Versorgungstechnik

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Versorgungstechnik-Installation in einem Fabrikgebäude
Installation für Prozessversorgung

Unter Versorgungstechnik werden im Allgemeinen alle technischen Maßnahmen zusammengefasst, die Gebäude, Betriebsstätten und Einrichtungen versorgen.

Versorgungstechnische Anlagen können der energetischen (z. B. Beheizung, Informationen oder Strom) und stofflichen (z. B. Wasser, Gas) Versorgung und der Entsorgung (Abwasser, Abfall) dienen. Welche Anlagen im Einzelnen dazu gezählt werden, ist Kontext abhängig.

Begriffliche Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weder in dem Entwurf der DIN 4749[1] noch im Blatt 1 der VDI 4700[2] wird der Begriff Versorgungstechnik definiert, wohl aber die Technische Gebäudeausrüstung (TGA). Diese bzw. die Gebäudetechnik kann als Teilgebiete der Versorgungstechnik verstanden werden, da sie sich in der Regel nur auf Anlagen innerhalb von Gebäuden bezieht. Die Begriffe werden jedoch oft synonym verwendet.

Anstelle von Gebäudetechnik ist auch noch der Begriff Haustechnik gebräuchlich, der sich im engeren Sinne nur auf Anlagen der Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik im Bereich von Wohngebäuden bezieht. Elektrotechnische, elektromechanische und steurungstechnische Anlagen werden so ausgeschlossen.

Zusammengefasst werden Heizungsbau, Kälte-, Klima- und Lüftungstechnik häufig als HKL- oder HLK-Technik, also Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik bezeichnet, in der Schweiz auch als HLKK-Technik für Heizungs-, Lüftungs- Klima- und Kältetechnik. Die internationale Bezeichnung lautet HVAC („Heating, Ventilation and Air Conditioning“).
Oft wird auch die Sanitärtechnik miteinbezogen, so dass sich die Abkürzungen SHK-Technik, also Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder HKLS, für Heizung, Klimatechnik, Lüftung, Sanitär ergeben.

Teilgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versorgungstechnik umfasst:

Eine Einteilung der versorgungstechnischen Anlagen nach Kostengruppen wird in der Kostengliederung der DIN 276 „Kosten im Bauwesen“ vorgenommen (Abschnitt Kostengruppe 400 Bauwerk — Technische Anlagen und 550 Technische Anlagen). Die Gliederung der 2. Ebene der 400er KG aus der DIN 276 wird vielfach genutzt. So teilt die HOAI die Fachplanung der technischen Ausrüstung im Anwendungsbereich nach Anlagengruppen auf. Auch der Verein deutscher Ingenieure (VDI) verwendet strukturiert verschiedenen Richtlinien nach Kostengruppen oder verweist auf diese. Auch die Gliederung des VDI-Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung kann als Richtschnur dienen. Allerdings fällt hier auf, dass dem Bereich Reinraumtechnik ein eigner Fachausschuss gewidmet wurde.[3]

In der nachfolgenden Tabelle sind die einzelnen Teilgebiete den Kostengruppen (KG) der DIN 276 und der Anlagengruppen (AG) der HOAI zugeordnet. Hierbei ist zu beachten, dass die AG der HOAI nach aktueller Kommentierung auch die jeweilig zugehörigen Anlagenteile aus der KG 550 (bis 2018-12: KG 540) umfasst.[4] Dies passt auch zu Abs. 4, §54 der HOAI, wo es heißt: "Nicht anrechenbar sind die Kosten für die nichtöffentliche Erschließung und die Technischen Anlagen in Außenanlagen, soweit der Auftragnehmer diese nicht plant oder ihre Ausführung nicht überwacht."[5]

KG der DIN 276 Bez. der DIN 276 AG der HOAI Bez. der HOAI VDI-Fachausschuss Bemerkung
410 Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen 1 Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen Sanitärtechnik -
420 Wärmeversorgungsanlagen 2 Wärmeversorgungsanlagen Wärmetechnik/Heiztechnik s. a.: Heizungstechnik
430 Raumlufttechnische Anlagen 3 Lufttechnische Anlagen Raumlufttechnik s. a.: Lüftungstechnik und Klimatechnik
440 Elektrische Anlagen 4 Starkstromanlagen Elektrotechnik und Gebäudeautomation (FA-ELT) s. a.: VDE
450 Kommunikations-, sicherheits- und informationstechnische Anlagen 5 Fernmelde- und informationstechnische Anlagen Elektrotechnik und Gebäudeautomation (FA-ELT) -
460 Förderanlagen 6 Förderanlagen Aufzugstechnik (FA-AUF) -
470 Nutzungsspezifische und verfahrenstechnische Anlagen 7 nutzungsspezifische Anlagen und verfahrenstechnische Anlagen - -
480 Gebäude- und Anlagenautomation 8 Gebäudeautomation und Automation von Ingenieurbauwerken Elektrotechnik und Gebäudeautomation (FA-ELT) -
490 Sonstige Maßnahmen für technische Anlagen - - - -

Bei dieser Einteilung unberücksichtig bleiben technische Anlagen, die funktional im direkten Zusammenhang zu Anlagen der KG 300 wie zum Beispiel kraftbetätigte Türen oder Tore, elektromechanischer Sonnenschutz oder RWA-Anlagen stehen.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebäudetechnik ist keine Erfindung der neueren Zeit, bereits in frühesten Wohngebäuden/Hütten sind erste Ansätze technischer Ausstattung zu finden. Bereits in der Antike war die Gebäudetechnik auf hohem Niveau angelangt, so denke man z. B. an die Wasserversorgung im Römischen Reich mit Hilfe von Aquädukten und Leitungssystemen (Bleirohre) oder die schon bei den Kretern und Römern betriebene Fußbodenheizung mittels Durchleitung von Rauchgasen in darunterliegenden Kammern (Hypokaustenheizung).[6]

Jüngere Zeitgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im VDI wurde 1975 die Fachgesellschaft TGA gegründet. Die technische Gebäudetechnik nimmt einen immer größeren Anteil an Aufwand und Kosten von Gebäuden ein. Ihr Anteil im Hochbau beträgt je nach Gebäudeart zwischen 25 % und 60 % der Gesamtbaukosten.[7] Bei komplexen Bauprojekten wird die Gebäudetechnik durch Fachplaner betreut. Der Objektplaner (z. B. ein Architekt) oder ein Projektsteuerer übernimmt nur noch die übergreifende Koordination.

Berufsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum finden sich verschieden Berufe, die mit versorgungstechnischen Anlagen zusammenhängen. Im akademischen Bereich sind eine Reihe Berufsbilder vertreten, die Anlagen entwickeln, fertigen oder planen. In der Regel werden von den mit versorgungstechnischen Anlagen befassten Ingenieuren auf Grund der Komplexität der Materie nur fachliche Teilbereiche der Versorgungstechnik während der beruflichen Tätigkeit abgedeckt.

Ähnlich verhält es sich mit den dualen Berufsausbildungen der Versorgungstechnik: technischen Zeichnern, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Installateur (Schweiz: Sanitärinstallateur). In Österreich ist die Installations- und Gebäudetechnik ein Modullehrberuf. Im Bereich der Aufzugstechnik gibt es in Deutschland aktuell (2016) weder einen Ausbildungsberuf noch einen Studiengang.[8]

Durch eine Aufstiegsfortbildung können Personen im Bereich der Versorgungstechnik zum Techniker werden, zum Beispiel zum Techniker für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird Versorgungstechnik als ein eigenständiger Studiengang an verschiedenen Fachhochschulen angeboten. Die Studienrichtung deckt in der Regel weite Teile der Versorgungstechnik ab, ohne aber alle Teilgebiete im Rahmen der Ausbildung vertiefen zu können.[8] In der DDR hieß der entsprechende Studiengang meist Technische Gebäudeausrüstung. An einigen (Technischen) Universitäten wird Versorgungstechnik als Fachrichtung im Rahmen des Verfahrenstechnik- oder Maschinenbau-Studiums angeboten.

Vor Beginn des Bologna-Prozess wurde nach dem Abschluss des Studiums der akademische Grad "Dipl.-Ing. (FH)" verliehen. Im Bologna-Prozess haben die meisten Fachhochschulen ihre Studiengänge auf das international verbreitete System mit dem Abschluss "Bachelor of Engineering" und dem Aufbaustudium zum "Master of Engineering" umgestellt.

An den Hochschulen werden die Fachbereiche oft noch in Spezialisierungen bzw. Fachrichtungen unterteilt. Die verbreitetste Fachrichtung dürfte die Technische Gebäudeausrüstung sein. Darüber hinaus gibt es z. B. Energie- und Umwelttechnik, Entsorgungstechnik und Facilitymanagement.

Hochschulen und Universitäten, die den Studiengang Versorgungstechnik anbieten, sind z. B.:

Den Abschluss Bachelor of Science in Kältetechnik und Klimatechnik bietet auch die Europäische Studienakademie Kälte-Klima-Lüftung in Frankfurt/Main an.

Regelwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technische Regeln, Normen und Verordnungen, die sich mit dem Bereich der Versorgungstechnik beschäftigen, gibt es sehr viele. Eine eine Auswahl zu treffen, die für alle Interessensgruppen relevant ist und auch mittel- bis langfristig relevant bleibt, erscheint kaum möglich. Das Deutsche Institut für Normung, der VDI, der VdS und weitere relevante Regelsetzer veröffentlichen ihre Regelwerke über den Beuth Verlag.[10] Über die Suche auf der Homepage des Verlages lassen sich die aktuellen Regelwerke finden und beziehen.

Für den Bereich der öffentlichen Verwaltungen in Deutschland gibt der Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) Empfehlungen zu Planung, Bau und Betrieb der Technischen Gebäudeausrüstung heraus.[11]

Die Bundeswehr bedient sich der "Baufachlichen Richtlinien" (BFR), welche vom Fachinformation Bundesbau erstellt und herausgegeben werden.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Daniels: Gebäudetechnik, Ein Leitfaden für Architekten und Ingenieure. vdf, Hochschulverlag an der ETH Zürich, 2000, ISBN 3-7281-2727-2.
  • Thomas Laasch, Erhard Laasch: Haustechnik. 13. Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-8348-1260-5.
  • Wolfram Pistohl: Handbuch der Gebäudetechnik. Band 1: Allgemeines, Sanitär, Elektro, Gas. 7. Auflage. Werner Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-8041-4684-6.
  • Wolfram Pistohl: Handbuch der Gebäudetechnik. Band 2: Heizung, Lüftung, Beleuchtung, Energiesparen. 7. Auflage. Werner Verlag, Köln, ISBN 978-3-8041-4685-3.
  • Edwin Wellpott, Dirk Bohne: Technischer Ausbau von Gebäuden. 9., völlig überarb. und aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018911-5.
  • HLH - "Lüftung/Klima, Heizung/Sanitär, Gebäudetechnik" (ursprünglicher Titel Heizung, Lüftung, Haustechnik), Fachzeitschrift für Technische Gebäudeausrüstung, herausgegeben vom Verein Deutscher Ingenieure

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIN 4749:2018-05 Terminologie
  2. VDI 4700 Bl. 1:2015-10 Begriffe der Bau- und Gebäudetechnik
  3. Bauen und Gebäudetechnik. VDI, abgerufen am 2. Januar 2019./
  4. R. Jochem: HOAI-Kommentar, Springer, 2016, ISBN 978-3658028312, S. 984-995
  5. HOAI 2013. Abgerufen am 2. Januar 2019.
  6. Klaus W. Usemann, Martin Grassnick: Bäder und hygienische Einrichtungen als Zeugnisse früherer Kulturen. Oldenbourg Wissenschaftsverlag 1992, ISBN 978-3486262278.
  7. VDI 6026 Bl. 1:2008-05 Dokumentation in der technische Gebäudeausrüstung, Einleitung, S. 2
  8. a b Qualifizierung in der Technischen Gebäudeausrüstung. VDI, September 2016, abgerufen am 2. Januar 2019.
  9. Unsere Studienangebote - Energiesysteme. Technische Hochschule Mittelhessen, abgerufen am 12. Februar 2019.
  10. Alle Regelwerke im Überblick. Beuth Verlag GmbH, abgerufen am 4. Januar 2019.
  11. Startseite. Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik, abgerufen am 4. Januar 2019.
  12. Richtlinien. BMVg und BMI, abgerufen am 4. Januar 2019.