hadamar eröffnet. In der Konditorei von Bäcker Schardt ertönte das erste Radio. Schilder mit Straßennamen wurden von der Gemeinde am 17. Juni 1927 angeschafft. Zeitweise bestand ein Heimatmuseum im Rathaus.

Die Aufbruchstimmung endete mit der Weltwirtschaftskrise. Die arbeitslose Bevölkerung errichtete in den Jahren 1929 bis 1931 eine Turnhalle und den Sportplatz am Merenberger Weg. 1932 schlossen sich 60 Jugendliche zum freiwilligen Arbeitsdienst zusammen und bauten die Straße nach Heckholzhausen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurden die Dorfvereine entweder gleichgeschaltet oder stellten ihre Arbeit ein. Zumindest das Wirken der NS-Tötungsanstalt Hadamar war der Bevölkerung bekannt. Im September 1936 lag Lahr in einem ausgedehnten Manövergebiet. Während des Zweiten Weltkriegs fielen 45 Einwohner, 17 Einwohner wurden als vermisst gemeldet.[18]

Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bevölkerungsanteil der Heimatvertriebenen betrug 8 Prozent im Jahr 1961 und war deutlich geringer als im Kreis Limburg insgesamt (19 Prozent). Der größte Teil der Heimatvertriebenen stammte aus der damaligen Tschechoslowakei.

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurde Lahr vom allgemeinen Aufschwung (Wirtschaftswunderzeit) erfasst. Die Gemeinde entwickelte eine rege Bautätigkeit. Es wurde 1968 eine neue Schule in der Flur „vor Weltersbühl“ gebaut. Im selben Jahr wurde ein neues Wasserwerk an der Straße nach Waldernbach angelegt. Zwischen 1968 und 1972 wurde eine neue Sporthalle erbaut. 1974 erfolgte ein Ausbau des Sportplatzes. Im Jahr 1982 feierte der Ort sein 1200-jähriges Bestehen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lahr leben Einwohner aus 18 Nationen. Der Ausländeranteil beträgt sieben Prozent. Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe hat die portugiesische Staatsangehörigkeit, gefolgt von Bürgern aus Serbien und Montenegro[19].

Die vorherrschende Religion ist Römisch-katholisch. Ungefähr 70 Prozent der Einwohner gehören diesem Glauben an[19]. Die katholische Kirchengemeinde unterhält zwei Kirchen im Ort, betreibt den Kindergarten und das Ferienheim „Winnau“. Mit den Sternsingern, den Klapperbuben und der Fronleichnamsprozession wirkt die Gemeinde im Dorf über die Kirche hinaus. Zahlreiche Bildstöcke und Wegkreuze prägen das Ortsbild und die Gemarkung.

Ungefähr 16 Prozent der Einwohner gehören der evangelischen Kirche an. Die nächste evangelische Kirche ist in Heckholzhausen. Rund 14 Prozent der Einwohner gehören anderen Religionsgruppen an oder sind konfessionslos[19].

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lahr: Einwohnerzahlen von 1751 bis 2005
Jahr  Einwohner
1751
  
380
1789
  
424
1810
  
502
1820
  
643
1830
  
643
1834
  
694
1840
  
714
1846
  
767
1852
  
823
1858
  
779
1864
  
854
1871
  
793
1875
  
833
1885
  
830
1895
  
796
1905
  
776
1910
  
718
1925
  
876
1939
  
918
1946
  
1.156
1950
  
1.116
1956
  
965
1961
  
1.074
1967
  
1.175
1970
  
1.204
1986
  
1.333
2005
  
1.438
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4][20][19]

 Quelle:[20]

Jahr Haushalte
1608 20
1615 21
1624 18
1679 23
1751 65
1804 91
1820 147

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1885: ein evangelischer (= 0.,12 %), 814 katholische (= 98,07 %), 15 jüdische (= 1,81 %) Einwohner
• 1961: 37 evangelische (= 3,45 %), 1035 katholische (= 96,37 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort gehört bei Wahlen zum Deutschen Bundestag zum Wahlkreis 178 Rheingau-Taunus – Limburg, für Wahlen zum Hessischen Landtag zum Wahlkreis "21 Limburg-Weilburg I".

Mit der Gebietsreform ist die Gemeindeverwaltung auf die Gemeinde Waldbrunn (Westerwald) übergegangen. Im Ort besteht ein Ortsbeirat aus fünf Mitgliedern. An der Spitze des Ortsbeirates steht der Ortsvorsteher Ralf Blattmann (Stand: 2018). Der Ortsbeirat hat, gegenüber der Gemeindevertretung, Vorschlags- und Anhörungsrecht in den Angelegenheiten, die den Ort betreffen.[21]

Die Wahl des Ortsbeirats richtet sich nach dem hessischen Kommunalwahlrecht. Dieses sieht das Kumulieren und Panaschieren vor. Die nächste Kommunalwahl findet 2016 statt. Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte für den Ortsbeirat folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften Sitze
2011
Sitze
2006
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 2 3 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 1 0 1
BLW Bürgerliste Waldbrunn 2 2 1
Gesamt 5 5 5

Der Ort führte bis zur Gebietsreform in den 1970er Jahren kein eigenes Wappen.[22] Im Zuge der Gebietsreform übernahm die Gemeinde Waldbrunn (Westerwald) das Wappen des Orts Ellar als Gemeindewappen. Als inoffizielles Wappentier dient dem Ortsteil Lahr ein Hahn, der als Lorscher Gickel bezeichnet wird.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Lahr

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kulturelle Leben des Dorfes wird von den Vereinen getragen. Das Vereinsleben ist von dem traditionellen katholischen Milieu geprägt. Es bestehen Vereine wie die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (gegründet 1900), die DJK Sportgemeinschaft (gegründet 1928) oder die Kolpingsfamilie (gegründet 1946) im Ort. Die Chorgemeinschaft 1839 e.V. ist einer der ältesten Gesangvereine des Westerwalds. Der gemischte Chor ist auch als Kirchenchor tätig.

Die im Jahr 1907 gegründete Freiwillige Feuerwehr Lahr feierte im Jahr 2007 ihr 100-jähriges Bestehen. Sie ist die älteste Freiwillige Feuerwehr in der heutigen Gemeinde Waldbrunn. Mit der am 26. Oktober 1977 gegründeten Jugendfeuerwehr ist sie ein wichtiger Träger der Jugendarbeit im Ort. Seit 2. Mai 2009 gehört auch eine Kinderfeuerwehr dazu.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sporthalle

Der Ort verfügt über eine Sporthalle und einen Fußballhartplatz. Mehrere Vereine wie der Turn- und Sportverein e.V. (gegründet 1921) und die DJK-Sportgemeinschaft (ursprünglicher Name: Edelweiß Lahr) organisieren ein umfangreiches Programm. Die Fußballabteilung des Turn- und Sportvereins e.V. gehörte von 2003 bis 2017 zur Spielgemeinschaft Hausen/Fussingen/Lahr. Seit dem Jahr 2017 gehört sie die FC Waldbrunn an.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schutzgebiet Wiesen nördlich Lahr

Nördlich des Ortes befindet sich mit den Wiesen nördlich Lahr ein Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet. Dieses Schutzgebiet dient besonders den gefährdeten Arten Dunkler (Maculinea nausithous) und Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) als Lebensraum.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Kirchanlage stehen im Ortskern noch einige wenige Fachwerkgebäude, insbesondere die für den Westerwald typischen Einhäuser. Ebenfalls sind einige um 1900 erbaut Häuser erhalten. Diese verfügen zum Teil über eine aufwendige Fassadengestaltung.

Im ehemaligen Rathaus ist ein funktionsfähiges Backes (Gemeindebackhaus) erhalten. Das Gebäude diente auch als Ortsgefängnis und war zeitweise Heimatmuseum, Unterkunft für Wohnsitzlose und Heimatvertriebene, Feuerwehrhaus, und ist heute Vereinsheim des Kleintierzuchtvereins.

St. Johannes der Täufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: St. Johannes (Lahr Westerwald)

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit ist die Kirchanlage „St. Johannes der Täufer“. Sie besteht aus der romanischen Pfeilerbasilika des 13. Jahrhunderts, der neuen oktogonalen Pfarrkirche, den wuchtigen Basaltstützmauern, dem Pfarrhaus, Resten des alten Kirchspielfriedhofs und einem geschützten Bestand an alten Linden.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Feste des katholisch geprägten Dorfes sind der Fastnachtsumzug am Fastnachtsdienstag und die Kirmes im September. Als traditionelle Veranstaltungen bestehen der Frühjahrs- und der Herbstmarkt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Straßenfeste wie das Backesfest, das Feuerwehrfest oder das Pfarrfest.

Seit 2002 findet jährlich die Veranstaltung „Waldbrunn on the Road/Waldbrunn uf de Baa“ statt. Für den Rad-, Wander- und Skatertag werden die Straßen in Waldbrunn und in den Nachbarorten für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Die Veranstaltung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die regionale Küche entspricht der westerwaldtypischen Küche. Diese beschrieb Johann Textor in seiner Nassauer Chronik 1617 mit den Worten: „Die Hausspeisen / so wol bey den Bürgern in den Stätten / als den Bau: und Dorfleuten auf dem Lande / seind entweder von rein: oder aber mit Gersten / Hafern / Bohnen etc. gemengtem Korn gebackene Brot: Bey maalzeiten / und sonst auch wol Weck od' Weizenbrot: frisch Kalb: Hämmel: Schaf: Rind und Schweinenfleisch: Suppen oder Brühe / etwa auch vom Wein / Bier oder Milch gemacht.“[23] Zu dieser Liste ist in den folgenden Jahrhunderten noch die Kartoffel als wichtiges Nahrungsmittel hinzugetreten.

Zu den einheimischen Gerichten gehören z. B. das „Pfännchen“. Hierbei handelt es sich um gebackene Eier mit Speck, Blut- und Leberwurst. Ebenfalls ist der „Dippekuchen“ aus geriebenen Kartoffeln mit gewürfeltem Schinken und Eiern ein traditionelles Gericht, als Beilage wird er mit „Äppelmok“ (Apfelmus) verzehrt. Ein weiteres traditionelles Gericht ist der Eierkäs, eine Süßspeise aus gestockten Eiern mit Milch und Zucker, für dessen Zubereitung mit der „Eierkässeih“ (Eierkäsesieb) ein spezielles Geschirr benötigt wird.

Traditionelle Getränke sind Apfelwein und Kornbrand. Mittlerweile hat das Bier jedoch die vorherrschende Bedeutung. Wie in anderen Orten wurde zu Silvester „Brocksel“ zubereitet, eine Speise aus Lebkuchen, braunem Kandiszucker und Dauborner Kornbrand.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lahr verfügt heute über die ortsüblichen Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Der überwiegende Teil der Bevölkerung pendelt allerdings zur Arbeit nach Limburg oder in das Rhein-Main-Gebiet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lokomotive der Firma Borsig, Baujahr 1901, wurde als Denkmal für die Kerkerbachbahn in Heckholzhausen aufgestellt.

Durch den Ort verlaufen keine Fernstraßen. Die nächsten Anschlussstellen an die Bundesstraße 49 befinden sich in Heckholzhausen. Seit der Stilllegung der Kerkerbachbahn 1958 existiert keine Bahnlinie mehr. Es verkehren jedoch regelmäßig Buslinien nach Limburg an der Lahn. Die Entfernung zum Flughafen Frankfurt beträgt etwa 80 km.

Lahr liegt am Hessischen Radfahrweg R8 und am Kerkerbachtalradweg. Der Ort hat ein ausgedehntes Netz an ausgeschilderten Wanderwegen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lahr besteht der katholische Kindergarten „St. Johannes der Täufer“ seit 1954. Der Ort verfügt über eine Grundschule. Als weiterführende Schule dienen als Haupt- und Realschule die Westerwaldschule in Waldernbach. Das nächste Gymnasium ist in Hadamar, weiterhin werden weiterführende Schulen in Limburg an der Lahn besucht.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lahr sorgt die Freiwillige Feuerwehr Lahr, gegr. 1907 (seit 26. Oktober 1977 mit ihrer Jugendfeuerwehr und ab 2. Mai 2009 mit Kinderfeuerwehr) für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfons Heun oCist. (* 17. Juli 1898 in Lahr, † 28. Juni 1984 in Dernbach bei Kloster Marienstatt), Besuchte das Gymnasium des Internats im Kloster Marienstatt. Nach der, Priesterweihe am 16. Juni 1924 trat er in den Zisterzienserorden ein. Ab 1927 übernahm er die Leitung des Wiederaufbaus der verwaisten Kloster Hardehausen in Westfalen dessen erster Abt er wurde. Nach der Auflösung des Klosters durch die NS-Regierung 1938 wendete er sich nach Brasilien und gründete das Kloster Hardehausen-Itatinga in Itatinga. 1957 kehrte er nach Deutschland zurück. Bis zu seinem Tod war er in Deutschland für den Zisterzienserorden tätig. Er war Ehrenbürger seiner Geburtsgemeinde die im 2008 angelegten Neubaugebiet eine Straße nach ihm benannte.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rutger Hesselman, Jesuitenpater, († 30. April 1637), der zur Rekatholisierung des Fürstentums Hadamar gekommen war. Er machte sich während einer Pestepidemie um die unermüdliche Pflege der Kranken verdient und wurde in der Pfarrkirche Liebfrauen in Hadamar bestattet. Nach ihm ist in Lahr eine Straße benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann-Josef Hucke (Hrsg.): Großer Westerwaldführer. 3. Auflage. Westerwald-Verein e.V., Montabaur 1991, ISBN 3-921548-04-7.
  • Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1999. ISBN 3-922244-80-7
  • Walter Rudersdorf: Im Schatten der Burg Ellar. Hrsg.: Gemeinde Ellar/Westerwald. Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1967.
  • Walter Rudersdorf: Waldbrunn/Westerwald - Vom Bauerndorf zum Luftkurort. Hrsg.: Gemeinde Waldbrunn Westerwald. 1. Auflage. Geiger-Verlag, Horb 1986. ISBN 3-89264-015-7
  • Walter Rudersdorf: Chronik Hausens - Geschichte eines Westerwalddorfes. Hrsg.: Der Gemeindevorstand der Gemeinde Waldbrunn. 1. Auflage. Kissel-Verlag, Beselich 1988.
  • Hessischer Rundfunk (Hrsg.): Hessen à la carte, Würziges aus dem Westerwald. Nr. 7. Hessischer Rundfunk, Frankfurt 22. Juni 1988.
  • Bernhard Hemmerle: Erhaltene mittelalterliche Glocken im Landkreis Limburg-Weilburg. In: Kreisheimatstelle des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsg.): Jahrbuch 2006. Rekom, Wetzlar 2005, S. 259–264.
  • Sascha Braun: Ein wahres Schmuckstück. In: Bistum Limburg (Hrsg.): Der Sonntag. Nr. 26, 15. Juli 2007, S. 11.
  • Armin M. Kuhnigk: Die 1848 Revolution in der Provinz. 2. Auflage. Lange, Camberg 1980. ISBN 3-87460-028-9
  • Falko Lehmann: Kulturdenkmäler in Hessen Landkreis Limburg-Weilburg. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Band 1. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1994. ISBN 3-528-06243-6
  • Falko Lehmann: Kulturdenkmäler in Hessen Landkreis Limburg-Weilburg. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Band 2. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1994. ISBN 3-528-06243-6
  • Christian Daniel Vogel: Beschreibung des Herzogthums Nassau. Wilhelm Beyerle, Wiesbaden 1844.
  • Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (Hrsg.): 5414 Mengerskirchen Topographische Karte 1:25000. 2005.
  • Literatur über Lahr in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lahr – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner Waldbrunn Westerwald HW (Memento vom 9. November 2013 im Internet Archive) (PDF; 20 kB)
  2. Walter Rudersdorf: Aus dem Historischen Kalender 2000 in Waldbrunner Nachrichten Nr. 1/2/200 S. 19
  3. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369, 370 und 384.
  4. a b c Lahr, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Falko Lehmann, Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen Landkreis Limburg-Weilburg. 1 Seite 14
  7. a b c Akten der Nassau-Oranischen Regierung Dillenburg (bis 1806) in Hessischem Hauptstaatsarchiv Abteilung 172
  8. Walter Rudersdorf: Aus dem Historischen Kalender 2000 in Waldbrunner Nachrichten Nr. 1/2/200 S. 19
  9. a b c Hans-Peter Schick: Lahr im Westerwald in 1966–1986; DJK SG Blau-Weiß Lahr e.V.
  10. Hessischer Landtag: Drucksache 268 vom 24. Dezember 1948
  11. Hessischer Landtag: Plenarprotokoll 76. Sitzung vom 6. Mai 1982 Seite 4680
  12. Franz-Josef Sehr: 250 Jahre Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2017. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 2016, ISBN 3-927006-54-8, S. 137–141.
  13. Walter Rudersdorf: Aus dem Historischen Kalender 2000 in Waldbrunner Nachrichten Nr. 1/2/200 S. 19
  14. Walter Rudersdorf: Ein vergessenes Mordkreuz im Wald in Waldbrunner Nachrichten Nr. 8/16/96
  15. Walter Rudersdorf: Im Schatten der Burg Ellar 1967
  16. Christof W. Martin: Der Lahrer Bürgermeister Wilhelm Heun – Pionier im „Wilden Westen“ von Nebraska. In: 50 Jahre Kolpingsfamilie Lahr. S. 32–43.
  17. Armin M. Kuhnigk: Die 1848 Revolution in der Provinz. 2. Auflage. Lange, Camberg 1980. ISBN 3-87460-028-9
  18. a b Walter Rudersdorf: Chronik Hausen. Waldbrunn 1998, S. 160.
  19. a b c d Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.waldbrunn-info.deEinwohnerstatistik der Gemeinde Waldbrunn (Westerwald) (Stand: Januar 2005)
  20. a b Walter Rudersdorf: Waldbrunn/Westerwald. Vom Bauerndorf zum Luftkurort. Hrsg.: Gemeinde Waldbrunn Westerwald. 1. Auflage. Geiger-Verlag, Horb 1986, ISBN 3-89264-015-7.
  21. Geschäftsordnung des Ortsbeirat (Stand: 21. September 2007; PDF; 62 kB)
  22. Karl Ernst Demandt: Hessisches Ortswappenbuch 1956
  23. Zitiert in: Hessischer Rundfunk (Hrsg.): Hessen à la carte, Würziges aus dem Westerwald. Nr. 7, Hessischer Rundfunk, Frankfurt 22. Juni 1988